Sonntag, 14. September 2014

Mikroben im Boden ernähren die Pflanzen

Bodengeheimnisse

 

Autoren: Karel Schelfhout & MIG

 

 Mikroben im Boden ernähren die Pflanzen

 

Der biologische Hanfanbau basiert auf der Produktion von Nährstoffen für Pflanzen durch Pilze, Bakterien und andere Bodenorganismen. Biologischer Anbau ist weniger arbeitsintensiv als die Verwendung von Kunstdünger und ergibt ehrlichen, natürlichen Hanf, der frei von Giftstoffen ist. Diese sehr knappe Erklärung der Funktion des Bodenlebens gibt in groben Zügen wieder, wie es im Boden zugeht.

 

In der Natur fallen Blätter auf den Boden, Tiere scheiden Kot aus, wo es gerade passt und Organismen verdauen tierische Kadaver. Organische (tierische und pflanzliche) Reste verwesen, gelangen in den Boden und dienen als Nahrung für Pflanzen und Bäume. Die Natur kennt keinen Abfall. Bäume im Wald brauchen nie gedüngt oder bewässert zu werden. Der Wald ernährt sich selbst. Organisch.

 

Wenn man den Schritt vom Wald zur Pflanzenzucht macht, gibt es einige große Unterschiede. Zunächst bestimmt der Mensch beim Anbau, welche Pflanze gewünscht wird. Die übrigen Pflanzen gelten als „Unkraut“. Die Wahl des Menschen einer bestimmten Pflanze an einer bestimmten Stelle und unter gewissen Umständen ist nicht immer die logischste. Die Natur würde sich in vielen Fällen für eine andere Pflanze als der Mensch entscheiden.

 

Ein zweiter großer Unterschied beim Anbau von Pflanzen ist, dass die Pflanze (oder die Früchte) bei der Ernte vom Zuchtboden entfernt wird. Wo im Wald die Pflanze nach ihrem Absterben Nahrung für die nächsten Pflanzengenerationen darstellt, wird der Boden in einer Zuchtsituation nicht mehr mit abgestorbenem Pflanzenmaterial ernährt. Der Boden verarmt dadurch. Der Boden hat in sehr kurzer Zeit den Reservevorrat an Nährstoffen für die Pflanzen verbraucht.

 

Kunstdünger

 

Ein Züchter hat dann, grob gesagt, zwei Optionen, um neue Pflanzengenerationen zu ernähren. Die erste Option ist die Ernährung von Pflanzenwurzeln mit synthetisch hergestellter Nahrung. NPK, so steht es mit großen Buchstaben auf Verpackungen von Kunstdünger. Der Züchter ernährt seine Pflanzenwurzeln direkt mit leicht aufnehmbarem Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Die leicht aufzunehmenden synthetischen Nährstoffe bilden eine wahre Verwöhnkur für die Pflanzenwurzeln. Sie brauchen sich nicht mehr anzustrengen, um ihre Nahrung zu bekommen. Die Pflanzenwurzeln entwickeln sich schlecht, gute Wurzeln sind mit einer permanent tropfenden Infusion leicht aufzunehmender Nahrung über dem Kopf ja überflüssig. Die Pflanzen werden faul und träge. Sie trainieren sich nicht. Solche Pflanzen sind empfindlich und bieten wenig Widerstand. Wenn eine krankheitserregende Bakterie oder ein Pilz in der Nähe ist, werden die Pflanzen leicht krank. Der Züchter bekämpft dann den Krankheitserreger mit einer Giftspritze.

 

Organisch

 

Die andere Option ist natürlicher. Die bei der Ernte entnommene Biomasse wird wieder ersetzt. Im Wald wird organischer „Abfall“ von Regenwürmern, Insekten, Protozoen, Nematoden, Pilzen und Bakterien verzehrt. Ein Teil des organischen Abfalls im Wald landet so in den „Mägen“ und Körpern von Mikroben und Insekten. Im Boden fressen die Insekten Mikroben und Mikroben fressen einander. Bei diesem Prozess vom Fressen und Gefressen werden, werden Ausscheidungen und andere Stoffe freigesetzt. Der Kot ist wertvolle Pflanzennahrung, voller Ammonium, Nitrat, Phosphor und vieler anderer Nährstoffe.

 

Regenwurmkot gilt als sehr fruchtbarer Dung. Ein Regenwurm frisst täglich sein Körpergewicht an Nahrung und scheidet den größten Teil davon wieder aus. Millionen Regenwürmer unter einem Acker oder einer Waldfläche in der Größe eines Fußballfeldes produzieren auf diese Weise täglich etwa 2.000 Kilo fruchtbaren Würmerdung. Ganz umsonst!

 

Pilze bauen schwer verdauliche holzige Materialien ab, verzehren aber mit Hilfe der Enzyme auch steinige Teile im Boden. Sie lösen Minerale in Verbindungen auf, die Pflanzen aufnehmen können. Das gleiche gilt für Bodenbakterien, obwohl die sich lieber auf die etwas leichter abbaubaren organischen Materialien stürzen. Bakterien sind wiederum die bevorzugte Nahrung von Protozoen, einzelligen Organismen im Boden. Und Protozoen stehen wiederum auf dem Speiseplan von Nematoden. Ein gesunder Boden ist ein lebendiger Zirkus!

 

Wie bereits erwähnt, „produziert“ das System des Bodenlebens die für Pflanzen notwendigen Nährstoffe. Das Bodenleben benötigt jedoch einen konstanten Input organischen Materials. Im Wald ist dieses Material nachhaltig verfügbar. Überirdisch in Form von gefallenen Blättern und anderen abzubauenden, organischen Materialien. Unterirdisch in Form von Humus, organischem Stoff. Humus ist der schwerer abzubauende Teil des organischen Materials, das der Wald liefert. Er besteht aus noch nicht ganz abgebautem, organischem Material. Eigentlich ist es eine Art Nahrungshalbfabrikat für das Bodenleben. Der Humus ist ein Vorratsschrank für die Pflanze. Pilze und Bakterien, die etwas träger arbeiten, aber schwerer zu verzehrendes Material umsetzen können, ernähren sich von Humus. Der Humus bietet einem Teil des Bodenlebens also eine Art „Slow Food“. Der Vorrat an Humus wird jedoch langsam abgebaut. Eine große Zahl anderer Mikroben ernährt sich ihrerseits wieder von den fleißigen Humusverwertern. Und die Pflanzenwurzeln freuen sich über die freigesetzten Nährstoffe…

 

Training macht stärker

 

Die natürliche Ernährungsweise einer Pflanze funktioniert weniger direkt als Nahrung mit synthetischem Kunstdünger. Die Pflanzen müssen ihr Bestes geben, um an Nahrung zu gelangen, die das Bodenleben ihnen bietet. Das bewirkt „gut trainierte“ Verwurzelungen, die etwas vertragen können. Des Weiteren produzieren Pilze und Bakterien auch Antibiotika und Vitamine. Diese schützen Pflanzen auf eine natürliche Weise gegen Krankheitserreger. Die träge und umständliche Ernährungsweise auf organischer Basis liefert gesunde, starke und widerstandsfähige Pflanzen.

 

Bodenleben

 

Das Bodenleben, der Sammelbegriff für Pilze, Bakterien, Protozoen, Nematoden, Insekten und Regenwürmer, ist eine Gemeinschaft für sich. Ein reiches und vielfältiges Bodenleben bietet Pflanzen alles, was sie zum Überleben brauchen. Die Pflanzen ziehen einige Millimeter um ihre Wurzeln herum viele Mikroben durch das Ausscheiden von Zucker, einer wichtigen Basisnahrung für die Mikroben, an. Rund um die Wurzeln der Pflanzen, in der so genannten Rhizosphäre, leben dadurch bereits bis zu hundertmal so viele Organismen wie an anderen Stellen im Boden. Das Zusammenspiel von Pflanzen, die von Mikroben ernährt werden, und einem Bodenleben, das seinerseits die Pflanze nährt, wird auch das Bodennahrungsnetz genannt.

 

Symbiose, zusammen stärker

 

Eine Symbiose ist eine Arbeitsgemeinschaft von zwei oder drei Organismen, von der alle beteiligten Organismen profitieren. Eine wichtige Symbiose bei Pflanzen ist die Mykorrhiza, eine Arbeitsgemeinschaft von bestimmten Pilzen und Pflanzenwurzeln. Die Wurzeln bieten den Mykorrhizapilzen Zucker und im Gegenzug dafür transportieren die Pilze über ihr ausgedehntes Netzwerk von Schimmelfäden wichtige Nährstoffe zur Pflanze, unter anderem das im Boden schwer zu lösende Phosphor. Der Pilz erledigt das in besonderer Weise. Die Schimmelfäden bohren sich in die Pflanzenwurzeln, aber die Pflanzenwurzeln verzehren anschließend die Schimmelfäden, die randvoll mit Nährstoffen gefüllt sind. Durch die Zusammenarbeit mit den Mykorrhizapilzen vergrößert sich die Oberfläche des Wurzelwerkes der Pflanzen bis zum Faktor 10. Die Mykorrhiza ist für viele Pflanzenarten sehr wichtig.

 

Humus, der Puffer

 

Einige weitere Informationen über Humus. Humus nährt das Bodenleben. Die Humusschicht bietet vielen Bodenorganismen einen idealen Lebensraum. Daneben ist Humus auch ein Wasserspeicher. Humus funktioniert wie ein Schwamm. Wenn es geregnet hat, absorbiert der Humus eine ganze Menge des Regenwassers, um es danach langsam dem Boden zuzuführen, so dass Pflanzenwurzeln auch in trockenen Perioden über Feuchtigkeit verfügen können. Ferner hat der Humus eine wichtige Funktion beim Regulieren des Säuregehaltes im Boden.

 

Kompost, das Werkzeug des Biozüchters

 

Kompost ist die Antwort auf die Frage, wie ein Züchter seinen Boden mit organischem Material ernähren kann, um auszugleichen, was er mit den Ernten entfernt. Die Ernte unterbricht einen Zyklus, der sozusagen mit Kompost wiederhergestellt wird.

 

Kompost ist verwester tierischer und pflanzlicher Abfall. Gartenabfälle, Küchenabfälle und andere natürliche Reste vermodern auf Komposthaufen oder in speziellen Kompostsystemen zu einer kaffeebraunen, lockeren Substanz, die wie frische Erde riecht. Biozüchter füllen die Menge organischen Materials, die sie durch das Ernten der Pflanzen entnehmen, wieder durch eine Kompostschicht auf. Auf diese Weise sorgen sie dafür, dass das Bodenleben weiter Nahrung erhält. Eventuell fügen sie zusätzlich Bodenbakterien und Pilze sowie anderes Bodenleben hinzu. Je bunter das unterirdische Leben im Garten, desto besser wachsen die Pflanzen. Die Bodenorganismen verwandeln den Kompost weiter in Humus und ernähren sich mit einem Teil des organischen Materials, um ihrerseits wieder Nährstoffe für Pflanzen freizusetzen, indem sie selbst wieder gefressen und ausgeschieden werden. Auf diese Weise repariert der Kompost das durch die Ernte gestörte Gleichgewicht. Durch Verwendung von Kompost wird die Bodenbeschaffenheit wieder einigermaßen vergleichbar mit den natürlichen Verhältnissen im Wald.

 

Pestizide, eine abwärts gerichtete Spirale

 

An Pestiziden ist in einer organischen Zuchtumgebung wenig Bedarf. Die Pflanzen sind stark und widerstandsfähig. Die Pflanzen wehren einen Angriff von Krankheitserregern meistens selbst ab, ohne Gift. Zudem sind die giftigen Pestizide schlecht für das Bodenleben. Regenwürmer, Bakterien, Pilze und andere Organismen verschwinden an Stellen, wo Pestizide verwendet werden. In manchen Fällen können bei unerwünschten Insekten oder Krankheiten natürliche Mittel verwendet werden. Oft wird das jedoch gar nicht erforderlich sein.

 

Die Natur existiert bereits viel länger als die Menschheit. Schon lange bevor der Mensch lernte, aufrecht zu gehen, gab es Pflanzen. Die Natur hat mehr Erfahrung, Pflanzen funktionieren zu lassen als die Menschheit es je haben wird. Pflanzen zu züchten, bedeutet, in die Natur einzugreifen. Durch ein weitestgehend naturgemäßes Vorgehen bleibt ein Züchter jedoch so nah wie möglich an der Natur. So erhält ein Züchter einen natürlichen Ertrag, frei von Giftstoffen. Auf diese Weise stört er das natürliche Gleichgewicht so wenig wie möglich.

 

 

 

 
 

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