Montag, 25. August 2014

Same same, but different?

Kritik sollte sachlich bleiben

 

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Zugegeben, im Vergleich mit so einigen Paraden der vergangen Jahre kann man die Hanfparade 2014 mit fast 7.000 Teilnehmern als einen vollen Erfolg verbuchen. Doch angesichts der aktuellen medialen Präsenz von Cannabis als Medizin, Coffeeshop-Modellversuchen und Cannabis Social Clubs ist die Enttäuschung vom Kopf des Orga-Teams, Steffen Geyer, durchaus verständlich. Doch vielleicht sollten sich die Organisatoren mal fragen, ob sie im Vorfeld vielleicht auch ein wenig dazu beigetragen haben, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden.

Wer gegenüber den Medien äußert, „das sind weniger, als wir uns erhofft haben“ und „es seien wieder nur die Leute da gewesen, die immer kämen” diskreditiert sich selbst und eben jene 7.000, die sich trauen und sich die Zeit nehmen, das Cannabisverbot öffentlich zu kritisieren. In München, wo die Demonstration für das Volksbegehren zur Cannabis-Legalisierung wegen zu geringer Teilnehmerzahl ausfallen musste, feierte der Pressesprecher dann eben die knapp mehr als 100 Unterschriften als vollen Erfolg. Das ist positive Medienarbeit, auch wenn die Orga ein wenig klemmt.

 

Klar, alle hätten gerne mehr Familien mit Kinderwägen, Rentner, Anzug- und Lackschuhträger anstatt der „Üblichen Verdächtigen“ begrüßt, doch ein oft zitiertes Sprichwort sagt: „Wie ich in den Wald hinein rufe, so schallt es heraus.“ Mir selbst sind im Laufe der vergangenen Jahre viele gute Ideen unterbreitet worden, wie man den Fokus der Aufmerksamkeit noch besser auf Deutschlands größte Hanfdemo lenken könnte, damit sie wieder ähnliche Dimensionen wie in den 1990er Jahren annimmt. Damals konnten sich die Veranstalter regelmäßig über fünfstellige Besucherzahlen freuen, 1998 waren es gar 50.000. Einige dieser Ideen hatten kommerziellen Hintergrund, einige waren undurchführbar, ein paar waren wirklich brillant. Die meisten wurden dem Orga-Team beim wöchentlichen Treffen auch vom jeweiligen Initiator vorgeschlagen, nur wenige davon wurden umgesetzt. Ist eine Idee zu kommerziell oder passt nicht in das politische Weltbild des Orga-Teams, stehen die Chancen schlecht, dass sie auf der Demo umgesetzt wird. Klar, es ist wichtig, eine Demo nicht zur Spaßveranstaltung verkommen zu lassen und die politische Botschaft in den Vordergrund zu stellen. Keiner will eine Horde Spaßkiffer mit bunten Sponsoren T-Shirts, deren Message es ist, sich so dicht wie möglich zu dröhnen, während aus den Lautsprechern Werbung für Growboxen ertönt.

 

Aber ist es deshalb wirklich notwendig, einem liebevoll gestalteten Wagen die Teilnahme zwei Tage vor der Parade diskussionslos per E-Mail zu verbieten, weil die politische Message eines Druckerzeugnisses den Organisatoren nicht in den Kram passt? Angeblich sexistische Tendenzen stehen hier immerhin einer Menge Geld, die für das Fahrzeug im Vorfeld aufgebracht wurde, entgegen. Zum zweiten werden die Corpi Delictii, eine Comic-Reihe über eine Berliner Grower-Community, seit vielen Jahren in allen Grow- und Szeneshops vertreiben. Der Inhalt war dem Orga-Team also schon bekannt, als dem Aktivisten die Teilnahme Wochen vorher zugesagt wurde.

Ist es wirklich zielführend, Händlern, die den größten Teil ihrer Werbefläche einer politischen Botschaft widmen würden, die Teilnahme zu verwehren, weil ihr Wagen mehr Aufmerksamkeit als andere auf sich ziehen könnte? Ist es wirklich nötig, dass man jedes Details eines kreativen Beitrags vorher kontrollieren lassen muss, damit man die Demo aktiv mitgestalten kann? Weshalb entwirft man kein Konzept, das auch denen passt, die frustriert von den Orga-Treffen nach Hause gehen, weil oft weniger als zehn Menschen entscheiden, was der Hanfparade und somit der Re-Legalisierung gut tut und was nicht? Wenn das alles notwendig ist, um Cannabis wieder in die Gesellschaft zu integrieren, dann müssen wir uns nicht wundern, dass auch die Hanfparade 2014 nur von denen besucht wurde, die „sowieso immer kommen“. Es ist unumstritten, dass unsere Arbeit nur erfolgreich sein kann, wenn wir über den Tellerrand hinaus blicken und eben jene mit ins Boot holen, die sich bislang nicht öffentlich äußern. Davon haben die wenigsten ihre Wurzeln in der links-alternativen Szene, der Hang zur „Political Correctness“ schreckt viele sogar eher ab, am ersten Samstag im August für Gras auf die Straße zu gehen. Der CSD hat vorgemacht wie es geht: Alle außer Nazis sind willkommen, die Wagen der größten Schwulen-und Lesben Demo Deutschlands dürfen nur 30 Prozent Eigenwerbung machen, der Rest der Fläche steht dem Veranstalter zur Verfügung. Um ein solch großes Event zu bewältigen, muss man sich eben nach allen Seiten öffnen.

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Lars Rogg
Lars Rogg
7 Jahre zuvor

Offensichtlich weicht hier ein “politisch korrekter” Dogmatismus der Realität. Kiffer sind ja nicht nur links gerichtete Anti sexisten. Viele sind begeisterte Wellenreiter und Spasskiffer. Was soll der scheiß mit dem Sexismus?? Solange niemand diskreditiert oder beleidigt, begrapscht und übel angemacht wird ist Sex doch was tolles. War mir echt schon immer ein Rätsel warum man das Natürlichste auf der Welt unbedingt in ein schlechtes Licht gerückt hat. Nichts gegen Gleichberechtigung und Emanzipation sowie selbst Bestimmung. Aber es ist uns Tieren einfach nicht möglich diese Instinkte und Grundtriebe zu verneinen. Kontrolle dieser sollte uns denkenden Menschen selbst ermöglicht werden, ohne das man durch Verbote (typisch Deutsch!!) jeden sinnvollen oder kreativen Werbeansatz zu nichte macht. Das ist doch voraus eilendes Kriechen vor… Weiterlesen »

Gasterl
Gasterl
7 Jahre zuvor

Gut geschriebener Kommentar! Er trifft ins Schwarze! Versteht mich bitte richtig, jeder soll tun und lassen was er möchte, solange er niemand anderem schadet. Aber ich persönlich bin in “Kreisen” unterwegs, wo z.B. rote Dreads (sorry Steffen!) ein absolutes No-Go sind. Viele andere Personen, die quasi die Köpfe der Hanfparade stellen geben ein ähnliches Bild ab. Ich finde gut, was ihr tut, und ich respektiere und tolleriere Euch und Eure Art zu leben, euch zu kleiden usw. Aber mein Fall ist es nicht und ich kann mich nicht damit identifizieren. Aus diesem Grunde bin ich auch nie bei diesen Veranstaltungen, weil das Klientel, welches dort auffindbar ist absolut nicht meinem Umfeld entspricht. Ich sehe mich dort einfach nicht vertreten. P.S.… Weiterlesen »

Traumtänzerin
Traumtänzerin
7 Jahre zuvor

Die kritischen Anmerkungen zur Hanfparade sind sehr wohl berechtigt und könnten hilfreich sein, sofern sich das Orga-Team nicht verschließt. Ich hätte da noch einen weitergehenden Vorschlag, um der Hanfparade eine Zukunft zu geben. Ich würde Spaß und Ernst voneinander trennen und die Demonstration in ein zweitägiges Legalize-It-Festival münden lassen. 7000 Demoteilnehmer sind schon mal die Garanten, dass Festival von zahlenden Gästen gut besucht wird und vielleicht auch ein oder zwei echte Highlights geboten werden können. Aber bitte nicht durchweg Reggae-Musik und Rap, sondern auch andere Genres. Kiffende Musikerstars gibt es genug, und einen davon wird man doch wohl mit ein bisschen Handgeld locken können. (Von mir aus auch Miley Cyrus, Rihanna oder Lady Gaga. Hauptsache, die Massen strömen und die… Weiterlesen »

Gasterl
Gasterl
Antwort an  Gasterl
7 Jahre zuvor

P.S. Daher, dass sich viele Menschen leider nicht mit den “Köpfen” der Hanfparade identifizieren können – oder schlichtweg nicht tolerant sind, was Kleidung, Haarpracht usw usf sind, lesen viele das Hanfjournal nicht, schauen kein Exzessiv usw usf. Somit wissen die oftmals gar nichts von einer wichtigen Petition.
Warum das so ist? Weil man auf die Seiten geht, sieht als erstes die Aushängeschilder, also die Orga und die sieht, wie im Artikel geschrieben “links-alternativ” aus – konservative Menschen, die dennoch gerne Hanf genießen bleiben keinen Moment länger auf der Seite, weil sie von einer “dummdämlichen Kifferseite” ausgehen.
Das ganze wirkt für die Masse an Konsumenten einfach zu wenig seriös.

Steffen
7 Jahre zuvor

Es gab eine Zeit, in der war es unter Journalisten üblich, vor der Veröffentlichung eines vermeintlichen Missstandes die kolportierte Geschichte zu hinterfragen – Wenn möglich, indem man mit den Beteiligten spricht. Sowas hieß früher “Recherche”, scheint für die Redaktion des Hanf Journals jedoch Schnee von gestern… Schade.

Lars Rogg
Lars Rogg
7 Jahre zuvor

Was hat das mit der Tatsache einer etwas einseitigen Veranstaltung zu tun?? Keiner stellt euer Angagement in Frage, lediglich die allgemeine Umsetzung. Wärst Du darauf ansatzweise eingegangen, wäre deiner Antwort nicht so dickköpfig rübergekommen. Das Du dir angepisst vorkommst ist verständlich , schließlich hast Du hart dafür gearbeitet. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die wenigsten Kiffer linke feministen oder Hippies sind und sich nur bedingt angesprochen fühlen. Bei diesen Leuten kaufen die meissten nur ihr dope. Klar das hier kein Hintergrundwissen zur Sprache kam, aber man kann eben nur das kommentieren was man sieht- ähnlich wie bei unserer Regierung!!! Es gab eine Zeit da haben einfach Kiffer für Kiffer gekämpft, ohne politischen Anspruch. Wer keine Fremdwerbung akzeptieren… Weiterlesen »

hasecarla
hasecarla
Antwort an  Steffen
7 Jahre zuvor

na klar steffen mal wieder. nur keine kritik annahmen. ist doch im moment scheißegal ob die sich vorher ihr ok bei einem herrn geyer eingeholt haben. selbst jetzt hast du nix dazu gelernt steffen. wie in der politik: mimimimimi, ich hab den artikel doch gar nicht autorisiert. ich glaub es hakt steffen!!!!!!!!

J2
J2
7 Jahre zuvor

Moment mal, Leute. Bevor wir hier den VI. Weltkrieg anfangen: Wie sollte denn die “politische Message” eigentlich lauten?

Lars Rogg
Lars Rogg
Antwort an  J2
7 Jahre zuvor

Legalisierung für alle…ganz schlicht!!!
Wieso eigendlich VI Weltkrieg???

Querulant
Querulant
Antwort an  Gasterl
7 Jahre zuvor

Da kann ich gasterl nur zustimmen!
Solange die Hanf-Parade eben nur eine Parade der typischen Klischee Kiffer ist wird sie nie in der Mitte der Gesellschaft ankommen und entsprechend kontra-produktiv sein.
Wenn nur die “langhaarigen Bombenleger” angesprochen werden und die Orga ein inzestuöse Ansammlung darstellt die alle anderen ausschließt- sorry aber das schadet der Sache mehr als es nutzt.
Ihr solltet mal drüber nachdenken das der Hanf nicht euch gehört- und die Legalisierungsbewegung nicht euer Monopol ist.
Sonst seid ihr kein Gramm besser als die Prohibitions-Spiesser über die ihr euch immer beklagt!

Querulant
Querulant
Antwort an  J2
7 Jahre zuvor

VI?
Habe ich Nr. III , IV & V verpasst?

antonym
antonym
Antwort an  Querulant
7 Jahre zuvor

Das hatte ich auch mal an die DEA geschrieben, hat sich auch gebessert. Wenn die (tollen, informativen) Inhalte von total verstrahlten, teilweise stotternden vorgetragen werden und im gleichen Atemzuge die Welt von den total normalen Konsumenten überzeugt werden soll, sollte man das auch zeigen.

Lars Rogg
Lars Rogg
Antwort an  Querulant
7 Jahre zuvor

Ja ich wohl auch…das ich so viel geraucht habe war mir nicht bewußt !!

antonym
antonym
Antwort an  Traumtänzerin
7 Jahre zuvor

Sehr geile Idee! Und klingt absolut machbar

Lars Rogg
Lars Rogg
Antwort an  Querulant
7 Jahre zuvor

Naja es scheint ja so zu sein das sich primär die links alternative scene auch öffentlich engagiert. Das kann man kaum schlecht reden. Politisch bin ich größten Teils auf eurer Seite- optisch gar nicht. Was mich daran irritiert ist das sie irgendwie (rein vordegründig, optisch) auch nur für ihre Sorte Mensch die Bewegung und Party ausrichten. Gegen deren leidenschaftlichen Einsatz ist gar nichts einzuwenden, schließlich kenne ich nicht viele andere(unpolitische normalos) die sich öffentlich dazu bekennen und mit so einem Engagemant sich unserer Sache widmen.
Vielleicht, in Zukunft, ein paar Anregungen aus der nicht links alternativen Aussenwelt mit einfließen lassen, dann wird die Kritik im nächsten Jahr nur noch minimal sein 🙂

J2
J2
Antwort an  Lars Rogg
7 Jahre zuvor

LOL Es sollte “IV.Weltkrieg” heißen. 😀

Der Spruch ist schön, nur hat jemand wohl Kinder vergessen. “Legalisierung – jetzt” wäre bestimmt gegangen. Das ist echt blöd, denn die Liebe zu Fliegenpilzen wird noch vor KiGa entfacht. Macht euch nichts daraus! 🙂

Lars Rogg
Lars Rogg
Antwort an  J2
7 Jahre zuvor

Sag mal bist Du gerade mächtig stoned???
Wir hatten erst zwei ( II ) Weltkriege. IV (vier) stimmt wieder nicht-aber knapp vorbei, ich bin selbst ein Mathekrüppel 🙂 Die richtige Zahl wäre drei (III).Was die Kinder, KiGa bzw. Fliegenpilz damit zu tun haben, kapier ich nicht. Mach Dir nichts draus-LOL.

J2
J2
Antwort an  Lars Rogg
7 Jahre zuvor

Schon OK. 🙂 (Den Satz mit den Pilzen hätte ich besser umklammert.) Na ja, es ist doch schon eine ganze Weile her, seit dem Ende des II.Weltkrieges. Der III. ist dafür längst im Gange. Oder gehörst du zu den Glücklich-Naiven, die immer noch Angst davor haben? ;-D Deshalb der IV.

wow123
wow123
7 Jahre zuvor

wie ist denn der artikel durchgekommen?
freut mich das auch noch sachen veröffentlicht werden die nicht vorher durch bestimmte rothaarige menschen zensiert wurden. ;D

nicht sauer sein steffen…aber etwas mehr selbstreflektion würde dir gut tun.

Anon
Anon
7 Jahre zuvor

hi, also wir warwn dieses Jahr das erste mal auf der Hp und nach der Rede vom Steffen dachte ich schon das diese eher seltsam als erbaulich war. Mein Kumpel (Patient) haben insgesamt 1200km zurückgelegt um die Hp zu besuchen und dann wird man dafür noch runter gemacht.. suboptimal. Die Veranstaltung ansich hat mich auch eher geschockt als positiv beeinflusst. Zuviele Kiddis mit Bong und Leute die sich Pulver gegeben haben. Wenn man mitbekommt wie sich KINDER darüber unterhalten das sie sich jetzt METH kaufen .. suboptimal!(Das die Cops da weg gesehen haben war… ohne Worte!) Insgesamt waren es mir einfach viel zu viele Jugendliche -18 am Start und die Veranstaltung eher ne spassige Party mit Wandereinlage. Witzig find ich… Weiterlesen »