Donnerstag, 14. August 2014

Another World 20th Anniversary Edition

Museumsstück

 

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Gott schuf  die Erde in sieben Tagen – Another World benötige zwei Jahre.

 

Diese Worte standen anno 1991 auf der Verpackung des Amiga und Atari ST Klassikers Another World aus dem Hause Delphine Software und sorgten wie das folgende Erlebnis für großes Staunen. Éric Chahi schuf mit diesem aufwendigen Computerspiel einen Klassiker, wie sie heute nur noch selten erscheinen. 2012 wurde es wohl auch aus diesem Grund als eines der ersten Computerspiele im Museum of Modern Art aufgenommen.

 

Lester Knight Chaykin fährt mit seinem Ferrari vor sein Labor. Ein Partikelbeschleuniger wird in Gang gesetzt und während ein Experiment vom Cola-Dosen trinkenden Protagonisten gestartet wird, schlägt der Blitz ein. Lester ist in einer anderen Welt. Das knapp dreiminütige Intro, das flüssig auf genannter Hardware lief, sorgte für Hochspannung, der direkte Übergang ins Spielgeschehen rief kurz Verwirrung und später Hochachtung hervor. Eine Besonderheit von Another World lag in der grafischen Gestaltung, die für die Charakterdarstellung Polygone verwendete. Dadurch wurden menschliche Animationen möglich, ohne den begrenzten Speicherplatz der alten Maschinen zu verbraten, aber zeitgleich ein detailarmer Stil erzwungen, der Another World zu dem macht was es ist. Kunst.

 

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Viele aufwendig gezeichnete Hintergründe, ein durchdachtes Storytelling, das ohne Worte funktioniert und eine wegweisende Spielbarkeit, die das Trial & Error Genre stark prägte. Alles wie aus einem Guss. Lesters Aufgabe besteht immer darin einen einzigen Bildschirm zu überleben, der anschließend auf den nächsten blättert. Da Lester nur rennen, langsam laufen, treten und springen kann, ist dies keine leichte Aufgabe für den frisch teleportierten Menschen vom anderen Stern. Nahezu jeder einzelne Screen des Spiels ist mit tödlichen Fallen oder Kreaturen besiedelt, die erst erkannt und dann richtig ausgespielt werden müssen. Da oft erst entdeckt werden muss, was die verlangte Herangehensweise ist, stirbt Lester dabei tausend Tode. Trial & Error. Another World ist daher eigentlich ein Knobel-Spiel, das aber etwas Geschicklichkeit und Joypad-Talent erfordert. Oft muss zum perfekten Zeitpunkt der richtige Knopf gedrückt werden, und über mehrere umschaltende Bildschirme der Protagonist am Leben gehalten werden. Da Lester neben einem Alien-Buddy auch mit fremden Waffen umzugehen lernt, erschweren folgende Feuergefechte, sein Ziel zurück zur Erde zu kommen, noch etwas mehr.

Nach jedem Tod darf jedoch direkt vom letzten Savepoint aus neues Wissen angewandt werden, so bietet Another World selten Frustmomente, aber eben öfters, zu knackende Kopfnüsse.

 

In der Another World 20th Anniversary Edition, die schon vor drei Jahren für Tablets und iPhones erschien, und die nun (wieder) für fast alle Heimkonsolen und portablen Geräte umgesetzt wurde, können sich Retro-Zocker erneut durchs All schießen lassen, um als Lester Knight auf einem fremden Planeten zu erwachen. In Full HD, mit überarbeiteten Hintergründen, die das Originalwerk schmeichelnd verschönern und einem glassklaren CD-Soundtrack direkt aus der Internet-Steckdose, zu beziehen.

 

Für Besitzer und Kenner des Originals lohnt die Anschaffung aber nur bedingt, da Inhaltlich die gleichen Tricks wie ’91 geboten und verlangt werden. Kennt man die Lösungen für Lesters Misere, ist auch die Another World 20th Anniversary Edition in 15 Minuten durchgespielt. Ein mitliefern des exklusiven Nachfolgers „Heart of the Alien“, der bisher nur in Amerika auf Sega Mega-CD erschienen ist, hätte daher nicht geschadet, auch wenn es den Erfinder von Another World  damals nicht sonderlich begeisterte. Another World bleibt aber auch so in allen erhältlichen Versionen, fraglos ein zeitloses Meisterwerk.

Pflichtlektüre.

 

Another World

Fotos:  The Digital Lounge

USK  12

Circa: 9€

( eshop / Psn / XboxLive )

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