Sonntag, 3. August 2014

Der schamanische Anspruch…

…im Umgang mit Lehrer-, Meister- und Heilpflanzen
von Mari Jo

 

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Grafik: Mari Jo

 

Es geht um Verantwortung. Um die Verantwortlichkeit menschlicher Wesen gegenüber allem, das geschaffen ist uns zu lehren, zu formen oder zu heilen. Welch großer Begriff: „Verantwortung“ – und meist ruft er nicht gerade ein Gefühl von Behaglichkeit hervor. Aber immerhin: auch „Antwort“ steckt darin, und diese Antwort sagt viel über den Sinn der Verantwortung aus. Denn wir leben in einem Resonanz-, bzw. Kausalkosmos: auf jede Aktion folgt Reaktion, Kraft erzeugt Widerstand, Saat entwickelt Frucht, Licht bewirkt Schatten usw…

 

Unsere Aufgabe in diesem Dasein besteht darin, Respekt auszudrücken für die Emanationen des Lebens, die Mutter Erde uns in Form ihrer unfassbar reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt darbietet. Dankbarkeit haben wir zu lernen… für die grandiose Fülle von Gestaltungen, Farben, Aromen und transformativen Einflüssen – denn dies ist die erhaltende Antwort von Mutter Erde auf das Leben in seinen tausend Facetten, die wir leider viel zu häufig auf ihre Profitabilität reduzieren. Unser Bestand hängt jedoch davon ab, ob wir unserer Verantwortung zum Erhalt des Lebens ebenfalls nachkommen.

 

Das heißt zunächst, bewusst JA zu sagen zum Leben, in welcher Form es sich auch immer zeigt. Das Leben anzunehmen bedeutet so viel mehr als essen, trinken und chronologisch empfundene Zeit mit irgendwelchen Handlungen füllen. Viel mehr als Karriere machen, in Reichtum schwelgen oder eine „Erleuchtung“ zu erlangen. Auch mehr als einen langen Leidensweg gehen, in dauernder Ekstase schweben oder zur ultimativen Weisheit streben. Das Leben anzunehmen bedeutet, es im GANZEN anzunehmen und zu begreifen, dass ich ein Teil von dem bin, was ich als „Außen“ betrachte, und somit Teil von allem, das ist.

 

Die Bewusstheit darüber, dass der menschliche Körper im Grunde genommen ein transformiertes Konglomerat unzähliger verstoffwechselter Pflanzen ist, die wiederum zurückzutransformieren sind in Molekülketten, Peptide, Alkaloide oder letztlich Wasserstoff-, Kohlenstoff- oder/und Sauerstoffatome, macht mir die dauernde Wechselbeziehung klar, in der ich als Menschenwesen mit allen mich umgebenden oder mich nährenden Wesen stehe. Die Verantwortung, die ich gegenüber dem Tier oder der Pflanze zu ergreifen habe, ist also gleichzeitig die Verantwortung für mich selbst und meine Manifestation von Wirklichkeit.

Die Menschheit sollte sich mit Demut bewusst machen, dass sie letztendlich ein Stoffwechselprodukt des Organismus Erde ist, das mit individueller Intelligenz beseelt zum Hüter und Gestalter seines Lebensraumes bestimmt ist. Als vieldimensionale Lebenserhalter sind uns die Nahrungs-, Heil-, Nutz- und Bewusstsein-verändernden Pflanzen zur Seite gestellt, damit wir unsere Verantwortung ihnen gegenüber wahrnehmen, indem wir ihnen begegnen und sie gebrauchen in dem Zweck, zu dem sie erschaffen sind – und um damit den Resonanzkreis des Gebens und Nehmens harmonisch zu schließen. Der biblische göttliche Ausspruch: „Machet euch die Erde untertan…“ wurde imho völlig falsch interpretiert, vermutlich schon falsch übersetzt. Denn die Ordnung unseres Resonanzkosmos sieht vielmehr vor, zu hegen und zu pflegen, was uns von der Natur geschenkt ist… – was durch restriktive Verbotspolitik und rücksichtloses Ausbeuten dieses wundervollen Planeten bis heute grausam konterkariert wurde.

Es ist auch eigentlich nicht verwunderlich aber wundervoll, dass z.B. Heilpflanzen gerade dort vermehrt wachsen (wenn man sie lässt), wo sie dringend benötigt werden, denn auch sie nehmen ihre Verantwortlichkeit wahr für die Ausgleichschaffung in einem gestörten Organismus. Das betrifft ganz besonders die psychoaktiven „Erdgeister“, die schließlich in ihrer Ansprache und der Hingabe an unser Bewusstsein Impulse setzen, die uns nicht nur mit unseren göttlichen Ursprüngen verbinden, sondern Heilung dort bewirken, wo sie am effektivsten ist – in unserem höheren Selbst. Die traurige Tatsache, dass wir meist nur wenig vom Pflanzenbewusstsein erfahren (dürfen), bedeutet nicht, dass sie keines haben. Pflanzen haben nicht nur Bewusstsein, sie kommunizieren sogar damit. Sie wollen uns etwas mitteilen, etwas lehren, etwas spiegeln, das zutiefst mit uns selbst zu tun hat, und für das wir bewusst bereit sein sollten, bevor wir mit ihnen in Dialog treten.

 

Es ist auch nicht weiter erstaunlich, dass mit fortschreitender Erkenntnis der Wissenschaft zutage tritt, dass nicht nur die Spirits der Opiat- und Dopaminpflanzen, sondern auch ß-Carbolin- (Iboga, Ayahuasca), Tryptamin- (DMT, Ayahuasca) Lysergsäurehaltige Pflanzen oder schlicht die Cannabinoide im menschlichen Organismus ihre Entsprechungen in Form von Rezeptoren und/oder körpereigenen Substanzen finden und offenbar akzeptable, ja sogar lebensnotwendige Bewusstseinszustände schaffen.

 

Aber nicht nur die Heilung seelisch-körperlicher Ungleichgewichte ist in der Entstehungsmorphologie psychoaktiver Meister- und Lehrer-Pflanzen begründet, noch entscheidender sind ihre Wirkungen für die Heilung des denaturierten Bewusstseins. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf psychoaktive Pflanzen / Substanzen oder veränderte Bewusstseinszustände lenken, dann deshalb, weil wir spüren, dass ein Gleichgewicht hergestellt, eine neue Ordnung geschaffen werden möchte. Die Sensibilität für die Botschaft der Pflanze zu entwickeln ist dabei eine Disziplin, der die Masse der Konsumenten scheinbar nicht bedürfen, die aber unumgänglich ist für diejenigen, die sich auf eine effektive, sprich heilsame Wechselbeziehung von Mensch / Pflanze einlassen wollen. Insbesondere für jene, die bereit sind, sich selbst zu begegnen.

 

Es ist per se schon paradox, bestimmte Pflanzen bzw. analoge Substanzen zu kriminalisieren, die in jedem menschlichen Körper produziert werden, zum anderen, dass ein Ungleichgewicht (oder Mangel) „psychogener“ (hirneigener) Transmitter-Substanzen durchaus Auslöser für eine klassische psychische Störung und damit eine stoffgebundene Abhängigkeit sein kann. Folglich ließen sich vermutlich viele stoffgebundene Abhängigkeitserkrankungen eben gerade durch jene diffamierten Substanzen therapieren, bzw. sind viele derzeit „Abhängige“ höchstwahrscheinlich eher als Patienten in Selbstmedikation anzusehen. Deutlich geworden ist dies z.B. durch erfolgreiche Therapierung von Alkoholismus mit ß-Carbolinen oder von Tourette mit Dopamin bei signifikanten Mangelzuständen der körpereigenen Substanz.

 

Ganz frisch ist schließlich die Erforschung des Hanfwirkstoffs Cannabidiol (CBD) auf dem Gebiet der Schizophrenie und anderer psychotischer Störungen gestartet – die Prognosen klingen viel versprechend. Die weitere Erforschung des menschlichen Endocannabinoid-Systems dürfte noch mit einigen Überraschungen diesbezüglich aufwarten. Leider glänzt unsere rückständige Regierung immer noch mit unvergleichbarer Ignoranz und lässt die unschätzbare Chance verstreichen, einen blühenden Wachstums- und Forschungssektor dahingehend aufzubauen. Ideologische Verantwortungslosigkeit hat uns eines Medizingeistes beraubt, welcher sich noch als sehr mächtig erweisen wird, wenn die Menschen demgegenüber ihre Fesseln endlich abgestreift haben.

 

Solange wir uns aber in einem Zustand der Kriminalisierung natürlicher, lebendiger Abläufe befinden, bekommen wir einen Spiegel dafür vorgehalten, was in uns selbst noch nicht erlöst ist. Wir sollten uns fragen: Sind wir bereit, unser Selbst GANZ und ohne Vorbehalte zuzulassen, so, wie ES zu seinen göttlichen Ursprüngen drängt, und welches keine noch so materialistische, selbstzerstörerische und ausbeuterische Zivilisation vernichten kann? Haben wir wirklich den nötigen Respekt und Achtung vor uns und unseren wahren Bedürfnissen, und sind wir bereit, unseren Mit-Lebewesen, ob Mensch, Tier oder Pflanze ohne Bewertung oder Urteil den Lebensraum zuzugestehen, der ihrer natürlichen Bestimmung entspricht?

 

Eine Veränderung äußerer Wirklichkeit beginnt im Inneren jedes Einzelnen. Erst in der Verantwortung für alles, das unserem Wachstum dient, können wir begreifen, welche Größe unser Bewusstsein hat – und welche Macht!

 

Darum, und nicht nur im Umgang mit (Heil-)Pflanzen – lasst uns bewusst SEIN…

3 Antworten auf „Der schamanische Anspruch…

  1. J2

    Sehr schön geschrieben. 🙂
    An der Stelle: „Unsere Aufgabe in diesem Dasein besteht darin, Respekt auszudrücken für die Emanationen des Lebens, die Mutter Erde uns in Form ihrer unfassbar reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt darbietet.“ musste ich über den Romantismus des Autors herzlich schmunzeln. Ich vertrete nämlich die Ansicht, dass unsere Aufgabe in diesem Dasein darin besteht, den Boden zu düngen und Saat zu übertragen. 🙂
    Die Aufgabe, unsere Welt zu verbessern, haben wir uns selbst zugeschrieben, vermutlich als Ersatz. Meiner Meinung nach haben wir uns nur dank den Bewußtseinerweiternden Substanzen so weit entwickeln können, denn ohne Bewußtsein (s. Alkoholiker) gibt es keine Entwicklung. Na ja, und dann ist halt die erste Prohibition gekommen. Die Cannabisprohibition ist nur eine, typisch für Alkoholiker, Trotzreaktion auf den früheren Verbot.
    Ein toller Text, erfasst genau das, wie ich die Tatsachen empfinde. Danke! 🙂

  2. Kommentator

    Ich finde den Artikel ebenfalls „schön geschrieben“, sehe viele Gedanken sehr ähnlich, kann vielen Ausführungen jedoch nichts abgewinnen; beziehungsweise sind sie meines Empfinden nach absurd und auch widersprühlich.

    „Als vieldimensionale Lebenserhalter sind uns die Nahrungs-, Heil-, Nutz- und Bewusstsein-verändernden Pflanzen zur Seite gestellt, damit wir unsere Verantwortung ihnen gegenüber wahrnehmen, indem wir ihnen begegnen und sie gebrauchen in dem Zweck, zu dem sie erschaffen sind“

    „gebrauchen in dem Zweck, zu dem sie erschaffen sind“? Hier frage ich mich, ob die Organismen des Planeten nicht vielleicht doch das Ergebnis komplexer, sich gegenseitig beeinflussender Entwicklungsprozesse, sprich einer Evolution, sind. Dies kann natürlich jeder für sich selbst überlegen. Ich für meinen Teil sehe keinen „Erschaffer“, hinter den Organismen. Der Planet und jede Lebensform auf ihm sind auch kein statisches Gebilde, welches wir (für) immer betrachten können, sondern befinden sich in stetiger Entwicklung.
    Natürlich erfüllt jeder Organismus in diesem System einen Zweck. Der Organismus wurde jedoch nicht erschaffen um diesen zu erfüllen. Der Zweck hat sich für jede Lebensform durch das System ergeben.

    „[…] Verantwortlichkeit menschlicher Wesen gegenüber allem, das geschaffen ist uns zu lehren, zu formen oder zu heilen.“

    „Der biblische göttliche Ausspruch: „Machet euch die Erde untertan…“ wurde imho völlig falsch interpretiert, vermutlich schon falsch übersetzt. Denn die Ordnung unseres Resonanzkosmos sieht vielmehr vor, zu hegen und zu pflegen, was uns von der Natur geschenkt ist…“

    Dies liest sich für mich so, als gebe es auf der einen Seite die Natur, und auf der anderen „uns“, den Menschen. Der Mensch ist jedoch Teil dieser Natur. Es ist demnach auszuschließen, dass die Natur „uns“ etwas geschenkt hat oder sie uns lehren will. Wir nutzen unsere Umwelt lediglich für unsere Zwecke, so wie es jedes Lebewesen, auf seine mehr oder weniger egoistische Weise, tut.
    Einer anderen Betrachtungsweise dessen liegt meines Erachtens immer ein Weltbild zugrunde, welches versucht, dem Menschen eine Sonderposition in der Natur einzuräumen (sinngemäß: „die Pflanze möchte uns dies und jenes bieten… es ist unsere Aufgabe…“). Diese Sonderposition halte ich für absurd.

    Vielleicht sollte man sich auch noch einmal darüber Gedanken machen, warum eine Pflanze diesen oder jenen „Wirkstoff“ produziert. Sicher nicht um uns oder einem anderen Organismus damit zu helfen oder ihn zu erfreuen. Das „helfen wollen“ sehe ich auch nicht bei einer Symbiose oder ähnlichem. Es geschieht letztendlich aus dem selben „Egoismus“, den ich eben ansprach. Zum Selbstschutz und letztendlich zum Überleben der eigenen Art.

    Ich möchte hiermit ausdrücklich nicht den Anspruch erheben dem Autor „Unrecht“ zu geben oder selbst „Recht“ zu haben, sondern lege lediglich meine Betrachtungsweise dar. Es ist, wie unschwer zu erkennen, eine eher naturwissenschaftliche Sichtweise. Ein guter Kontrast denke ich.

  3. Juergen

    Sehr gut, wir kommen der Ursache immer näher.

    Souveränität ist ein fundamentales Konzept für unsere Freiheit.

    Ohne individuelle Souveränität, sind wir nur Sklaven. Ohne wahre Unabhängigkeit, können wir nur jemand anderes Pfad gehen.

    So wie wir Menschen weiter aufwachen zu unserer wahren Natur des Seins, zu unserer göttlichen Beziehung mit unserer Welt und unserer ungebrochenen Verbindung mit der Quelle des Lebens, ist es entscheidend, dass wir wirklich verstehen, was es bedeutet ein “souveränes Wesen” zu sein.

    Die Definition des Wortes “souverän” laut dem Oxford Dictionary / Wörterbuch definiert ‘sovereign’ / souverän als:

    sovereign /ˈsɒvrɪn (adjective/Eigenschaftswort):

    Acting or done independently and without outside interference.
    Handeln oder unabhängiges Handel ohne unerwünschte Eingriffe von aussen.
    Possessing supreme or ultimate power.
    Besitzen höchster oder ultimativer Macht

    In Anbetracht unserer Souveränität ist die wirkliche Frage … Leben wir wirklich “unabhängig” und ohne äussere Eingriffe? Besitzen wir “höchste oder ultimative Macht” über unser eigenes Leben?

    Und wenn nicht, wer tut es? GOTT !

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