Samstag, 7. Juni 2014

WM 2014: Kein Hasch am Zuckerhut

von Sadhu van Hemp

 

 

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Pünktlich zum Anpfiff des Copa do Mundo hat Brasilien auch die letzte Auflage der FIFA erfüllt: Polizei und Bürgermilizen haben mit eisernem Besen den Abschaum aus den Favelas gekehrt und den Drogensumpf ausgetrocknet. Das ist ärgerlich für die kiffenden Fans aus Holland, USA, Mexiko, Uruguay, Spanien und Portugal, die nun ihr eigenes Haschgift von daheim einschmuggeln müssen. Freuen können sich hingegen die deutschen und englischen Schlachtenbummler, denn das Alkoholverbot in den Stadien wurde für die WM aufgehoben.

 

Während am 10. Mai ein paar hundert Hanffreunde auf dem Global-Marihuana-Marsch in Berlin von der Hasenheide in Neukölln zum Görlitzer Park nach Kreuzberg spazierten und die real im Untergrund existierende Hanfkultur der Öffentlichkeit präsentierten, wärmten sich zwischen Brandenburger Tor und Olympiastadion ein paar Zehntausend Fußballfans mit Bier und Schnaps für das Match zwischen Hertha BSC und Borussia Dortmund auf. Die einen hinterließen ein bisschen platt gesessenes und verbranntes Gras, die anderen eine zehn Kilometer lange Urinspur auf dem mit Bierpullen gepflasterten Weg zum Heiligen Rasen.

Kein Zweifel, des Deutschen liebstes Steckenpferd ist die Saufkultur, die frei und ungeniert ausgelebt werden darf und wie die Blutgrätsche zum Fußball gehört. Ein Dortmunder Ultrafan, der am helllichten Tag im Suff vor den Augen israelischer Touristen gegen das Holocaust-Mahnmal strullert, muss sich nicht vor Strafe fürchten oder gar schämen. Denn es gibt Schlimmeres, was das Ansehen Deutschlands in der Welt beschädigt – und dazu zählen die rund fünf Millionen Bürger, die sich hartnäckig dem Alkoholmissbrauch verweigern und zur Feier des Tages lieber ein bisschen Hasch in den Kopf tun.

 

In diesem Sinne unternimmt der Deutsche Fußballbund alles, das Sittengemälde eines sauberen Sports zu malen – zu bestaunen Woche für Woche auf den Fußballplätzen bis runter in die Kneipenliga. Unter dem Banner „Keine Macht den Drogen“ duschen unsere Fußballvorbilder vor Millionen Kinderaugen mit Gerstensaft, und in den meisten Fußballteams ist nicht der der wichtigste Mann, der die Tore schießt, sondern der, der den Bierkasten trägt. Von Kindesbeinen an wird der Fußballfreund auf den Alkoholkonsum konditioniert – und das mit trinkfester Unterstützung unserer Fußballidole, die als Werbe-Ikonen der Brauereien noch dem letzten alkoholkranken Menschen zurufen: Einer geht noch, einer geht noch rein!

 

Fußball ohne Bier, Wein und Schnaps geht mal gar nicht in Schland. Vor allem dann, wenn Weltmeisterschaft ist. Am 12. Juni ist es wieder soweit: Gefühlte 100% der Deutschen werden vom Fußballfieber gepackt und sich dem kollektiven Vollrausch hingeben. Eine ganze Nation wird sich mit neuen Flachbildglotzen eindecken, die Autos beflaggen und sich mit reichlich C2H6O bevorraten. Die Bierbrauer haben Urlaubssperre, und das gemeinsame Rudelglotzen auf den Fanmeilen wird manch weiblichen Fußballfan dazu verführen, sich ein Kind von Schweini zu wünschen, um sich anschließend hackedicht von einem Doppelgänger beglücken zu lassen.

Die Fußball-WM ist fraglos ein supergeiler Spaß für die ganze Familie und zugleich ein Bombengeschäft – exakt zugeschnitten auf die Wünsche und Bedürfnisse der Deutschen, die pro Kopf, also vom Kind bis zum Greis, jährlich 12,8 Liter reinen Alkohol süppeln, was 775 Gläsern Bier entspricht. Die letzte Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht die Deutschen zwar nur auf Platz 19 der Weltrangliste der Säufernationen, aber immerhin wird hierzulande doppelt so viel Alkohol konsumiert wie im weltweiten Durchschnitt.

 

Doch nicht die deutsche Rauschkultur allein verleiht dem Fußballweltfestspielen den unverwechselbaren Charme eines großen Massenbesäufnisses. Nein, wie immer sitzen alle trinkfesten Nationen Europas mit im Boot, wenn es über den großen Teich nach Lateinamerika geht. Ein paar Millionen Fußballstouristen werden wie die Heuschrecken in Brasilien einfallen und sich dort wie zu Hause benehmen. Entsprechend hoch ist das fürsorgliche Engagement des FIFA-Besitzers Sepp Blatter, den Fans aus Europa einen unbeschwerten Ballermann-Aufenthalt an der Copacabana und den Sponsoren ordentlich Rendite zu garantieren. Generalstabsmäßig hat der Eidgenosse aus der Deutschschweiz die brasilianischen Sport- und Staatsfunktionäre mit Knebelverträgen und undurchführbaren Durchführungsvorschriften überzogen, so dass sich die Veranstalter des Copa do Mundo u.a. gezwungen sahen, das Alkoholverbot in den Fußballstadien für die WM auszusetzen.

 

Und so kann die Lederkugel rollen und das Bier fließen – zur Freude der zahlungskräftigen Touristen. Und wie bereits in Südafrika findet die Fußballparty ohne Beteiligung der breiten Bevölkerung des Gastgeberlandes statt. Dem Wunsch der FIFA entsprechend wurden diejenigen Subjekte, die nicht ins Bild passen, im Zuge der „Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur“ rechtzeitig aus dem Sichtfeld der Weltöffentlichkeit entfernt. Zehntausende Familien wurden aus den WM-Städten zwangsumgesiedelt. In den Favelas São Paulos und Rio de Janeiros haben Polizei und Bürgermilizen eine beispiellose Säuberungsaktion gepaart mit offener Lynchjustiz durchgeführt. Drogendealer, Schwule, Obdachlose, Straßenkinder und Prostituierte sind Freiwild für die schießwütigen Putzkolonnen, und dabei spielt es keine Geige, ob die Opfer tot oder halbtot aus den Favelas abtransportiert werden.

Hinter der schönen Fassade des WM-Landes Brasilien brodelt es mächtig gewaltig, und angesichts der offen zu Tage tretenden instabilen politischen Lage ist zu befürchten, dass nach dem großen Fußballfest der Sturm der Gewalt losbricht. Das Potential dazu ist in einem Staat, der so gut wie alle Menschenrechte mit Füßen tritt und alle Rechtsstaatlichkeit vermissen lässt, mehr als gegeben. Überdies ist Brasilien ein El Dorado korrupter Politiker und Staatsbeamte, die vor keiner Schandtat zurückschrecken, wenn dabei auch nur der kleinste persönliche Vorteil herausspringt. Schwachen Parteien ohne ideologisch gefestigte Programme stehen kriminelle Syndikate und ein zur Tatenlosigkeit verdammter Öffentlicher Dienst gegenüber. Der Staat hat längst kapituliert vor der rasant fortschreitenden Umweltzerstörung, der ungleichen Vermögens- und Landverteilung und den existenziellen Nöten jener armen Seelen, die am Rande der Megastädte auf Müllhalden vegetieren. Um den Druck aus dem Kessel zu nehmen, lassen die Stadtverwaltungen den menschlichen Abschaum der Slums unentwegt abschöpfen und in die überfüllten Gefängnisse deportieren.

 

Die angereisten Fußballtouristen und Fernsehgucker auf den Fanmeilen werden davon nichts zu sehen bekommen, zumal dieses Elend nun wirklich nichts mit Sport zu tun hat. Sepp Blatters FIFA will Friede, Freude, Eierkuchen, und da kommen die 30.000 Soldaten des brasilianischen Militärs, die wie Schießhunde über das Wohl der Gäste wachen sollen, gerade recht. An dem WM-Sondereinsatz nehmen unter anderem Einheiten der Dschungel-Infanterie und die Marine teil – also das volle Programm. Und so wird manch Fußballfan, der nicht das Saufen, sondern Kiffen gewohnt ist, vergeblich nach einem Tütchen Gras Ausschau halten.

Bleibt nur, sich vor gefönten Fußballstars und deutschem Exportbier zu fürchten. Das Sommermärchen am Zuckerhut kann kommen, inszeniert von Sepp Blatter – und dem Deutschen Fußballbund, also jener zwielichtigen Massenorganisation von Trinksportbrüdern, die ein völlig absurdes Saubermann-Image zu Markte trägt und keine Skrupel kennt, die auszugrenzen, die nicht feuchtfröhlich mitfeiern wollen.

Und das betrifft nicht nur die kiffenden, sondern auch antifaschistischen Fußballfans. Den Beweis dafür lieferte der DFB Mitte Mai beim öffentlichen Schaulaufen der BRD-Auswahl im Millerntorstadion auf Sankt Pauli. Da löste nämlich ein fest installiertes Banner mit der Aufschrift „KEIN FUSSBALL DEN FASCHISTEN“ bei den Superstrategen des DFB den Reflex aus, die politische Kernaussage der linkslastigen Paulianer kurzerhand verhüllen zu lassen. Erst als die große Mehrheit der treudeutschen Fußballfans Beifall klatschte, dämmerte den Verantwortlichen, dass keine Botschaft auch eine Botschaft ist, und man entschuldigte sich für das versehentlich gezeigte wahre Gesicht des DFB.

12 Antworten auf „WM 2014: Kein Hasch am Zuckerhut

  1. Joker

    Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr

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    Michel
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  2. Kiffer

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  3. Tyrion

    „WIR WERDEN WELTMEISTER!“

    Wer ist „WIR“, stehst du selber auf dem Platz du Witzfigur?!

  4. KIFFER2

    Säufer und Alkis sind Kacke! Pissen und kotzen die ganzen Städte voll, man sieht es doch jedes Wochenende. Lerne schreiben Joker 🙂

  5. Markus

    Man braucht sich ja nur die Umgebung der Bahnhöfe anzuschauen zb in Ravensburg da schauts aus das glaubst nicht ,da liegt alle 5 m eine Schnappspulle zerdepperte Bier und Weinflaschen .Die Trinker haben es nicht mal nötig das Pfand wieder zu holen.

  6. Hunes

    Ich wette du bist nicht 6 mal die woche im Fitnessstudio.
    Wir wollen bloß nicht diskriminiert und kriminalisiert werden

  7. Marcus Kurland

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  8. Volker Putt

    Joker du bist so ein ignorant! Bist du blind, taub oder einfach dumm! Es ist trauriger weise leider Fakt, das dort Menschen die nichts haben wie Vieh aus den Favelas vertrieben und unter Generalverdacht gestellt werden. Und Milliarden in den Bau neuer Stadien investiert werden obwohl ein Großteil der Bevölkerung nichts zu Essen auf dem Tisch hat. Aber Feier du mal schön deine WM und schaue weiterhin keine Nachrichten und schau bloß nicht über den Tellerrand hinaus 😉

  9. Uwe S.

    Im Artikel steht nichts davon, dass „wir Kiffer die WM ausfallen“ lassen wollen. Vielmehr geht es um die wirtschaftskriminellen Machenschaften von FIFA und DFB, die uns eine heile Welt in Brasilien vorgaukeln und die Ware „Fußball“ wie ein Narkotikum verabreichen..

    2012 wurden 56.300 Brasilianer ermordet – die höchste Zahl seit 1980. Der Leichenberg würde das Volksparkstadion füllen.
    Dass der Anti-Drogen-Krieg in Brasilien ungebremst tobt, beweist zudem die hohe Zahl von 550.000 Strafgefangenen. Das ist der vierte Platz in der Weltrangliste. Abartiger geht’s nur in Russland, China und bei den Tyrannen in den USA zu.

    Aber Spaß beiseite: Natürlich werden „WIR“ Weltmeister, aber leider nur der Herzen – sofern Dumpfbacken überhaupt eines haben.

    Ich wünsche mir ein Endspiel zwischen Uruguay und den Niederlanden – und der Beste möge gewinnen.

  10. Bene

    Also es ist doch scheißegal ob die Kiffen oder Saufen, wer nach Brasilien fährt und so ein Drecksverein unterstützt dem kann man nicht mehr helfen. Ich versteh das ganze Anti-Alkohol getue nicht, was wollt ihr damit erreichen? Kann man in diesem Land überhaupt noch mehr verbieten? Scheinbar wollt ihr das dann auch so und wundert euch auch bitte nicht wenn der gute Ethanol verboten und das Hasch trotzdem nicht Legaler wird… Glaubt ihr wenn überall in den Städten ein Alkoholkonsumverbot augerufen wird(und das wird es), dann dürft ihr euch da hinstellen und euren Joint rauchen?

  11. Ganja Mann

    Ich glaub nicht das hier jemand generell was gegen alk hat, aber Kommentare wie ihr Kiffer seid kacke passen irgendwie nicht ins Hanf Journal. Ist doch klar, das die Leute darauf anspringen 🙂

    “Glaubt ihr wenn überall in den Städten ein Alkoholkonsumverbot augerufen wird(und das wird es), dann dürft ihr euch da hinstellen und euren Joint rauchen?“

    Ich glaub nicht das Alkohol verboten wird, denn da dran wird sich kaum einer halten. Das wissen unsere Politiker schon, ganz so doof sind sie wohl dann doch nicht 🙂

  12. Ralf

    @Bene
    Wir wollen Gerechtigkeit, und das heißt ganz klar nur eins, Cannabis dem Alkohol und Nikotin gleichstellen, so wie es unser Grundgesetz verlangt. Wenn diese nur durch die schlechtere Lösung den Alk (und nicht zu vergessen das Nikotin) zu verbieten erreicht werden kann, dann eben auch so ! Außerdem,kennst du die Regel nicht, nachdem erst alles erst einmal viel schlechter werden muß, bevor es besser werden kann?

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