Dienstag, 8. April 2014

Selbstversorgung ist kein Verbrechen

Regelt das endlich

Autor: KIMO

Artwork by mark marker
Artwork by mark marker

Ich schreibe nunmehr meine zehnte Kolumne zum Beginn der Outdoor-Saison, ohne dass sich die Rechtslage illegalisierter Hanfgärtner auch nur annähernd verbessert hätte, obwohl es immer mehr davon gibt, Tendenz weiter steigend. Um die immer häufiger verfolgten Protagonisten in diesem noch ungleichen Kampf ausreichend zu würdigen, steht im aktuellen Heft der illegalisierte Hanfanbau im Mittelpunkt des redaktionellen Fokus.

Nicht einmal für anerkannte Patienten, die aufgrund der entstehenden Kosten keine andere Möglichkeit als den Eigenanbau haben, wird bislang eine Ausnahme gemacht, was sich jedoch bald ändern könnte (siehe News auf Seite fünf). Doch selbst wenn einige, wenige es schaffen sollten, ihre Medizin unter strengsten Auflagen selbst zu ergärtnern, hilft es dem Großteil der harmlosen Hanfbauern immer noch nicht. Wer Cannabis zur Entspannung konsumiert oder aus medizinischen Zwecken nutzt, fühlt sich wie Odysseus zwischen Scylla und Charybdis, wenn es um die Bezugsquelle geht:

 

Schwarzmarkt: Die Qualität ist oft miserabel, wer hier kauft nimmt gesundheitliche Risiken in Kauf, die mit Hanf an sich nichts zu tun haben. Wer von dem Geld profitiert, bleibt meist unklar. Oft handelt es sich um international agierende Banden, deren Produktpalette neben Cannabis noch ganz andere Sauereien umfasst. Der Preis ist selbst hier niedriger als importierte Cannabisblüten für Patienten aus der Apotheke. Das Risiko für Käufer ist überschaubar, solange keine große Vorratshaltung betrieben wird.

Eigenanbau: Gute Qualität zu günstigem Preis. Der Preis liegt ungefähr zwischen 1,50 und 3 Euro/Gramm, Outdoor ist es noch günstiger. Das Risiko für Grower ist allerdings sehr hoch, weil selbst eine Pflanze oft die „Nicht Geringe Menge“ von 7,5 Gramm reinem THC überschreitet und somit mit einer Freiheitsstrafe belegt werden muss.

Alle Argumente sind seid Jahren ausgetauscht, Hanf ist so gut wie kaum eine andere Pflanze erforscht und um uns herum fangen die ersten Staaten an, die Zügel allmählich zu lockern. Nur Deutschland, das vielen in der EU dank Homo-Ehe und Atomausstieg schon fast zu linksliberal ist, hält eisern an der Repression gegen kleine Grower fest. Jeden Tag werden Wohnungen erstürmt, in denen ein, zwei oder drei Lampen hängen, welche die Bewohner und vielleicht noch ein paar Freunde versorgen. Die beiden großen Parteien winken beim Thema Eigenanbau sofort ab, will man zurzeit doch nicht einmal über ein Entkriminalisierungs-Modell reden, das den Namen auch verdient. Selbst wenn die aktuell zwei Dutzend Petitionen zu Cannabis Social Clubs auf lokaler Ebene erfolgreich sind, werden sie spätestens beim Antrag auf einen Modellversuch von Merkel, Gabriel und dem Rest begraben. Die Begründung wird wieder einmal fehlendes öffentliches Interesse lauten.

In der Schweiz hat Professor Sandro Cattcin, Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen (EKFD) jüngst zur ablehnenden Haltung der Schweizer Bundesregierung gegenüber Modellprojekten zur legalen Cannabisabgabe an Erwachsene geäußert: “Sollte die Bundesregierung nicht umschwenken, […], geht es in Richtung eines zivilen Ungehorsams,[…].“ Wenn ein Mitglied einer Regierungskommission der Schweiz die Lage schon als so prekär empfindet, obwohl sein Land relativ liberal mit Konsumenten und kleinen Hanfgärtnern verfährt, wäre es in Deutschland angesichts der anhaltenden Repression schon längst Zeit, öffentliche oder private Modellprojekte auf lokaler Ebene auszuprobieren, ohne eine Zustimmung aus Berlin abzuwarten. Die Saat ist in Form der zuvor erwähnten Petitionen, zahlreichen Re-Legalisierungs- Veranstaltungen wie dem Hanftag (dieses Jahr am 03.Mai) der Dampfparade in Köln oder der Berliner Hanfparade, um nur die drei größten zu nennen, sowie einem Millionen-starken Hanfverband ausgebracht. Jetzt muss sie nur noch aufgehen, denn eine elfte Kolumne zur Outdoor-Saison zu verfassen, ohne auf Fortschritte in Sachen Cannabis Social Clubs verweisen zu können, wäre angesichts der weltweiten Entwicklung zu schade.

 

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