Dienstag, 4. März 2014

The White x Mandala Purple #1

Gefährliche Kreuzung – Blazing Pistoleros at work

von: KIMO

The White x Mandala Purple #1
The White x Mandala Purple #1

Ruben* ist ein alter Freund von mir, mit dem ich mich regelmäßig zum Gedankenaustausch über die neuesten Growing-Trends treffe, denn mein eidgenössischer Hanffreund verfügt über einen immensen Wissensschatz sowie langjährige Erfahrung beim Anbau illegalisierter Hanfpflanzen unter Kunstlicht. Seit nunmehr fast einer Dekade hat er sich vornehmlich der Zucht nicht allzu verbreiteter Strains hingegeben, immer auf der Suche nach dem einmaligen Aroma, dem klarsten High oder einfach dem besten Ertrag. Ruben beherbergt neun Damen in seiner kleinen G-Tool Box und war nach langen Jahren auch endlich mal bereit, unseren Lesenden seine Hanfdamen mit einem Interview über deren Geschichte vorzustellen. Bei Rubens Untermieterinnen handelte es sich um neun  spanische Senoritás namens „The White x Mandala Purple #1″, die ursprünglich von den ambitionierten Breedern der „Blazing Pistoleros“ stammt. Blazing Pistoleros ist ein spanisches Züchterkollektiv, dessen Breeder „DC105“, „Krip“ und „Keeper“ klassische, erfolgreiche Sorten konkurrierender Seedbanks untereinander kreuzen und stabilisieren und so immer wieder neue, extravagante Leckereien schaffen. Grundlage für die spanische Kreuzung in Rubens Schrank waren ein unbekannter F1 Sativa/Indica Hybride und die legendäre Mandala Purple#1 von Mandala Seeds.

Heraus kommt ein vor Trichomen berstendes Gras, das vom Wuchs her eher einer Sativa gleicht, bezüglich Aroma und Blühgeschwindigkeit aber eher Indica-lastig ist. Laut Angaben der Züchter ist es für Out- sowie Indoor geeignet, wobei Outdoor-Fans bedenken sollten, dass das Saatgut aus Spanien kommt und dort aufgrund des langen Sommers eine längere Reifezeit nutzen kann. Allerdings könnte es mit den 60 Tagen, die es unter Kunstlicht braucht, auch für unsere Breitengrade gut geeignet für draußen sein. Doch leider kann man von der benötigten Blütezeit unter Kunstlicht nur bedingt auf eine Outdoor-Tauglichkeit schließen, besonders wenn die Blütebildung so wie bei der The White x Mandala Purple #1 (im Folgenden auch: TWxMP#1) auch Indoor relativ spät anfängt, dafür aber schnell voranschreitet. Hier könnte nur die Praxis Ergebnisse liefern.

Ruben jedenfalls findet, dass der „Purple“ Anteil des Strains unter Kunstlicht kaum zum Tragen kommt, auch die Exemplare, die er bei seinem ersten TWxMP#1-Durchgang deshalb extra ein wenig länger hatte stehen lassen, hatten auch nach 70 Tagen nur ganz zart lila Blütenspitzen. Einige der großen Calix-Blätter waren lila, die Blüten allerdings kaum. Vielleicht war es im Schrank nachts auch einfach nicht kalt genug, damit die Blätter dunkel werden. Sechs seiner neun Damen hatte er nach genau 60 Tagen geerntet und mir die Restbestände der letzten Ernte kurz nach dem Interview in Form eines Vapo-Köpfchens präsentiert. „The White x Mandala Purple #1“ hatte ein ziemlich fruchtig-narkotisches Aroma. Eine eher seltene Kombination, wenn es um die Beschreibung von Grasgeruch  und -Geschmack geht, aber das ist ja auch die Vorliebe meines Bekannten: Mal was Extravagantes, was nicht unbedingt dem Geschmack des Mainstreams entspricht. Aber ich muss gestehen, dass trotz des unbestreitbaren Ballereffekts sowohl das Fruchtaroma als auch die Sativa deutlich spürbar waren, letztere weniger beim Aroma, sondern bei der Art des Highs. TWxMP#1 ist überraschenderweise kein Couchlocker, auch wenn es „von außen“ so aussieht. Dafür ist es extrem ergiebig, nach insgesamt sechs Zügen haben wir den Vapo beiseite stellen müssen, obwohl der Kopf noch halb gefüllt war.

Bevor uns Ruben von seinem aktuellen The White x Mandala Purple #1-Durchgang erzählen wird, habe ich ihm noch ein paar Fragen zu seiner Karriere als Kleinstgärtner und zu seinem Equipment gestellt.

Wann hattest Du das erste Mal Kontakt mit Gras?

Ruben: Ich habe in den frühen 1990er Jahren angefangen zu kiffen, damals aber nur zur Entspannung nach einem harten Arbeitstag, wobei ich feststellen muss, dass es mir damals schon als die bessere Alternative zu unserer Leit- und Saufkultur erschien. Kein Gelalle, keine Aggressionen, kein Kater. Zu dieser Zeit hat es mir definitiv geholfen, meinen bedenklich exzessiven Alkoholkonsum einzudämmen, der mich damals schon den Führerschein und die Freundin gekostet hatte. Später dann, mit einem gut bezahlten Job und Frau und Kindern, habe ich dann viel weniger gekifft als in jungen Jahren, bis zu meinem Fahrradunfall. Mit Anfang 30 hatte ich dann diesen unverschuldeten Unfall, durch den sich Vieles geändert hat. Ich habe jetzt seit fast 15 Jahren einen Haufen Schrauben in der Schulter und dadurch vor allen Dingen abends oft chronische Schmerzen. Kurz nach dem Unfall habe ich angefangen, Cannabis nicht nur alle zwei Wochen beim Zocken mit Freunden, sondern nach Feierabend als Schmerzmittel zu gebrauchen. Seitdem nutze ich Cannabis in kleineren Dosen, seltener um mich daran zu berauschen. Ein Beispiel: Wenn ich bekifft sein will, rauche ich den Joint, den ich mir sonst über den ganzen Abend einteile, innerhalb von 15 Minuten weg. Die ganze Tüte rauche ich aber nur noch, wenn ich zusammen mit meiner Frau oder ein paar Freunden was Besonderes mache und ich den Zustand genießen kann. Ansonsten drehe ich mir nach Arbeit einen Joint und nehme einmal in der Stunde zwei oder drei Züge. Mache ich das nicht, habe ich spätestens nach einer Woche unerträgliche Schmerzen in der kaputten Schulter.

Als Folge des Unfalls musste ich meinen erlernten Beruf als Handwerker aufgeben und arbeite seitdem am Bildschirm. Nach dem Arbeitstag am Laptop ist mein ganzer Schulterbereich abends verspannt und ich spüre jede Schraube. Ich habe deshalb schon vor Jahren vom Arzt ein Rezept für Dronabinol bekommen, aber ich vertrage echtes Gras viel besser. Wenn Patienten endlich selber anbauen dürfen, hole ich mir einen Schein dafür. Eine Ausnahmegenehmigung für 17 Euro teures Apothekengras könnte ich zwar bekommen, aber genauso wenig gebrauchen wie mein Dronabinol Rezept, weil es einfach zu teuer ist und die Kasse die Übernahme der Kosten abgelehnt hatte. Deshalb baue schon lange ich selber an.

 

Also kann man sagen, dass der Unfall der Auslöser für den Grow war?

Im Prinzip schon, kurz nach dem Unfall, also bereits in den späten 1990er Jahren, hatte ich meine erste Lampe. Beim Spazieren hatte ich zufällig einen der ersten Growshops Deutschlands entdeckt und habe mir dort sofort „Marihuana Drinnen“ von Cervantes gekauft. Nach den ersten beiden Kapiteln war ich zurück im Laden und habe mir eine 400-Watt Natriumdampflampe, Lüfter, Filter, Erde, Dünger und Töpfe gekauft. Die einfachste Grundausstattung hat mich damals so gute 300 Mark gekostet.

Es gab zwar damals auch noch Samen im Growshop, aber ich wollte sofort loslegen, ich war gierig. Also bin ich nach Amsterdam gefahren und habe mir die damals noch halbwegs frei verkäuflichen Stecklinge für drei Gulden pro Stück gekauft und die 35 „Orange Bud“ von einem Dorfpostamt bei Gouda nach Deutschland geschickt. Heutzutage würde ich das jugendlichen Leichtsinn nennen, aber es hat problemlos geklappt und so konnte ich knappe drei Wochen nach dem Kauf meiner „Bibel“ schon meinen ersten Grow starten. Als Lokalität hatte ich dazu die ungenutzte Ecke hinter der Toilette meiner Altbauwohnung gewählt. Homeboxing war noch ein Fremdwort zu dieser Zeit – wer anbauen wollte, musste vorher immer auch ein wenig umbauen. Mein Abort verfügte über ein kleines, einfach zu tarnendes Fenster für die Frischluftzufuhr der Box und außerdem hatte ich bereits drei Wände, so dass ich die ganze Box damals mit einer einfachen Rigipsplatte lichtdicht bekommen habe. Ich habe von Anfang an Cervantes‘ Rat befolgt und meine Mini-Grows so eingerichtet, dass sie weder gestunken noch gelärmt haben oder gar für Uneingeweihte sichtbar waren. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb ich das jetzt schon seit über 15 Jahren mache, ohne Stress bekommen zu haben. Na ja, die erste Ernte war dann umwerfend gut und ich dachte, das geht jetzt immer so weiter. Pustekuchen, denn ich wollte nicht ständig in Amsterdam Stecklinge kaufen und deshalb habe ich mir parallel zum ersten Grow schon eine Mutterpflanze selektiert. Eine White Widdow – und damit fingen Spaß und auch Ärger richtig an. Die nächsten Ernten waren dann eher bescheiden, denn in der Mutterkammer hatte ich verschiedenste Anlaufprobleme. Es hat damals fast zwei Jahre gedauert, bis ich eine kerngesunde, ertragreiche Mutti hatte und wieder auf dem Niveau meiner allerersten Ernte war. Ist eben alles eine Frage der Genetik, und ich habe halt drei Versuche gebraucht, eine Mutti zu selektieren, die den Ertrag und die Qualität meiner ersten Orange-Bud Ernte aus niederländischen Steckis hatte. In der Zwischenzeit hatte ich natürlich trotz meines schlauen Buches alle üblichen Fehler gemacht und deren Folgen durchlitten: Vor Dingen wie Überdüngung, Unterdüngung, Schädlingsbefall in allen Varianten, kaputter Zeitschaltuhr und damit verbundener Irritation der Pflanzen, Filterausfall, Geilwuchs und nicht identifizierten Männchen schützt kein Buch, nur jahrelange Erfahrung und das damit verbundene geschulte Auge vermeiden Fehler und die mit ihnen verbundenen Schäden früh genug.

Die White Widdow hat mich dann noch einige Jahre treu begleitet, bis ich damit angefangen habe, nur noch ganz spezielle Sorten zu growen. Ich finde, Gras anzubauen ist ähnlich entspannend, wie ein Terrarium oder Aquarium zu betreuen. Da holt man sich dann nach Jahren auch gerne mal ein paar große, bunte Fische statt der ewig gleichen Guppys, Goldfische oder Welse.

in der sechsten Woche
in der sechsten Woche

Hast Du die TWxMP#1 auch als Mutterpflanze?

Nein, momentan habe ich keine Zeit, neben meiner Blüte-Box noch eine Mutti-Box zu pflegen. Das ist eine Selektion eines Freundes aus 20 regulären Seeds, der genau wie ich auf Außergewöhnliches steht. Ich habe die Samen besorgt, er hat sie selektiert. Das ist jetzt mein zweiter Grow mit den edlen Senoritás, denn bei der The White x Mandala Purple #1 finde ich geil, dass sie Sativa Eigenschaften mit denen einer Indica auf eine Art vereint, wie ich sie bisher nicht kannte. Die schmeckt, als hätte sie mindestens 70 Tage gestanden, dabei ist sie nach 60 Tagen fix und fertig und so weiß wie eine G13, die glaube ich auch irgendwo im Stammbaum versteckt ist. Außerdem wächst sie sehr schnell und schön verzweigt, fast schon ein wenig zu flott. Ich musste schon in der dritten Blütewoche mit einem Netz nachhelfen, wie Du sehen kannst. Ansonsten wäre sie mir in der nicht gerade hohen Box zu hoch geworden. Meinen Cooltube habe ich mit einem Adjust-a-Wings Reflektor aufgetuned. So kann man mit der 400er Leuchte sage und schreibe bis 20 Zentimeter an die Pflanzenspitzen rangehen, ohne dass die verbrennen. Außerdem beleuchtet der mir die quadratische Box wirklich viel gleichmäßiger als der Standard-Reflektor, den ich all die Jahre zuvor benutzt habe. Ich habe keinen Hotspot in der Box und spüre sogar beim Gießen auf meinem Handrücken, dass sich das Licht sehr gleichmäßig verteilt.

ohne Cool Tube wär´s zu heiß
ohne Cool Tube wär´s zu heiß

Welches Equipment nutzt Du?

Na ja, mit den Jahren habe ich mir schon ein paar Extras gegönnt. Zuerst wäre da mal die G-Tool Box, Bonanza heißt die glaube ich, die sieht schön unauffällig aus. Ich habe einen zusätzliche Schalldämpfer als Abluft-Schornstein, einen ultraleichten Filter und als Beleuchtung ein elektronisches, regelbares 400 Watt Vorschaltgerät mit Super-Lumen Stufe, die ich ab der vierten Blütewoche auch nutze. Dann habe ich 10 Prozent mehr Licht für die Buds, allerdings verbraucht das Gerät dann auch 440 Watt. Aber ich finde, das ist es wert. Als Medium nutze ich ein Kokos-Perlite Gemisch in 8 Liter großen Rout Pouches.

Zum Düngen nehme ich schon seit über zehn Jahren Grow/Micro/Bloom von GHE, mit wechselnden Zusätzen. Die letzten beiden Ernten habe ich die Zusätze von Green Buzz Liquids ausprobiert und muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Die bestehen aus reiner Natur und ich finde, mit einem guten NPK-Grunddünger muss man nicht noch mehr Phosphate oder Kalium dazugeben. Das Ergebnis stimmt auch.

Natürlich messe ich den EC- und den pH-Wert. Die The White x Mandala Purple #1 vertragen ganz ordentlich Dünger, mehr als viele andere Sativas, die vorher in meiner Box standen. Ich fange bei ihnen mit 1,2 mS in der ersten Blütewoche an und gehe dann langsam bis auf 2,4 mS in der fünften Blütewoche hoch. Danach senke ich den EC-Wert wieder sukzessive bis auf 1,8 mS, in den letzten 10 Tagen gibt es nur noch klares Wasser mit einem 5,5er pH-Wert. Den Rest der Zeit liegt der pH-Wert bei 5,8.

Gegossen wird alle zwei bis drei Tage, nicht mehr als einen Liter pro Pflanze. Ich liebe es, meine Pflanzen per Hand zu versorgen, nur so kann ich jede einzelne „lesen“, also sehen, wieviel sie trinkt, ob sie unten eventuell Blätter verliert, Schädlingskontrolle vornehmen oder sie auch mal ins Licht drehen, wenn andere Pflanzen den zarten Triebe die Sonne nehmen. Den Gießzeitpunkt lege ich fest, indem ich den Topf anhebe und gieße erst, wenn er leicht ist.

 

Wie „leicht“?

Naja, so leicht, dass fast kein Wasser mehr drin ist. Ich habe früher den Finger in den Topf gesteckt, um zu fühlen, ob ich gießen muss. Mit den Jahren habe ich aber gemerkt, dass beim Indoor-Anbau der Topf im unteren Bereich aber oft noch sehr nass ist, während im oberen Drittel schon ziemliche Trockenheit herrscht. Deshalb hebe ich lieber an, anstatt zu fühlen.

 

Hälst Du The White x Mandala Purple #1 eigentlich eine schwierige Sorte? Wie sieht es mit dem Ertrag aus?

Ich kann ja mal von Anfang an erzählen. Ich habe neun ungefähr 15 cm große, gut durchgewurzelte Stecklinge bekommen, die ich direkt in die 7,5 Liter Töpfe aus Recycle-Material umgetopft und sie bei 18 Stunden Beleuchtung unter eine 400Watt Wachstumslampe in meine kleine Box gestellt.

Nach einer knappen Woche waren sie ungefähr 25 cm hoch und ich habe mich entschlossen, sie in die Blüte zu schicken. Ich wusste ja nicht genau, was mich erwartet, denn die Box ist ja nur 1,60 m hoch und abzüglich der Lampe hatte ich ja nur noch einen Meter nach oben. Beim letzten Mal, dem ersten Durchgang mit dem spanischen Leckerli, hatte ich sie bei nur 12 Zentimetern Höhe und guter Bewurzelung in die Blüte geschickt. Da gab es dann durchaus noch viel Platz nach oben, was auch weniger Ertrag heißt, also sollten sie diesmal ein wenig länger vorwachsen, um insgesamt höher und somit ertragreicher zu werden. Mein Freund und Stecklings-Macher meinte, die The White x Mandala Purple #1 könnte in der Blüte fünf mal so hoch werden wie zu Blüteanfang –  also war es bei 25 Zentimetern höchste Zeit für den 12/12 Rhythmus.

Sobald ich die Beleuchtungszeit umgestellt hatte, schossen die Damen förmlich gen Himmel und hatten Ende der zweiten Woche schon eine durchschnittliche Höhe von 70 cm erreicht, wobei kaum Blütenansätze vorhanden waren. Es war also absehbar, dass mindestens die drei größten Ladys höher werden, als Ihnen unter diesen Bedingungen gut getan hätte. Also habe ich flugs ein Netz gespannt und den neun Zeltbewohnerinnen eine Art Korsett verpasst, indem ich die größten unter Ihnen einfach ganz vorsichtig in die Knie gezwungen habe. Ich habe sie zu diesem Zwecke so gebogen, dass sie statt 70 jetzt nur noch 40 cm hoch waren und dafür ein wenig Schräglage hatten, die vom Netz gehalten wurde. Anfangs war ich ein wenig skeptisch, ob das hinhaut, aber wie Du sehen kannst sind jetzt, fünf Wochen nach dem Biegen, fast alle Tops auf gleicher Höhe und sehen kerngesund aus.

Nach der Biegerei haben die Ladys keinen Tag gebraucht, bis ihre Spitzen wieder ins Licht geragt haben und haben sich weiterhin prächtig entwickelt. Ich denke aber, dass ich beim nächsten Durchgang mal versuche, bei 20 cm Größe die Blüte einzuleiten, dann sollte meine Box genau passen. Ohne Trial ’n Error Prinzip gäbe es nur Mittelmaß beim Growen. Den Tipp habe ich aus einem nicht all zu alten Hanf Journal, hihi.

Die Internodien waren schön kurz und nach fünf Wochen waren Länge und Form der Topbuds bereits absehbar, auch die Seitentriebe waren wie bei einer Sativa üblich bestens ausgeprägt. Die Blüteentwicklung hat, ganz Sativa-like, erst in der dritten Woche richtig angefangen und ist extrem schnell passiert. Gegen Ende der sechsten Woche ist dann noch was Seltsames passiert: Innerhalb von drei Tagen hat der Topbud eine kegelförmige Spitze ausgebildet, vorher war er eher platt. Diese Spitze ist mittlerweile, also heute am 58. Tag, auch voller Harz und ich habe gestern mit dem Mikroskop geschaut: Die Harztropfen werden schon milchig, die Blätter haben auch kaum noch Nährstoffe. Ich denke, in zwei bis drei Tagen kann ich mit der Ernte anfangen. Die Buds sind sehr, sehr kompakt und ich sehe jetzt schon, dass die trockenen Buds genauso steinhart und fest werden wie beim letzten Durchgang, nicht luftig-fluffig.

Insgesamt würde ich die TWxMP#1 nicht als sehr kompliziert anzubauen beschrieben, sie braucht allerdings Platz und ein paar Tage zum Vorwachsen. Ob sie für eine Sea of Green geeignet wäre, bezweifle ich. Sie braucht Platz, die Seitenäste machen mehr als 50 Prozent des Ertrags. Aber das gleicht sie durch die enorme Wuchsgeschwindigkeit und die sehr festen Buds wieder aus, selbst die unteren Blüten lohnen sich hier richtig. Die TWxMP#1 lässt sich schön schnell ernten, weil die Buds knüppelhart sind und ein sehr gutes Blüte/Blatt Verhältnis aufweisen. Auch kleine Buds lassen sich prima bearbeiten.

Ich wiege meine Ernten nie. weil ich sie ja nicht weitergebe, aber ich würde sagen, ihr Ertrag liegt im oberen Mittelfeld. Für eine Edelsorte finde ich sie sogar extrem ertragreich. Beim letzten Mal hatte ich ungefähr 30 Gramm an einer Pflanze, ich denke diesmal sind es noch ein paar mehr. Rechnet selber, Gramm pro Watt ist nicht meine Welt 🙂 und Hauptsache es reicht für meine Schulter, ein paar schöne Stunden und den Wochenend-Joint mit meiner Süßen.

...fast fertig
Kopfüber beim Trocknen

Wo trocknest Du?

Nach dem Ernten und dem Beschneiden hänge ich die Ladies kopfüber in meine 40 x 40 cm „Green Room“ Trockenbox und lasse sie, je nach Klima, drei bis fünf Tage antrocknen, um sie dann in ein verschlossenes, lebensmittelechtes Gefäß (Schraubglas, Tupperware) zu verpacken. Das muss dann eine Woche lang ein- bis zweimal pro Tag für eine Stunde gelüftet werden, wenn es dann die richtige Konsistenz erreicht hat, kommt es fest verschlossen in den Kühlschrank und bleibt dort lange frisch, wird mit der Zeit sogar noch leckerer. Sobald ich geerntet habe, geht es wieder von vorne los.

So schaffe ich es, mit drei Ernten pro Jahr immer ausreichend Medizin in Form von Gras, Hasch und Keksen im Kühlschrank lagern zu können, ohne auf den Schwarzmarkt angewiesen zu sein. Im Sommer mache ich aufgrund der Hitze und meines Urlaubs immer eine dreimonatige Pause. Eigentlich bin ich mit meiner Situation diesbezüglich ganz zufrieden, aber nach fast zwanzig Jahren Illegalität habe ich immer noch die Hoffnung, mein erworbenes Wissen und meine Erfahrungen eines Tages offen und legal teilen zu können, um damit anderen, chronisch Kranken zu helfen.

Ich habe mich mit dem Thema in letzter Zeit ein wenig intensiver beschäftigt und kann kaum glauben, was für einen Affentanz um die Growerei gemacht wird. Allen Kranken, die sich nicht trauen, kann ich nur sagen: Holt Euch ein vorher Rezept und legt los. Hanfanbau ist auch unter Kunstlicht keine Hexerei, auch wenn Hanfanbauende heute, ähnlich wie Hexen im Mittelalter, verfolgt werden. Über längeren Zeitraum auf ein Medikament zu verzichten, ist für mich viel schlimmer als die zu erwartende Strafverfolgung. Viele Patienten haben so viel Angst vor Strafe, dass sie die Einhaltung des BtmG für wichtiger als ihre eigene Gesundheit halten. Ich sehe das anders. Würden sie mich heute erwischen, stünden morgen die nächsten Pflanzen da. So lange, bis sie mich in den Knast schicken und mir meine Medizin da bezahlen müssen.“

 

Wow, heftige, aber wahre Worte zum Schluss. Auch wenn ich wieder mal darauf hinweisen muss, dass wir nicht zum Anbau aufrufen dürfen, nicht einmal die Patienten.

Wir danken Dir für das Gespräch, Ruben. Bis zum nächsten Mal.

Bis bald. Hab‘ Dich ja lang genug warten lassen. Gerne wieder, vielleicht dann mit Lizenz zum Hanfanbau.

* Name von der Redaktion geändert

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