Montag, 10. Februar 2014

Feuer auf Marlene Mortler

Ein Verzicht auf das Amt als Drogenbeauftragte wäre besser gewesen

Bild: Pressefoto von Marlene Mortler
Bild: Pressefoto von Marlene Mortler

Die neue Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) wuchs auf einem Bauernhof in Franken im Nürnberger Land auf. Der 1380 erstmals urkundlich erwähnte Hopfenhof in Dehnberg bei Lauf ist seit 1780 in Familienbesitz. Heute leben drei Generationen unter dem Dach des traditionsreichen Betriebes und Marlene Mortler regelt – so weit dies möglich ist – auch von hier ihre politischen Aktivitäten.

 

Franken, Land der Biere, Weine und Schnäpse

 

In Franken gibt es die größte Brauereidichte Europas. Rund 300 Brauereien halten in Franken die Brauerskunst hoch und schaffen eine einzigartige und verlockende Biervielfalt. Franken hat mehr als doppelt so viele Brauereien wie alle anderen Regionen Bayerns, mehr Brauereien als jedes Bundesland in Deutschland und als jedes Land Europas. Aus Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser wird in Traditionsunternehmen sowie in kleineren und kleinsten Hausbrauereien fränkisches Bier gebraut – Franken kann mit der größten Brauereidichte Europas werben.

 

Fränkische Weine im Bocksbeutel (Flaschen in Form eines flach gedrückten Ellipsoids) sind weltbekannt. Üblicherweise wird der Bocksbeutel für qualitativ hochwertige Weine verwendet. Das Mindest-Mostgewicht für Bocksbeutelwein liegt mit 72 Grad Oechsle über dem für Qualitätswein. Ja, Franken hat eine traditionsreiche Weinkultur.

 

In Franken gibt es auch über 2.000 Brennereien. Die Herstellung von Schnäpsen und anderen Alkoholika haben in Franken eine lange Tradition. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Marlene Mortler auf der CSU-Tagung in Wildbad Kreuth in humorvoller Weise ein neues hochprozentiges Getränk (38% vol.) namens „Kreuther Geist“ als fränkische Visitenkarte vorstellte.

 

Tabak in Franken

 

In Deutschland wird seit dem 16. Jahrhundert Tabak angebaut. Nach dem Ende der EU-Tabakförderung im Jahr 2010 verliert der traditionsreiche Tabakanbau in Bayern an Bedeutung. Die Region Franken war schon immer Zentrum des bayerischen Tabakanbaus. Derzeit bauen jedoch nur noch 23 Pflanzer auf einer Fläche von rund 300 Hektar Tabak an. Im Spitzenjahr 2002 sind es noch rund 80 Bauern gewesen; sie hatten seinerzeit eine Fläche von rund 815 Hektar bewirtschaftet.

 

Wer in einem arabischen Kaffeehaus im Nahen Osten einen tiefen Zug aus einer Wasserpfeife nimmt, ahnt wohl kaum, dass er dabei womöglich Tabak aus Franken raucht. Denn die Tabakerzeuger aus Franken gehören zu den Hauptlieferanten von Wasserpfeifentabak im arabischen Raum. Von den 1500 Tonnen Wasserpfeifentabak, die ein großes Tabak-Handelshaus jährlich nach Ägypten liefert, stammt rund die Hälfte von fränkischen Tabakbauern. Der fränkische Wasserpfeifen-Tabak wird vor allem wegen seines hohen Zucker- und seines vergleichsweise niedrigen Nikotingehalts geschätzt.

 

Marlene Mortler – Interessevertreterin der fränkischen Tabakbauern

 

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler kritisierte im April 2004 die Haltung der Bundesregierung zur geplanten Reform der gemeinsamen EU-Marktorganisation für Rohtabak. Sie gefährde heimische Tabakbauern. Und sie warnte als Vorsitzende des Ausschusses für Tourismus im Deutschen Bundestag vor übertriebener Bevormundung des Staates in die Lebensbereiche seiner Bürger in einem Beitrag in der Zeitschrift Trend im Oktober 2006. Sie bezog sich dabei auf einen Gruppenantrag der Union und der SPD im Bundestag für ein totales Rauchverbot in Restaurants. In diesem Zusammenhang wird sie in dem Buch von Katrin Busch „Die Einflussnahme der Tabaklobby auf das Bundesnichtraucherschutzgesetz – Analyse einer geheimen Strategie“ (Igel Verlag 2009) wie folgt zitiert: „Gesundheitsschädlichkeit ist immer eine Frage der Dosis, und nach Untersuchungen, die ich kenne, ist die Gefährlichkeit des normalen Passivrauchens überhaupt nicht belegt.

 

Marlene Mortler ist eine Genießerin

 

Auf ihrer Homepage veröffentlicht Marlene Mortler ein gutes Dutzend Rezepte. Die zeugen von einem differenzierten und hohen kulinarischen Niveau. Ja, die Frau hat einen guten Geschmack. Und so trifft sie sich auch gerne mit Leuten, die auch gerne genießen und Geschmack haben. So war sie beispielsweise auf der 3. Kulinarischen Künstlermeile der Gemeinde Rohr (2007). Die Kulinarische Künstlermeile (KKM) hat sich zum Geheimtipp für Genießer und Kunstinteressierte entwickelt. Und sie wurde auch auf der „Consumenta“ im September 2011 in Unterkrumbach gesehen – bei der Kochshow der fränkischen Weinkönigin Melanie Unsleber. Genusskultur ist Marlene Mortler sehr vertraut. Und das fängt bei ihr auf dem eigenen Bauernhof an, wo sie auch Bioprodukte anbaut.

 

Marlene Mortler wäre eine hervorragende Drogenbeauftragte, wenn…

 

Wenn es die Aufgabe der Drogenbeauftragten wäre, die Bevölkerung mit guten Drogen zu versorgen und die Drogengenusskultur zu fördern, dann wäre Marlene Mortler die ideale Person für dieses Amt.

 

Marlene Mortler ist auf dem Hopfenhof aufgewachen. Hopfen ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Hanfgewächse. Der bekannteste Vertreter der Gattung ist der Echte Hopfen, der zum Bierbrauen verwendet wird. Wer Hopfen anbauen kann, der kann auch leicht lernen, Hanf anzubauen, da diese Pflanzen aus der gleichen Pflanzenfamilie stammen. Ein kontrollierter Hanfanbau mit Sorten mit einem fest definierten THC- und CBD-Gehalt für medizinische, ludische und hedonistische Zwecke würde das Problem mit gefährlichen Streckmitteln im Gras rasch beenden, da dann Schwarzmarktprodukte mit fraglichen Qualitäten nicht mehr konkurrenzfähig wären. Zudem wäre die Nachfrage nach neuen synthetischen Cannabinoiden um ein Vielfaches geringer, da diese zumeist als Ersatz für echten Hanf konsumiert werden.

 

Auch die Zucht von Zauberpilzen könnte für die Bauern eine gute Einnahmequelle sein. Bei verschiedenen Rankings bezüglich der Gefährlichkeit von Drogen schnitten die Zauberpilze am besten am – sie gelten als Drogen mit einem sehr geringen Gefahrenpotenzial. Die Verfügbarkeit eines breiten Sortimentes von Zauberpilzen würde sicherlich die Nachfrage von zum Teil noch völlig unerforschten neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) reduzieren.

 

Mit ihren Kenntnissen in der Landwirtschaft und ihrer Liebe zur Genusskultur könnte Marlene Mortler einen großen Beitrag zu Kultivierung von Drogen wie auch zur Drogengenusskultur leisten, wenn es nicht die Aufgabe des Amtes wäre, Kampagnen zur Konsumreduzierung zu lancieren und Maßnahmen zur Eindämmung der Verfügbarkeit zu ergreifen.

 

Eine perfide Personalentscheidung

 

Marlene Mortler wurde von Bierbrauern, Hopfenbauern, Obstbrennern, Winzern und Gastwirten als Vertreterin ihrer Interessen gewählt. Nun muss sie als Drogenbeauftragte genau deren Interessen verraten, mit Kampagnen zur Konsumreduzierung und Maßnahmen zur Eindämmung der Verfügbarkeit. Böse Zungen sagen, diese Personalentscheidung aus der CSU sei ein geschickter Schachzug, um Marlene Mortler politisch kalt zu stellen, da sie genötigt wird, Dinge zu proklamieren, von denen sie nicht überzeugt ist und dadurch an Glaubwürdigkeit verliert. Dass die politische Klasse insgesamt Gefahr läuft, durch eine solche Entscheidung Schaden zu nehmen, scheint bei den Eliten in den Regierungsparteien keine Rolle zu spielen. Offensichtlich ist jedenfalls eines: Es wäre besser gewesen, wenn Marlene Mortler dieses Amt nicht angenommen hätte.

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