Montag, 16. Dezember 2013

Polizeirazzien in tschechischen Growshops

Die Stimmung kippt

"Der Grüne Daumen, diesmal anders" -
Foto: Archiv

In der Tschechischen Republik werden seit dem 4. November Polizeirazzien durchgeführt. Der Hauptverdacht lautet Anstiftung zur Toxikomanie laut § 287 im tschechischen Strafgesetzbuch, der den Straftatbestand der Verbreitung der Rauschgiftsucht definiert. Dieser Gummiparagraf wurde bereits beim Global Marijuana March gegen vereinzelte Aussteller angewendet und kommt jetzt auch im Zuge der Growshop-Busts zum Einsatz. Insgesamt wurden bis Mitte des Monats fast 100 Läden und private Haushalte überprüft. 45 Personen wurden angeklagt und weitere 32 stehen unter Verdacht.

Die tschechische Polizei hat Mitte November einen Bericht über die Ergebnisse der Razzien veröffentlicht. Polizeisprecherin Oberleutnant Mgr. Ivana Jezkova teilte mit, dass die Polizei Waren wie Substrate, Hydro-Pots, Düngemittel, Ventilatoren, Samen, etc. aus den Grow- und Headshops beschlagnahmt hat. Die Polizei fand außerdem 16 Growrooms in Privatwohnungen der Shopbesitzer und stellte insgesamt 11 kg Marihuana sicher. Alle Gegenstände werden einer genauen Untersuchung unterzogen. Aus den Durchsuchungen der Polizei resultierten 50 Einzelanklagen. Deren Anklagepunkte lauteten: „Anstiftung zu Toxikomanie, durch das Anbieten und das öffentliche Bewerben von Produkten, die den Anbau und den Gebrauch von Marihuana propagieren. Dazu gehören Anleitungen und Ratgeber für den Anbau, die Bereitstellung von Anbaumaterialien wie Samen und Handbücher und die Verwendung dieser Materialien, um den höchst möglichen Anteil an THC und somit den höchst möglichen Grad an psychoaktiven Eigenschaften zu erzielen.“

Die Polizei ließ auch verlauten, dass die Anzahl de Growräume in der Tschechischen Republik in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Dem entsprechend hat sich auch die Anzahl der Growshops (Läden sowie der online Vertrieb), die Growutensilien  für den Cannabis-Anbau anbieten, erhöht. Im Oktober 2012 hat der Oberste Gerichtshof in Tschechien, im Fall eines kleinen Growshops in Nordböhmen, welcher Growutensilien, Samen und Handbücher sowie Magazine angeboten hat, ein konkretes Urteil gefällt. Das Urteil lautete, dass ein Fall von Anstiftung zur Toxikomanie vorliege, wenn in einem Laden alle drei Produktarten angeboten werden. Der Besitzer wurde damals zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Auf Grund dieses Urteils geht die Polizei nun gegen die Growshop-Besitzer vor und dies obwohl die Berufung auf Präzedenzfällen nicht Teil des tschechischen Rechtssystem ist.

Die Polizei konzentriert sich nun auf Ladenbesitzer und Verkäufer, die den Tatbestand der Anstiftung zur Toxikomanie erfüllen. Nach Auffassung der Polizei macht sich jeder oder jede, die andere zum Konsum abhängig machender Substanzen außer Alkohol animiert, schuldig. Das gilt auch für die Leute, die Anleitungen oder Informationen über Filme, Radiosendungen, das Fernsehen, Magazine, Webseiten oder ähnliches verbreiten.

Nach Auslegung der Beamten sind Growshops Orte, an denen Kunden alles kaufen können, was sie für den Anbau, die Verarbeitung und den Konsum von Marihuana benötigen. Insbesondere geht es dabei um den Verkauf von Samen aus denen psychoaktive Pflanzen wachen, um die Verbreitung von Flyern, Werbung, Katalogen und Gegenständen mit einem Cannabis-Blatt als Logo; um Anbaugeräte wie Dünger, Lampen oder große Kohlefilter, aber auch um Rauchwerkzeug wie Blättchen, Bongs, Grinder und ähnliches. Auch die Websites der Shops, in deren Foren sich Grower austauschen und Informationen verbreiten, stehen im Fokus der Beamten. Auf Grund der Kombination von Informationen und dem Verkauf von Grow-Bedarf stiften die Shops, laut Polizei, zu illegalen Handlungen an, sprich dem Anbau von Cannabis mit mehr als 0,3% THC.

Ob die Polizeirazzien in direkter Verbindung mit der Cannafest-Messe, dem größten Hanfevent des Landes, stehen, welche vom 8. bis 10.11.2013 stattfand, ist unklar. Fakt ist, dass viele der durchsuchten Shops Aussteller auf der Cannafest waren. Abgesehen davon gingen die Razzien allerdings auch nach der Messe weiter und bisher ist kein Ende in Sicht.

Mehr Infos:

http://www.policie.cz/clanek/policiste-se-zamerili-na-growshopy.aspx

 

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