Dienstag, 1. Oktober 2013

Wenn Beamte Patienten besuchen Vol. II

Diesmal in Visier der Justiz: Saubadin Mustafa aus Bayern

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Miese News Foto: Archiv

Saubadin Mustafa wohnt in Bayern und ist Cannabis-Patient. Er nutzt Cannabis als Medizin bereits seit einigen Jahren. Sein Arzt befürwortet die Therapie, aber aufgrund der hohen Hürden hatte Saubadin bislang noch keinen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung gestellt. Das sollte sich schlagartig ändern, als Polizeibeamte im Frühling diesen Jahres in seiner Wohnung auftauchten, seine Medizin sowie das technische Equipment zu deren Produktion beschlagnahmten und Herrn Mustafa ohne Medizin, dafür mit einer Anzeige und einem Beschlagnahmeprotokoll allein ließen. Viele, die in seiner Situation sind, verzichten in solch einer Situation vor lauter Angst vor einer noch höheren Strafe dann auf den Patientenstatus und geben vor Gericht klein bei, weil selbst der Anwalt ihnen zu einem solchen Verhalten rät. Sebastian hat sich dazu entschlossen, sich zu wehren, seinen Patientenstatus feststellen zu lassen und nicht auf seine lebensnotwendige Medizin zu verzichten, nur weil er sie aus einer Notlage heraus selbst angebaut hat.
Er wird auch vor Gericht die Beweggründe für den Eigenanbau deutlich machen und erhofft sich so selbst in Bayern einen „rechtfertigenden Notstand“, also einen Freispruch dritter Klasse. In Berlin und Hamburg gibt es bereits mehrere solche Fälle.

Wir haben Saubadin zu seiner Krankheit, seiner Medikation und den Motiven, sich gegen das empfundene Unrecht zu wehren, befragen können.

Hallo Mustafa
Hallo Hanf Journal

Gegen welche Symptome nutzt Du Cannabis?
Gegen meine schwere Fibromyalgie, das ist ein chronisches, unheilbares Schmerzsyndrom.

Hast Du es vorher mit anderen Medikamenten versucht? 
Ja habe ich: Diclofenac, Tramal, Amitripylin und Doxepin. Die hatten allesamt schwere Nebenwirkungen und haben, wenn überhaupt nur sehr kurzfristig geholfen.

Wann hast Du gemerkt, dass Hanf Deine Symptome lindert? 
An einem Tag, an dem es mir sehr schlecht ging, habe ich in einer Runde gesessen und eher zufällig an einem Outdoorjoint gezogen. 15 Minuten später trat eine Linderung der Schmerzsymptome um nahezu 85% ein.

Weshalb hast Du Gras angebaut? 
Weil ich krank bin und die Symptome der Krankheit ohne Gras so schwer zu ertragen sind, dass mir der Lebensmut flöten geht.

Was sagt Dein Arzt zu der Therapie?
Er befürwortet die Therapie schon lange und hat mich jetzt auch bei der Antragstellung unterstützt.

Wie hoch ist Deine tägliche Dosierung?
Je nach Schmerzbefinden ein wenig unterschiedlich, im Durchschnitt so ungefähr 1.5 Gramm/Tag.

Verspürst Du Nebenwirkungen?
Nein, keinerlei Nebenwirkungen.

Musstest Du Deine Dosis seit Therapiebeginn steigern?
Nein.

Rauchst, isst oder vaporisierst Du dein Gras? 
Zurzeit rauche ich es noch, aber will damit aufhören und es aus gesundheitlichen Gründen vaporisieren.

Dein Antrag lief bereits, als die Polizei bei dir war?
Nein, hab den Antrag unmittelbar danach gestellt. Wie ich heute telefonisch erfahren habe, ist meine Erlaubnis  durch. Ich warte jetzt im Prinzip nur noch auf das Schriftstück.

Hatten die Beamten Verständnis für Deine Notlage bezüglich des Anbaus?
Hier in Bayern haben die Beamten am wenigsten Verständnis.

Gibt es bereits eine Anklage wegen Deines Eigenanbaus?
Die Anklageschrift ist natürlich schon da. Mir werden Erwerb und Anbau vorgeworfen. Ich werde dann wegen einer „nicht geringen Menge“ angeklagt, weil es sich um insgesamt 11,89 Gramm THC handelt. Das ist ungefähr so viel THC, wie ich in einem einzigen Monat benötige, bei 1,5 Gramm am Tag und einem Wirkstoffgehalt von ungefähr 20%. Mein Anwalt meinte, das könnte sogar Knast geben, weil ich vor elf Jahren schon einmal mit 17 Pflanzen erwischt worden bin.

Wie kommst Du zurzeit an deine Medizin? 
Ganz schlecht bis gar nicht. Ich bekomme, wenn überhaupt, nur schlechte Qualität zu kriminellen Preisen, deshalb auch der Eigenanbau zur Selbsttherapie.

Was sagt Deine Familie? 
Meine Frau konsumiert kein Cannabis, befürwortet es aber, weil es hilft.

Wie geht es dir jetzt?
Sehr schlecht, wenn ich die konventionellen Medikamente wieder nutzen muss, leide ich an Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und vor allen Dingen unter Schmerzen am ganzen Körper. Ich habe Schmerzen, weil ich fast keine Medizin habe, seit mir meine selbst angebaute beschlagnahmt wurde. Aber nach dem Telefonat mit der netten Dame vom BfArM schon viel besser, weil ich gerade erfahren habe, dass mein Antrag genehmigt worden ist.

Dann wünschen wir Dir, dass Du das Stück Papier alsbald in den Händen hältst und auch eine Apotheke findest, die Dir weiterhilft. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft.
Ich danke Euch und möchte die Gelegenheit noch nutzen, alle, die sich in einer ähnlichen Situation wie ich befinden, zu ermutigen, sich gegen das Unrecht zu wehren, indem sie ihren Status als Patient auch formell manifestieren. Tschüss.

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