Dienstag, 1. Oktober 2013

Do it yourself

Ein Erdloch im Herbst

Ein Bagger kann helfen, ist aber nicht so diskret... - Foto: sxc
Ein Bagger kann helfen, ist aber nicht so diskret… – Foto: sxc

Zum offiziellen Herbstanfang am 22.09.2013 darf man die Hoffnung auf ein paar sommerliche Sonnenuntergänge nicht zu vorschnell aufgeben, da man sicherlich noch den einen oder anderen warmen Tag im Freien verbringen kann.
Abends am Lagerfeuer, beim Grillen oder beim Steigen lassen eines selbstgebauten Drachens kann man sich dazu etwas Abwechslung in den gemeinen Marihuana Alltag bringen, falls man mit Handwerksgeschick, den richtigen Materialien und einer Umgebung beschenkt wurde, die einem das Bauen einer in Kifferkreisen Erdloch genannten Vorrichtung erlaubt.

Die mystisch wirkende und vorzeitlich anmutende Rauchapparatur wurde mit ziemlicher Sicherheit als eine der ersten Anwendungsformen für die Inhalation von Cannabisrauch verwendet, wenn man sich Nutzbarkeit und Einfachheit der naturverbunden Konstruktion vor Augen hält und dazu rechnet, seit wann der Hanf genossen wird.
Mittels eines Tunnels, der unter der Erde gegraben wird, baut man ein Art Pfeife, die einen Kopf für die Kräutermischung, eine Röhre zwecks des Transports und der Abkühlung des Rauchs und ein Mundstück für das seichte Anschmiegen der gierigen Lippen bietet.
Das alles wird aus den handelsüblichen Materialen, die im weiten Warenhaus der Natur tagtäglich gespendet werden, zusammengeschustert, so dass Ethnologen ihre wahre Freude daran hätten.

Erde, Steine, Schachtelhalm oder besser Bambus, ein Holz mit Astloch oder ein abgeschlagener Flaschenhals mit intaktem Mundstück und dazu Feuer. Es bedarf also nur ein paar Kleinigkeiten.
Dann muss der Mann von Welt ein bisschen Maulwurf spielen und genannte Bauteile einsetzen. Erdloch High. Wie man sich draußen mit wenig Aufwand, und ohne sich groß die Hände schmutzig zu machen, ins Mittelerdenreich der Kiffer-Kultur graben kann, versucht die folgende kurze Erklärung zu vermitteln.

Zuerst bedarf es der weise gewählten Festlegung des perfekten Platzes. Feuchtes, aber stabiles Erdreich ist eine gute Grundlage. Bewachsener Grasboden schadet in keinster Weise.
Auch kleine Hänge können genutzt werden, wobei der folgend zu kreierende Verbindungstunnel, dann ideal in einem 90°Grad Winkel gesetzt werden sollte.
Den Tunnel konstruiert man in jedem Fall mit zwei gerade gewachsenen, abgefallenen Ästen, die von den entgegengesetzten Seiten durch das Erdwerk geschoben werden und sich im besten Fall passgenau als goldenes Dreieck unterirdisch treffen. Dies erfordert die größte Aufmerksamkeit und etwas Geschick in der Ausführung.
Entfernt man die Äste dann nach erfolgreicher Arbeit, hat man hoffentlich eine abgeschlossene, leicht nach unten führende Tunnelverbindung zwischen den beiden kleinen Löchern an der Oberfläche. Nun erwählt man die passende Seite für den angenehmeren Anzugspunkt und damit auch des Chillums, beziehungsweise des Köpfchens, dass die andere Seite der riesigen, weltumspannenden Tonpfeife darstellt. Hier gelangt später die vorbereitete Kräutermischung hinein.
Den „Kopf“ kann man den Vorlieben entsprechend ausweiten und vergrößern, gefüllt wird ein Teil des Trichters anschließend mit ein paar kleinen Kieselsteinchen, die die Kräuterschale definieren und zudem als Sieb dienen, da sie verhindern, dass beim ersten Luftzug alles vom Erdboden verschluckt wird.

Man achtet daher darauf, dass sich die kleinen Steine im Boden leicht verankern, aber immer genügend Durchzugsmöglichkeiten für die kommenden Rauchschwaden lassen.

Am anderen Ende des Tunnels fügt man idealerweise einen hohlen Ast, ein Schilfrohr, eine präparierte Frucht oder ein ausgeblasenes Straußenei aus ökologischer Freilandhaltung, nicht aus der Legebatterie, ein, die dann mit Resterde luftdicht eingebaut werden. Banausen nutzen eine bodenlose Flasche, die natürlich mit dem größeren offenen Ende in die Erde gesetzt wird, und mit dem unbeschadeten Mundstück außen eine gefahrfreie Inhalation gewähren sollte.
Die Entfernung von Kräuterkopf und Anzugspunkt wählt der erfahrene Architekt individuell. Zu bedenken ist dabei, dass ein längerer Weg den Rauch besser kühl und ihm ein stärkeres, erdiges Aroma mit auf den Weg gibt. Dass man mit dem eigenen Arm vielleicht auch nicht mehr das Feuerzeug an das Chillum bewegen könnte, ist dabei ebenso zu beachten.
Erdloch bauen, rauchen und genießen ist in der Regel eben ein Stammesritual, welches gemeinsam verbracht werden möchte. Noch wichtiger beim Gebrauch eines Erdlochs ist aber vor allem, dass man seine Feuerstätte so hinterlässt, wie man sie angefunden hat. Natürlich.

PS: Üben kann man die Bauweise mit verschiedensten Materialen auch schon in den bis zu einem Meter langen, handelsüblichen Balkonblumenkästen auf Muttis Balkon. Diese eignen sich, mit regulärer Blumenerde befüllt, hervorragend, um schon mal auszuprobieren, was sich auf der nächsten Gartenparty zum garantierten Generieren des größtmöglichen Hits anbietet. Und falls es mal regnet, hat man gleich ein transportables Erdloch für daheim, das gut gegen trübe Stimmung wirkt.

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