Samstag, 7. September 2013

Eine Reise nach wohin eigentlich keiner will

Buchtipp: Kurt Krömer
Eine Reise nach wohin eigentlich keiner will 

Eine Reise nach wohin eigentlich keiner will

Kurt Krömer dürfte spätestens seit seiner ARD Late Night Show den meisten ein Begriff sein, doch kennt man den Berliner sonst eher als aufmüpfigen Komiker mit zuweilen zweifelhafter Garderobe. Dass sich eben dieser auf eine Reise nach Afghanistan begeben hat und darüber auch noch ein Buch schrieb, dürfte viele überrascht haben. Krömer ist bekennender Wehrdienstverweigerer und so war auch er überrascht, als er von der Bundeswehr die Einladung erhielt vor den deutschen Soldaten in Afghanistan aufzutreten. Er sagte zu mit der Bedingung auf dem Trip von einem eigenen Kamerateam begleitet zu werden. Nach drei Auftritten in Kabul und Umgebung und zahlreichen Begegnungen mit deutschen Soldaten sowie einem Militärpfarrer geht es zurück nach Deutschland.

Krömer war von den neu gewonnen Eindrücken so bewegt, dass er sich entschloss noch eine zweite Reise nach Kabul zu unternehmen, um dieses Mal das Leben der einheimischen Zivilisten kennen zu lernen. Während der zweiten Reise bleiben Kurt Krömer und seine Begleiter in einem Hotel und werden von ortskundigen Einheimischen begleitet. Sie essen mit afghanischen Familien und besuchen den Schrottplatz der Amerikaner, die ihren Müll nach Afghanistan loswerden.
Krömer sagt von sich selbst er sein kein Enthüllungsjournalist und auch kein Schriftsteller, sondern im Inneren immer noch ein Arbeiterkind aus Berlin-Neukölln. Er schreibt aus der Sicht eines Zivilisten, der den Wahnsinn des Krieges nur schwer begreifen kann und dem nicht auf Anhieb bewusst sein kann, dass eine vergessene Tasche oder das Stehen und Rauchen am falschen Ort schnell den Tod von Menschen bedeuten kann.

Krömer hat „Eine Reise wohin eigentlich keiner will“ zusammen mit seinem Produzenten Tankred Lerch verfasst und mit Erfahrungsberichten des ZEIT-Journalisten Peter Kümmel, der das Team begleitete, um für die ZEIT zu berichten, erweitert. Zahlreiche Fotos helfen dem Leser sich ein Bild von den Umständen vor Ort zu machen. Das Buch ist manchmal etwas holprig geschrieben, doch wirkt es dadurch nur noch ehrlicher. Krömer verliert nie ganz seinen Humor, aber man merkt deutlich wie ihn die Geschehnisse vor Ort bewegen. Sein Buch zeigt die deutschen Soldaten und Kabul abseits der gängigen Medienberichte von Terroranschlägen und Krieg und lässt Menschen zu Wort kommen.

„Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will“ ist seit dem 20. Juni 2013 unter der ISBN: 978-3-462-04536-9 als Taschenbuch und als E-Book erhältlich. JT
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