Samstag, 7. September 2013

Pioniere der Hanfkultur

Mehr als eine Seedbank – Sensi Seeds

Autor: Michael Knodt

Das Museum in Amsterdam mit Exponaten aus aller Welt - Foto: Archi
Das Museum in Amsterdam mit Exponaten aus aller Welt – Foto: Archi

Es war wieder einmal Zeit für einen exzessiven Kurztrip nach Amsterdam, schließlich will man sich in Zeiten von I-Kriterium und Overlast auch selbst vergewissern, ob die Amsterdamer Coffeeshops uns Touristen aus aller Welt weiterhin offen stehen. Die gute Nachricht vorab: Jede/r über 18 kann in Amsterdam Weed kaufen, doch es werden immer weniger Läden. Die Bestimmungen werden immer strenger und wer gegen die Auflagen verstößt, kann dicht machen. So wie die alt eingesessenen Läden „Rokerij“ und „Rastababy“, die bei unserem Besuch im August nicht mehr existierten. Die Zahl der Shops nimmt also ab, doch die verbleibenden Läden reichen immer noch, um den immens hohen Bedarf der internationalen Kundschaft zu decken. Kurzum, er herrscht kein Mangel.

Doch Amsterdam hat in Sachen Hanfkultur ein wenig mehr zu bieten als nur Coffeeshops.
So zum Beispiel der „Sensi-Strip“ im Rotlichtviertel der Grachtenmetropole, wo Hanfpionier und „SensiSeeds“- Gründer Ben Dronkers bereits 1985 angefangen hat, neben der damals ersten Samenbank der Welt, der „SensiSeed Bank“, auch eine Anlaufstelle für jene zu schaffen, die sich über die Geschichte und Kultur der seit gut 50 Jahren verbotenen Pflanze informieren wollen. Zusammen mit Ed Rosenthal gründete er deshalb vor 18 Jahren das „Hash, Marihuana & Hemp Museum“.

„Es ist das erklärte Ziel des Museums, die Menschen darüber zu informieren, was man eigentlich unter Haschisch, Marihuana und Hanf versteht. Dabei geht es eben nicht nur um das Genussmittel in den Amsterdamer Coffeeshops, sondern um ein weltweites kulturelles und doch naturgegebenes Phänomen“ meint Dronkers zu seinen damaligen Beweggründen.
Die Sammlung, von denen Dronkers viele Stücke auf seinen Reisen selbst aufgetrieben hat, umfasst mittlerweile weit über 6000 Exponate. Mit wachsender Größe und über zwei Millionen Besuchern bis 2008 wurden die ursprünglichen Räumlichkeiten im Oudezijds Achterburgwal Nr.148 zu klein und so entschloss man sich, nur wenige Meter vom Museum die „Museum Gallery“ zu eröffnen. Durch die Eröffnung der zusätzlichen Räumlichkeiten können Besucher jetzt eine fast doppelt so große Ausstellung bewundern, was für die umfassende Geschichte der illegalisierten Pflanze allerdings immer noch nicht ausgereicht hat. Deshalb entschied man sich, im Jahr 2012 ein Museum in Barcelona zu eröffnen, das ausreichend Platz für zahlreiche, weitere Exponate aus der ganzen Welt bietet. Besonders beeindruckend hierbei sind die Exponate zu Cannabis als Medizin. Bis 1937 war Cannabis die am zweithäufigsten verschriebene Medizin und besonders die Originalverpackungen der zahlreichen, verschiedenen medizinischen Produkte, die bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs in europäischen und US-amerikanischen Apotheken und Drogerien zu haben waren, beeindrucken besonders junge Besucher.

Das exzessiv-Team durfte sich dann auch noch das neue Hash Marihuana Cáñamo & Hemp Museum in Barcelona anschauen und kann bestätigen, dass es sich bei dem alten Gebäude um ein wahres Kleinod handelt, das die Besuchenden beim Betreten den Atem anhalten lässt: Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Haus im Herzen Barcelonas wurde in einem Zeitraum von über zehn Jahren renoviert, wobei viele Details aus vergangenen Jahrhunderten originalgetreu wiederhergestellt oder -entdeckt wurden. Seit April 2012 bietet das palastartige Gebäude den passenden Rahmen und ausreichend Platz zur Präsentation der umfassenden Sammlung über eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit, die zu Unrecht fast weltweit verboten wurde.


Der Garten im Cannabis College, Amsterdam – Foto: Archiv

Das Museum präsentiert wertvolle Gemälde und Drucke, die den Gebrauch von Cannabis im Laufe der Geschichte wiedergeben, sowie seltene Antiquitäten, beispielsweise die verschiedenen Werkzeuge und Utensilien, die zur Verarbeitung des Hanfs zu Seilen, Papier und Stoffen verwendet wurden. Kunstfreunde werden schlichtweg begeistert sein, Originalgemälde berühmter Künstler des 17. Jahrhunderts wie David Teniers den Jüngeren, Cornelis Decker und Herman Saftleven zu entdecken.

Zurück in Amsterdam wollen wir nicht vergessen, dass man das unseren Leser/innen und exzessiv-Zuschauern bestens bekannte Cannabis College fast mit zum „Sensi-Strip“ zählen kann, auch wenn dessen Mitarbeiter das Projekt unabhängig betreiben. Das Cannabis College liegt nur wenige Meter vom Hashmuseum entfernt und widmet den Großteil seiner Ausstellung der allgemeinen Situation, der Rechtslage sowie aktuellen Entwicklungen.


Das Museum in Barcelona, auch hier, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten aus allen Zeiten und Regionen – Foto: Archiv

Die gemeinnützige Stiftung ist ein Informationszentrum im Herzen Amsterdams und ist stets bemüht, Besucher aus der ganzen Welt mit korrekten, objektiven und ehrlichen Informationen bezüglich jeden Aspektes der Cannabispflanze zu versorgen. Amsterdam-Reisende aus aller Welt sind herzlich eingeladen, im College bei einem Tütchen oder einem Vaporizer zu verweilen, um sich über alle Gesichtspunkte der verbotenen Pflanze umfassend zu informieren. Während unseres Besuches wollten zahlreiche Besucher nach Betrachten der Ausstellung und des Gartens, in dem die Pflanzen seit einigen Jahren zu Blüteende unter polizeilicher Aufsicht vernichtet werden müssen, dann noch wissen, in welchem Coffeeshop es gute Ware gibt. Auch denen konnte der immer freundliche Mitarbeiterstab meist weiterhelfen.

 

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