Samstag, 1. Juni 2013

Egaming Juni

Iron Sky Invasion
Hanebu

IRON SKY INVASION Foto: TopWare Interactive AG

Nach dem Überraschungserfolg des trashigen Iron Sky Kinofilms, wäre es eine Verschwendung die Geschichte, um emigrierte Nazis vom Mond und eine Atomwaffen feuernde Sarah Palin als US-Präsidentin nicht weiter zu nutzen.

Da sich die finale Weltraumschlacht des Streifens hervorragend als Kulisse für ein Space Opera taugliches Pilotenepos eignet, verfrachtet einen das Reality Pump Team von Topware Interactive in den Schleudersitz der alliierten Streitkräfte und lässt Spieler (nur im Singleplayermodus) gegen eine Flugscheiben Armada und Zeppelinkampfschiffe der braunen Invasoren im schwarzen Raum des nahen Weltalls kämpfen. Das PC-Game ist schon seit Ende des letzten Jahres erhältlich, nun folgte die Umsetzung auf Xbox360 und Ps3. Da sich das Genre der „Weltraumsimulationen“ auf Konsolen recht rar macht, lohnt sich ein Blick in das Geschehen der wüsten Dystopie für Freunde von Flugaction, alleine schon aufgrund des Seltenheitsfaktors solcher Spiele auf den Systemen.

Als Kanonenfutter startet man in einer kleinen Schüssel das Tutorial, das einen mit der Steuerung vertraut macht. Diese ist nicht überladen und bietet trotzdem alle Features die man als Fliegerass aus dem Weltall gewöhnt ist. Sogar ein Energiemanagement, das Schild-, Waffen- und Antriebssysteme verbindet wird über die wenigen Knöpfe des Joypads komfortabel gesteuert. Schießt man wie ein Blitz durchs All, kann man die Missionen beginnen und sich der feindlichen Flotte im Angriffsmodus nähern. An Raumstationen verbündeter Mächte kann man Schiffe wechseln oder upgraden, wenn man sich um das Aufsammeln zurückbleibender Schrottteile bemüht und den eisernen Abfall der Retro-Kriegsmacht zwischen Schlachten gewinnbringend verkauft. Videosequenzen mit original Schauspielern des Kultstreifens lockern den Kampf gegen Hanebus und Co während der Flüge auf und erläutern das Geschehen, das sich an die Filmvorlage hält. Vom Aufbau sind die Missionen dem Klassiker Star Raiders ähnlich, da man über eine Raumkarte den Angriff in Echtzeit mitverfolgt und sich einen Zielsektor setzten muss, um den äußersten Rand der Erde vor der Bedrohung zu schützen. Dieses Feature bringt ab und an ein wenig Taktik und dazugehörigem Stress ins Spiel, das ansonsten leider etwas motivationslos durch den Raum schwebt. Etwas steif, anderen Space Serien aber nicht unähnlich, steuern sich die Jäger und bieten mit einer Außen- wie Pilotenperspektive eine Cockpitperspektive zu wenig.

Dennoch ist der Ausflug zwischen Erde und Mond eine amüsante Abwechslung für darbende Starkiller, die ihre Finger nach einem funktionierenden Pilotenknüppel strecken und denen die blöde, braune Brut vom mickrig, kleinen Erdtrabanten gerade recht vor das frisch polierte Lasergeschütz geflogen kommt. Auch wenn das Spektakel in flüssigem 3D dargestellt werden kann, lässt der Raum in dem gekämpft wird wenig Platz für Pferdekopfnebel und psychedelische Farbanomalien was somit zwingend zu einer recht tristen Optik führt.

Seine Fans sollte das Spiel aufgrund des trashigen Backgrounds dennoch finden, die sich mit dem Abknallen alberner Naziuntertassen einige frivole Stunden bereiten, an den Filmschnipseln erfreuen und sich an den genannten Makeln nicht stören.
Aldebaran (f)liegt aber anderswo.


Iron Sky Invasion
Fotos: TopWare Interactive AG
Circa: 49€ / 29€
USK 12

Ps3: ASIN – B00913B42U
Xbox360: ASIN – B00913B4O8
PC/Mac: ASIN – B00913B34E

 

The Walking Dead 
Tell A Tale

Der Comic und TV-Serienhit The Walking Dead erschien bisher in virtueller Form nur auf verschiedenen Onlineplattformen als spielbares Gut.

Aufgrund des Erfolgs, das Spiel gewann just sogar den Deutschen Computerspielpreis der Lara, wird nun eine reguläre Handelsversion nachgeschoben, die allen volljährigen, entscheidungsfreudigen Gamern die Chance auf ihre persönliche Zombieapokalypse bietet und alle fünf bereits erschienen Episoden enthält.
Liebhaber und Sammler werden frohlocken, da ein materielles Stück Software im Gegensatz zum Gewusel aus Nullen und Einsen aus der Steckdose ein realistischeres Gefühl von Besitz vermittelt.
Im Falle von Fankulten ein nicht zu verachtender Aspekt. Und dieser scheint sich um telltalegames Versoftung von Robert Kirkmans Zombie Serie langsam einzustellen.

Moralische Konflikte und Menschen in extremen Situationen authentisch zu präsentieren haben aus einer unglaubwürdigen Zombieseuche ein bitter realistisches Szenario geschaffen, das bereits über 80 Game of the Year Awards einheimste und viele Spieler unter seelischem Druck sich selber etwas besser kennenlernen ließ.


„Welcome to the Farm.“

Ihr startet den Alptraum in einer Polizeistreife, die euch ins Gefängnis befördern soll. Ein Unfall entlässt euch jedoch in die Freiheit. Nach der ersten Begegnung mit den Untoten findet ihr auf der Suche nach Hilfe das junge Mädchen Clementine, die sich euch anschließt, da ihre Elternverschwunden sind. Fortan seid ihr damit Beschäftigt euer beider Leben zu schützen und die unmöglichen Situationen mit Überlebenden und Untoten zu überstehen. Entscheidungen werden meist durch die Auswahl von vier möglichen Antworten in Gesprächen gewährt. Die Resonanz der Charaktere und die Story werden durch diese maßgeblich beeinflusst. Man überlegt daher oft ob unter dem Entscheidungsdruck die richtige Wahl getroffen wurde und fragt sich was wohl bei anderen Optionen eingetreten wäre.
Der comicmäßige Look ist zweckmäßig, hätte jedoch auch ein bisschen Politur vertragen, vor allem, da manch Zwischensequenz stockt und nicht flüssig von der Disc gelesen wird.


„Walkers ahead“

Da die Geschichte in fünf Episoden erzählt wird, dient jedes Ende als Cliffhanger, der gepaart mit kleinen Aussichten auf die nächste Folge den mitfiebernden Zuschauer bei Laune hält.

Das Interaktive Bilderbuch bietet während der bitter bösen Handlung dazu öfter Rätselaufgaben, die älteren Point & Click Adventures entsprungen seien könnten. Gegeizt wird auch mit unangenehmen Aufgaben, Aufnahmen und brutalen Bildern in keinster Weise. Volljährige Spieler, die bisher am spannenden Zombie Abenteuer von The Walking Dead aufgrund der englischen Sprachbarriere nicht teilhaben wollten, können nun dank optional wählbaren deutschen Untertiteln überlegen ob sie sich der miesen Zombiemeute und all den möglichen, unwegsamen Situationen gewachsen fühlen, um sich und die kleine Clementine in Sicherheit zu retten ohne dabei die eigene Menschlichkeit zu verlieren.
Schöne Geschichte.


The Walking Dead
Fotos: UI Entertainment/Flashpoint AG
Circa 29€ / 19€
USK 18

Ps3: ASIN – B00BT96QRC
Xbox360: ASIN – B00BT96QT0
PCDVD: ASIN – B00BT96RLC

 

Deadly Premonition – The Directors Cut
Dream within a dream

Mit Twin Peaks schuf David Lynch Fernsehgeschichte.
Die verstörenden Ereignisse in dem Holzfällerörtchen sorgten für ein staunendes Publikum und einen Fankreis, welcher der neunziger Jahre Serie bis heute noch die Treue schwört.

Deadly Premonition schlug circa zwanzig Jahre später dank vergleichbarem Setting ähnlich hohe Wellen obwohl der Titel nicht mit Glanz und Gloria zeitgemäßer Spiele mithalten konnte. Trotz arger Problemen mit der Kamera, hakliger Bedienung aller Gameplay-Elemente und einer stark veralteten Darstellung strotzte der Titel allen Kritiken durch das Twin Peaks ähnliche US-Kleinstadt Setting sowie durch die darin auftretenden Charaktere. Deadly Premontion erhielt gleichzeitig die schlechtesten und besten Bewertungen und wurde so zum Guinness Buch Rekordhalter in der Kategorie „Polarisierendstes Survival Horror Spiel“.

Man schlüpft in die Rolle des FBI-Agenten Franzis Morgan, der von den meisten York genannt wird und der unter einer nicht zu verachtenden Persönlichkeitsspaltung leidet. Mit seinem Alter Ego Zach befindet sich York daher oft in Zwiegesprächen, meist über Filmklassiker und Regisseure, um während Autofahrten zwischen Tatorten und Verhören über deren Stärken und Schwächen zu philosophieren. Grund für Yorks Ausflug in das Open World Örtchen Greenvale ist der brutale Opfermord an der hiesigen Dorfschönheit, der an vergangene Verbrechen eines nur nach Gerüchten existenten Regenmantelmörders erinnert, welcher vor etlichen Jahren vielen Menschen das Leben kostete, aber nie gefangen wurde. York ist somit auf vergleichender Spurensuche und muss seine Recherchen auf die Bewohner konzentrieren, die allesamt aus der Lynch Serie entsprungen seien könnten.


„Lets go for some Coffee first, Zach.“

Ein harter Sheriff samt dussligem Deputy, eine alternde Lady, die nie ohne Kochtopf das Haus verlässt, ein verwirrter Tankstellenwart und blonde Zwillinge im Kindesalter – die die Tote im Wald beim Spielen fanden – stellen nur einige der sehr eigenwilligen Charaktere dar, die alle ihrem Tagesrhythmus und ihren persönlichen Tätigkeiten nachgehen. Oft kommt es daher vor, dass ihr auf dem Weg zu einem Tatort Menschen begegnet, die sich anbieten spontan von euch befragt zu werden oder ihr findet einen weiteren Anhaltspunkt in der großen, frei erkundbaren Landschaft.
Um das Gameplay zu erweitern muss York auch Waffen gegen Untote sprechen lassen. Er ist daher damit beschäftigt sich um sein Inventar zu kümmern und hat weitere Verpflichtungen, um bei Verstand zu bleiben. Er legt sich bei Müdigkeit schlafen, isst bei Bedarf und muss den Anzug wechseln, der sonst von Fliegen umlagert wird.

Da das Spiel seit Erscheinen auf der Xbox360 immer mehr Freunde fand, schaffte es nun den Sprung auf die Playstation 3 in einer überarbeiteten Directors Cut Version. Jetzt soll der letzte Skeptiker überzeugt werden, trotz verbleibender Schwächen in Handhabung und Optik, hier ein einmaliges und durchdachtes Abenteuer zu erleben.
Die offene Welt bietet viel Raum für Erforschungen, das Setting und die stattfindenden Ereignisse machen Deadly Premonition zu etwas Einzigartigem. Es spielt mit der Kombinationsgabe, lädt zum Grübeln ein und bietet Situationen wie Wendungen, die selbst erfahrene Spieler nicht vergessen dürften.

In episodischer Form erzählt, vermitteln die Kapitel den Seriencharme der Inspirationsquelle und lassen einen nicht mehr los, bis der Fall geklärt und York von seinem Auftrag befreit ist. Die Story ist im Gegensatz zu der verzeihbaren Ungeschliffenheit in Optik und Handling sehr durchdacht und wird wegweisend erzählt. Sie stellt eine der tiefgründigsten Handlungen des gesamten Mediums dar und verwirrt den staunenden Spieler nicht nur einmal mächtig böse.

Die nun erschienene, verbesserte Directors Cut Version, die das Spiel leichter zugänglich macht, Playstation Move Steuerung wie echte 3D Darstellung erlaubt, lädt jeden Killer Killer ein, in die Rolle von Zach Morgan zu schlüpfen, um in Deadly Premonition auf die Jagd nach einem Serientäter zu gehen und sich dabei mörderisch verwirren zu lassen.
Mit ganz viel Schirm und Charme und Schizophrenia.


Deadly Premonition
– The Directors Cut
Fotos: Kochmedia
Circa : 36€
USK 18

PS3 ASIN:B00B9UH0YY

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