Montag, 15. April 2013

Wir sind umzingelt

Alle dürfen, nur wir nicht

Montage: schmiddie - Foto: redBud
Montage: schmiddie – Foto: redBud

Der Anbau von Gras in den eigenen vier Wänden zieht nicht nur nach Aussagen von Polizei und Staatsanwaltschaft immer mehr Menschen in ihren Bann, auch wir merken anhand der vielen Reaktionen unserer Lesenden, dass da im wahrsten Sinne Wortes etwas im Busche ist, was sich schon seit Jahren gar nicht mehr aufhalten lässt und sich immer weiter verbreitet: Das Growing-Virus.

In vielen anderen Ländern Europas geht man die Sache mit den kleinen Growern etwas entspannter als in Deutschland an, wovon wir in dieser Ausgabe in Form von Growreports aus fünf Europäischen Ländern wieder mal berichten werden:

In Tschechien stehen überall staatlich tolerierte Hanfpflanzen in den Vorgärten, die Niederländer können fünf Pflanzen pro Person anbauen, ohne mit Strafverfolgung rechnen zu müssen, in Belgien sind es drei. In Spanien blickt vor lauter Social Clubs und Samenbanken sowieso niemand mehr durch, in Portugal schert sich keiner einen Dreck um ein paar Pflänzchen, die Schweizer sind eher pragmatisch und schauen auch nicht so genau hin, wenn es nur um ein paar wenige Hanfdamen geht. In Österreich gibt es Stecklinge zur Aromatherapie, die Dänen haben Christiania und denken immer öfter laut über Coffeeshops nach, selbst in Frankreich outen sich zur Zeit die Kleingärtner und gründen Social Clubs… und in Deutschland? Hier gibt es lediglich einen Haufen Verbrecher, die ihr eigenes Weed klammheimlich zuhause anbauen.

Liegt das eventuell daran, dass unsere kleinen Hanfgärtner mehr kriminelle Energie haben als anderswo? Oder liegt das vielleicht daran, dass sie über alle Maßen kriminalisiert werden, indem die Growbox medial und vor Gericht ganz schnell zur „Haschplantage“ und somit der Gärtner zum Dealer wird, auch wenn ihm Dinge wie Handel oder Gewinnmaximierung fremd sind? Wir sollten deshalb auf der ersten Seite dieser Ausgabe, in der sich ja fast alles um den Anbau von Hanf dreht, auch die nicht vergessen, die aufgrund ihres Kontakts mit einer zu Unrecht illegalisierten Pflanze ihren Führerschein, viel Geld, ihr gesellschaftliches Ansehen oder gar ihre Freiheit verloren haben. Das werden eben jene sein, die in 50 Jahren als Zeitzeugen bei ZDF-History über ihre traumatischen Erlebnisse des längst beendeten Drogenkriegs berichten.

Die zuvor erwähnten Länder um uns herum haben im Rahmen der Entkriminalisierung von Cannabiskonsumenten begriffen, dass das Phänomen des Homegrowings dabei irgendwie berücksichtigt werden muss, in Deutschland hieß die einzige Reaktion einer damals Rot-Grünen Regierung: Samenverbot, im Alleingang, im Rest der EU sind Hanfsamen bis heute legal. Doch auch das 15 Jahre alte Samenverbot hat nicht verhindert, dass der Anbau von Gras@home ein Massenphänomen geworden ist, das 2013, in Zeiten von Sandgras und Wietpas, mehr Anhänger als je zuvor hat.

Es wird Zeit, dass kleine Gärtner/innen ebenso in den Genuss einer Geringen Menge wie Konsumenten kommen. Gebt uns 5! Und zwar bitte bundeseinheitlich.

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