Montag, 15. April 2013

Do It Yourself

Bio ist nicht gleich Bio

Autor: Berrea

Die einheimische Schafgarbe
Die einheimische Schafgarbe

In diesem Artikel sollen einige Methoden vorgestellt werden, mit denen man sich selbst nützliche Präparate zur Pflege von Pflanzen herstellen kann. In Geschäften bezahlt man oft eine Menge Geld für Produkte, die man sich eigentlich einfach selbst zubereiten könnte und dies oft auch noch einen ganzen Tick besser.

 

Vor allem Growshops verlangen oft hohe Preise für Pflegeprodukte. Falls man also nicht viel Geld hat, keine natürlichen Quellen zur Verfügung stehen und man nicht dauernd etwas aus dem Laden holen möchte (oder man möchte sogar ganz autark züchten, um dann die Knospen als eigenes Werk zu bezeichnen), ließt man jetzt weiter.

Substrat

Beim Substrat sind Vielseitigkeit und Beschaffenheit am wichtigsten. Beides ist in hochwertigem Kompost optimal gegeben. Wenn man durchhält und ein Jahr Zeit investiert, hat man am Ende ein besseres und nährstoffreicheres Substrat, als es der Fachhandel anbietet.
Man braucht zuerst einen Platz für den Komposthaufen. Direktes Sonnenlicht sollte nicht auf die Stelle scheinen und der Untergrund darf nicht zu durchlässig sein (Teichplane tut´s).

Hat man fertigen Kompost aus dem Gartenfachhandel, muss man sich hiermit nicht beschäftigen, doch da bei uns heute alles selber gemacht wird, wird im Folgenden die Do it Yourself Kompostierung genau beschrieben. Ein Komposthaufen ist in erster Linie ein Ökosystem, das bestmöglicher Pflege bedarf. Je mehr Pflege, desto größer wird die Variabilität des Ökosystems und desto mehr Leben findet darin statt. Das führt anschließend zu einem idealen Ergebnis.

Auf den Kompost gehört der gesamte organische Haushaltsabfall. Gemähtes Gras vom Garten, Holzschliff, einfach alles was sich natürlich zersetzt. Manche Stoffe sind dabei wichtiger als andere. Wenn der Kompost zum Großteil aus Gras besteht, zersetzt er sich sehr schnell, was erwünscht ist. Das kann durch Beifügen von Schafgarbe, falls diese nicht schon bereits im Gras enthalten ist, beschleunigt werden. Weiterhin ist Holzschliff, der die Kompost Struktur verbessert und so den nötigen Luftgehalt erhöht, eine gute Grundlage. Weitere wichtige Zutaten sind Eierschalen, welche Kalk Ionen freisetzen. Dadurch wird der pH-Wert des Komposts erhöht, der ansonsten zu sauer wird. Auch Haushaltsabfälle sind wichtige Beigaben, da verschiedene Gemüseabfälle essentielle Spurenelemente enthalten, die weder im Gras noch im Holz zu finden sind.

Der Komposthaufen sollte so aufgebaut werden, dass er luftig bleibt. Das heißt, das man unten am besten verschiedene kleine Äste legt, wodurch Hohlräume entstehen. Dank dieser kann im Inneren Luft zirkulieren. Es ist auch sehr wichtig, dass der Komposthaufen stets feucht ist. Man braucht ihn zwar nicht jeden Tag zu gießen, aber wenn es für mehrere Tage sehr heiß ist und man sieht, dass sich oben eine verhärtete Kruste gebildet hat, hilft man durch Gießen den Fortpflanzungsprozessen der Mikroorganismen auf die Sprünge (und nicht nur denen) und unterstützt dadurch den Abbau der organischen Stoffe.

Wuchs- und Blütedüngemittel

Wuchs- und Blütedüngemittel selbst herstellen, ist vergleichbar mit dem Kochen einer Brühe. Die Brühe wird wie folgt zubereitet:
Man nimmt einen mindestens 10 Liter fassenden Eimer, in den die Stoffe nach entsprechendem Zweck eingelegt werden und lässt sie anschließend einsäuern.

Wenn man Dünger für den Wuchs herstellen will, füllt man den Eimer mit zerstoßenen Brennnesseln halbvoll. Brennnesseln enthalten eine Menge gebundenen Stickstoff, welcher von Pflanzen beim Wuchs benötigt wird. Weiter enthalten sie genügend Mineralstoffe und Spurenelemente, die absichern, dass es den Pflanzen an nichts mangelt.
Man könnte auch weitere Stoffe zufügen. Ein Stück Erde vom Kompost zum Beispiel liefert die nötigen Bakterien, das heißt, dass der Zerlegungsprozess schneller beginnt. Man könnte auch Dung beifügen, ideal ist Pferde- oder Schafsmist.


Beinwell – früher auch Wellwurz genannt ist eine einheimische Heilflanze

Wenn man im offenen Terrain züchtet und will, dass der Dünger unerwünschtes Wild fernhält, kann man Hundemist beziehungsweise Kot eines anderen Raubtiers verwenden. Klingt eklig, aber das Zufügen der eigenen Exkremente wirkt auch hervorragend. Angesichts der reichhaltigen Ernährung, bekommt die Brühe viele Spurenelemente und dazu wirkt das Endprodukt für Wildtiere genauso abscheulich, wie der erwähnte Hundemist. Die abgeschwächte Version wäre, dass man in dem Eimer immer ein bisschen Platz lässt und dann hinein schifft. Dies ist zwar wieder ein ziemlich eklig, aber Urin enthält viele Nitride, was bedeutet, dass es vor allem für die Wuchsphase einen hervorragenden Dünger darstellt. Auf jeden Fall ist Brennnessel die Grundlage für die Brühe, der Rest ist weniger wichtig.

Der Dünger für die Blüte wird ähnlich produziert, jedoch mit dem Unterschied, dass man als Grundlage Hühnermist verwendet. Den Eimer sollte man damit nur bis zu einem Viertel befüllen.
Die Blühbrühe sollte auch immer mit einem Element ergänzt werden welches einen starken Kaliumgehalt aufweist. Zwei Möglichkeiten bieten sich hierfür. Holzasche, die auch weitere Stoffe wie Mangan, Eisen und Kalzium enthält oder Beinwell, der Stoffe enthält die der Gewebeheilung unter die Arme greift (und auch deshalb für Heilsalben verwendet wird). Man kann sich auch beider Stoffe bedienen und versuchen, ihre Eigenschaften sinnvoll zu nutzen.

Auch kann man der Brühe verschiedene Kräuter hinzugeben, um später eine bessere Gesundheit der Pflanzen zu garantieren. Kamille hilft gegen die Bakterienresistenz. Zinnkraut bringt einen Gewinn in der Widerstandsfähigkeit gegen Schimmel. Weidenrinde (Hanf Journal 05/07: Wir machen‘s uns selbst: Bio-Bewurzelungshilfe statt Clonex) unterstützt den Wuchs der Wurzeln. Allgemein lässt sich in die Brühe jedwedes Pflanzenmaterial beifügen. Merken kann man sich dazu, dass in der Regel Früchte dem Blütenwuchs und grüne Teile einer Pflanze dem Wachstum zu gute kommen.

Egal welche Stoffe verwendet werden, man füllt den Eimer mit Wasser auf und lässt die Brühe gären. Dadurch löst der Stickstoff die zusammengesetzten Eiweißstoffe und Stärke wird in einfachere, für die Pflanzen verträgliche Teile zerlegt. Nach etwa zwei Wochen Gärung ist der Dünger dann fertig. Während dieser Zeit ist es nötig den Dünger regelmäßig umzurühren, was auch der Geruchsminderung zuträglich kommt. Der Dünger stinkt nämlich wie ein gut besuchtes Klo im Hochsommer, weshalb man auf die Geruchsentwicklung achten sollte und die Herstellung sowie dessen Nutzung im Eigenheim nicht unbedingt zu empfehlen ist. Im Gewächshaus kann der Geruch auch schon stören, jedoch ist die Toleranzgrenze Gerüche betreffend bei jedem unterschiedlich.

Der Dünger an sich ist für Pflanzen aber gut. Achten sollte man vor der Verwendung auf die benötige Konzentration und auf die Konstitution der Blätter, die gerade bei einer Überdosierung des Bio Düngers sehr empfindlich bis hin zum Absterben reagieren können. Bei jungen Pflanzen wird die Brühe mit Wasser auf etwa 10% Prozent verdünnt, bei älteren Pflanzen kann man bis auf eine 30% Prozent Mischung zurückgreifen, ohne das Risiko einzugehen, die Wurzeln durch einen zu hohen EC-Wert zu verbrennen. Begonnen wird immer mit einer möglichst niedrigen Konzentration, die man steigert, damit sich die Pflanzen schrittweise daran gewöhnen.
Der beste Effekt einer solchen Brühe ist, dass sie dem Substrat eine verbesserte Bioaktivtät verleiht, die schwer aufnehmbare Nährstoffe in eine für die Pflanzen leichter „verdauliche“ Form zerlegt.

Humin Dünger aus Holzresten oder Kompost

In letzter Zeit erscheinen auf dem Markt Präparate wie Darina oder Lignohumat, die in die Landwirtschaft ein neues Element einbringen. Darina oder Lignohumat sind Humin- und Fulvosäuren (auch: Fulvinsäuren). Es handelt sich dabei um zusammengesetzte Kohlenwasserstoffe, die hauptsächlich bei Holzfäule, aber auch beim Zerlegen anderer organischer Bestandteile entstehen. Diese Stoffe beeinflussen den energetischen Metabolismus von Pflanzen so, dass sie die gelieferten Dünger besser nutzten können, natürlich nur wenn genügend Nährstoffe vorhanden sind. Pflanzenzellen können sogar Bestandteile dieser Zusätze direkt zum Aufbau ihrer Körperzellen benutzen.

Kunstdünger dieser Art werden durch das Kochen von Kohle in Lauge unter Druck, Waschen eines Meersboden-Satzes und durch Trennen von Abfall aus der Papierindustrie gewonnen. Nach Erwähnung dieser Methoden könnte es durchaus so erscheinen, dass die Herstellung dieser Zusätze unter häuslichen Bedingungen viel zu kompliziert ist. Darüber hinaus werden Humin- Zusammensetzungen in der Natur sehr schnell tief in die Erde gespült. In Wirklichkeit ist es aber nicht sehr anspruchsvoll und es gibt gleich zwei Möglichkeiten, wie man Humin produzieren kann.

Die erste Variante beruht auf dem Sammeln von angefaultem Holz. Mit diesem befüllt man einen Eimer mindestens bis zur Hälfte und füllt ihn anschließend mit Wasser auf. Man lässt diese Mischung ein halbes Jahr stehen, gießt dann das restliche Wasser ab und bekommt ein Präparat, das in seiner Zusammensetzung und dem Herstellungsprinzip dem Lingohumat sehr nahe kommt.

Die zweite Methode ist etwas schwieriger, dafür funktioniert sie schneller. Man braucht einen Liter hochwertiger Komposterde, ein feines Sieb (am besten Leinen), einen Auffangeimer für die Flüssigkeit und Wasser. Dann bereitet man den Mix mit der doppelten Menge Wasser im Verhältnis zur genutzten Erde. Man spült zuerst die Erde mit der Hälfte des Wassers, welches in dem bereitgestellten Eimer aufgefangen wird. Dann wringt man die Erde aus, gießt mit dem restlichen Wasser durch und wiederholt das Auswringen. Der Vorgang und auch das Ergebnis sind den Humin-Präparaten aus Seebodensätzen sehr ähnlich.

In beiden Fällen nutzen wir das Extrakt zum Gießen in einer Konzentration von bis zu 25%. Es ist aber von der Konsistenz des Extrakts abhängig. Wenn das Präparat völlig schwarz und undurchsichtig ist, nutzt man eine Konzentration von 10% oder etwas mehr.

Wurzelstimulator aus Weide

Produkte wie Stimulax oder Root Juice sind bekannte Wuzelstimulatoren. Deren Anwendung kann man durch ein Extrakt aus Weidenrinde ersetzen. Man hat im Frühling schon öfters austreibendes Weidenreisig gesehen und deshalb weiß man auch, dass sich in der Weide ein ideales Wachstumspotenzial versteckt. Dies liegt an den Pflanzenhormonen, die in der Weide produziert werden. Die Weide produziert die erwähnten Wachstumshormone in einem höherem Maß als sie diese selber verwerten kann und dank der Pflanzenähnlichkeit kann man sie nutzen. Vergleicht man Weide und zum Beispiel Traubenkirsche, einen Baum der in vergleichbarer Umgebung wächst, wäre dies wie der Unterschied zwischen einem tonnenschweren Zuchtvieh einer amerikanischen Hormonfarm und einer indischen Hungerkuh mit Schlabberhaut.

Man schneidet den, weniger als ein Jahr alten, Weidenreisig in wenige Zentimeter lange Stücke und legt diese in heißes Wasser. Man kann auch einen Mörser oder einen Hammer zum Kleinmahlen nehmen. Die Dosierung ist Pi mal Daumen eine Hand voll Pflanzenmaterial auf einen Liter Wasser. Hier ist etwas Vorsicht geboten, da das Wasser nicht mehr kochen darf. Ansonsten würde man die Hormone, die man bewahren will, zerstören.

Den Topf mit der Weide stellt man auf niedriger Flamme für zwei Stunden auf den Herd. Anschließend stellt man den Topf mit der Weidenbrühe ab und lässt ihn bis zum nächsten Morgen stehen. Dann siebt man das gesamte Gebräu und gießt die verbleibende Flüssigkeit in ein Aufbewahrungsgefäß. Der so erhaltene Weidenextrakt muss anschließend an einem kalten Ort gelagert werden (idealerweise im Kühlschrank), da er sonst schnell zu gären beginnt.


Eine junge Weide (Salix)

Das entstandene Produkt hat zwei primäre Verwendungen. Zum einen kann es als klassisches Wurzelpräparat verwendet werden. Das heißt, wenn man Klone einwurzelt, dann verwendet man anstatt des üblichen mit Stimulatoren angereicherten Wassers, das selbst gemachte Extrakt. Die Ergebnisse sind durchaus mit den professionellen Präparaten vergleichbar. Noch bessere Ergebnisse ergeben sich, wenn man die klassischen Wurzelpräparate mit dem Weideextrakt kombiniert und dadurch derer Wirkung multipliziert.

Die zweite Verwendung beruht in der Zugabe vom Extrakt beim Gießen, wobei vor allem kleine Pflanzen, deren Wurzelballen schnell zunehmen können, stark davon profitieren.
Hier benutzt man die Konzentration zu etwa 10%. Pflanzen werden dadurch leichter neue Wurzel entwickeln und werden im Allgemeinen vitaler und wachsen auch schneller.
Tipp: Man kann auch kleine Portionen des Extraks in Eiswürfelformen einfrieren und je nach Bedarf zum Schneiden der Stecklinge nutzen.

Schachtelhalm Berieselung gegen Schimmel

Gegen Schimmel kann man mit teilweise toxischen und auf jeden Fall teureren Fungiziden oder mit einer selbst zubereiteten Schachtelhalm Brühe vorgehen. Schachtelhalm wächst überall, von tiefen Wäldern über Feldwege, bis hin zu den Löchern in Gehsteigen.


Der Pferdeschwanz – ein Vertreter der Schachtelhalme

Kannenkraut (Ackerschachtelhalm) selbst fault fast nie und zeigt damit bereits seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Pilzbefall. Die in ihm enthaltenen pilzgiftigen Stoffe, kann man durch Kochen herauslösen. Im Grunde macht man einfach einen Schachtelhalm Tee.
Man zerreißt eine Handvoll Schachtelhalm, zermahlt ihn in kleinere Stücke und gibt sie in einen Liter Wasser und bringt es zum Kochen. Eine viertel Stunde auf kleiner Flamme sieden, dann lässt man das Ganze bis zum nächsten Morgen stehen. Zum Schluss wird die Brühe abgesiebt und in eine Blumenspritze gefüllt. Es genügt dabei, die Lösung präventiv, in einer ungefähr 20%igen Konzentration, einmal die Woche anzuwenden. Wenn die Pflanzen bereits angegriffen sind, sprüht man die klare Brühe einmal am Tag oder alle zwei Tage auf. Der Schimmel sollte innerhalb einer Woche verschwinden, in schlimmeren Fällen wird zumindest dessen weitere Verbreitung gestoppt.

Bemerkung:

In unseren Breitengraden wachsen drei Arten von Schachtelhalm, von denen jedoch zwei giftig sind. Die erste Art ist Sumpfschachtelhalm, von dem der Name schon sagt, wo er wächst. Er verursachts bereits bei kleinen Verzehrmengen oder gar nur vom Lecken der Finger hartnäckige Durchfälle und Magenkrämpfe. Die zweite Art ist Wald-Schachtelhalm, der nicht ganz so schlimme Nebenwirkungen hat, aber trotzdem eine starke Übelkeit verursachen kann. Der einzig sichere Schachtelhalm ist der Ackerschachtelhalm, den man auch am häufigsten vorfindet. Er wächst meistens auf sehr trockenen Standorten, wie am Wegesrand oder in sandigen Gebieten. Man erkennt ihn sehr einfach, da seine Blätter nicht sekundär fasern. Ackerschachtelhalm hat nur einen Haupthalm, aus dem das typische nadelförmige Blattwerk heraus wächst. Die Blätter der beiden anderen Arten haben ein etwas anders geformtes Blattwerk. Einfach gesagt: Das Blatt des richtigen Schachtelhalms sieht aus wie eine Nadel, das Blatt des falschen Schachtelhalmes sieht nach einem kleineren Schachtelhalm aus.

Milch gegen Schimmel

Von kurzem gelang es südamerikanischen Forschern eine besondere Entdeckung zu machen. Zufällig haben sie verschiedene traditionelle Methoden in der Pflege von Gemüsen gegen Schimmelbefall getestet. Auch das Abspritzen der Pflanzen mit verdünnter Milch wurde dabei ausprobiert. Erstaunlicherweise zeigte sich Milch als genauso wirksam, wie chemische Fungizide (z.B. Kuprikol). Bewiesen wurde nicht nur, dass die Milch erfolgreich gegen Schimmelbefall half, zugleich stärkte Milch auch das Immunsystem der Pflanzen und schützte diese gegen andere Krankheitserreger und half auch gegen Schadtiere.

Es zeigte sich während der Forschung, dass wenn man die Pflanzen einmal pro Woche mit einer 10%igen Magermilchlösung besprüht, sich die Häufigkeit des Vorkommens des grauen Schimmels (also der Schimmel, der Buds angreift) um 90% reduzierte. Das Vorkommen von anderen Krankheiten reduzierte sich ungefähr um ein Viertel. Es wurden verschiedene Milchkonzentrationen getestet und die 10% erwiesen sich als Idealwert. Bei einer Konzentration von über 30% schützt die Milch dann nicht mehr gegen Schimmel , sondern führt zum Befall mit dem Pilz.

Man kann jedwede Milch verwenden, auch mit Frischmilch erreicht man den gewünschten Effekt. Magermilch ist allerdings ideal, da das Fett nach dem Trocken stinkt. Magermilch ist somit genauso wirksam jedoch ohne den typisch, säuerlichen Gestank zu entwickeln.

Tabakspritzen gegen Schadtiere

Wenn man Probleme mit Blätterfressern hat, sollte die erste Wahl eine Tabakbrühe sein. Man bereitet diese so vor, dass man ungefähr 20 Gramm Tabak auf einen Liter Wasser verwendet (die Menge bestimmt man nach den eigenen Wünschen; 20 Gramm auf einen Liter ist nur ein gutes Verhältnis). Es ist auch möglich Tabak zum Ausräuchern, zum Beispiel von Glashäusern, zu verwenden.


Blattläuse vor der Behandlung mit Nikotin…

Man nimmt einen Topf und füllt ihn höchstens bis zu drei Viertel mit Wasser. Es wird viel Schaum produziert, daher passt man auf, dass es nicht überläuft. Man gibt den Tabak hinein, verschließt den Topf mit dem Deckel und lässt das Gemisch ein bis zwei Stunden kochen. Beim Kochen entfaltet sich ein charakteristischer, süßlicher Geruch, der zwar nicht jeden stört, aber es ist trotzdem besser, wenn man beim Kochvorgang den Abzug voll auf dreht, das Fenster öffneten oder gleich direkt draußen zubereitet. Das verdunstende Wasser wird kontinuierlich nachgefüllt und sobald der Tabak genug ausgekocht ist, siebt man ihn durch ein feines Sieb (z.B. Teesieb) ab. Dann lässt man das Tabakwasser kalt werden und kann es direkt verwenden. Die Brühe wird nach Bedarf für das Spritzen gemischt. Als Prävention, wenn noch keine Probleme aufgetreten sind, genügt eine 20%ige Konzentration. Wenn man Schadtiere, die die Pflanze befallen haben, beseitigen will, kann man die Konzentration auf bis zu 100% erhöhen, 50% reichen im Normalfall allerdings meist aus. Die Brühe muss im Kühlen und Dunklen, am besten im Kühlschrank oder zumindest im Keller gelagert werden, weil eine Menge Pflanzenreste enthalten sind, die an warmen Orten schnell verderben.


…und nach der Behandlung mit Nikotin

Im Kühlschrank kann man die Tabaklösung mehrere Monaten lang aufbewahren. Nikotin ist in der klaren Form eine ölige Flüssigkeit, die dem Schadtier die Luftschleusen verstopft und es erstickt. Nikotin ist aber auch ein Neurotoxin, das vor allem den Speiseweg beeinflusst, also kann eine Blattlaus keine Nahrung mehr aufnehmen (siehe Bild) weshalb sie binnen einiger Tage verhungert. Darüber hinaus nimmt die Pflanze teilweise auch Nikotin auf, deshalb ist das Bespritzen am besten gegen Schadtiere geeignet, die Pflanzensaft saugen. Auch wirkt das Bespritzen als vorbeugender Schutz für einige folgende Tage bis Wochen (abhängig vom Wetter).

Zum Schluss sollte angemerkt werden, dass nicht alles was glänzt Gold ist. Über die biologischen Präparate wird oft geschrieben, dass man mit ihnen die Wurzeln der Pflanzen nicht verbrennen kann, oder ihnen anderweitig schaden könnte. Das stimmt so nicht. Jeder Dünger, jeder Stoff kann Pflanzen schaden, wenn man eine übermäßige Menge verwendet. Viele Leute, die mit sogenannten Biodüngern düngen, denken, dass die Pflanzen deshalb alles ertragen. Verbrennungen an Pflanzen mit organischem Dünger sehen zwar anders aus als Verbrennungen mit chemischen Zusätzen, aber sie kommen vor.

Dazu sollt man auch nicht vergessen, dass es sowohl in der Medizin als auch in der Landwirtschaft Gebiete gibt, in denen sich der Einsatz von Chemie wirklich lohnt. Wenn man zum Beispiel im Schrank züchtet und sich Schimmel oder Herbstgrasmilben ansiedeln, hilft kein Schachtelhalm und auch kein Tabak mehr. Dann sollte man zu einem schwereren Kaliber greifen. Sinnvoll scheint immer die Philosophie eines möglichst kleinsten Eingriffs, was bedeutet, dass die nach diesem Artikel zubereiteten Bio-Präparate, über einen sehr hohen Grad an Sicherheit und Wirksamkeit verfügen. Das heißt allerdings nicht, dass sie immer am sichersten oder am effektivsten sind.

Kurzum: Alles mit Maß dann wächst die Ernte im Übermaß.

 

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