Mittwoch, 3. April 2013

Feuer auf Mechthild Dyckmans

Entsetzen über Dyckmans Verhalten

Foto: Blankes Entsetzen

Die ländliche Region Oberfranken liegt im Nordosten des Freistaates Bayern und grenzt an Sachsen, Thüringen sowie an die bayerischen Regierungsbezirke Unterfranken, Mittelfranken und an die Oberpfalz. Außerdem gibt es eine Außengrenze zur Tschechischen Republik. In Oberfranken liegen die Städte Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof. In diesen Städten wie auch im Umland fühlen sich die Leute zumeist sicher, da dort die Kriminalität im letzten Jahr wieder etwas abgenommen hat und niedriger ist als im bayerischen Durchschnitt respektive deutlich niedriger als im Bundesdurchschnitt.

Trotz dieser guten Sicherheitslage gibt es Anlass zur Sorge. Aus der Tschechischen Republik gelangt immer mehr Crystal (Methamphetamin) in die ländliche Idylle. Deshalb hat die aus Oberfranken stammende parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion Petra Ernstberger einen Brandbrief an die Bundesregierung geschrieben, in der sie Unterstützung für ein Akutprogramm zur Eindämmung des mörderischen Rauschgifthandels mit Crystal einforderte. Wie Petra Ernstberger in einer Pressemitteilung am 5. März 2013 mitteilte, kann die ostbayerische Grenzregion vorerst nicht mit einer intensiveren Aufklärungsarbeit der Bundesregierung über die drastischen Gefahren von Crystal-Speed rechnen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), habe ihr in einer Stellungnahme zwar mitgeteilt, dass der Bundesregierung die Crystal-Problematik sehr gut bekannt sei, doch akuter Handlungsbedarf im Bereich Aufklärung seitens der Bundesregierung bestehe nicht. Auch habe sich Dyckmans laut eigener Aussage mehrfach einen Einblick in die Lage vor Ort verschafft. Eine konkrete Zusage für eine breit angelegte Aufklärungskampagne, wie sie Ernstberger gefordert hatte, macht die Drogenbeauftragte in ihrem Schreiben jedoch nicht.
Stattdessen verwies Dyckmans auf bilaterale Gespräche mit den Drogenkoordinatoren von Polen und Tschechien auf der internationalen Jahrestagung der Suchtstoffkommission in Wien, auf ein vom Bund finanziertes Projekt zur Erforschung von Konsumgewohnheiten mit Laufzeit bis Ende 2013 sowie auf die Möglichkeit der Förderung von Präventionsprojekten, für die eine Prüfung ihrer Wirksamkeit im Voraus erforderlich ist. Für Ernstberger ist die Antwort der Drogenbeauftragten entsprechend „enttäuschend“.

Wie der „Frankenpost“ vom 8. März 2013 zu entnehmen ist, verwies Dyckmans zudem auf bilaterale Gespräche, wie sie beispielsweise unlängst Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich in Tschechien geführt hatte. Ernstberger zeigte sich angesichts der Antwort der Drogenbeauftragten entsetzt und enttäuscht: „Ich vermisse eine kurzfristig wirksame Strategie der Bundesregierung zur Aufklärung über die verheerende Wirkung von Crystal.
Was nützt der Verweis auf die Erforschung von Konsumgewohnheiten, wenn sich Jugendliche zeitgleich mit der Teufelsdroge systematisch zerstören? Wir brauchen stattdessen das finanzielle Engagement der Bundesregierung für eine zielgerichtete, öffentlichkeitswirksame Kampagne, um den Erstkonsum zu verhindern. Wir brauchen schlichtweg mehr Geld und Personal, um in den Schulen, an den Hochschulen und den Treffpunkten junger Leute umfassend aufklären zu können“.

Die Drogenbeauftragte Dyckmans sieht offenbar keine Notwendigkeit für Aktionen im Sinne von Aufklärung und präferiert eher repressive Maßnahmen. Sonst hätte sie nicht auf Gespräche an der Tagung der Suchtstoffkommission der UNO (Commission on Narcotic Drugs, CND) in Wien hingewiesen, wo sich alljährlich die prohibitionistischen Drogenkrieger aus aller Welt versammeln.

Die Drogenbeauftragte Dyckmans behauptet zwar immer wieder, die Drogenpolitik der Bundesregierung basiere auf den vier Säulen Prävention, Behandlung von Suchterkrankungen, Überlebenshilfen und Angebotsreduzierung durch repressive Maßnahmen. Doch wenn Prävention an Schulen wegen der zunehmenden Verbreitung des Konsums von Crystal von Nöten ist, dann erteilt sie eine Absage. Damit verhält sie sich wie die konservative Mehrheit im Sächsischen Landtag. Am Mittwoch, 13. März 2013, hatte der Landtag nach einer Debatte zum Thema Crystal in der Aktuellen Stunde am Abend Anträge von den Grünen und Linken, mehr Geld in die Suchtberatung zu investieren, mit den Stimmen von der CDU, FDP und NPD abgelehnt.

In der Oberpfalz, im Osten von Bayern an der Grenze zur Tschechischen Republik gelegen, ist die Einstellung der Drogenbeauftragten offenbar besser bekannt als in Oberfranken. In der Oberpfälzer Stadt Weiden wartet man nicht auf Hilfe von der Drogenbeauftragten oder der Bundesregierung, sondern man hat zur Selbsthilfe gegriffen. Dort hat sich eine breite Allianz aus Polizei, Kommunalpolitikern, Behörden, Jugendverbänden und Suchtberatungsstellen gebildet, um mit Aufklärung Crystal-Speed auszubremsen. Unter dem Motto „das Problem helfend bekämpfen“ setzt man dort auf Information und Prävention. Auf Plakaten werden gängige Motive aus der Nordoberpfalz gezeigt.

Die Bilder sind jedoch verschwommen, die Perspektive verzerrt, eben genau so, wie sie ein unter Drogeneinfluss stehender Mensch wahrnehmen könnte. Im bekannten Verkehrsgelb erscheinen dagegen gut lesbar Ortsschilder am Bildrand mit Beschriftungen wie „Weiden – Stadt mit Suchtpotenzial“ oder „Neustadt – immer einen Trip wert“. Schüler der Fachoberschule Weiden haben die Plakate gestaltet und wollen so auf provokative Art auf das Drogenproblem aufmerksam machen.
Die Oberpfälzer machen deutlich, dass es auch ohne Drogenbeauftragte geht, nichts desto trotz gibt es guten Grund, über das Verhalten der Drogenbeauftragten Dyckmans entsetzt und enttäuscht zu sein.

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