Montag, 8. Dezember 2008

D-Flame @ Hanf Journal 19.November 2008

Hier brennt die Flamme

Direkt im Anschluss an die „TNT“-Tour mit Dynamite Deluxe ist der Frankfurter Feuerwehrmann auf Promo-Tour durch Deutschland. Freundlicherweise beehrt er auch uns im Büro, und so freuen wir uns auf – D-Flame.

Kurz locker gemacht, die Kamera läuft, und D-Flame gibt bereitwillig, mal nachdenklich, mal schmunzelnd Antwort auf meine Fragen. Gerade ist sein fünftes Album „Stress“ (Rolyreview auf Seite 9 in dieser Ausgabe) erschienen, und so spricht er erstmal über die Entwicklung von eins bis fünf. Angefangen mit HipHop, aber auch immer Fan von Dancehall und Soul, hat er mittlerweile alle Scheuklappen abgelegt und gibt sich dem ganzen Spektrum hin, das er persönlich favorisiert. Während „Basstard“ (2000) noch den Fokus auf HipHop, Reggae und Dancehall legte, ging sein Konzeptalbum „Daniel X – Eine schwarze deutsche Geschichte“ (2002) mehr in Richtung HipHop und die beiden letzten Werke „Unaufhaltsam“ (2003) und „F.F.M.“ wieder Richtung Reggae und Dancehall.

Doch das Limitieren auf einen Style war eigentlich nie sein Ding, daher war es die logische Konsequenz, jetzt wieder grenzenlos Musik zu machen und sich einfach auf den richtigen Vibe zu konzentrieren. So gibt es auch Songs, die für bestimmte Stimmungen gemacht werden – der Party-Track knallt live besser, während das deepere Stück eher was zum Nachdenken zuhause ist. Features sind bei ihm bis jetzt immer durch Freundschaften entstanden, und das Spannende war immer, dass Menschen aus zwei verschiedenen Ecken kommen und das Gleiche empfinden. Solche Seelenverwandtschaften sind natürlich dann die ideale Voraussetzung, zusammen Songs aufzunehmen. Bei dem vorbildlich engagierten Brothers Keepers Projekt war das wohl ähnlich. Nach dem zweiten Album hat sich diese Sache leider etwas verlaufen, da viele wieder ihr eigenes Ding gemacht und andere auch etwas resigniert haben, aber der Verein Brothers Keepers e.v. existiert nach wie vor und macht seine Arbeit.

Anfang 2007 spielte D-Flame auch neben Mamadee und Adé Bantu in dem Doku-Film „Yes I Am“, der den Weg von den in Deutschland geborenen, afro-deutschen Künstlern und die Umstände zeigt, mit denen sie aufgrund ihrer Hautfarbe konfrontiert sind. So komme ich auch nicht darum herum, D-Flame nach dem neuen US-Präsidenten zu fragen und wie er die Wahl erlebt hat. Seine Augen leuchten, er reisst die Arme auseinander und ruft: „Obama … 4 Uhr 58 … McCain nachhause gehen … Bush auf Wiedersehen …“ – Da er selbst einen afroamerikanischer Vater aus Philadelphia hat, war das ein besonderer Augenblick in seinem Leben. Er spricht von seinen Freudentränen, als er den selbst vor Rührung weinenden Jesse Jackson sah, der es ja 1984 und 1988 versucht hat und ein sehr Aktiver in der Bürgerrechtsbewegung war. Zusammen mit Scola hat er den Song „Solution“ gemacht, in dem die beiden die momentane Weltlage thematisieren. In dem Video, das zwei Wochen vor der Wahl entstand, wollte er unbedingt ein Obama-Bild integrieren. Ein weiteres Video mit D-Flame und Scola gibt’s zu dem groovigen Song „It’s On“, der viel Spaß macht. Auf dem neuen Album sind mit „Immer noch“ und „Teer in meinen Adern“ auch zwei Hits für die Ganja Crew vertreten.

Als mehrfacher, stolzer Papa proklamiert D-Flame eine kontrollierte Abgabe von Cannabis unter strengen Jugendschutzbedingungen, spricht über die Doppelmoral bezüglich Alkohol, den man in seiner Wirkung auf den Menschen nicht unterschätzen sollte, und die Vorzüge der Nutzpflanze Hanf. In einer Songzeile schrieb er einmal: „Es kommt mir vor als ob sie lieber Straftäter kreieren anstatt sie Gras legalisieren.“

Das sehen wir ähnlich, dampfen noch einen und verweisen darauf, dass es für unsere interessierten Exzessiv-Fans in Kürze auch ein kleines Video mit diesem äusserst sympathischen Künstler auf www.exzessiv.tv geben wird – stay tuned!

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