Mittwoch, 18. Juli 2007

Rolys Silberscheiben des Monats Juli I

>> Electronica

Various Artists: The Official Soundtrack of Love Family Park (aim for the stars)

Los geht’s im Hanauer Love Family Park, wo im Feld der elektronischen Tanzmusik alles Rang und Namen hat. Unter der Klangpatenschaft von Gastgeber Sven Väth hat sich auch in diesem Jahr wieder ein illustrer Kreis von nationalen und internationalen DJs und Live-Acts zusammengefunden, um den mehr als 10.000 Besuchern in den traumhaft schönen Mainwiesen Urlaubsgefühle vor die Haustür zu bringen. In all ihrer facettenreichen Bandbreite repräsentiert der offizielle Soundtrack das diesjährige Klangspektrum. Die Compilation besticht u.a. mit der „Springlove“-Koproduktion von Sven Väth & Anthony Rother, dem Radio Slave Remix von Roman Flügel’s Clubsmasher „La Forza Del Destino“ und dem fabelhaften Eulberg & Ananda Remix des isländischen Dubtrance-Klassikers „Strobe Light Network“. Auf der Bonus-CD hat Alex Azary, visionärer Motor des wohl weltweit renommiertesten Ambient-Labels Elektrolux, einen exklusiven Chill Out Mix abgemischt, der für die „Liebe im Park“ bestens geeignet ist.

www.lovefamily.de

Espresso Del Lago: Yeki (elektrolux)

Den in Zürich beheimateten Künstlern Flavio Maspoli (Musiker & Produzent) und André Baumgartner (DJ & Produzent) aka Espresso Del Lago geht es mit ihrem Debüt-Album „Yeki“ darum, über beengende Grenzen hinauszuschauen, Einflüsse aus allen denkbaren musikkulturellen Ebenen aufzusaugen und zu etwas Neuem und Eigenständigem umzuformulieren. Dieser Ansatz wäre nicht komplett ohne den besonderen Zauber und den Soul der menschlichen Stimme. Schon der Albumopener „Sa Trincha“ mit den spanischen Vocals von Monica entwickelt aus der Idee des mediterranen Chill Outs eine definitiv eigenständige Formensprache. Das gilt genauso für das impressionistische Piano von „The World Is Yours“, die von der Sängerin Sitta eingestreuten persischen Elemente von „Yeki“ und „Suratat“ bzw. die afrikanischen Einflüsse von „Digital Divide“, die der Klangwelt von Espresso Del Lago eine ungemein exotische und sinnliche Komponente verleiht. Schließlich bedeutet der Titel des Albums „Yeki“ auf Persisch nicht anderes als miteinander zu verschmelzen, das magische Einswerden, das nur wahre Liebe zu bewerkstelligen vermag.

www.elektrolux.com

V.A.: 5 Years Get Physical (get physical music)

Wohl kaum jemand anderes kann von sich behaupten, in der letzten halben Dekade so erfolgreich den Club-Sound of now geprägt zu haben, wie der Berliner Trupp um DJ T, Booka Shade und M.A.N.D.Y.. Grund genug, zum Jubiläum eine Doppel-CD heraus zu bringen, die vor Power und Potential nur so strotzt. Die Compilation „5 years get physical“ dokumentiert die Vielschichtigkeit des Labels, und ihr Sound-Koordinatensystem setzt sich zusammen aus Chicago-House, Electro und Disco-Funk-Splittern. Auf CD 1 wurden illustre Produzenten aus unterschiedlichsten Genres eingeladen, um die größten Hits des Backkatalogs zu remixen und in ganz neuen Facetten schillern zu lassen. M.A.N.D.Y. rockt „ No Stoppin’” (Hot Chip Remix), und von der rein klassisch mit Streichern arrangierten Larry Gold String Version des Booka Shade Klassikers „Night Falls“ über derb tanzbare Rhythmen á la DJ T’s „Freemind“ (Dexter Remix) bis zu Moby’s Version von Djuma Soundsystems Track „Les Djinns“ geht hier einiges. Auf der zweiten CD gratulieren hauseigene Acts mit 11 exklusiven Tracks, worunter sich in typisch groovender Physical-Manier auch wieder jede Menge Clubburner wie „Oh Superman“ von M.A.N.D.Y. vs Booka Shade ft. Laurie Anderson und Williams’ „Illegal Ninja Moves“ befinden. 5 Jahre lang keinen Fehler machen und unbeirrt seinen Weg gehen – dazu muss man einfach nur gratulieren.

www.physical-music.com/five
www.myspace.com/getphysicalmusic

Wagon Cookin: 2Faces (compost records)

Die beiden Brüder Javier und Luis Garayalde wohnen in einem Wagon der Trans-Europe-Express in der Sierra De Gredos bei Madrid zusammen und gehen ihrer Leidenschaft nach. Die Vielfalt ihrer Produktionen und Remixauftragsarbeiten hat Wagon Cookin zu einem etablierten Akt gemacht, dessen Entwicklung die eklektische Gemeinde seit Jahren mit Spannung verfolgt. Auf Odori und Appetizers Records haben sie ihre Affinität zu modernen Clubbeats bisher veröffentlicht. Wie auch das Münchener Label hatten die beiden umtriebigen Spanier bisher das Branding des NuJazz bzw. nur darauf reduziert zu werden. Kenner wissen, dass das Schwachsinn ist. Die vermeidlich alten „Future Jazz Fans“ stoßen mit housiger Marschrichtung die Tür zu neuen Clubs und Fans auf. Nachdem CD1 mit Disco („Ridin’ on a wind“), Future-Funk („Mr.Sun“) und Brazil („Desejo“) grroovige Vibes bietet, küssen sich auf CD2 erstmal Electro und Disco mit „Hands in the air“- Charakter. Da scheint das vertrackte Elektrobrett „En el Barrio“ eher eine upliftende Ausnahme zu sein. Auf den Deep House Nummern „Don’t stop“ und „Fever“ bilden die technoiden Strömungen einen eigenen Soundkosmos, bevor die Tanzwütigen mit „Mallorca“ wieder auf den Boden zurückholt werden. Grossartig!

www.wagoncookin.com
www.compost-records.com

Stateless: Stateless (!K7)

Die Jungs aus Leeds machen Musik in bester britischer Tradition, für hoffnungslose Romantiker und Melancholiker. Indie-Gitarren-Rock und elektronische Sounds treffen auf orchestrale Klänge und Turntable Scratches. Träumerisch vertraut und voller Seele entfalten die 10 Stücke auf ihrem Debut-Album eine Sogkraft und Tiefe, der man bei einer Newcomer Band so schon lange nicht mehr gehört hat. Piano-Loops mischen sich bei „Prism #1“ mit Breakbeats, cineastische Streicher fusionieren bei „Exit“ mit treibenden Beats und „This Language“ überzeugt mit einem Gastauftritt von Solesides-Rapper Lateef The Truth Speaker. Zeit zum Verschnaufen zwischen den musikalischen Grenzgängen bieten wunderschöne Stücke wie „Bloodstream“, eine berauschende Hymne über die gefährlich narkotisierende Kraft der Liebe. Fans von Portisheads gebrochener Traumwelt, Coldplays wundersamen Piano-Sound, Jeff Buckleys fein-getunter Magie und Radioheads nachdenklicher Tiefe werden Stateless lieben. DJ Shadow und ich tun das auch …

www.statelessonline.co.uk
www.myspace.com/statelessonline
www.k7.com

Recoil: subHuman (mute / emi)

Alan Wilder war als Nachfolger von Vince Clarke der ehemals vierte Mann von Depeche Mode und verantwortlich für deren stilbildenden Sound in den 80er und 90er Jahren. Nach sechsjähriger Aufnahmepause meldet er sich nun mit seinem fünften Recoil-Studioalbum zurück. Wiederholt als treibende musikalische Kraft anerkannt und beispielhaft für seine Detailliebe im Studio, ist es Wilder gelungen, die Grenzen selbst im restriktiven Klima des kommerziellen Pop weiter auszudehnen. Seine Fähigkeiten beim Mischen eklektischer musikalischer Stilrichtungen mit häufig kontroversen Themen haben ein Album mit einer komplexen klanglichen Bilderwelt und umfangreichen Dynamik hervorgebracht. Bluesman Joe Richardson kommentiert mit seinem unter die Haut gehenden Gesangsstil Konflikte, Religion, Eingesperrtsein und persönliche Schwierigkeiten. Und mit ihrer ausdrucksvollen stimmlichen Reichweite und Kontrolle liefert die englische Sängerin Carla Trevaskis die Leadvocals zu zwei Stücken sowie Backing Vocals zum ganzen Album. „subHuman“ fordert uns auf, nach innen zu schauen und die Essenz dessen herauszufiltern, was uns menschlich macht – und, vielleicht noch wichtiger, was uns dazu bringt, andere zu unterwerfen, manchmal mit den brutalsten Konsequenzen. Es gibt immer jemanden, in dessen Augen wir ,subHuman’ sind.

www.recoil.co.uk
www.myspace.com/recoil
www.mute.de

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>> Hip Hop / Black

Theory Hazit: Extra Credit (gap / superrappin)

Nach langer Pause kehrt das Superrappin Label (Hausmarke des Groove Attack-Vertriebs aus Köln) mit einem neuen Signing zurück – Theory Hazit! Ein sehr eigener, wunderbar flowender, intelligenter MC, der irgendwo zwischen KRS One und Common liegt, reimt über Beats, die Old School Boom Bap und zeitgemäße Produktion vereinen. Gesamplete Gospelchöre, getragene Geigen und trockener Funk bilden die Zutaten, aus denen eine Vielzahl unbekannter Produzenten sowie Theory Hazit selbst 15 Tracks gebastelt haben, auf denen er sich mit humoristischen Themen oder klassischen Geschichten (Battle) auseinandersetzt. Richtig deepes Material gibt’s mit „Lesson in Power“, „I just wanna go home”, „Extra Credit”, „Hello Kiddeez” und „Ghetto”. Textlich zieht sich als roter Faden Theory Hazit’s Glaube an Gott durch das Album. Allerdings holt er sich nicht im Stile anderer Rapper nur mal kurz vor dem nächsten Drive-By-Shooting den Segen vom Herrgott, sondern scheint insgesamt einen recht heißen Draht nach oben zu haben. Das erklärt vielleicht auch, warum dem guten Mann soviel Talent in die Wiege gelegt wurde! „Extra Credit“ ist zweifellos ein am Klassikerstatus kratzendes Underground HipHop Album!

www.superrappin.com
www.groovettack.com

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