Donnerstag, 19. Januar 2006

Das ultimative Hanf-Lexikon – L bis S

Was ihr schon immer wissen wolltet, hat einer unserer Freelancer zusammengetragen und aufgeschrieben. In den nächsten Ausgaben werden wir das ABC über Hanf abdrucken. Solltet ihr Begriffe und Erklärungen vermissen, dann schickt uns eure Vorschläge und wir werden sie eingliedern.

L

Longpapers
Longpapers sind lange ungefähr zehn oder elf Zentimeter lange Zigarettenpapiere, die zur Herstellung von Joints verwendet werden. Joints sind länger als normale Zigaretten, weil sie normalerweise von mehreren Leuten geteilt werden.

Legalisierung
Unter der Legalisierung versteht man die Aufhebung der bestehenden Verbote. Es gibt verschiedene Modelle und Ideen, wie eine „Legalisierung“ umgesetzt werden könnte und nicht alle sehen wirklich einen völlig legalen Status für Cannabis vor. Übliche Forderungen sind die „Entpönalisierung“, also die Herabstufung des Umganges mit Cannabis von einer Straftat zu einer Ordnungswidrigkeit ( Liberalisierung), oder das so genannte „Coffee-Shop-Modell“, also der legale Verkauf in Fachgeschäften.

Liberalisierung
Als Liberalisierung bezeichnet man eine Gesetzesänderung, die zum Beispiel zu geringeren Strafen bei Besitz von Cannabis führt. Das wäre zum Beispiel die Herabstufung eines Besitzdeliktes von einer Straftat zu einer Ordnungswidrigkeit, wie es in Großbritannien geschehen ist. Einige bevorzugen diese Variante, weil sie weniger radikal als eine völlige Legalisierung ist und die Öffentlichkeit schonend auf eine Legalisierung vorbereite. Kritiker führen dagegen an, dass eine kontrollierte Abgabe und eine klare Trennung der Märkte nur bei einer Legalisierung möglich sind. Außerdem könne eine Liberalisierung zu einer Stagnation des Legalisierungsprozesses führen.

M

Marihuana (Marijuana)
Begriff für die Hanf-Blüten, der in den 1930er-Jahren geprägt wurde. Der Name kommt aus dem Mexikanischen und soll eine Kulturfremdheit der Pflanze suggerieren, analog zu den damaligen Bestrebungen den Hanf-Konsum rassistisch zu stigmatisieren.

Medizin
Cannabis wird seit Tausenden Jahren medizinisch verwendet. Erste Hinweise führen sogar zurück bis in die Steinzeit. Die Verwendungszwecke sind dabei vielseitig: Hanf wurde gegen Kopfschmerzen, Übelkeit, Menstruationsbeschwerden, Impotenz, Hühneraugen, Warzen, Appetitlosigkeit und viele andere Beschwerden eingesetzt. In der modernen Medizin ist der Einsatz durch rechtliche Schwierigkeiten stark eingeschränkt. Cannabis scheint aber bei einer Vielzahl von Erkrankungen wie Entzündungen, Krämpfe und Schmerzen Linderung zu verschaffen.

N

Nutzhanf
So genannter „Nutz- oder Faserhanf“ ist eine spezielle Züchtung von Cannabis Sativa, die unter 0,3 Prozent THC enthält und dessen Anbau in Deutschland unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist. Nutzhanf wird zur Fasergewinnung für die Papier- oder Textilherstellung verwendet.

Nachtsicht
Um ihre Nachtsichtfähigkeit bei nächtlichem Fischfang zu verbessern, rauchen jamaikanische Fischer traditionell vorher Joints oder trinken Rum, in den Hanf-Blüten eingelegt wurden.

Nebenwirkungen
Cannabis-Konsum hat natürlich auch Nebenwirkungen. Häufig können Augenrötung, Mundtrockenheit, Sprachschwierigkeiten und Heiterkeit bis hin zur Albernheit, aber auch Müdigkeit sowie Störungen des Kurzzeitgedächtnisses auftreten. Je nach Dosierung, Ausgangsstimmung und körperlicher Verfassung sind diese Nebenwirkungen mehr oder weniger stark. Bei höheren Dosierungen sind auch niedriger Blutdruck, erhöhter Puls, Desorientierung, Angstzustände und Übelkeit möglich.

O

Öl
Man unterscheidet zwischen dem so genannten Haschisch-Öl, einem öligen, sehr THC-haltigen Extrakt aus dem Cannabis-Harz, und dem Hanf-Samen-Öl. Letzteres ist sehr nährstoffhaltig und besitzt cholesterinsenkende Eigenschaften. Außerdem hilft es – sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet – gegen Hautleiden wie Neurodermitis.

Ofen
Bezeichnung für einen Joint (besonders in Süddeutschland und Österreich).

Outdoor
Als Outdoor-Anbau bezeichnet man den Anbau von Hanf außerhalb geschlossener Räume ohne Kunstlicht oder künstlichen Nährboden.

P

Papers
Zigarettenpapier. Für Joints benutzt man oft längeres und breiteres Zigarettenpapier. Gibt es in unterschiedlichen Formaten von slim bis riesig und in unterschiedlichen Papierstärken, man kann Joints auch mit zwei oder drei oder mehr zusammengeklebten „kurzen“ Papers drehen.

Papier
Hanf wurde schon im alten China zur Papier-Herstellung genutzt. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die Gutenberg-Bibel und andere alte Dokumente sind auf Hanf-Papier gedruckt. Hanf-Papier ist ergiebiger (aus einem Hektar Hanf kann man viermal so viel Papier herstellen wie aus einem Hektar Wald), umweltschonender (Hanf wächst schneller nach und man benötigt weniger Chemikalien) und robuster (da man bei der Herstellung auf bestimmte aggressive Chemikalien verzichten kann, zersetzt sich Hanf-Papier wesentlich langsamer und hält Jahrhunderte) als Papier, das aus Holz hergestellt wurde.

Pfeifen
Pfeifen zum Konsum von Cannabis gibt es in allen Größen, Farben und Formen. Am besten unterscheiden kann man Chyllums, Bongs (Wasserpfeifen), Kawumms, normale Pfeifen wie Tabakpfeifen und kleine Purpfeifen.

Potenz
Seit Menschen Cannabis gebrauchen, scheint man sich Gedanken um die Auswirkung auf die Potenz zu machen. Früher wurde Cannabis noch als Potenzmittel gebraucht, vor allem im Orient. In den 1930er-Jahren wurde sogar behauptet, dass Cannabis ein „unstillbares sexuelles Verlangen“ hervorrufe. In den letzten Jahren gibt es immer wieder Versuche zu beweisen, dass Cannabis impotent mache. Dabei konnten anscheinend Auswirkungen auf die Schwimmgeschwindigkeit der Spermien festgestellt werden. Trotzdem bekommen Cannabis-Konsumenten genauso wie Nicht-Konsumenten Kinder, Cannabis macht jedenfalls im Normalfall nicht impotent.

Problem-Konsumenten
Als Problem-Konsumenten bezeichnet man Konsumenten, die Probleme mit ihrem Cannabis-Konsum haben, ihn also nicht mehr bewusst steuern und einteilen können. Ursachen hierfür können psychische oder soziale Probleme sein. Besonders häufig betroffen sind männliche Jugendliche. Täglicher Konsum größerer Mengen mit „harten“ Konsum-Formen wie Bong-Rauchen kann ein Symptom für Problem-Konsum sein. Wer merkt, dass er seinen Konsum nicht mehr im Griff hat, sollte auf Hilfsangebote zurückgreifen, da solcher Konsum oft gesundheitsschädlich ist und die zugrundeliegenden Probleme oft verschlimmert.

Q


R

Rauchen
Rauchen gefährdet die Gesundheit. Das Argument, dass Cannabis-Rauch deutlich mehr Krebs erregende Stoffe enthalte als Tabak-Rauch ist allerdings nicht sehr schlagkräftig: Als Cannabis-Konsument raucht man üblicherweise erheblich weniger Cannabis, als ein durchschnittlicher Tabak-Raucher Tabak raucht. Außerdem gibt es auch Möglichkeiten, Cannabis ohne Rauchen zu konsumieren. Entweder inhaliert man verdampftes THC durch einen Vaporizer oder man nimmt das THC über den Verdauungstrakt auf: in Keksen, Kuchen oder in Kakao gelöst.

Räucherstäbchen
Gibt es in jedem Head-Shop. In einschlägigen Broschüren der Polizei wird besorgten Eltern erklärt, dass Räucherstäbchen benutzt werden, um den Haschisch-Rauch beim heimlichen Kiffen zu überdecken. Aber auch, wenn man gerade nicht heimlich kifft, können sie eine entspannte Atmosphäre schaffen.

Rastafari
Rastafariansmus ist eine besonders auf Jamaika verbreitete Religion. Sie gründet sich auf der Bibel und alten afrikanischen Traditionen und ist unter dem Eindruck der Sklaverei entstanden. Gläubige Rastafari tragen Dreadlocks, die sie meist mit einer als „Tam“ bezeichneten Strickmütze bedecken. Außerdem ernähren sie sich vegetarisch, arbeiten aus Überzeugung nur als Selbstständige, benutzen Cannabis, das sie als „Ganja“ bezeichnen zur Unterstützung ihres Glaubens, lesen sehr viel in der Bibel und verehren Haile Selassie, der Kaiser von Äthiopien war. Der Grad der Religionsausübung ist sehr unterschiedlich, das Ganja-Rauchen und die Dreadlocks sind am meisten verbreitet.

Repression
Als Repression wird der Druck bezeichnet, der von Seiten des Staates auf Cannabis-Konsumenten ausgeübt wird. Das beinhaltet nicht nur das Betäubungsmittelgesetz und seine Umsetzung, sondern auch verstecktere Repressionsmittel wie die Fahrerlaubnisverordnung, die es ermöglicht, regelmäßigen Cannabis-Konsumenten den Führerschein zu entziehen.

S

Samen
Hanf-Samen werden nicht nur zur Aufzucht neuer Hanf-Sflanzen benötigt. Sie sind auch ein beliebtes Vogelfutter und auch für Menschen eine willkommene Nahrungsergänzung. Hanf-Samen enthalten das sehr gesunde Hanf-Öl, allerdings kein THC. Sie schmecken leicht nussig und in früheren Zeiten waren sie wegen ihres Nährstoff- und Fettgehaltes ein wichtiges Nahrungsmittel. Daher hatte Hanf auch oft den Beinamen „Arme-Leute-Kraut“.

Schmerzen
Hanf wird seit Jahrtausenden gegen Schmerzen verwendet. Selbst Queen Victoria nahm eine Hanf-Tinktur gegen Menstruationsbeschwerden ein. Die notwendige Dosis kann, je nach Einsatzgebiet, auch unterhalb der psychotropen Schwelle liegen, das heißt, dass eine Rauschwirkung nicht unbedingt notwendig ist. THC-ähnliche Substanzen spielen offenbar bei der Schmerzleitung eine wesentliche Rolle. Heutzutage kann es auch gegen Schmerzen bei Krebs- oder Aids-Erkrankungen, Multipler Sklerose und entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn verwendet werden. Es verbessert auch die Wirkung von opiumbasierten Schmerzmitteln wie Morphium, sodass diese in geringerer Dosierung mit weniger Nebenwirkungen gegeben werden können. Leider sind in Deutschland nur die sehr teuren synthetischen Präparate verschreibungsfähig und viele Krankenkassen verweigern die Erstattung.

Stein
Anderes Wort für Haschisch.

Sucht
Der Begriff Sucht stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und bezeichnet abfällig den Alkoholismus des so genannten „Lumpenproletariates“. Dabei ist er auf das Wort „siecht“, also Siechtum, Krankheit, zurückzuführen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist dazu übergegangen, den Begriff „Sucht“ durch den Begriff „Abhängigkeit“ zu ersetzen.

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