Freitag, 29. Juli 2005

GZSZ

Wo immer zwei oder mehr Menschen beschließen, ihr Leben miteinander zu teilen …

… bedeutet dies auch stets, die Gewohnheiten, Spleens und Marotten des anderen mitzuerleben und mitzutragen, seine Höhen und Tiefen mitzuerleben und Charakterzüge zu entdecken, von denen man oftmals eigentlich gar nichts wissen wollte. Unterm Strich ist man letztlich aber meist froh, dass der andere das alles umgekehrt auch aushält und immer noch da ist, auch dann, wenn man sich selber schon in die Wüste schicken könnte, was landläufig meist eher schwer ist, außer man beherrscht die Kunst der Astralreise. Nach fünf Jahren matrimoniellen Seins ist es Zeit für ein Resümee, inwieweit „Maria“ an der Gestaltung des Zusammenlebens teilhat.

Es muss nicht immer die Zahnpastatube sein, auch bei den Rauchgewohnheiten heißt es, andere Lebensformen als gleichwertig anzusehen und ihnen ihren Raum zu lassen. Die Zauberformel lautet: biegsam bleiben für das Leben, um den Widrigkeiten elegant auszuweichen, wie das Schilfrohr dem Wind. Eichen stehen ja doch meistens alleine da ;-). Bauten wir anfangs gemeinsam einen „Joe“, so hatte ich die Wahl, ihn entweder zu beginnen, wobei ich gewohnheitsgemäß nach drei Zügen weiterreichte, um somit den ganzen mittleren Teil zu verlieren, der mir am liebsten ist beim Smoken, und einen letzten Rest von Stummel zurückzubekommen. Oder aber den mittleren Teil zu rauchen, um dann jedes Mal zu hören, dass nur mehr so wenig übrig sei. Denn, wo ich drei Züge brauche, da macht mein Liebster mit seiner Sportlerlunge einen. Behielt ich ihn nun so lange, bis ich die mir zustehenden neun Züge beisammen hatte, merkte ich schon nach der Hälfte, wie er neben mir hin und her zu wetzen begann, weil das so lange dauerte.

Zum anderen treibt das Postulat, dass man je nach Körpermasse auch mehr verträgt, bei uns seltsame Blüten. Während mein Mann beim Haschisch gut doppelt so viel verwendet als ich, eine Menge, die mich per Schleudersitz in die Heia befördern würde, verhält es sich beim Gras genau umgekehrt. Ein weiterer Umstand, der das miteinander Rauchen nicht wirklich einfacher machte. Wie bei den Königskindern, wir sollten einfach nicht zusammenkommen.

Die Lösung des gordischen Knotens bestand natürlich darin, ihn durchzuhauen. Nun bauen wir immer zwei „Joes“, einen für jeden. So können wir entspannt sitzen und smoken, uns allein auf das Rauschen im Schilf konzentrieren und immer die jeweils adäquate Menge inkorporieren.

Ein Dosenöffner muss nicht immer aus Metall sein. Auch Papier, Tabak und Kraut schaffen es, die Fensterläden wieder zu entriegeln, die die Seele zugeschlagen hat, sei es durch durchgegangene Nerven, einem Wutanfall, einer Meinungsverschiedenheit oder Stress. Bei einer Tasse Kaffee und einem Jolly kann man dann plötzlich wieder zuhören, anstatt sich dauernd nur selbst reden hören zu wollen. Das spart so manchen Ehe-Therapeuten J.

In Zeiten der Krise ist es auch oft hilfreich, im anderen einen Spiegel zu haben, jemanden, der einem auch mal sagt: „He, du rauchst zu viel. Was ist denn los?“ und der dann auch zuhören kann. Sollte man fortpflanzungstechnisch unterwegs sein, ist es ein riesengroßer Halt, einen Leidensgenossen zu haben, wenn man neun Monate lang allen Widrigkeiten des Lebens nüchtern entgegensieht. Der Satz: „Wenn es der andere aushält, dann halt ich es auch aus“ kann in dieser Zeit Berge versetzen. Stärke ist ansteckend.

Ein weiterer Aspekt ist das Verwöhnen des anderen und das Erspüren seiner Notwendigkeiten. Ich sitze mit Mario bei einer Zigarette zusammen, als seine Freundin Pili völlig fertig von der Arbeit nach Hause kommt. Sie lässt sich in das Sitzkissen fallen und schaut sehnsüchtig zu Marios Glimmstängel hinüber. Groß ist die Enttäuschung, als sie feststellt, dass es sich dabei nicht um einen „Joe“ handelt. Sofort und auf der Stelle macht sich Mario ohne Kommentar ans Bauen und Pili kann sich derweil schon entspannt dem Nichtstun hingeben.

Dieses Resümee wäre selbstverständlich nicht komplett ohne diese drei Buchstaben: Sex. Wo Maria die Grenzen der Körper verschwimmen, die Sinneswahrnehmungen in den Raum explodieren und den Geist in ungeahnte Sphären katapultieren lässt, da dehnt sich die dabei frei werdende positive Energie natürlich auch auf alle anderen Ebenen des Miteinander-Lebens aus. Die unglaubliche Leichtigkeit des Zusammenseins, die Energie die sich dadurch mehrt, dass man sie verbraucht, ist das erste Gesetz der Biomechanik.

Schlussendlich, hat man schon so einen kleinen Gnom im Haus herumflitzen, der einem die Unsterblichkeit und das Ende aller Fadesse (österr.: langweilige Art) garantiert, so kann es einem Welten geben, nach Feierabend aus dem Elterngewand ins Paargewand zu wechseln, in der lauen Sommernachtluft beisammen zu sitzen, grünen Smoke in die Milchstraße zu pusten und die langersehnte Ruhe zu genießen. Das Vorspiel!

Ich wünsche allen, dass sie so einen Menschen haben mögen, mit dem sie durch dicken und dünnen Smoke gehen können, der einem den Stängel hält, wenn alle anderen schon die Wurzeln einziehen: Make Smoke not War!

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