Mittwoch, 1. Juni 2005

Dr. med. Franjo Grotenhermen klärt auf

Wie lange ist THC im Blut und Urin nachweisbar?

THC selbst kann nur einige Stunden oder Tage nach dem letzten Konsum im Blut und Urin nachgewiesen werden. Allerdings können einzelne Stoffwechselprodukte, je nach Intensität und Dauer des vorausgegangenen Cannabis-Konsums, bis zu einem Monat, eventuell auch noch länger im Urin nachgewiesen werden. Die Frage der Nachweisbarkeitsdauer spielt vor allem im Zusammenhang mit einem drohenden oder bereits erfolgten Führerscheinentzug eine Rolle.

Nach dem Rauchen einer einzigen Cannabis-Zigarette steigt die Konzentration von THC im Blut innerhalb weniger Minuten auf hohe Werte an, im Allgemeinen auf Konzentrationen zwischen 100 und 300 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) Blutplasma. Als Blutplasma bezeichnet man die klare Flüssigkeit des Blutes nach Abtrennung der Blutkörperchen. Innerhalb weniger Stunden sinkt die THC-Konzentration auf unter 15 Nanogramm pro Milliliter ab. Je nach aufgenommener THC-Menge und in Abhängigkeit von der Empfindlichkeit des Nachweisverfahrens kann THC im Blut fünf bis 15 Stunden nachgewiesen werden, nach der Aufnahme großer Mengen aber auch länger als 24 Stunden.

Bei regelmäßigem Konsum häuft sich THC im Blut an, sodass es nach dem letzten Konsum länger als nach einmaligem Konsum nachgewiesen werden kann. In einer Untersuchung mit starken, mäßig starken und gelegentlichen Cannabis-Konsumenten wurde das Blut bis zu zwei Tage nach dem letzten Konsum auf THC sowie seine Stoffwechselprodukte THC-COOH und 11-OH-THC untersucht. Bei den meisten starken Konsumenten war THC 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum noch nachweisbar, in einer Konzentration zwischen 1,3 und 6,4 Nanogramm pro Milliliter Blutplasma. Auch bei einem der mäßig starken Konsumenten war THC noch 24 Stunden nach dem letzten Konsum in geringer Konzentration vorhanden. Bei keinem der Gelegenheitskonsumenten war THC nach dieser Zeit noch nachweisbar. In einer anderen Studie, in der die Teilnehmer an einem Tag bis zu vier Cannabis-Zigaretten geraucht hatten, wurde am darauf folgenden Nachmittag, etwa 24 Stunden nach dem letzten Konsum, bei einem Teilnehmer noch THC im Blut gefunden. Das Stoffwechselprodukt THC-COOH verschwindet langsamer aus dem Blut als seine Muttersubstanz THC, sodass es häufig länger als einen oder zwei Tage nach dem letzten Konsum im Blut nachgewiesen werden kann.

Im Urin ist THC ebenfalls nachweisbar. Allerdings wird THC im Urin überwiegend als THC-COOH ausgeschieden. Dieses ist in einer wesentlich höheren Konzentration und auch wesentlich länger nach dem letzten Konsum nachweisbar, sodass in den meisten Labors nur THC-COOH im Urin nachgewiesen wird. Nach dem Rauchen einer Cannabis-Zigarette kann THC-COOH im Allgemeinen drei bis fünf Tage lang im Urin gefunden werden, gelegentlich auch ein wenig länger. Wenn regelmäßige Cannabis-Konsumenten ihren Konsum einstellen, so ist dieser durch Urinkontrollen im Durchschnitt noch einen Monat lang nachweisbar. Die Nachweisbarkeitsdauer variiert allerdings sehr stark, von zwei Wochen bis zu zwei Monaten, in seltenen Fällen auch bis zu drei Monaten. Die Ursache für diese Variation ist nicht bekannt. Sicherlich spielt die Konsum-Intensität eine Rolle. Ich werde häufig gefragt, ob die Ausscheidung durch bestimmte Maßnahmen, wie beispielsweise Sport, Sauna, eine bestimmte Ernährung, eine vermehrte Flüssigkeitszufuhr oder bestimmte Vitamine beschleunigt werden kann. Zu dieser Frage gibt es allerdings keine sicheren wissenschaftlichen Erkenntnisse, sodass jeder Rat spekulativ bleiben muss. Ich empfehle, allerdings unter diesem Vorbehalt, eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme von zusätzlich ein bis 1,5 Litern täglich. Die damit verbundene Verdünnung des Urins kann durch die Aufnahme von Kreatin, das über das Internet oder in Apotheken rezeptfrei erhältlich ist, kaschiert werden.
Bei regelmäßigem Konsum werden THC und vor allem seine Abbauprodukte im Körperfett gespeichert, da Cannabinoide fettlöslich und schlecht in wässrigen Flüssigkeiten, wie etwa dem Blut, löslich sind. Wird der Konsum eingestellt, so gelangen diese Substanzen nur sehr langsam wieder zurück ins Blut und von dort in den Urin. Dabei ist ihre Konzentration im Blut so gering, dass sie mit den üblichen Nachweisverfahren nicht nachweisbar sind. Im Urin wird THC-COOH jedoch wieder konzentriert. Es kann dort nachgewiesen werden, bis nur noch minimale Mengen über die Nieren ausgeschieden werden.

Abbildung 1: Durchschnitt der Konzentrationsverläufe von THC und seinen beiden Stoffwechselprodukten 11-OH-THC und THC-COOH nach dem Rauchen einer Cannabis-Zigarette mit 34 Milligramm THC durch sechs freiwillige Probanden (gezeichnet nach den Daten einer Tabelle eines Artikels von Dr. Marylin Huestis und ihren Kollegen aus dem Jahre 1991).

Abbildung 2: Durchschnitt der Urinkonzentrationen von THC und seinen beiden wichtigsten Stoffwechselprodukten nach dem Rauchen einer Cannabis-Zigarette mit 27 Milligramm THC durch acht Probanden. Einer der Teilnehmer gab später zu, dass er ein gewohnheitsmäßiger Konsument sei, sodass er bereits vor Beginn der Untersuchung relevante Konzentrationen von 11-OH-THC und THC-COOH aufwies (gezeichnet nach den Daten einer Tabelle eines Artikels von Dr. Joseph Manno und seinen Kollegen aus dem Jahre 2001).

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