Dienstag, 8. März 2005

Das Hammer-Interview mit Afrob

Wie wir bereits seit seinem „Exklusivinterview“ mit DJ Friction & Max Herre wissen, hat Afrob so seine ganz eigenen Erfahrungen mit Journalisten gemacht.

Um dem etwas entgegen zu wirken und weil mir sein neues Album wirklich
gut gefällt, machte ich mich um die Mittagszeit auf den Weg in die Four
Music Zentrale, wo bereits ein relaxed wirkender Afrob das
vorhergehende Interview beendet hatte und freundlicherweise gleich –
also ohne Pause – bereit für mich war. Das war schon mal der erste
Hammer!

Zum letzten Mal von ihm gehört habe ich im Frühjahr 2003, als das
ASD-Album „Wer hätte das gedacht?!“ mit seinem Seelenbruder Samy Deluxe
erschien. Damit wurde die deutsche Hip Hop-Szene auf jeden Fall
wachgerüttelt, und so war ich gespannt, was sonst noch so passiert ist
und vor allem was er über sein neuestes Werk zu erzählen hat. Zu Beginn
ging ich erst mal auf das Brother Keepers Projekt ein, vor dem ich
durch die erste Single „Adriano“ großen Respekt hatte. Afrob meinte
daraufhin, „dass durch dieses starke politisch-soziale Engagement mit
„Brothers Keepers“ viel erreicht und sogar ein weiteres Album nach
„Lightkultur“ fertiggestellt wurde, was jetzt bald veröffentlicht
wird.“ Spätere Recherchen ergaben, dass da Afrob gemeinsam mit Such A
Surge an den Start geht. Dass Afrob ein exzellenter Teamplayer ist, hat
er ja bereits mehrmals in seiner eindrucksvollen Karriere bewiesen: Von
den frühen Anfängen innerhalb der Stuttgarter AllStar-Crew „Die
Kolchose“ über seine massive Live-Präsenz bei den „FK Allstars“ (mit
Max Herre, Joy Denalane, Gentleman und Sékou) bis hin zu seinen
Features mit befreundeten Crews und Künstlern wie Die Firma, Ferris MC,
Freundeskreis, DJ Friction, DJ Thomilla, DJ Tomekk, KC da Rookee,
Massive Töne, Meli, Plattenpapzt, Spax und sogar Nas. Und meine drei
Lieblings-Tracks will ich dabei auch nicht vergessen: „Nachtfieber“ und
„Ein Fall für zwei (la la la)“ mit Hausmarke und „So soll’s sein“ mit
Samy Deluxe. Die drei Dinger höre ich mir auch heute noch immer wieder
gerne an! Mit seinen typisch kraftstrotzenden Gastauftritten auf den
Alben von den Spezializtz, DJ Desue, Da Fource oder auch den Ventura
Brothers setzte er obendrein ganz besondere Akzente im Genre des
„Street-Raps“.

Natürlich interessierte mich auch, wie er seine Heimatstadt
mittlerweile beurteilt und wie er die Szene in anderen Städten sieht.
Stuttgart sei ein Dorf, meint Afrob, und die Szene dort bestehe aus
einem jungen Publikum, wie man nach wie vor im „0711“ sehen könnte.
Berlin dagegen sieht er augenblicklich „als die Stadt an, in der am
meisten geht, weil am meisten Output vorhanden ist.“ Stichwort „Aggro“
bzw. die zunehmende Ghetto-Kultur, weil ja derzeit jeder über seinen
„Block“ rappt? „Das gibt’s auf jeden Fall“, meint Afrob, „aber die
Leute wollen es nicht wahrhaben, dass es ein Strassenleben gibt“. Afrob
hat ja bereits selbst auf seinem ersten Album „Rolle mit HipHop“ (1999)
Geschichten darüber erzählt, und der Track „Spektakulär“ ist wohl auch
noch in aller Ohren. Aber in Deutschland ist es nun mal im Gegensatz zu
den Staaten (noch) nicht so einfach, über solche Begebenheiten zu
sprechen.

Die Inspiration zu seinen Texten bezieht Afrob daher auch aus seinem
Umfeld, es ist eine Reflexion seines Lebens. Wenn der Beat stimmt, wird
ein inhaltsreicher Text drübergerappt. Rap bedeutet für Afrob Präsenz
zeigen, sein Innerstes nach Aussen zu kehren und das Publikum
hundertprozentig zu überzeugen. „Rap ist Berufung!“ – Auf die Frage, in
welche Richtung sich deutscher Hip Hop weiterentwickeln wird, meint er
zufrieden, „dass Hip Hop auf jeden Fall ein fester Bestandteil der
deutschen Musikkultur und eigentlich gar nicht mehr wegzudenken ist.“
Klar gibt es Fakes und Leute, die ihre Show abziehen, aber bei Afrob
merkt man, dass er authentisch ist, weil er die Dinge offen anspricht.
Rap erfindet sich immer wieder neu, und das macht ihn glücklich.

Vier Jahre nach „Made in Germany“ erscheint nun der „Hammer“! Es ist
das reifste und dabei facettenreichste Album des mittlerweile
28-Jährigen – und es kommt stets mit voller Wucht direkt auf den Punkt!
Das in jeder Hinsicht visionäre und heftigst pulsierende LP-Intro von
DJ 5ter Ton (Massive Töne) gibt bereits die Marschrichtung vor. Eine
musikalische Weiterentwicklung ist nicht zu überhören, wenn man sich
schon alleine die Beats einfährt. Der Song „Stossen mit den Jungs an“
mit seinem Homeboy Dean D Dawson, der hier übrigens auch grade im
Hintergrund läuft, kickt mich in dieser Hinsicht am meisten. Für diesen
synthielastigen Partytrack wurde ganze Arbeit geleistet.

Die erste Singleauskopplung ist der Track „Wollt ihr wissen …“, die
vom kroatischen Top-Produzenten Dash (Blackout Entertainment / u.a.
ASD, Samy Deluxe, Curse) maßgeschneidert wurde. Grundsätzlich verbindet
sich die Auswahl an fettesten Beats auf ideale Weise mit Afrob’s
Vision, nur die besten Lyrics und die besten Produktionen auf seinem
Album zu vereinen. So arbeitete Afrob beispielsweise in perfekter
Symbiose mit den beiden Berliner Beatbastlern DJ Desue (Samy Deluxe)
und DJ Rocky (Tatwaffe) zusammen. Mega-Producer Needlz aus New York
sorgt mit drei dicken Beats für reichlich Wirbel. Auch Gerrard Baker,
Megahertz (P.Diddy, Jay-Z, Nas) und der legendäre Brooklynite Jaz-O
liefern New Yorker Hitmaker-Produktionen. Und aus Detroit kommt heißer
Stuff von Young RJ und Waajeed. Eindrucksvolle Lyrics bieten Joy
Denalane, Light of da Bushbabees, Samy Deluxe, Lisi aka PurpleHaze, Max
Herre, J-Luv und Dymak.
 
Die letzte Frage, die ich ihm zu stellen habe, resultiert natürlich
daraus, dass ich ja im Auftrag des Hanf Journals unterwegs bin, und da
überrascht er mich mit seinen Antworten, wovor ich wirklich Respekt
habe. Er spricht davon, „dass Cannabis auf jeden Fall (psychisch)
abhängig macht und er daher auch gegen eine Legalisierung ist.“ Afrob
kennt diesen paranoiden Zustand selbst sehr gut, gerne zu kiffen aber
auch irgendwie darunter zu leiden, nicht damit aufhören zu können. Eine
Gefahr geht wohl von jeder Droge aus, wenn man – wie viele Jugendliche
wohl – nicht damit umzugehen weiß. So spricht sich Afrob eher für eine
Art „Gras-Kontrolle“ aus, um Risiken vorzubeugen. Und auch wenn Afrob
gegen eine Legalisierung ist, da das viele als Freibrief zum Kiffen
sehen würden, plädiert er zumindest für eine Entkriminalisierung, da
die ja – wie wir alle ja seit Jahren wissen – noch viel mehr Probleme
schafft.

Am 03. März startet die Max Herre Tour 2005! Als Support-Act wird Max
auf dieser Tour von Afrob begleitet. Nach dieser Tour geht es für Afrob
auf seine eigene „Hammer“-Tour und im Anschluss daran wird er Die
Fantastischen Vier auf ihrer „VIEL unterwegs Tour 2005“ als Support
begleiten!

Ach ja, ein Hammer-Interview war’s übrigens nicht nur, weil der Typ und
sein Album die Hämmer sind, sondern weil es hammerhart war, dieses
Interview unter 7.000 Zeichen zu drücken und termingerecht abzugeben.

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