Dienstag, 8. März 2005

ROLY’S GENRE LEXIKON LESSON III – TECHNO

Nach Electro und House geht’s heute um Techno, und vielleicht kann ich erneut ein paar Missverständnisse (und Vorurteile?) aus dem Weg räumen.

Inspiriert von der Disco-Musik aus den 1970er-Jahren und der damals neu
entstandenen elektronischen Musik entstand mit den legendären
Radioshows von u. a. Juan Atkins in den 1980er-Jahren Techno in
Detroit. Detroit Techno ist eine Mischung aus Funk, Electro Funk, EBM
und House-Einflüssen und gilt als Wegbereiter und Ursprung für Techno.
Beeinflussend neben Kraftwerk waren Can, Tangerine Dream, Jean Michel
Jarre, Yello, Depeche Mode, New Order, Front 242 und Afrika Bambaataa.
Berühmte Namen des Detroit Techno sind neben Juan Atkins vor allem
Kevin Saunderson, Derrick May, Jeff Mills, Underground Resistance,
Robert Hood, Carl Craig, Kenny Larkin, Daniel Bell und Claude Young.

Mit Techno bezeichnet man eine ganz spezielle Ausprägung der
elektronischen 4/4-Musik, die sehr monoton, unmelodiös und industriell,
aber auch sehr rhythmisch ist. Techno hat keine „Strophen“ oder
„Refrains“, sie hat einen „Aufbau“, der durch die Addierung
verschiedener Sequenzen (Hihats, Bass und Synthesizer) entsteht. In
Europa wurde der Begriff erstmals von Andreas Tomalla (alias Talla
2XLC) verwendet, der später das Label Suck me Plasma gründete. Seitdem
sich Mitte der 1990er-Jahre House als Oberbegriff für verschiedene
Arten elektronischer Musik etabliert hat, steht Techno für einen
bestimmten Stil des Techno House (daher Subgenre) unter Einfluss der
Electronic Body Music und erlebte nach dem Untergang der Acid House-Ära
Ende der 1980er-Jahre eine starke Popularität. Wichtige Vertreter aus
Deutschland waren Sven Väth, Dr. Motte, WestBam und Marusha. Der
Begriff Rave, der etwa 1992 in Mode kam, ist musikgeschichtlich im
Techno-Sektor völlig falsch, da dies ab Ende der 1980er bereits eine
Fusion aus Hip Hop-Beats mit Gitarrensounds war. Man erinnert sich hier
gerne an KLF, Inspiral Carpets, Primal Scream, The Farm, Happy Mondays
und EMF.

Hardcore Techno wurde 1989 vom Frankfurter Marc Acardipane erfunden und
bewegt sich zwischen 150 und 180 bpm. Als erster Hardcore Techno Track
gilt „We Have Arrived“ unter seinem Pseudonym „Mescalinum United“.

1991/92 entstand in Rotterdam Gabber, eine schnelle Variante von
Techno. Als Erfinder wird meist Paul Elstak genannt, der den
Rotterdam-Sound maßgebend geprägt hat. Bei 180 bis 250 bpm herrschen
meist verzerrte Bass Drums vor, begleitet durch grobe, harte und voll
synthetisierte Klänge. 1994 schwappte dann diese Welle u. a. durch die
Thunderdome Sampler auch nach Deutschland. Gegen Ende der 1990er-Jahre
war dem Neuzuwachs der Techno-Szene die Unterteilung in Hardcore und
Gabber nicht mehr genug, und so wurde das Spektrum um Speedcore
erweitert.

Speedcore ist eine Form des Hardcore-Technos, der mit 250 bis 300 bpm
schneller und aggressiver ist als Gabber. Als Hauptbestandteil dienen
verzerrte und übersteuerte Drummachines, garniert mit Geschrei,
Musikfetzen aus Horrorfilmen, extrem abartigen Synthesizer-Geräuschen
und kurzen melancholischen Melodien. Nach Meinungen vieler war die CD
„New York City Speedcore“ von Disciples Of Annihilation (DOA) verbunden
mit dem ersten Auftauchen des Begriffs. Heutzutage ist Speedcore nur
die Abgrenzung von der mit Vorurteilen behafteten Gabberszene. Da
heutiger Gabber weicher geworden ist, wurde der Begriff Gabba von
Berlinern eingeführt, der für die ursprüngliche Form von Gabber stehen
soll und sich vom holländischen Stil klar distanziert.

Als Minimal Techno bezeichnet man eine Stilrichtung, die sich durch
minimalistische Arrangements auszeichnet. Dennoch sind sie sehr
komplex, so werden beispielsweise überraschende Effekte oder
fragmentierte Melodien gerne direkt in die Beats eingebaut. Meist
bestehen diese Tracks nur aus den typischen 4-to-the-floor Drums des
Drumcomputers TR-909, Synth-Bass und Effekten. Grundsätzlich ist
Minimal Techno dennoch atonal, Ausnahmen bestätigen die Regel. Bekannt
wurde in Deutschland vor allem Köln für seine Minimal Techno-Szene,
berühmte Interpreten waren hier Mike Ink und Decomposed Subsonic.
International ist als Interpret und DJ der Kanadier Richie Hawtin zu
nennen, der auch unter dem Pseudonym Plastikman Erfolge feierte.

Der Begriff Schranz wurde ursprünglich Mitte der 1990er-Jahre von dem
Frankfurter Produzenten und DJ Chris Liebing während seiner
Geburtstagsparty geformt, um den damals noch namenlosen Stil
umschreiben zu können. Schranz ist eine harte, minimalistische und
schnelle (ab 140 bpm) vorwiegend mit Geräuschen und maschinenähnlichen
Klängen angereicherte Tanzmusik und zeichnet sich durch einen streng
perkussiven und repetitiven Charakter aus. Bekannte Vertreter sind
mittlerweile DJ Rush, Monika Kruse und Gayle San.

Trance ist eine Form von elektronischer Musik, bei welcher der für
Techno typische 4-to-the-floor Rhythmus bei etwa 140 bis 160 bpm mit
sphärischen Elementen und harmonischen Melodien ergänzt wird. Dazu
kommt die von außen einhämmernde Bassdrum. Trance hat sich als
Techno-Stil in den 1990ern vor allem in Deutschland, Ende der 1990er
auch in England durchgesetzt. An der Weiterentwicklung dieses Stils
waren maßgebend die Produzenten des Frankfurter Eye Q-Labels rund um
Sven Väth beteiligt: Ralf Hildenbeutel, Stevie B-Zet und A. C. Boutsen.
Weitere Namen, die im Zusammenhang mit Trance genannt werden müssen,
sind Tiesto, Armin van Buuren, Ferry Corsten, Paul Oakenfold, Cosmic
Baby und Paul van Dyk. Die bekanntesten Sub-Kategorien von Trance sind
Euro Trance, Hard Trance, Progressive Trance und Goa.

Goa (604), auch als Psychedelic Trance oder Psytrance bekannt, entstand
Mitte der 1990er im indischen Bundesstaat Goa, einem Hippie-Mekka aus
den 1960ern, maßgeblich von ausländischen, oft israelischen
Rucksacktouristen initiiert. Die daraus entstandene und stark mit der
Musik verbundene Kultur propagiert eine lebensbejahende Sichtweise und
ist stark mit den Ideen und Symbolen der 1968er-Bewegung verbunden.
Musik und Kultur werden maßgeblich durch psychedelische Drogen
beeinflusst. Pioniere dieses Musikstils waren Künstler wie Goa Gil oder
Mark Allen. Die Musik setzt sich aus 4/4 Takten bis zu 160 bpm
zusammen. Die Kicks sind deutlich energischer und kompakter als bei
anderen Trance-Richtungen. Es wird viel experimentiert, beliebt sind
Acidlines und andere organisch klingende synthetische Geräusche.

Ambient besteht im Prinzip nur aus „Flächensound“ bzw. „Soundflächen“.
Statt Melodien gibt es meist Klangentwürfe ohne rhythmische Strukturen,
die ein stimmungsvolles Raumgefühl erzeugen. Sozusagen als Erfinder
dieser Stilrichtung  auf alle Fälle des Begriffs Ambient  gilt Brian
Eno. Weitere Vertreter sind zum Beispiel The Orb oder John Hassell. Der
Begriff Chill Out tauchte erstmals durch das Album von The KLF 1990 auf
und verbindet lässig lockere, teils schleppend langsame Rhythmik mit
Einflüssen aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen, insbesondere
aber aus den Bereichen Ambient, Jazz, House und Black Music.

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