Mittwoch, 16. Februar 2005

Claudias kleine Welt

Ekstatisch statt statisch

Ekstatisch statt statisch##|n## ##|n## ##|n## ##|n## ##|n## ##|n## ##|n##

Ich##|n##hab dich schon öfters vom Fenster aus vorbeigehen sehen und hab##|n##mir immer gedacht: warum singt die Frau denn so ganz alleine? Und##|n##dann hab ich gesehen, dass du ja da ein Kind am Rücken##|n##dabeihast!“ So geschehen vor einigen Monaten back in good old##|n##Österreich, wo ich vorübergehend wieder in die##|n##Sesshaftenwelt der Mitteleuropäer eintauchen durfte. Wie gut##|n##dass ich meinen kleinen Schnurz im Tragetuch als Erklärung für##|n##meine melodiöse Daseinsfreude dabeihatte! Die Nachbarin, die##|n##obigen Ausspruch tätigte, hätte mich sonst womöglich##|n##völlig abgeschrieben. Singen, einfach so, ohne Aufforderung##|n##eines Chorleiters, ohne erkennbaren Grund, nur so zum Spaß und##|n##dann noch alleine und auf offener Straße???##|n##

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Und##|n##schon sind wir mittendrin, im Themenschlund, wo ich hinwollte. Wohin##|n##mit all den archaischen Äußerungen der Emotionen, die das##|n##Leben so bereithält: Freude, Wut, Trauer, Erstaunen . . ., die##|n##nun einmal in uns drin sind, uns aber rigoros im Zeichen des guten##|n##Tons (auf gut österreichisch: des G’heatse) aberzogen werden?##|n##Bleiben die am Weg stecken? Und was passiert dann mit ihnen? Und was,##|n##in Folge, mit uns?

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Wird##|n##Aggression unterdrückt, so führt dies zu Depression. Ohne##|n##jetzt groß Fachliteratur gewälzt zu haben, behaupte ich##|n##einfach mal aus eigener Erfahrung, dass jegliche unterdrückte##|n##Emotion dergestalt umgewandelt wird. Deutlich wird dies im direkten##|n##Vergleich ähnlicher Rituale mit der archaischen Kultur, etwa der##|n##Gestaltung eines Festes. Nehmen wir zum Beispiel Weihnachten, weil##|n##dieser Eindruck grad noch so praktisch frisch ist. Gehe ich meinen##|n##Bekanntenkreis durch, assoziiert der Großteil davon mit diesem##|n##Wort in erster Linie Stress, Schenken-Müssen (heutzutage##|n##praktisch deckungsgleich mit Geldausgeben) und einen wahlweise##|n##unerfreulichen oder halberfreulichen Pflichtbesuch bei den##|n##biologischen Eltern, der aus Herumsitzen, zuviel Essen und##|n##Kaffeetrinken besteht. Gesungen wird unter den wenigsten Christbäumen##|n##und wenn, dann meist ohne große Begeisterung. Tanz, Verzückung,##|n##Freudengeheul – ja vielleicht noch bei den Kleinen. Weit entfernt##|n##von jeglichem Verhalten, das des Wortes „feiern“ würdig wäre##|n##verplempert man wertvolle Lebenszeit nebeneinander. Und das soll eine##|n##Geburtstagsfeier sein, noch dazu die des Erlösers der##|n##Menschheit? Na sauber. Gemeinschaften, die noch richtig miteinander##|n##feiern können und dies auch tun, schimpfen wir dann „primitiv“.##|n##Liest man etwa, dass Ekstase für die Aborigines ein natürlicher##|n##Bestandteil des Lebens ist, kann man schon neidisch werden.

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Die##|n##Weisheit „Rausch braucht Ritual“ beschränkt sich in unserer##|n##„zivilisierten“ Welt leider meist nur mehr auf das Absingen##|n##einschlägigen Liedgutes. Und egal um welches Genussmittel es##|n##sich handelt, ob Alkohol, Tabak, Hanf, Pilze, es hat etwas##|n##Armseliges, Bedrückendes, wenn Menschen ihre Gefühle nur##|n##mehr unter Beihilfe diverser „Dosenöffner“ zeigen können.##|n##Oft kann man sich nicht mal mehr mit jemandem ruhig hinsetzen, ohne##|n##dass sofort die Zigaretten dabei sind oder der Fernseher daneben##|n##läuft. So schwer ist es für viele schon, sich einfach mal##|n##auf ihr Gegenüber zu konzentrieren und mit jemandem ruhig zu##|n##werden. ##|n##

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Als##|n##Maria und ich uns kennen lernten, überwog meine Begeisterung##|n##dafür, wie sie die Menschen dazu brachte, nett zueinander zu##|n##sein und ihre Heiterkeitskanäle vom Moralstaub zu reinigen. Mit##|n##der Zeit allerdings differenzierte sich dieser Idealismus zu einem##|n##kritischen Realismus aus. Eines Tages erkennt man, dass man mit##|n##denen, die es lustig (oder notwendig) finden, den ganzen Tag breit zu##|n##sein, nicht mehr viel anfangen kann, weil die sich schon ihre eigene##|n##Welt gerollt haben. Und so sehr ich einen guten „basilón“,##|n##wie die Spanier sagen, auch immer noch schätze, so sehr würdige##|n##ich auch die Momente, in denen ich, völlig unbeeinflusst und##|n##klar im Geiste, ähnliche Glücksgefühle erleben darf.##|n##Und so sehr ich ein Gespräch mit Santa Maria auch achte, so sehr##|n##mag ich doch die Augenblicke, in denen sich ein gutes Gespräch##|n##ohne fremde Hilfe, einfach nur aus dem Zusammentreffen zweier oder##|n##mehrerer Lebensformen, entwickelt. Noch besser, noch##|n##außerordentlicher allerdings ist es, wenn man jemanden trifft,##|n##mit dem man ohne alles schweigen kann. Für 2005 wünsche##|n##ich denen, die so einen Menschen schon haben, dass sie viel Zeit mit##|n##ihm verbringen können. Allen übrigen wünsche ich für##|n##das neue Jahr, dass sie diesen Menschen finden mögen. Weil ein##|n##Rausch umso schöner ist, je erfüllter das Leben ohne ihn##|n##schon ist.

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