Mittwoch, 16. Februar 2005

Urbane Grow-Legenden

Vom Hanf-Anbau und urbanen Grow-Legenden
Hanf wehrt sich selbst gegen Schädlinge!

Überschriften- und Themenübersicht Hanfjournalkolumne 2

Pflanzenschädigende
Insekten verschmähen fast keine Pflanzengattung. Jedoch lässt
sich nicht jedes Schadinsekt auf jeder Pflanze nieder und nicht jede
Pflanze ist dort beheimatet, wo auch Insekten leben, welche eben
diese Pflanze schädigen. Überall dort wo wir Pflanzen
finden, werden wir auch Insekten finden, welche sich auf irgendeine
Art und Weise von den Pflanzen ernähren werden.

Ein
Gärtner, der annimmt, seinen Garten ohne weiteres Zutun ewig
frei von Schadinsekten halten zu können, wird recht
wahrscheinlich früher oder später bemerken, dass er sich
geirrt hat. Recht viele bei uns beheimatete Schadinsekten befallen,
wenn zum Teil auch nicht stark bevorzugt, Hanf. Unter ihnen
vorwiegend Fruchtfliegenlarven, Spinnmilben, Thripse, weiße
Fliegen und Blattläuse, aber auch andere Schadinsekten können
zum Problem werden. Outdoor ist Hanf sehr vielen Schadinsektenarten,
sowie anderen „Schädlingen“ wie Schnecken, Rehe, uvm.
ausgesetzt und ich beschränke mich im Folgenden auf den
Indoor-Bereich.

Das
Thema Schadinsekten gehen viele verkehrt an. Sie warten, bis die
Schädlinge da sind und wenn es endlich soweit ist, klammern sie
sich an jedes Produkt, das ihnen verspricht die Plagegeister wieder
los zu werden. Wer diese Taktik wählt, wird auf die Dauer teuer
bezahlen. Wer hingegen vorbeugend tätig wird, erspart sich
spätere Misserfolge und teure, chemische Spritzmittel.
Schädlingsprophylaxe beginnt im Aufzuchtgewächshaus und
reicht bis zum Zuluftfilter.

Ohne auf
spezielle Schadinsekten einzugehen, ist es wichtig, den Pflanzraum so
zu gestalten, dass es bis auf die gewollten Zuluftöffnungen
keinen Weg in den Pflanzraum gibt. Schädlinge dringen zum Teil
durch kleinste Spalten, hinter der Teppichleiste, unter dem Boden
etc. in die Pflanzung ein. Ritzen und Spalten lassen sich einfach
verschließen. Oft reicht festes Klebeband, aber auch alle
weichmacherlosen Füllmassen sind geeignet, um den Insekten den
Weg zu versperren. Zuluftöffnungen werden immer mit Filtern
versehen. Am besten geeignet sind Luftfilter mit Drahtgitter und
Fließeinlage.

Es
reicht jedoch nicht aus, den Schädlingen den Weg zu
verbarrikadieren, um frei von Befall zu bleiben. Dichtheit und
Luftfilter reduzieren das Risiko, aber jedes Öffnen der Tür
und jeder Eintrag von außen erhöht das Risiko wieder.

Darum
sollte der Gärtner dafür sorgen, dass Schadinsekten aller
Art sich in seinem Garten möglicht nicht wohl fühlen. Das
erreicht er im Wesentlichen durch Sauberkeit und gutes Klima.
Abgestorbene Pflanzenteile, sehr hohe relative Luftfeuchtigkeit sowie
stehende Luft ziehen Insekten ebenso an wie stehendes Wasser und
nasse Böden. Trockenheit und Hitze bieten anderen Schadinsekten
ideale Lebensbedingungen. Die Grundregel bei der Schädlingsprophylaxe
lautet: Extreme vermeiden!

Ein
Klima von 24 °C und 50 % relativer Luftfeuchte mit Nachtwerten
von 18 bis 22 °C bei 40 bis 60 % rLf. bieten guten Schutz vor
Plagen der meisten Schädlinge.

Um
Schädlinge nicht von außen in einen Garten einzutragen,
müssen alle Pflanzen, die neu in den Garten eingebracht werden,
gründlich nach Schädlingen untersucht, im Zweifelsfall
vernichtet oder isoliert und behandelt werden, bevor sie in den
Garten eingebracht werden. Nur jene Pflanzen, die untersucht und für
schädlingsfrei beurteilt wurden, werden mit handwarmen,
laufendem Leitungswasser leicht „geduscht“ und erst dann in den
Garten gebracht. Eventuell übersehende Schadinsekteneier werden
so wahrscheinlich abgewaschen. Außerdem spült das Wasser
Rückstände von Spritzmitteln von den Blättern zuvor in
Quarantäne behandelter Pflanzen.

Im
Pflanzraum wie im Aufzuchtgewächshaus werden an den Topfrändern
gelbe und blaue Klebefallen ausgebracht. Die gelben Klebe- oder
Leimfallen locken ausgewachsene Fruchtfliegen durch das Gelb einer
Plastiktafel an, welche mit einem transparenten Kleber überzogen
ist, auf der die Fliege kleben bleibt und verendet. Aber auch andere
Schadinsekten „gehen der Falle auf den Leim“. Die blauen
Leimtafeln locken Thripse an und erlegen diese ebenfalls durch den
Klebetod. Beide Fallentypen dienen vorwiegend als Schädlingsanzeiger.
Die Falle lockt den Schädling an und anhand der auf der Falle
klebenden Anzahl von Schädlingen erhält der Gärtner
einen Überblick über die Art der vorhandenen Schadinsekten
und den Umfang bzw. Fortschritt des Befalls. Beide Fallen reduzieren
die Schädlinge „mechanisch“. Die Klebefallen alleine reichen
nicht aus, um Fruchtfliegen oder Thripsbefall zu bekämpfen, aber
sie zeigen den Befall an und sind eine gute Möglichkeit, einen
Befall schon früh leicht zu bremsen ohne mit „Kanonen auf
Spatzen zu schießen“.

Fruchtfliegen
sind im erwachsenen Stadium als fliegendes Insekt an sich keine
Gefahr für die Pflanze. Jedoch legen sie ihre Eier in
feucht-nasse Substrate, worin sie zu Larven heranreifen und sich an
den Wurzel zu schaffen machen. Treten Fruchtfliegen auf den gelben
Leimtafeln auf, besorgt der Gärtner im gut sortierten
Fachgeschäft Nemathoden. Das sind Fadenwürmer, die der
Pflanze und dem Menschen nichts anhaben können, aber die Larven
der Fruchtfliege befallen und töten. Nemathoden werden mit
Wasser gemischt und gegossen oder direkt in/auf das Substrat gegeben.

Thripse
sind ein anspruchvollerer Gegner als Fruchtfliegen. Wer Thripse auf
den Klebefallen und deren winzige wurmartige Larven auf der Pflanze,
welche die für Thripsbefall typischen silbrig-schleimigen Spuren
auf den Blattoberseiten hinterlassen, ausmacht, sollte Raubwanzen
und/oder Raubmilben aus dem Fachhandel einsetzen, um die Blüten
von Spritzmitteln frei zu halten. In der Wuchsphase haben sich
Produkte auf Basis von Neem-Öl gegen die Thripse bewährt,
aber auch Produkte aus verschiedenen Aromastoffen, Ölen und
Pflanzenauszügen sind wirksam. Diese Mittel sind ebenfalls gegen
Weiße Fliegen wirksam. Diese sitzen meist ruhig auf der
Unterseite der Blätter des unteren Drittels in ihren Gelegen.
Erst wenn die Pflanze geschüttelt, wird schwärmen sie aus
und werden entdeckt. Allerdings findet Mensch sie auch auf den
Leimfallen und bemerkt sie so. Sie stechen die Blätter an und
saugen den Pflanzensaft, wodurch sie kleine Punkte auf den Blättern
hinterlassen. Sie werden am effektivsten bekämpft, indem die
Blätter mit den Gelegen entfernt und entsorgt werden. Der Rest
geht auf die Leimfallen oder fällt den pflanzenverträglichen
Spritzlösungen zum Opfer.

Blattläuse
sind ein recht seltenes aber durchaus ernstes Problem, weil sie in
Massen auftreten und sich rasch vermehren können. Oft sind
Nützlinge hier zu spät wirksam, um die Masse an Blattläusen
bewältigen zu können. Hier hilft mechanisches Entfernen per
Hand und Zahnbürste oder unter der Dusche. Wenn die Pflanzen
aber nicht mobil, zu groß oder die Anzahl zu groß ist,
helfen in der Wuchs- und frühen Blütenphase Spritzmittel
auf Basis von Rapsöl, welches die Läuse einkapselt und
erstickt, aber auch Mittel auf Basis mineralischer Salze und/oder
Fettsäuren, wodurch die Läuse ebenfalls direkt getötet
werden.

Die
berüchtigtsten und zähesten Schädlinge im
Kunstlichtgarten sind Milbenarten. Am weitesten verbreitet unter
ihnen ist die Spinnmilbe. Spinnmilben können verschieden gefärbt
sein. Das Spektrum reicht von beige-gelb über rötlich bis
dunkelbraun. Alle Milben sind winzig klein und mit bloßem Auge
kaum auszumachen. Sie krabbeln über die Pflanze und fressen
winzige „Wege“ in die Blattoberflache. Die Blätter wirken
matt und sind trocken, da Milben der Pflanze viel Saft entziehen. Im
Frühstadium des Befalls sieht Mensch den Milbenbefall häufig
nicht oder erkennt nur winzige spinnennetzartige Verwebungen in den
Blattachseln und Verzweigungen der Pflanzen, wenn mit Wasser gesprüht
wurde und die Tröpfchen in den Geweben hängen bleiben.

Spinnmilben
legen winzigste Eier, die schwer bis gar nicht mit vertretbaren
Spritzmitteln bekämpft werden können. In der Wuchsphase
kann effektiv gegen die ausgewachsenen Milben mit vertretbaren
Spritzmitteln gesprüht werden, aber ab der zweiten bis dritten
Blütewoche ist Sprühen nicht zu empfehlen. Neem-Produkte
allein sind hier meist nicht sehr wirkungsvoll und auch vertretbare
pflanzlich basierende Gifte wie Phyretrum reduzieren das Problem
meist nur, rotten die Milben aber fast nie ganz aus. Die chemische
Keule aus den Laboren der AGs lehne ich ab. Gärtner, die sie in
der Wuchsphase einsetzen, kann ich verstehen, weil anhaltende
Spinnmilbenprobleme einen Kunstlichtgärtner der Verzweiflung und
Frustration nahe bringen können. Diejenigen welche systemisch
chemische Gifte in der Blütephase einsetzen, absolut nicht.

Effektiv
gegen Spinnmilben ist die kleine rote Raubmilbe. Sie frisst sowohl
junge Spinnmilben als auch deren Eier. Ihn ausreichender Anzahl
ausgebracht, sind die Raubmilben auf Dauer am effektivsten. Sie
lassen sich über den Fachhandel beziehen, befinden sich auf
einen Trägergranulat in Tütchen oder Röhrchen und
werden auf die Blätter der Pflanzen gestreut oder geöffnet
in die Pflanzen gelegt. Die kleinen roten Raubmilben brauchen eine
Weile, bis sie sich gegen eine starke Spinnmilbenpopulation
durchsetzen, aber wenn sie sich durchsetzten, dann tun sie das sehr
effektiv.

Spinnmilben
lieben trockene warme Luft. Bei einer relativen Luftfeuchte von unter
45 % in der Pflanzung vermehren sie sich rasch und gedeihen prächtig.
Wärme mögen sie noch lieber. Bei über 25 °C fühlen
sie sich richtig wohl. Ab 28 °C sind sie kaum noch zu bremsen.
Also sollte das Klima möglichst konstant bei 20 bis –24 °C
und nicht weniger als 50 % Luftfeuchte liegen, um es den Milben
möglichst schwer zu machen. Auch vertrocknete Blätter sind
ein Milbeneldorado. Vorbeugend und bekämpfend müssen die
Pflanzen stets von übermäßig schadhaften Blättern
befreit werden und herhabgefallenes Laub sollte regelmäßig
aufgesammelt werden.

Kein
kommerzieller Grower kann so auf die qualitätsbestimmenden
Faktoren eingehen wie ein gut informierter Eigenbedarfsgärtner
in einem Land, in dem der Heimanbau von Hanf legal ist.

Schädlinge
werden erst zum Problem, wenn beim Klima bereits ein Problem besteht!

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