Freitag, 5. November 2004

Hanfberatung im Hanf Journal

Erste Hilfe für Kiffer

Der Nikolaus weiß zwar viel, aber das, was ihr so von uns wissen wollt,
weiß er bestimmt net. Oder? Na, ihr könnt es ja mal probieren, aber ich
geh’ jede Wette ein, dass unsere Kascha da viel kompetenter ist. Und
sollte ich Recht behalten und der liebe Nikolaus hat mal wieder nur
Madeln und wenig Gras dabei, dann schickt eure Fragen einfach an hanfberatung@hanfjournal.de

Kati, 18, aus Berlin will wissen:
„Hallo Kascha,
ich habe letztens zum ersten Mal gekifft. Das war auch so weit ganz
lustig, aber auf einmal hatte ich ein merkwürdiges Hungergefühl und das
ging erst weg, als ich Unmengen Schokolade gegessen hatte und dafür war
ich dann hinterher nicht mehr high. Mein Freund, der schon öfter was
geraucht hat, meinte, dass das nicht selten ist und „munchies“ heißt.
Kannst du mir vielleicht sagen, wie das verursacht wird?“

Kascha sagt dazu:
„Hey Kati,
an dieser Frage zerbrechen sich die einen oder anderen Wissenschaftler
schon seit geraumer Zeit den Kopf. Fakt ist, dass Cannabis-Konsum
appetitanregend wirkt. Außerdem enthält Schokolade Anandamid, einen
Stoff, den unser Körper, wenn wir uns wohl fühlen, auch selbst
produziert. Dieser Stoff benutzt die selben Rezeptoren im Gehirn wie
Cannabis, um seine Wirkung zu entfalten.
Lange Zeit wurde angenommen, dass Cannabis-Konsum den Blutzuckerspiegel
senkt und sozusagen als Ausgleich der Körper nach Süßem verlangt. Das
ist allerdings nicht unumstritten, da offenbar die Zuckerabsenkung
nicht so stark ist wie angenommen. Es gibt auch psychologische
Erklärungen, die in etwa darauf abzielen, dass das Kau- und
Geschmackserlebnis eine Triebbefriedigung ist, die im Rausch genossen
werden will. Eine wirklich gute Antwort kann ich dir leider nicht
anbieten, dafür hier aber noch ein paar Fakten zum Fressflash,
Fressfilm oder auch Munchies, wie dieses Phänomen genannt wird:
Eine britische Studie ergab, dass Cannabis-Konsumenten nach dem Kiffen
etwa 17 Britische Pfund für Essen ausgeben (Süßigkeiten, Chips und Fast
Food). Ein appetitanregender Effekt lässt sich ab einer Dosis von fünf
mg THC, also 0,05 bis 0,1 g mittelgutem Gras, beobachten. Da man davon
noch nicht zwangsläufig high wird, ist das auch für die Medizin nicht
uninteressant, beispielsweise für AIDS-Patienten oder Krebs-Patienten
mit starkem Gewichtsverlust, aber auch für Alzheimer-Patienten, die
schlichtweg vergessen zu essen.“

J. (17) aus Münster fragt:
„High Kascha,
korrekte Leistung euer Blättchen, dafür erst mal ein Lob. Ich habe
jetzt auch mal eine Frage: jetzt wo wieder langsam Winter wird, werden
wir wieder Schneelöcher rauchen können. Das habe ich letztes Jahr schon
gemacht und es war viel geiler als einfach so einen Joint rauchen: Wir
haben durch einen kleinen Schneehaufen einen Tunnel gebohrt und dadurch
einen Shut gegeben. Jetzt erklär mir aber mal, wieso das eigentlich
viel mehr turnt als anders?“

Kascha weiß Bescheid:
„Hey J.,
Danke erstmal. Das kann ich dir in etwa so erklären: Gase ziehen sich,
wie so ziemlich alles, wenn es abgekühlt wird, zusammen. Und das ist
es, was der Schneehaufen macht: abkühlen. (Zur Erklärung für die, die
keinen Shut kennen: Einer nimmt den Joint verkehrt herum – vorsichtig,
vor allem, wenn es nicht der erste am Tag ist – in den Mund und bläst
den Rauch durch das Mundstück raus, ein anderer geht nah ran und atmet
das ein.) Wenn die rauchige Luft sich so zusammengezogen hat, hast du
am Ende mehr Wirkstoff pro Kubikzentimeter. Das ist in etwa auch das
Konzept von Eis-Bongs. Ein weiterer, fast noch wichtigerer Faktor:
Kühlerer Rauch kratzt bedeutend weniger und lässt sich daher auch viel
besser und – wichtig! – tiefer inhalieren. Tiefer inhalierter Rauch ist
zwar weniger gut für die Lungen, trifft aber dafür auf mehr Oberfläche
und kann daher besser genutzt werden. Aus diesem Grund gibt es die
verschiedensten Möglichkeiten, Rauch zu kühlen: Die erwähnte Eis-Bong,
verschiedene Schneerauch-Techniken und einiges mehr.“

Kevin (17) aus Berlin fragt:
„Hey Kascha,
ich mache gerade meinen Führerschein. Da ich gelegentlich ganz gerne
mal einen rauche, meinen Führerschein aber gerne eine Weile haben
möchte, würde mich mal interessieren, wie das nun genau mit den ganzen
Drogentests und so funktioniert? Ich habe mal gehört, dass man, wenn
man was geraucht hat, eine Woche nicht Auto fahren darf? Kann ich einen
Drogentest eigentlich verweigern?“

Kascha antwortet:
„High Kevin,
deine Sorgen sind berechtigt, die Situation ist leider alles andere als
übersichtlich. Prinzipiell gilt, dass du nicht berauscht am
Straßenverkehr teilnehmen darfst. Das solltest du auch nicht – du
würdest dich und andere gefährden. Als berauscht giltst du allerdings,
so lange in deinem Blut aktives THC, also nicht nur die Abbauprodukte,
nachgewiesen werden. Das ist auch zwölf Stunden nach dem Rauchen eines
Joints noch möglich, obwohl du da schon seit etwa fünf bis sechs
Stunden wieder „nüchtern“ bist. Im Sinne deiner Fahrerlaubnis solltest
du also das Auto für wenigstens zwölf Stunden stehen lassen. Innerhalb
dieser zwölf Stunden kann in etwa auch der „Drugwipe“ –
Drogenschnelltest auf Cannabis – positiv ausschlagen. Den verwendet die
Polizei, um bei einem Anfangsverdacht (merkwürdiges Verhalten, rote
Augen, aber auch Zittern, langsame Reaktionen) mal zu sehen, ob du
wirklich nur schlecht geschlafen hast. Den Schnelltest kannst du
verweigern, dann geht es gleich zum Bluttest. Im Gegensatz zu diesem
hat man aber beim noch sehr unsicheren Drugwipe etwa eine
80-Prozent-Chance „durchzurutschen“ und du kannst den Bluttest nicht
verweigern (es sei denn du willst, dass die Polizisten deinen
Führerschein gleich behalten). Urinschnelltests sind unzulässig und
sollten verweigert werden, THC kann da noch wochenlang nachgewiesen
werden und dementsprechend kann man nicht sehen, ob ein Rauschzustand
vorliegt oder nicht.
Auch Wochen nach dem Konsum können unter Umständen Abbauprodukte
nachgewiesen werden. Das ist allerdings noch kein Grund, die
Fahreignung anzuzweifeln. Erst wenn ein Hinweis auf erheblichen oder
regelmäßigen Konsum vorliegt, kannst du zu einem Drogen-Screening
und/oder einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU,
Volksmund: Idiotentest) gezwungen werden. Das ist teuer und macht
keinen Spaß.
Im Zweifelsfall sollte man jedenfalls keinem Polizisten oder irgendwem
sonst etwas über seine Konsumgewohnheiten sagen. Da der Begriff
„regelmäßiger Konsum“ sehr dehnbar ist, wird einem da schnell mal ein
Strick draus gedreht. Was auf deinem Ausweis steht, dürfen die
Polizisten von dir wissen, alles andere müssen sie deinen Anwalt
fragen.“

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