Dienstag, 19. Oktober 2004

Indoor Growing#10 – Sortenzucht Teil 1

Hallo liebe Growing-Freunde!

Am Anfang einer erfolgreichen Zucht
steht das Saatgut. Doch da zeigt sich bereits das erste Problem: Auch
der Handel mit Saatgut ist in Deutschland ohne Anbaugenehmigung
verboten. Wer sich nicht mit den oftmals minderwertigen Samen aus
gekauftem Gras zufrieden geben will oder ein paar Samen von einem
Bekannten bekommen kann, muss auf einen der zahlreichen nationalen
und internationalen Versender oder Samenbanken zurückgreifen.
Dort gibt es Sorten mit bekannten oder exotischen Namen wie „Skunk“,
„Northern Lights“, „Big Bud“ oder „Shiva Shanti“, die
eine gewisse Qualität garantieren. Allerdings sitzen viele von
ihnen in Holland oder Spanien und versenden nicht nach Deutschland.

Ist das Saatgut erst mal beschafft,
kann man problemlos eigene Samen für weitere Grows züchten.
Der Vorteil gegenüber vegetativer Vermehrung mit Stecklingen:
Mit ein wenig Geschick und Kenntnis der genetischen Grundlagen kann
der Hobbygärtner sogar seine eigenen Sorten züchten. Na,
das ist doch mal was! Die Grundlage für erfolgreiches Züchten
ist mit erstklassigem Saatgut zu beginnen. Dafür investiert so
mancher Homegrower gern mal ein paar Euro, schließlich soll die
Genetik über viele Generationen ohne Qualit4tsverluste
nutzbar sein.

In den folgenden Artikeln werde ich
euch zeigen, wie erfahrene Grower eine erfolgreiche Sortenzucht
betreiben.

Das Grundwissen – Aufbau der
Erbanlagen

Die Gattung Hanf (Cannabis)
gehört zur Familie der Hanf-Gewächse (Cannabaceae)
und teilt sich in drei Unterarten: Cannabis sativa, Cannabis
indica
und Cannabis ruderalis. Sie sind durch Anpassung an
die verschiedenen Lebensräume und durch natürliche
Selektion entstanden. Früher wurden die Sorten
vom Menschen durch Auswahl der kräftigsten, ertragreichsten und
potentesten Pflanzen verbessert. Daran hat sich nicht viel geändert,
nur verstehen wir heute die Vorgänge, d
ie hinter der
Vererbung stehen und können sie gezielt beeinflussen.

Aus dem Biologie-Unterricht wisst ihr
sicher noch, dass der „Bauplan“ eines Lebewesens im Zellkern
jeder Zelle als Desoxyribonukleinsäure (DNS) gespeichert
ist. Die DNS ist ein Makromolekül, dessen Bausteine
Phosphorsäurereste, der Zucker Desoxyribose und die organischen
Basen (Nukleotide) Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin sind.
Sie sind zu einem Doppelstrang (Doppelhelix) verwunden, in dem
sich jeweils zwei Basen gegenüberstehen.
Die Erbinformationen sind durch die Reihenfolge der Basen festgelegt.

Die DNA ist aber
nicht ein einziger Strang, sondern teilt sich in mehrere
Chromosomen
auf, in denen sie aufgewickelt vorliegt. Nur zum Auslesen der
Erbinformation wird sie „entrollt“. Während Menschen 46
Chromosomen besitzen, befinden sich bei der Hanfpflanze 20 in einem
Chromosomensatz. Außer in den Keimzellen, die einen einfachen
(haploiden) Chromosomensatz besitzen, enthalten alle Zellen im
Organismus einen doppelten (diploiden) Chromosomensatz.

Ein Abschnitt des DNS-Doppelstranges,
auf dem die Informationen für die Synthese eines spezifischen
Eiweißes festgelegt ist, wird Gen genannt. Die Gesamtheit aller
Gene bilden die Erbanlagen (Genom). Sie bestimmen die
Ausbildung spezifischer Merkmale wie Größe oder
Verzweigung.

Da alle Chromosomen doppelt vorliegen,
gilt dies auch für die Gene. Gene, die auf homologen Chromosomen
denselben Platz haben, heißen Allele. Sie sind für die
Ausprägung eines Merkmales (z. B. Blattform) verantwortlich,
können aber in verschiedenen Versionen auftreten (gefingert oder
gelappt). Sind die Allele für die Ausbildung eines Merkmales
gleich, ist der Organismus in Bezug auf dieses Merkmal reinerbig
(homozygot). Sind sie verschieden, ist er mischerbig
(heterozygot).

Die Vererbungslehre

Nachdem ihr nun über den Aufbau
der Erbanlagen Bescheid wisst, wollen wir uns mit der Vererbungslehre
beschäftigen. Vor über 150 Jahren entdeckte der deutsche
Abt Johann Gregor Mendel durch umfangreiche Kreuzungsversuche mit
Pflanzen und ihre Auswertung bestimmte Regeln, nach denen Merkmale
vererbt werden. Doch zuvor muss ich noch zwei Begriffe klären.
Der Genotyp eines Organismus ist die Gesamtheit aller genetischen
Informationen. Der Phänotyp ist die Gesamtheit aller äußeren
Erscheinungsmerkmale eines Organismus’.

Bei der geschlechtlichen Vermehrung
verschmelzen jeweils eine weibliche und männliche Keimzelle
miteinander. Weil sie nur je den halben Chromosomensatz besitzen,
ergibt sich eine neue Zelle mit den gemischten Erbinformationen
beider Elternpflanzen. Welche Chromosomen
vererbt werden, ist Zufall. So stellt die Natur sicher, dass immer
wieder Nachkommen mit neuen individuellen Eigenschaften entstehen.

Die
Tochterpf
lanze enthält somit je ein Allel der beiden
Elternpflanzen. Beim intermediären Erbgang wird die Ausprägung
des Merkmales von beiden Allelen gleich bestimmt. Eine reinerbig rote
und eine reinerbige blaue Blume haben dabei violette Nachkommen. Beim
dominant-rezessiven Erbgang wird die Ausprägung des Merkmales
hingegen von einem (dominanten) Gen bestimmt. Eine rote und eine
blaue Blume haben dann entweder nur rote oder nur blaue Nachkommen.
Weil sie alle mischerbig sind, nennt man die Nachkommen Hybriden.

Damit sind wir auch schon bei der 1.
Mendelschen Regel (Uniformitätsregel): Kreuzt man zwei
Individuen einer Art miteinander, die in einem Merkmal reinerbig,
jedoch verschieden sind, so sind alle Nachkommen in der 1.
Tochtergeneration (F1-Generation) in diesem Merkmal gleich.

Wenn die violetten Blumen aus obigem
Beispiel untereinander gekreuzt werden, ergeben sich 25 Prozent rote,
25 Prozent weiße und 50 Prozent violette Nachkommen. Die 2.
Mendelsche Regel (Spaltungsregel) beschreibt das so: Kreuzt
man die Individuen der 1. Tochtergeneration untereinander, so spalten
sich die Nachkommen der 2. Tochtergeneration (F2-Generation) in Bezug
auf die Merkmale in bestimmten Zahlenverhältnissen.

Bis jetzt haben wir nur die Vererbung
eines Merkmales betrachtet, aber ein Organismus enthält
unzählige davon. Auch darüber hat Mendel etwas
herausgefunden und in seiner 3. Mendelschen Regel (Unabhängigkeits-
und Neukombinationsregel
) beschrieben: Werden zwei Individuen
gekreuzt, die in mehreren Merkmalen reinerbig sind und sich
unterscheiden, so werden die Erbanlagen frei kombiniert und
unabhängig voneinander vererbt. In der F2-Generation treten alle
Merkmalskombinationen der Elterngeneration auf. Es können
reinerbige Individuen mit neu kombinierten Erbanlagen entstehen
(Blattfarbe, Blattform).

Es kann allerdings auch sein, dass ein
Merkmal durch zwei oder mehr Gene bestimmt wird (Genkopplung). Dabei
kommt es zu Abweichung von den bekannten Verhältnissen. Wenn ein
Merkmal nur teilweise dominant ist, verändern sich die
Zahlenverhältnisse ebenfalls.

Wie Profis nun mit diesem Wissen eine
wirklich gute Sortenzucht durchziehen, erfahrt ihr im nächsten
Heft (Ausgabe November 2004), das ihr ab dem 2. November in eurem
Head- und Growshop findet.

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