Samstag, 9. Oktober 2004

Sigrids Rundblick

Österreich kann aufatmen: Der Regionalteil für euer Land wird endlich wieder von einer echten Österreicherin mit Material versorgt. Sigrid ist ihr Name und wir haben sie, typisch, typisch, auf einer Party gefunden. Aber lassen wir sie doch lieber selbst zu Wort kommen:

Man hat mir gesagt, dass diesem Magazin die Zuständigen fürdie Rubrik über Österreich schon so manchmal verloren gingen. Nun ja – so binich – selbst Wienerin – über einen Urlaub in Berlin und weitere„Zufälligkeiten“ zu dieser Seite gekommen und hoffe euch nun auch öfters mitösterreichischem Material versorgen zu dürfen.

 

Als ich begonnen habe, mir Gedanken darüber zu machen, wasman wohl alles über Cannabis im Zusammenhang mit Österreich schreiben kann,stellte sich mir die Frage, ob hierbei auch wirkliche Kulturunterschiede zubemerken sind? Viele Freunde aus Berlin meinen immer zu mir, dass wir „Ösis“kein Deutsch könnten und dass man Wörter wie „Erdäpfel“ (Kartoffel) oderParadeiser (Tomate) nun mal nicht verstehen würde.

So kann es einem auch passieren, dass man in Wien statteiner „Tüte“ einen „Ofen“ angeboten bekommt oder gefragt wird, ob man„mithazen“ (mitrauchen) möchte.

Denn beim Kiffen sind wir nicht (wie beim Fußball) dasweltweite Schlusslicht. Oder warum glaubt ihr, dass man uns immer wieder unsereGemütlichkeit vorhält? Aber ansonsten traue ich mich ganz ungeniert zubehaupten, dass Kiffen in Berlin, London oder auch Wien gleich viel Spaß machenkann. Sogar mehr als das. Es verbindet Menschen und wobei sonst kommt man„Fremden“ so nahe, als bei einer netten Runde beim Afghanen.

 

Die eigentlichen Grenzen werden nicht durch uns geschaffen,sondern durch unterschiedliche rechtliche Situationen in den jeweiligenLändern. Da Österreich kein Land ist, in dem Marijuana als legalisiert gilt,spielen auch wir manchmal Verstecken. Natürlich ist es nicht ganz so tragischund man findet immer wieder Plätze, an denen man entspannt sein kann.

Die Beschäftigung mit dem Thema Legalisierung ist bei uns inletzter Zeit eher wieder zurückgegangen. Vor einigen Jahren fanden nochGroßdemonstrationen dafür statt und es wurden Flugblätter verteilt. Doch nunhaben anscheinend nur noch wenige die Kraft dafür etwas zu tun. Zumal solcheAktionen seit der neuen Regierung (Koalition der ÖVP und FPÖ) fast nicht mehrdurchgehen und so klein wie möglich gehalten werden. Wirklich schockiert warich aber, als ich mir die Legalisierungsseite Österreichs www.legalisieren.at angesehen habe undfeststellen musste, dass die „Neuigkeiten“ schonein halbes Jahr alt sind unddie letzten Studien von 2001 aufgelistet wurden. Traurige Bilanz.

Im Gegensatz dazu vermehren sich die Anzahl der Konsumentenund auch die Aussagen von Experten, dass Kiffen nicht so schädlich ist wie unsPolitiker immer vormachen wollen.

Sogar der Wiener Drogenkoordinator Peter Hacker meinte ineinem Interview mit der Tageszeitung „Der Standard“, dass auch „die Lektüre von Beipackzetteln, etwa von einfachenKopfwehtabletten, beeindruckend ist“ und dass „das Problem ist, dass bei vielendas Nachdenken ausgeschaltet wird, wenn sie ,toxisch’ hören – das sei ja giftig! Aber ja, nur gilt das auch fürZigaretten und vieles andere.“

 

Auch wenn Österreich nicht beimKonsum hinterher hinkt, so tut es das in der rechtlichen Situation. GenauereInformationen hierüber, sowie Preisunterschiede und andere Themen hebe ich mirfür – hoffentlich – folgende Beiträge auf und schick euch nur noch einfreundliches Servus aus Wien!

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