Mittwoch, 19. Januar 2022

CO₂-Ausgleich durch Hanfanbau

CO₂-Ausgleich durch Hanfanbau

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Kohlendioxid (CO2) ist nach Wasserdampf aufgrund seiner hohen atmosphärischen Konzentration das wichtigste Klimagas. Durch das Verbrennen fossiler Energien und eine großflächige Abholzung wird immer mehr CO2 in unserer ⁠Atmosphäre⁠ angereichert. Die weltweite CO2-Konzentration ist seit Beginn der Industrialisierung um gut 44 % gestiegen. Sie lag 2020 bei 412,5 Molekülen Kohlendioxid in einer Million Luftteilchen⁠ Die Verweildauer von CO2 in der Atmosphäre beträgt stolze 10000 Jahre und mehr. Durch natürliche biogeochemische und physikalischen Prozesse wird Kohlendioxid nur sehr langsam abgebaut. In der ⁠Atmosphäre⁠ sind laut Umweltbundesamt auch nach 1000 Jahren noch etwa 15 bis 40 Prozent übrig und  der gesamte Abbau dauert mehrere hunderttausend Jahre. Dies bedeutet allerdings, dass selbst wenn wir sofort mit dem Verbrennen von fossilen Brennstoffen aufhören, ist das Problem der Erwärmung nicht gelöst. Wir müssen aktiv handeln. Die wieder im Trend liegende Nutzpflanze Hanf kann hier eine wichtige Rolle spielen. Durch ihr sehr schnelles Wachstum ist sie in der Lage eine signifikante Menge an CO2 zu speichern. 

CO2 Bindung durch Hanf

Unsere industrialisierte Landwirtschaft emittiert hohe Mengen an Kohlenstoff in die Atmosphäre, der sich dort als CO2 anreichert. Durch Monokulturen, den Einsatz synthetischer Dünger und Pestiziden sind die Böden degradiert. Die Böden haben 50–70% des Kohlenstoffes verloren und fallen somit als Kohlenstoffspeicher aus. Hanf ist in der Lage besonders viel Kohlendioxid zu fixieren und durch Photosynthese in Glucose umzuwandeln. Durch die Photosynthese  entstehen bei Lichteinfall aus Kohlendioxid und Wasser Sauerstoff und Glukose. Hanf nimmt viermal mehr Kohlenstoffdioxid auf als Bäume. Ein Hektar Hanf speichert dabei im durchschnitt 20 Tonnen CO2. Allerdings ist Hanf in der Lage, bei optimierter Sortenauswahl bis zu 40 Tonnen CO₂ pro Hektar Anbaufläche zu binden. Etwa die Hälfte des Kohlendioxids wird dabei langfristig durch Humusaufbau im Boden gespeichert. Hanf ist eine einjährige Pflanze mit kurzer Vegetationszeit. Unter optimalen Klimabedingungen wächst er in 120 Tagen zu einer Höhe von 4 Metern heran. Maximal kann bis zu 3 mal im Jahr geerntet werden, somit kann die CO2-Speicherung ebenfalls verdreifacht werden. Hanf kann folglich wegen seiner herausragenden Fähigkeit zur CO2-Bindung, einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. 

Vorteile und Umweltverträglichkeit des Hanfanbaus

Zwar bevorzugt Hanf tiefgründige, humose und stickstoffreiche Böden mit guter Wasserversorgung, doch ist er im Endeffekt eine generell anspruchslose Pflanze und wächst auf fast jedem Boden. Ursprünglich stammt die Wildform der Hanfpflanze (Botanischer Name: Cannabis sativa L) aus dem heutigen Kasachstan, einer eher trockenen Region. Hanf benötigt zwar ausreichend Wasser, aber da Hanf eine lange Pfahlwurzel bildet kann er sich während Trockenheit gut aus tieferen Schichten versorgen. 

Zudem bilden die Pflanzen binnen kurzer Zeit ein dichtes Blattwerk, das den Boden vollständig beschattet und so vor Austrocknung schützt. Hanfpflanzen nutzen das zur verfügung stehende Wasser  sechsmal effizienter zur Biomassebildung als beispielsweise Baumwolle, wie eine Studie des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie aufzeigt.  

Die Hanfpflanze ist sehr resistent gegenüber Schädlingen und Pilzbefall. So kann beim Hanfanbau auf Pflanzenschutzmittel, insbesondere auf Herbizide, Insektizide und Pestizide verzichtet werden. Dünger ist ebenfalls nicht nötig. Durch den Einsatz von Kunstdünger werden in der Landwirtschaft große Menge an Lachgas freigesetzt. Lachgas bezeichnet umgangssprachlich das süßlich riechende, farblose Treibhausgas Distickstoffmonoxid (N2O). Lachgas macht nach Kohlendioxid und Methan den drittgrößten Anteil an den gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland aus. Lachgas ist  ein langlebiges und 300-mal schädlicheren Treibhausgas als CO2.

Die Hanfpflanze ist eine perfekte Zwischenfrucht. Ihr Wurzelwerk lockert verdichtete Böden auf. Sie ist sogar in der Lage, Giftstoffe, Chemikalien und teilweise Schwermetalle aus dem Boden zu entfernen. Die langen Pfahlwurzeln mit ihrem tiefreichenden Feinwurzelwerk holt Nitrat aus tiefen Bodenschichten, welche für andere Kulturpflanzen nicht mehr erreichbar sind. Das NItrat kann nicht mehr ausgewaschen werden. Hanf leistet hier auch einen Beitrag zum Grundwasserschutz. Das Substrat wird aufgewertet und Hanf hinterlässt für nachfolgende Pflanzen einen optimierten Ackerboden.

Hanf als Rohstofflieferant für zahlreiche Industrien

Hanf bindet nicht nur eine signifikante Menge Kohlenstoff, er zählt auch zu den stabilsten Naturfasern der Welt und ist somit ein wertvoller Rohstofflieferant für zahlreiche Anwendungsgebiete. Die Hanfpflanze kann dabei komplett verwertet werden und ist für die Kreislaufwirtschaft geeignet. Der größte Abnehmer für Hanffasern ist aktuell die Papierindustrie. Hanfpapier ist besonders widerstandsfähig. Leider derzeit aber im Vergleich zu konventionellen Papier aus Holzfasern teuer. Es wird daher vor allem für Spezialanwendungen wie technische Filter und  Zigarettenpapier verwendet. Dabei kann ein Hektar Hanf über einen Zeitraum von 20 Jahren so viel Papier produzieren wie vier bis zehn Hektar an Bäumen. Ein generelles umdenken wäre hier daher wünschenswert.

Auf Platz zwei folgt die Bauwirtschaft. Dämmstoffe aus der Hanffaser isolieren bestens gegen Kälte und Lärm. Dabei wird durch den im Hanf gespeicherten Kohlenstoff langfristig CO2 gebunden, da die Hanfpflanze während ihres Wachstums atmosphärisches CO2 durch photosynthese zu Zellulose verarbeitet und langfristig speichert. Hanfdämmstoffe sind zudem sehr haltbar und schädlingsresistent. 

Fazit

Das ökologische und ökonomische Potential des Hanfs ist enorm und noch immer nicht voll ausgeschöpft.  Hanf bindet nicht nur eine signifikante Menge Kohlenstoff, er zählt auch zu den generell anspruchslosen Pflanzen und wächst auf fast jedem Boden. Seine stabilste Naturfasern sind ein wertvoller Rohstofflieferant für zahlreiche Industrien. Unter ökologischen Gesichtspunkten ist Nutzhanf für die Agrarwirtschaft eine immer wertvoller werdende Pflanze, deren Anbau an Bedeutung gewinnen muss.

EIN GASTBEITRAG DER CO2-POSITIV UG

4 Antworten auf „CO₂-Ausgleich durch Hanfanbau

  1. Rainer

    Kann ja sein,daß die Hanfpflanze schaden bekämpfen oder abwenden kann.Wen von den Politikern interessiert es?

  2. Haschberg

    Da sieht man mal, welche ökologischen Ressourcen unsere Erde alleine schon mit der Existenz dieser vielseitigen Pflanze ihren undankbaren Bewohnern zur Verfügung stellt und sie werden nicht mal richtig genutzt.
    Stattdessen bekämpft man sie und weicht auf völlig unzureichende „Alternativen“ aus, die unsere Böden noch weiter auslaugen und schädigen. Und das schon seit vielen Jahrzehnten.
    Die verursachten Schäden sind bereits gewaltig und auf die Schnelle nicht reparabel.

  3. Otto Normal

    CO2 kann man auch mit sog. „Tiefenverpressung“ im Boden lagern (ist auch geplant) und das viel tiefer als Hanf es kann.
    Vor allem aber – das ist das Wichtigste – bringt die Tiefenverpressung mehr Fördergelder ein als Hanf der ja immer noch als Teufelszeug gilt, unabhängig vom THC-Status.

    Daß das tiefenverpresste CO2 – im Gegensatz zum vom Hanf eingelagerte – bei Naturkathastrophen in großen Mengen wieder hervortreten kann, stört auch niemanden, denn dann gibt es wieder Fördergelder für die Beseitigung der Schäden und den Wiederaufbau.

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