Sonntag, 26. Dezember 2021

Forscher: Legalisierung durch Ignoranz?

Forscher untersuchten Überzeugungsmethoden zur Cannabis-Legalisierung – mit überraschenden Ergebnissen

Der Stoff aus dem viele Streitgespräche gemacht sind: Cannabis.

Wie überzeugt man eigentlich die Bevölkerung davon, dass Cannabis vielleicht gar kein so Teufelszeug ist, wie viele lange Zeit dachten? Dass dachten sich auch Forscher der US-Amerikanischen Brown University. Dafür benutzten sie eine etwas ungewöhnliche Methode: Um herauszufinden, welche Unterhaltungen zu einem Wandel der öffentlichen Meinung und letztendlich zur Legalisierung in Bundesstaaten der USA geführt haben, untersuchten sie Gespräche der Social Media Plattform Reddit – und das für mehr als ein Jahr.

Die Ergebnisse wurden schließlich in der Doktorarbeit von Babak Hemmatian präsentiert; diese trägt den Titel “Taking the High Road: A Big Data Investigation of Natural Discourse in the Emerging U.S. Consensus about Marijuana Legalization” . Die Forscher benutzten Machine Learning um mehr als 3 Millionen Nutzerkommentare zwischen 2009 und 2019 auszuwerten.

Dabei wurde schnell klar dass persönliche Anekdoten bei weitem nicht so einflussreich waren, wie man lange annahm. Es kam mehr auf „character judgement-based arguments“ an – also Argumente, bei denen man Annahmen über die zeitlosen Attribute einer bestimmten Art von Mensch macht (etwa ob ein gläubiger Mensch eine gute Person ist). “Anecdotes were less often used to persuade people, meaning their persuasive potential was somewhat wasted,” so Hemmatian. Dennoch tauchten diese auf um etwa die character judgement Argumente zu untermauern.

Es wurde auch klar, dass gesundheitliche Folgen sowie legale Auswirkungen selten vor einer Legalisierung, und wenn, dann auch nur recht oberflächlich besprochen wurden. Diese Punkte sind für eine Regulierung einer Substanz natürlich wichtig, aber wurden so lange ignoriert bis die Entscheidung über die Legalisierung bereits gefällt war – so Hemmatian.

Hemmatian identifiziert aber definitiv character judgements als wichtigste Instrumente für eine Legalisierung. Durch diese würden die komplexen Effekte von Cannabis für die Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft unter den Tisch fallen – persönliche, moralische Prinzipien werden als Hauptträger der Entscheidung gesehen. Das hätte, laut der Studie, besonders während einer anfänglichen Unsicherheit im Bezug auf Cannabis Sicherheit gegeben.

Das zeichnet sich auch im Schlusswort der Forschungsarbeit ab: “early legalization victories depended on Character judgments while the final nails were hammered into prohibition’s coffin with Plot-focused strategies revolving around politics and crime.”

5 Antworten auf „Forscher: Legalisierung durch Ignoranz?

  1. Rainer

    Wenn die Legalisierung genauso wichtig wäre, wie der Zustand des Autos,hätten wir sie bereits.

  2. Harry Anslinger

    Es ist eben wie in jedem Krieg.
    Am Ende sieht jeder zu, dass er mit den Sieger heult, die bestimmen ja ab sofort die neue Linie, halt die Sache mit dem Fähnchen….
    Außerdem ist doch klar, wer persönlich wird, der bettelt, da schalten die meisten eben ab.
    Da ist der Esel voll Gold, der bekanntlich die steilste Festung erklimmt, natürlich erfolgsversprechender.
    Ich will auch nen Doktortitel.

  3. Haschberg

    Man darf nicht vergessen, dass die Bevölkerung mehr als ein halbes Jahrhundert lang mit Horrorbotschaften aller Art über Cannabis gefüttert wurde, die bei den meisten Mitbürgern längst in Fleisch und Blut übergegangen sind.
    Ich vergesse auch nicht, wie meine alten Eltern, die noch vor dem 1. Weltkrieg geboren wurden, fast in Tränen ausbrachen, als sie 1975 erfuhren, dass ich hin und wieder Haschisch rauche und felsenfest davon überzeugt waren, nun sicher auch bald an der Nadel zu hängen.
    Schade, dass sie nicht mehr erfahren konnten, dass dies völliger Blödsinn war und ich in meinem ganzen weiteren Leben noch nie auf die Idee kam, andere gefährliche illegale Drogen wie Heroin, Kokain oder chemische Designersubstanzen auszuprobieren.
    Wohl habe ich damals aus medizinischer Neugier (unser damaliger Hausarzt war Morphinist) mehrmals Opiumtropfen eingenommen, die mir aber schnell klarmachten, dass dies eine wirklich starke Droge ist, die schnell zu gefährlicher Abhängigkeit führt und dies umgehend wieder beendet.
    Für mich gibt es nur eine einzige Substanz, die dem menschlichen Organismus nachweislich fast durchweg mehr nützt als schadet, und das ist eben der Hanf.
    Inzwischen wurde meine schon damals gefasste Überzeugung durch die ganzen medizinischen Erfolge der letzten Jahrzehnte vollends bestätigt.
    Cannabis wird der Menschheit in ihrem bevorstehenden verzweifelten Überlebenskampf in verschiedenen Bereichen des Lebens noch sehr gute und hilfreiche Dienste leisten.
    Sie weiter auszuschlagen und unsinnig zu torpedieren, können wir uns eigentlich gar nicht mehr leisten.

  4. Harry Anslinger

    na aber,
    ich habs doch zusammengefasst auf Deutsch gesagt, mehr steht da nicht, klingt nur bedeutender.

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