Dienstag, 24. März 2020

Cannabis-Prohibitionistin Daniela Ludwig fordert Lockerung der Methadon-Abgabe

Drogenbeauftragte der Bundesregierung will Substitutionspatienten vor Corona-Infektionen schützen

Cannabis
Graphik Ruth Groth

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

 

In Deutschland sind derzeit rund 32.000  Menschen mit dem Covid-19-Erreger Sars-CoV-2 infiziert (Stand 23.03.2020). Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist in Bayern am höchsten. Die Verdoppelung der Fallzahlen dauert unter weißblauen Himmel gerade einmal drei Tage, und die Landeshauptstadt München ist mit 89,4 bestätigten Infektionen je 100.000 Einwohner am stärksten betroffen. Kein Wunder also, dass sich die bayerische Cannabis-Prohibitionistin Daniela Ludwig (CSU) zur Eindämmung der Corona-Pandemie verstärkt Gedanken macht, die überraschenderweise sinnvoll sind.

 

Nun hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung mit deutlichen Worten Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie dessen Ressortkollegen aus den Ländern aufgefordert, die Vorschriften für die Abgabe von Methadon an Opioidabhängige zu lockern. „Unser über Jahre aufgebautes Suchthilfesystem darf jetzt nicht kollabieren“, sagte Ludwig dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. Die Regeln für die Substitution müssten in diesem außergewöhnlichen Krisenfall flexibilisiert werden.

Ärzte sollen demnach ab sofort Rezepte ausstellen dürfen, die eine Abgabe der Ersatzdroge Methadon auch für mehr als sieben Tage zulässt.

 

In Deutschland erhalten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums mehr als 70.000 Schwerstabhängige im Rahmen der Substitutionstherapie das vollsynthetisch hergestellte Opioid Methadon. Bislang müssen die Suchtkranken je nach Zustand täglich oder zumindest einmal in der Woche in der Praxis eines dafür zugelassenen Arztes antanzen, um sich dort ein Rezept bzw. das Mittel abzuholen.

 

Mit der von Daniela Ludwig angestrebten Lockerung der Abgaberegelung soll verhindert werden, dass die ohnehin gesundheitlich angeschlagenen Substitutionspatienten unnötige Wege machen müssen und sich somit dem erhöhten Risiko aussetzen, mit dem Sars-CoV-2-Virus angesteckt zu werden. Zudem könnten auf diese Weise die derzeit überfüllten Arztpraxen entlastet werden.

 

Die Initiative der Cannabis-Prohibitionistin Daniela Ludwig ist lobenswert. Schändlich hingegen ist, dass die Drogenbeauftragte der Bundesregierung die Notwendigkeit nicht erkennt, zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Forderung zu stellen, rund vier Millionen Cannabis-Konsumenten vom alltäglichen Beschaffungsstress zu befreien und über Apotheken zu versorgen. Zumal es ein Leichtes wäre, per Notverordnung die Cannabis-Prohibition für einen begrenzten Zeitraum auszusetzen und den Import von Haschisch und Marihuana zuzulassen.

 

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hans
hans
1 Jahr zuvor

Sie zeigt menschliche Züge…
1 Windung arbeitet…
Es besteht Hoffnung..

Heisenberg
Heisenberg
1 Jahr zuvor

Löblich ist daran überhaupt nichts. Ludwig will lediglich vermeiden, dass die Öffentlichkeit auf Leute mit einem Rappel aufmerksam wird. Sie will das Problem unter den Tisch kehren. Heroinleute auf Methadon zu setzen ist im Übrigen ein Fehler, da Methadon noch wesentlich süchtiger macht als Heroin. Unsere Regierung ist von einer liberalen Drogenpolitik Lichtjahre entfernt und hat hier genau so versagt wie in allen anderen Bereichen auch. Diese Herrschaften können nichts außer schlau daher reden in der Theorie. In der Realität sind das nach wie vor Staatsversager aller erster Güte und weiterhin so korrupt wie eh und je. Mit dem Schutz der Gesellschaft oder der Jugend hatte das zu keinem Zeitpunkt etwas zu tun, ansonsten hätten wir eine andere, tatsächliche und… Weiterlesen »

Hans Dampf
Hans Dampf
1 Jahr zuvor

Der Vorschlag Cannabis-Konsumenten vom alltäglichen Beschaffungsstress zu befreien usw. würde bei der momentanen Regierung ganz bestimmt auf taube Ohren stoßen. Corola hin oder her. Die Leute sollen doch nichts nehmen. Und schon gar nicht das verhaßte und überaus gefährliche Cannabis. Ist doch auch verboten. Im Gegensatz zu Methadon und Co. Nein, das käme Spahn, Ludwig und den anderen in der Regierung nicht in die Tüte. Schade das es so ist. Wobei die Initiative der Cannabis-Prohibitionistin Daniela Ludwig wirklich Anerkennungs-und Lobenswert ist. Auch wenn es die Idee, die Substi’s welche einigermaßen stabil und Beikonsumfrei sind bis zu dreißig Tage zu versorgen, (seit der letzten Änderung der Richtlinien Mitte 2017) schon lange gibt. Leider wissen nur wenige Ärzte davon und verschreiben deshalb… Weiterlesen »

Rainer Sikora
Rainer Sikora
1 Jahr zuvor

Opiatabhängige brauchen viel zwingender Unterstützung, und deshalb geht es nicht anders.Ansonsten gäbe es bald viel Arbeit und Ärger mit denen,weil die sich auf vielerlei Art outen würden.Gezwungenermaßen.Sonst würde die Frau so etwas nicht fordern.

DIE HANFINITIATIVE
1 Jahr zuvor

Die ganze, historisch auf dem Anslinger-Nixon-Mist gewachsene „Prohibition“, ist ein grundgesetz- und menschenrechtswidriger „Jahrtausendfehler“. Daher sind alle mit der Prohibition und dem „BtMG“ zusammenhängenden „Folgefehler“ grundgesetz- und menschenrechtswidrig – sowie menschenverachtend. Vielleicht paasiert ja nun ein „Umdenken“ angesichts der Bedrohung durch eine Virus-Pandemie. Traurig aber wahr und lange überfällig. Denken wir daran, die größten finanziellen Gewinner dieses grundgesetz- und menschenrechtwidrigen „Geschäftsmodelles“ Prohibition sind u.a. die sog. „Investoren“ (Shareholder, Fonds, „Offshore-Netzwerke“, Stiftungen, …, etc.) und die globale Mafia (globalisierte Organisierte Kriminalität – OK). In der großen Krise reicht man jetzt denen, die seit Jahrzehnten betrogen wurden, nicht die ganze Hand, nicht einmal den kleinen Finger, sondern bietet an: das „Schwarze“ unter dem Fingernagel. Da offenbart sich die ganze Brutalität der „Prohibitionisten“… Weiterlesen »

M. A. Haschberg
M. A. Haschberg
1 Jahr zuvor

Drogenkonsumenten, ganz gleich welcher Art willkürlich verbotener Substanzen, werden von unserer pseudochristlichen Regierung noch immer in einer ähnlich menschenverachtenden Weise behandelt, wie Juden und Andersdenkende im 3. Reich.
Sie sind quasi das Schlachtvieh in einem repressiven System, welches nur den zur Aggressivität und dummer Gefolgschaft verleitenden Alkohol als einziges legitimes Rauschmittel akzeptiert.
Wie lange will sich eine Gesellschaft des 21. Jahrhunderts eine derart unzeitgemäße, in die Freiheitsrechte des Menschen eingreifende Perversion eigentlich noch gefallen lassen?

R. Maestro
R. Maestro
1 Jahr zuvor

„Unser über Jahre aufgebautes Suchthilfesystem darf jetzt nicht kollabieren.“

Suchthilfesystem! lol
Hilfe, indem man die Betroffen verurteilt, sie einsperrt und ausgrenzt?
In Bayern gibt es noch keinen einzigen Druckraum.
Es ist ja nicht sonderlich neu, dass etwa 60% an schmutzigem Besteck, letztendlich an Infektionen durch unsaubere Umstände versterben.
So sehr ich es bzgl. Methadon begrüsse, wirkliche Suchthilfe würde weit mehr erfordern als nur dies.
Monatelange Wartezeiten auf einen Therapieplatz (zum. in Bayern),
lieber wegsperren, als brauchbare Suchthilfe zu leisten.
Dieses Blendwerk hier, was sich auch noch Suchthilfesystem nennt!

buri_see_käo
buri_see_käo
1 Jahr zuvor

Opiatabhängige: – sind als Substi’s auch ganz liebe Freunde der Pharma-Industrie – agieren als 5%-er-Pulver-User bei knappem Markt = Preis hoch zur     Zahlungsmittelbeschaffung u.U. etwas ungehalten – haben auf Grund ihrer Sucht ein maximal ausgefülltes Leben,     die interessiert ansonsten absolut nichts – schreibserln nirgends in den Medien kritische Unmutsäußerungen – akzeptieren generell Situationen des Ausgeliefertseins, sie können     nicht mal rel. einfach anbauen, ernten, trocknen, hat sich’s Genussmittelkiffer: – sind für die Pharma-Industrie uninteressant, können Pausen einlegen – richten keine personengefährdende oder wirtschaftliche Schäden an,     sind nach einmal schlafen wieder arbeitsfähig – reagieren auf verschiedene gesellschaftliche Verhältnisse/Missstände     mit Beiträgen in öffentlichen Medien, demonstrieren,     (wenn’s Wetter mitspielt) – sagen auch… Weiterlesen »

Hans Dampf
Hans Dampf
1 Jahr zuvor

@buri_see_käo, stabile Substitutions-Patienten sind keine Heroin-Junkey’s und wie alle anderen Menschen auch an den normalen Dingen des Leben’s interessiert. Auch gibt es bestimmte Foren um sich mit gleichgesinnten im Internet auszutauschen.( siehe z.b. : JES-Deutschland. ) Im Vergleich zu Cannabis eben alles nur viel kleiner und weniger beachtet. Obwohl es keine große Lobby, DHV usw. für Opiat-Konsumenten gibt. Und trotzdem gibt es in diesem Bereich, selbst von Regierungsseite, immer wieder auch positive Veränderungen. Bei Cannabis gibt es die nicht. Cannabis-Konsum wird tabuisiert und Konsumenten werden verfolgt. Wer hat denn nun die besseren Karten. Wir sehen, es macht keinen Sinn die unterschiedlichen Gruppen miteinander zu vergleichen. Der Unterschied ist nur, das eine ist legal und das andere nicht. Wirkliche Schäden werden… Weiterlesen »

Anonymous
Anonymous
1 Jahr zuvor

Die Hoffnung stirbt zuletzt, spätestens 2021 bei der Bundestagswahl wird Ludwig zu Mond befördert, den da gehören Prohibitionisten hin.
An alle Bayerischen Wähler und Deutschlandweit, Bitte NICHT CDU/CSU wählen !!!!
Wir müssen einen Regierungswechsel erzwingen, sonst wird diese Schwachsinnige Prohibition nie enden, mit solchen Realitätsverweigerern.

Geld aus dem Nichts
Geld aus dem Nichts
1 Jahr zuvor

CDU ? Ist das nicht die Partei die die Bienen mit Pestiziden vegiftet hat ,nur, weil die CDU beweisen wollte, das der Jüdische Wissenschftler Einstein ,unrecht hatte “ Erst stirbt die Biene, dann der Mensch“ ? Und jetzt möchte die CDU beweisen ,das es eine Hölle gibt . Gesundheit , Umwelt ,Bildung , Verkehrspolitik in allen bereichen hat die CDU ,die Probleme angehäuft, statt sie zu lösen .Nach dem Motto, wenn du das Problem nicht lösen kannst , lenke davon ab und schaffe ein ,neues, noch größeres Problem . Wer in Bayern und Sachsen aufwächst und schon in früher Kindheit erklärt bekommt ,das der tote nackte und gefolterte Mann am Kreuz neben der Kirche ,keine Gewaltverherrlichende Pornographie ist , sondern… Weiterlesen »