Sonntag, 13. Januar 2019

Schweizer Apothekerverband stimmt für einen legalen Cannabisverkauf

Stadtverband der Zürcher Apotheken verabschiedet entsprechendes Positionspapier.


Auch in der Schweiz wird gekifft. Gemäß gemachter Schätzungen haben vierzig Prozent der männlichen Bevölkerung und circa ein Drittel der weiblichen Bevölkerung der Schweiz bereits schon einmal in ihrem Leben Cannabis ausprobiert. Da es bei einigen Menschen nicht beim Ausprobieren bleibt, existiert natürlich auch dort ein Schwarzmarkt für das Naturrauschmittel, welcher mit den bekannten Problemen behaftet ist. Kein Jugendschutz, keine Qualitätskontrollen, keine präventiven Beratungen und auch insgesamt keine tatsächlich existenten Kundenrechte. Dass zugleich kriminelle Strukturen von dem florierenden Geschäft profitieren können, gesellt sich zusätzlich noch zu den negativen Auswirkungen des illegalen Handels. Da man vor dieser Realität nicht die Augen verschließen dürfe und zeitgleich etwas an der Situation verändern wolle, hat sich nun der Apothekerverband der Stadt Zürich dafür starkgemacht, THC-Rauschhanf künftig in regulierte Bahnen zu lenken. Der Schweizer Apothekerverband stimmt für einen legalen Cannabisverkauf in den Arzneimittelfachgeschäften der Stadt.

Erst im September 2018 bremste der Schweizer Nationalrat einen Vorstoß in der Cannabispolitik des Landes aus und handelte nicht nach den Vorstellungen der laut repräsentativen Umfragen vorhandenen Mehrheit in der Bevölkerung, welche sich schon zu diesem Zeitpunkt eine Freigabe von Cannabis unter gewissen Regeln hätte vorstellen können. Nun kommt aus dem medizinischen Bereich ein kräftiger Gegenwind geweht, da sich der 110 Zürcher Apotheken vertretende Verband der Fachgeschäfte mit einem Positionspapier eindeutig für den legalen Handel mit Marihuana ausspricht und vernunftbasierte Erklärungen liefert, warum die angewandte Prohibitionspolitik abgeschafft gehöre. Auch da Cannabis laut Valeria Dora, der Präsidentin des Apothekennetzes Zürich, mittlerweile in der Gesellschaft angekommen sei, wäre es an der Zeit alternative Gangarten zur gefährlichen Prohibition zu entwickeln. Der gewohnte Gang zum Dealer könne schließlich irgendwann einmal auch zu anderen Drogen als Cannabis führen. Dazu würde bei dem vom Großteil der Verbandsmitglieder unterstützen Vorhaben aber auch besonders der Schutz vor kontaminierten Konsumgütern verbessert, da Cannabis aus der Apotheke garantierte Qualitäten besäße, welche sogar durch Wirkstoffgehaltangaben genaustens aufgezeigt werden könnten. Um nicht aber zum Konsum zu animieren, sollten die Preise für Apothekengras mit denen des Schwarzmarkthandels übereinstimmen. Aktuell 12 Franken pro Gramm. Man wolle schließlich eine spürbare Schadensbegrenzung mit dem Handel in Apotheken erreichen und nicht unbedingt eine lukrative Einnahmequelle erschließen. Zuerst stellt man sich seitens des Stadtverbandes der Zürcher Apotheken einen Verkauf von Medizinalhanf vor, doch im Laufe der Zeit plant man dort den Übergang hin zum regulierten Handel mit einem berauschenden Genussmittel. Dieses wäre nach Vorstellungen Apothekerverbandes dann legal an über 18-Jährige abzugeben, falls kein „problematischer Konsum“ seitens der Fachangestellten vermutet würde, der dann wohl zu Beratungsgesprächen und zu folgender Abstinenz führen könnte.

Da diese von Apothekern genannten Argumente verständlich für einen Wandel im Umgang mit Marihuana in der Schweiz sprechen, der auch bei einem Großteil dort lebender Experten auf Zuspruch stoßen soll, sollten auch anderswo die Überlegungen in Richtung regulierter Cannabisfreigabe etwas ernster genommen werden können. In der Alpenrepublik machen sich Mitglieder der FDP.Die Liberalen aufgrund der Stichhaltigkeit aller genannten Gründe daher auch schon länger ähnliche Gedanken bezüglich der Freigabe weiterer illegaler Drogen – darunter Kokain und Heroin.

Beobachtungen in Gebieten, in denen Cannabis schon seit einiger Zeit für Volljährige legal erhältlich gemacht wurde, zeigen schließlich auch eindeutig, dass ein wichtiger Aspekt von Rauschsubstanzen ganz schnell verloren geht, sobald sie nicht mehr unter der Hand gehandelt werden. Legalen Drogen fehlt es einfach am reizvollen „Coolness-Faktor“, der Heranwachsende gerne einmal zum Ausprobieren einlädt. Konsumieren Lehrer, Eltern oder freundliche Polizisten in der Freizeit Gras aus Apothekerhand, verfliegt die mystische Anziehungskraft des Ganjas in dieser Altersgruppe sofort spürbar.

11 Antworten auf „Schweizer Apothekerverband stimmt für einen legalen Cannabisverkauf

  1. Rainer Sikora

    Was ist eigentlich problematischer Cannabiskonsum?Für wen oder warum?Wenn man seinen Führerschein verliert oder wenn der Konsum trotz physischem und psychischem Schaden weitergeführt wird?Wenn man schief angeschaut wird oder anders denkt?Wenn man auffällt als Gesetzesbrecher und als unzulänglich und unberechenbar gilt?Wenn man gehaßt wird?Oder wenn man versucht absichtlich verfaßte Irrtümer (Prohibitionslügen)aufzudecken?Sucht ist tatsächlich für alle Beteiligten im zusammenleben und Wirken problematisch,weil sie nur Egoismus zuläßt.Die gibt es aber bei Cannabis am wenigsten von allen Suchtstoffen,ist eine überwindbare Kopfsache.Die Problematik liegt darin,daß man vom System immer wieder mal zu Unterbrechung des Konsums gezwungen wird.Darin liegt der Grund.

  2. Harald

    Ein guter und richtiger Ansatz. Da können sich unsere deutschen Trottel eine dicke Scheibe abschneiden!!!

  3. Der Realist ohne Kraut

    Mich würde es ehrlich auch interessieren, was man als problematisch ansieht. Das ist wieder nur ein weiterer schwammiger Begriff, der von Mensch zu Mensch ausgelegt werden kann, wie es grad recht ist.

    Trotzdem ist der Gedanke ein guter Anfang, der ein sauberes Genussmittel vorsieht! Schließlich wissen wir alle, dass die ‚vertrauenswürdigen Dealer‘ oft nur den Schein des Vertrauens haben und tatsächlich irgendwelche dreckigen Streckmittel zwecks Gewinnoptimierung einsetzen.

    Mir wäre es so gesehen auch egal, ob ich Hanf in Apotheken, spezielle Verkaufsstellen oder sonst wo mit kontrollierten Inhaltsstoffen erwerben könnte. Aber da wir ja im schön(blöden) Deutschland leben, kommt das für uns (erstnal) nicht infrage…

  4. R. Maestro

    Das sind mal wieder vernünftige Ansätze.
    Diese gäbe es bei uns ja sogar auch immer wieder.
    Von wem es unterdrückt wird, weiß man, diese haben nicht nur finanziell am meisten zu verlieren. Moralisch nichts!
    Die haben es auch nötig, ständig unrichtige Zahlen und Fakten zu verbreiten.
    Um so frei als möglich agieren zu können, sich seine Gönner zu sichern und finanzielle Konkurrenten auszuschalten sind die Drogengesetze seit ihrem Bestehen und seit Anslinger Mittel zum Zweck. Mehr nicht!

    Eine gewisse Menge zum Eigenbedarf ist immer straffrei?
    Wers noch glaubt, aber solls geben und Dr. Rainer Arschius freut sich. Danke, Lenchen!
    Dessen grösstes Problem ist nicht der Konsum. Gerade Nicht-Konsum oder Legalisierung würde ihn vernichten.

    Die Drogenpolitik belügt die Bürger (von A-Z), wiegt sie in falsche Sicherheit, bringt sie dazu, sich evtl. bei der (Unrechts-)Justiz ans Messer zu liefern.
    Wenn man dann auf sog. Gnade stösst (lol), darf man sich einer Gehirnwäsche und Umerziehung bei Kurpfuschern wie Rainer Th. unterziehen.
    Es wäre ja diktatorisch. Also hat man die Wahl.
    Die Alternative.ist dann halt Freiheitsentzug.
    Es wäre alles im Ansatz bereits verhinderbar, man muss sich nur richtiges Rauschgift zuführen. Wie eben in der Politik auch.
    Bei uns sitzen ja auch Mini-Anslingers. Eine ehemalige Weinkönigin, eine ehemalige Hopfenbäuerin. Profit durch Sucht vieler Menschen, Verelendung, Arbeitslosigkeit, sozialem Abstieg, ……, richtiges Rauschgift halt.
    Keine halben Sachen, die Politik lebt`s vor.
    Und dort will man ja auch keineswegs ein „falsches Signal“ setzen. rofl
    Man könnte so ausflippen, man beraubt die Menschen ihrer Freiheit und der ganze Unsinn rundherum, um selbst aus dem Verbot mehr als genug schöpfen zu können.
    Dazu der anscheinend nie endende Zwang Hirarchien/Stufen zu schaffen.

    Und ich meine die grundsätzliche Freiheit, bereits bei der Wahl des Konsummittels.

    „… Worte der Freiheit, auf den Zungen von Schlangen.“ (böhse onkelz)

  5. Der Vertreter

    Rainer Sikora@ Danke, besser hätte man das nicht schreiben können. Sprichst mir fast völlig von der Seele, kann ich nur zustimmen. Ich sitze heute auch ohne Cannabis da, wobei ich ohne Cannabis schnell depressiv werde oder plötzlich anfange Zigaretten zu rauchen. Das ist für mich „Ein schwarzer Tag“.
    Natürlich habe ich einen starken Geist und Willen, aber nach 10 Jahren Cannabis, möchte ich nun mal nicht auf alternativen zurückgreifen. Ich hab es lieber, mich mit 2-3 Vaporizer-Köpfen zu erleichtern, was mir mit Alkohol, Zigaretten (Und natürlich den anderen Drogen) sehr schwer fällt, da es einfach keinen medizinischen nutzen hat. Außerdem würde ich an jeder anderen Droge kaputt gehen.

    Eigentlich ist Gras ja nicht mal eine richtige Droge… Es macht zwar abhängig, wenn man das täglich über Monate hinweg macht – Manche könnten auch eine Psychose bekommen. (Das kommt auf die Person und auf das Cannabis an // Eigentlich wird das zu über 70% der Fällen eher an den VERBOT liegen, da auf dem Schwarzmarkt eher gestrecktes stark verunreinigtes Cannabis verkauft. – Wer das raucht und eine Psychose bekäme, der geht zum Arzt und sagt „Weil Cannabis“.) Und da haben wir den Salat.

    Dann nehmt es einfach nicht? So wie ich niemals Bier als einen Ersatz für Marihuana nehmen würde. Ich plane für mich selbst im Sommer anzubauen, damit ich nicht manchmal Zigaretten rauche, als Ersatz.
    Mir geht es schon schlecht genug, jetzt werde ich noch in die Kriminalität reinrutschen, obwohl ich mich nur entspannten möchte.

  6. Begriffsfaschist

    Bin eigentlich kein Freund der Kommentarfunktion, aber folgendes muss jetzt einfach mal raus:

    @Der Vertreter: „Eigentlich ist Gras ja nicht mal eine richtige Droge…“ schonmal die definition von „Drogen“ nachgeschlagen? Dabei kommt heraus dass es sich bei „Drogen“ um „getrocknete Pflanzen(-teile)“ handelt. so gesehen wäre Gras also „die einzige richtige Droge“ von dem was bei uns als solches konsumiert wird.

    Sorry, das musste mal gesagt werden.

  7. Rainer Sikora

    @Begriffsfaschist Ich rege mich auch regelmäßig darüber auf wenn alles unter dem Begriff Drogen vereinheitlicht wird.Das ist aber glaube ich beabsichtigt um die Diskussion komplizierter zu machen.Wenn Saufen und Kiffen als das Selbe angesehen wird.

  8. Ralf

    @Der Realist ohne Kraut
    Bitte hör auch du auf die „Dealer“ pauschal zu verunglimpfen, denn meiner Meineung nach macht die große Mehrheit ein gutes und ehrliches Geschäft. Und was die Überwachung von Qualität z.B. bei Lebensmitteln besonders bei Fleisch angeht, glaubst du doch nicht im Ernst daß die funktioniert?
    Du schreibst“die vertrauenswürdigen Dealer“, und pauschalisierst damit. Richtig wäre gewesen „einige schwarze Schafe“ zu sagen, die gibt es nämlich überall, auch in der legalen Wirtschaft, und bringen dann auch überall ganze Brachen in Verruf !

  9. Ralf

    @Harald
    „Ein guter und richtiger Ansatz“.
    Nein, wieder mal einer von vielen falschen Ansätzen, die dazu führen daß weiter kriminalisiert werden kann wer keine Apotheke und dahinter schon einen Porsche Cayenne stehen hat !
    @Begriffsfaschist
    Aha, einer der erkannt hat wie wichtig die Wahl der richtigen Worte ist, und wie leicht man mit falschen Worten lügen kann..

  10. Der Realist ohne Kraut

    @Ralf
    Nein. Sicher nicht. Es gibt überall nur Dreck zu kaufen. Denken wir nur an die Fertiggerichten, zig Sorten dreckiges Zuckerwasser, extra fettige und zuckerige Lebensmittel…

    Ich bin kein kleiner Bub, der immer ans Richtige glaubt und blauäugig der Lebensmittel-Industrie glaubt. 😉 Ich sage hierzu nur die ganzen sog. E-Nummern. Die alle von der Staatvertretung‘ unterstützt bzw. erlaubt sind. Die ganzen Zusätze, teilweise Chemikalien schädigen meist mehr, als es 20 Zigaretten am Tag tun.
    Da aber der Segen der Regierung dabei ist, ist alles in Butter.

    Es kommt etwas härter rüber, wenn ich von Dealern spreche. Ich habe da auch meine Erfahrungen gemacht. Es gibt die guten wie schlechten!!! Generell würde ich’s Hanf aber lieber aus einem lizenzierten Ort erwerben!
    Übrigens, ich kenne auch die Kleinbauern, die preiswert die Menschheit mit tollem Genussmittel versorgt. Das sind gute Dealer!

  11. Ralf

    @Der Realist ohne Kraut
    Na also, wußte ich doch daß du im Prinzip kapierst um was es geht. Natürlich sind Qualitätsüberwachung per se eine gute Sache, es fragt sich halt nur immer wieder wer überwacht die Überwacher bzw. diejenigen die die Überwacher bestellen.
    Sieh dir die letzte Folge der Anstalt an. Da geht es um die Überwachung des Tierschutz und der Fleischqualität. Da macht man ein Gesetz das strenger ist um dem Volk einen Köder hinzuwerfen, und gleichzeitig wird die Anzahl der Kontrolleure halbiert. Das Passiert wenn die entsprechenden Verbände, in unserem Falle wäre es der Deutsche Hanfverband, der leider auch Großstrukturen fördert wie alle Lobbyverbände, den Landwirtschaftsminister kaufen, und das können die weil sie so groß sind und über die Kohle so viel Macht haben. Deswegen plädiere ich, egal in welchem Sektor für überschaubare kleine Einheiten die dann auch weniger von oben herab manipulieren können, die einzige Chance für die Demokratie, die ich aber schon lange wie die berühmten Felle davon schwimmen sehe, da sie schon im Ansatz viel zu mächtige, post-faschistische (Großkonzern-) Grundlagen enthält.

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