Freitag, 22. März 2019

Notruf bei der Polizei brachte einen Besitzer von Cannabis in die Bredouille

Hilfsbereitschaft führte zu Festnahme.

Bild: Freeimages / Christian Kitazume


Es gibt immer wieder diese speziellen Fälle bezüglich Cannabisbesitz während Polizeieinsätzen, die ohne große Nachforschungen zur Schlagzeile führen. Öfters sind dabei die Kurzschlussreaktionen der verängstigten Konsumenten des grünen Naturrauschmittels verantwortlich, oder aber offensichtliche Denkschwäche führt die Beamten auf die richtige Fährte. Nun hat sich im brandenburgischen Neuruppin einmal wieder ein Fall zugetragen, der jedoch die Problematik des tagtäglichen Kifferlebens auf den Punkt zu bringen scheint. Weil ein besorgter Mitbürger die Nummer 110 in sein Telefon aufgrund von berechtigten Befürchtungen einer bestehenden Lebensgefahr tippte, wurde er anschließend Opfer der Ermittlungen, die seine Festnahme zur Folge hatten. Der Notruf bei der Polizei brachte einen Besitzer von Cannabis in die Bredouille.

Wie Nachrichtendienste vermelden, hatte ein 31-jähriger Mann in der Nacht zum 21.03.2019 einen 18-jährigen Menschen am Boden liegen sehen und daraufhin aus Sorge um dessen Gesundheitszustand die Polizei gerufen. Laut Polizeiangaben habe es sich hierbei aber nur um einen Volljährigen gehandelt, der dort lag, da er nur „müde“ gewesen sei. Der hilfsbereite Anrufer hingegen wäre eine polizeibekannte Person, die natürlich auch noch ausgerechnet nach Cannabis gerochen haben soll. Nach der direkten Nachfrage der Beamten bezüglich der wohlbekannten Geruchsverbreitung habe der 31-Jährige daraufhin sofort versucht die Flucht zu ergreifen, was die Polizei in Sicherheit wiegen ließ, hier einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgedeckt zu haben. Eine kurz darauf stattfindende Ergreifung des mitfühlenden Menschen mit Helfersyndrom brachte dann noch weitere Indizien für dessen Schuld. Da sich der Mann gegen die angedachte Drogenkontrolle laut den Beamten zur Wehr setzen wollte, fesselte man den mittlerweile höchst verdächtigen Menschen, um ein Exempel an ihm zu statuieren. Bei der folgend durchgeführten Durchsuchung seiner Habseligkeiten kamen dann selbstverständlich auch die bereits vermuteten Naturprodukte in Form von einer Geringen Menge Cannabis zum Vorschein. Auch soll der aus reiner Hilfsbereitschaft die Polizei anrufende Mann einige Röhrchen mit weißem Pulver bei sich geführt haben. Doch damit nicht genug – nachdem man den mitdenkenden Mitbürger auch noch auf die Herkunft seines Fahrrades ansprach, soll sich dieser in Widersprüchlichkeiten verfangen haben, was letztendlich zu einer Beschlagnahmung seines nicht motorisierten Zweirades führte. Aufgrund dieser Aneinanderreihung von möglichen Tatbeständen wurde der mit seltener Hilfsbereitschaft gesegnete 31-Jährige von den auf der richtigen Spur geleiteten Hütern des Gesetzes selbstverständlich festgenommen.

Ob der in der Nacht auf dem Boden bei unter null Grad Celsius schlafende 18-Jährige unter sofort zu vermutenden Symptomen eines gewöhnlichen Alkoholvollrausches litt, übermittelten weder die brandenburgischen Staatsbediensteten noch die darüber fürsorglich informierenden Medien.

Hurra Deutschland – Hilfsbereitschaft, nein danke!

6 Antworten auf „Notruf bei der Polizei brachte einen Besitzer von Cannabis in die Bredouille

  1. Der Vertreter

    Ein alter Bekannter von mir, wurde vor kurzem (Hab es leider von der Zeitung erfahren) mit ner Plantage erwischt (Ja, für den Verkauf) – Echt, das war so ein netter Mensch und jetzt muss der für zig Jahre ins Gefängnis, ich habe früher sogar bei ihm in der Nachbarsstadt eingekauft, den sehe ich wohl nie wieder 🙁
    Leben einfach vorbei. (Dachte ich kommentier das einfach mal)

  2. Tom

    Welcher Hirsch ruft bei einem scheinbar medizinischen Notfall die 110 an? Dafür ist die 112 da. Von denen bringt auch keiner Handschellen mit. Nur im absoluten Notfall die 110 wählen, Meldung erstatten, 50m zur Seite gehen und abwarten was passieren wird. Sollte ein Polizist zwecks Personalienüberprüfung nachfragen, den Ausweis zur Kontrolle kommentarlos übergeben. Fragen der Polizei ignorieren (Tonsilitis hust hust). Polizisten haben kein verfassungsmäßiges Recht auf small talk. Wird man vorläufig festgenommen, Maul halten und Rechtsanwalt anrufen – Kein Wort mehr. Falls nicht, Maul halten, Ausweis einstecken, weitergehen und Rechtsanwalt aufsuchen (kleinster Nenner: Klappe zu und Rechtsanwalt einschalten). Keine Sorge – Das Armenrecht gilt auch für Kiffer. Der Geruch von Cannabis alleine reicht für eine vorläufige Festnahme nicht automatisch aus, denn der angerochene Passant könnte ja ein Rezept für Cannabis haben und dieses somit legal besitzen UND nutzen. Eine vorläufige Festnahme wäre somit illegal und verstieße gegen etliche Paragraphen. Außerdem, mein neues Lieblingswort: „Dienstaufsichtsbeschwerde“ – dieses Wort sollte man zwar immer im Hinterkopf haben, aber nur vom Rechtsanwalt umsetzen lassen. Das wirkt auf Beamte oftmals so wie der Lobbyistenscheck auf Politiker.

  3. Rainer Sikora

    Wir haben seit der Schulpflicht,Wehrpflicht,Anschnallpflicht,Meldepflicht usw.,und durch staatliche Propaganda,eine Programmierung erhalten, den Anweisungen des befugten Beamten immer folge zu leisten,weil dieser unser Wohl im Auge hat.Die Polizei schützt den Bürger am stärksten vor sich selber und führt ihn wenn möglich einer wohltuenden Strafbehandlung zu.So können Polizisten dann besser schlafen wegen gutem Gewissen und Erfolgsgefühl.

  4. Substi

    Würde ich dazu jetzt was schreiben, würde ich sicherlich demnächst Besuch bekommen…

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