Sonntag, 10. August 2014

„Hanf säen mit Anna und Arthur“

Göttinger Blumenkinder begrünen die Stadt

 

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Letztes Jahr haben „Einige Autonome Blumenkinder“ aus Göttingen in der gesamten Stadt heimlich Hanfsamen ausgesät, damit sich die Bewohner am Anblick der prächtigen Pflanzen erfreuen konnten. Die Aktion wurde in diesem Jahr wiederholt, wie aus einem Schreiben hervorgeht, das am 02. Juli auf Linksunten.indymedia.org veröffentlicht wurde und in dem sich die Gruppe zu der Aktion bekennt. Laut dem Schreiben der Gärtner und Gärtnerinnen wurden im Vergleich zum letzten Jahr sogar noch einige zusätzliche Kilo „größtenteils THC-arme Hanfsamen“ in Göttingen verteilt.

 

Die GRÜNE JUGEND Göttingen solidarisiert sich mit den rebellischen Naturfreunden. Ein Mitglied der GRÜNEN JUGEND verkündete dazu: „Es lohnt sich definitiv, in diesen Tagen mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen. Schon seit einigen Wochen können aufmerksame Göttinger*innen bei ihren tagtäglichen Wegen den Anblick vieler schöner Cannabis-Pflänzchen genießen, welche nach und nach verstärkt auf Grünflächen, in Parks, Beeten und in Blumenkübeln auftauchen“.

 

Bereits im letzten Jahr sorgten die prächtig gedeihenden Pflänzchen in den Medien für Aufsehen. So berichteten unter anderem n24 und n-tv über das „drastische“ Vorgehen der Gruppe. Die örtlichen Behörden zeigten sich von der Initiative wenig begeistert. In den staatlichen Einrichtungen wird Cannabis in der Regel nach wie vor als Teufelskraut verflucht und so wurden zahlreiche Beamte geschult und dazu angehalten, sämtliche gesichtete Cannabis-Pflanzen auszureißen und zu vernichten. Waren die Blumenkinder bis dahin nur für die Lokalberichterstattung gut gewesen, verbreitete sich die Nachricht über das weitaus drastischere Vorgehen der Polizei wie ein Lauffeuer, nicht nur national sondern auch international. Laut der GRÜNEN JUGNED wurde unter anderem in Österreich, Chile, den USA, Griechenland, Spanien und Israel berichtet. In Tel Aviv fanden sich sogar ein paar Nachahmer. Die Polizei wurde dabei in diversen Blogs und Foren regelrecht verspottet. Dazu trugen wohl auch die etwas unglücklich formulierten Pressestatements von Sprecherin Jasmin Kaatz bei. „Alles, was nach Hanf aussieht wird rausgerissen“ ließ diese im letzten Jahr verlauten.

 

„Ärgert die Behörden, bis sie aufhören, uns zu ärgern!“ Mit diesem Satz endete das Bekenner*innenschreiben von „Einige Autonome Blumenkinder“ 2013. Dies sollte ihnen gelungen sein. Doch viel wichtiger ist, dass sie ihr Hauptziel, die Legalisierungsdebatte in die Öffentlichkeit zu rücken, erreicht haben. Dass ein paar Samen und Pflanzen weltweit für Aufsehen sorgen, führt wieder mal anschaulich vor Augen, wie absurd es ist eine Pflanze, die über Jahrhunderte in Europa heimisch war und bei uns auf den Felder bestens gedeihen würde, zu verbieten.

 

Um ihrer Solidarisierung Ausdruck zu verleihen, veranstaltet die GRÜNE JUGNED Göttingen auch in diesem Jahr wieder einen Fotowettbewerb. Einwohner und Besucher der Stadt, die mit offenen Augen durch die Straßen gehen und Fotos machen, können diese an goettingen@gj-nds.de schicken. Die Bilder werden dann täglich auf der Seite der GJ veröffentlicht und über verschiedene Social Media-Kanäle verbreitet (ohne Ortsangabe versteht sich).

 

Darüber hinaus wurde Anfang Juli die Broschüre „Hanf säen mit Anna und Arthur“ veröffentlicht. In der Broschüre erzählen die Blumenkinder Anna und Arthur im Interview von ihren Pflanzzügen und berichten von ihren Vorgehensweisen und Erfahrungen. Sie wollen weiter als engagierte Gärtner und Gärtnerinnen unterwegs sein und hoffen insgeheim auch darauf, dass sich auch in anderen Städten Blumenkinder auf den Weg machen, um es ihnen gleich zu tun. Enthusiastischen Lesern und Leserinnen, die sich jetzt eine Packung Hanfsamen aus dem Bioladen holen und diese in ihrer Nachbarschaft verteilen wollen, seien an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es in Deutschland Privatpersonen nicht gestattet ist Hanf anzubauen, ungeachtet des THC-Gehalts.

„Hanf säen mit Anna und Arthur“ legt darüber hinaus die derzeitige Rechtslage dar und setzt sich kritisch mit selbiger auseinander. Des Weiteren wird die traurige Geschichte des Hanfverbots erzählt und der Verein  Grüne Hilfe Netzwerk e.V., der in diesem Jahr sein 20jähriges Jubiläum feiert stellt sich vor.

„Wir fordern die völlige Entkriminalisierung der Hanfpflanze und eine Politik, die auf der Drogenmündigkeit der Konsument*innen und nicht auf einer vorurteilsbasierten Verbotspolitik beruht.“ so ein Mitglied der GRÜNEN JUGEND. So besteht die Hoffnung, dass sich durch das erneute Aussähen durch „Einige Autonome Blumenkinder“ sowie durch die Broschüre und den Fotowettbewerb, immer mehr Menschen mit dem Thema Cannabis auseinandersetzen, denn nur so kann der Druck auf den Staat und die Behörden erhöht werden. „Ärgert die Behörden bis sie aufhören uns zu ärgern… und das haben sie noch lange nicht!“ heißt es am Ende des diesjährigen Bekenner*innenschreibens. Es wird also weitere Guerilla-Gardening Streifzüge geben und es könnte gut möglich sein, dass in Zukunft auch in anderen Städten das ein oder andere zarte Pflänzchen aus dem Boden bzw. Blumentopf sprießt.

 

Die Broschüre „Hanf säen mit Anna und Arthur“ zum kostenlosen Download findet ihr unter: http://gj-goettingen.de/wp-content/uploads/2014/07/Hanf-Broschuere.pdf

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