Sonntag, 10. April 2022

Berliner Zeitung: Drogenverbote sind rassistisch

Auch als irrational bezeichnete eine Historikerin die Verbote in einem interview.

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Bild: Creative Commons.

Die Berliner Zeitung zeigt sich progressiv: Nach einem kürzlich erschienenen Interview mit der Historikerin Helena Barop titelte die Zeitung, dass die Drogenverbote irrational und rassistisch seien. Barop kritisiert die Verbote als „historisch gewachsene Konstruktion […], die nicht in erster Linie auf rationalen Argumenten beruht.“ Ängste und Ressentiments dominieren die Debatte.

Barop ist Expertin in dem Thema: Sie hat sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema Prohibitionspolitik beschäftigt – genauer gesagt, sie hat zehn Jahre lang nichts anderes gemacht, als zu dem Thema zu forschen und ist sogar um die Welt gereist um Materialien aufzutreiben. Anfangs noch der festen Überzeugung, dass Drogen gefährlich sind, hat sie sich nach und nach selbst eines besseren belehren können. Dabei hat sie eine Menge über die Wahrnehmung von Drogen in der Öffentlichkeit gelernt. Es sei ihr so vorgekommen, dass Drogenpolitik einfach selten hinterfragt werden, ganz nach dem Motto: „Weil Drogen verboten sind, müssen sie gefährlich sein.“ Das spiegelt auch die Auffassung der ehemaligen Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler wieder, für die Cannabis verboten war, „weil Cannabis eine illegale Droge is, Punkt“.

Im Interview mit der Berliner Zeitung sieht Barop in den letzten 200 Jahren unterschiedliche Ängste, die immer wieder auftauchen – für sie beginnt die Problematisierung im Grunde immer mit Rassismus. Etwa im 19 Jahrhundert wurde etwa Nordamerika mit den psychoaktiven Substanzen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen konfrontiert – die amerikanische Gesellschaft lehnte den Konsum oft auch fremdenfeindlichen Gründen ab. Verschiedene Gruppen wurden oft – durch rassistische Vorurteil oder gar dich das fabrizierte schaffen eine Verbindung durch die Regierung. So wurde Cannabis etwa Anfang des 20. Jahrhunderts oft lateinamerikanischen Einwanderern nachgesagt, die ihre Konsumverhalten mit in die USA brachten. Dieser Konsum als Grund für die Aggressivität und die kriminellen Tendenzen dieser – ein rassistisches und nachgewiesenermaßen falsches Bild. Ähnlich, so Barop, verhält es sich mit Opium, dessen Verbot sich nur gegen chinesische Einwanderer richtete.

Kokain, eine Erfindung aus deutschen Laboren, wurde seit der Erfindung in den 1850er Jahren immer mehr mit anderen marginalisierten Gruppen assoziiert, allen voran die Schwarze Bevölkerung. So sagte etwa die New York Times 1914 Schwarzen Bürgern nach, sie hätten beim Konsum von Kokain unglaubliche Kräfte und wären nur schwer zu erschießen. Acht Jahre danach wurde Kokain verboten. Wie arbiträr die Drogenpolitik ist, zeigt auch die erste Internationale Opiumkommission von 1909, auf der festgehalten wurde, dass rein die Absicht eine Droge zu nehmen über ihren Status als „gut“ oder „böse“ entschied – und nicht der Inhalt. Medizinische Zwecke sind fortan gut, Rausch- und Freizeitdrogen im generellen schlecht. Opium, Kokain und Heroin werden schlecht; Morphium (gewonnen aus Opium) wird gut. Hier betont Barop besonders eines: Sucht und Drogenkonsum werden in der Gesellschaft seitdem als „moralische Schwäche und persönliches Versagen“ gesehen – nicht etwa als Krankheit. Daher komme die Kriminalisierung dieser Drogen, die noch heute gilt.

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Rainer
Rainer
1 Monat zuvor

Alles was unkonventionell der Norm abweicht,müßte untersucht werden.Aber denken und hinterfragen ist zu kompliziert.

Haschberg
Haschberg
1 Monat zuvor

Gut, dass dieses überaus wichtige, von der bisherigen Politik völlig außer Acht gelassene Thema endlich auch mal von einer Expertin aufgegriffen wird. Derart menschenfeindliche Pogrome gegen Randgruppen, die eigentlich nur anders konsumieren und sich besser fühlen wollen, sollten in der heutigen Zeit nicht mehr stillschweigend hingenommen werden. Hier werden eindeutig Menschenrechte von Bürgern mit Füssen getreten, die dadurch niemanden (außer vielleicht sich selbst) schaden. Die Prohibition ist ein perfider und sich ewig hinziehender sinnloser Krieg, der ohnehin nicht zu gewinnen ist, da er ständig neue zwangskriminalisierte Verlierer einer künstlichen Schattenwirtschaft erzeugt. Gerade wir Deutschen sollten aus unserer Geschichte lernen und erkennen, dass es vom Prinzip her völlig gleich ist, ob man Anderdenkende im 3. Reich verfolgt, oder stattdessen wie heute… Weiterlesen »

Ramon Dark
Ramon Dark
1 Monat zuvor

Diesbezüglicher Rassismus in Nord- aber auch Südamerika zeigt sich z.B. auch im verächtlich-repressiven Umgang mit heiligen und heilsamen Pilzen, Kakteen und anderen von Indigenen aus spirituellen und medizinischen Gründen benutzten Pflanzen samt ihrer mit ihnen verknüpften „heidnischen“ Rituale. Religiöse und rassistische Dogmen der kolonialistischen Eroberer waren schon immer ein wirksames Machtinstrument zur Unterjochung anderer Völker oder bestimmter Volksgruppen. Es ging eigentlich schon viel früher mit der gewaltsamen Christianisierung Europas los. Altes,vorchristliches Naturverständnis und seine Heil- und Genussmittel wurden als Hexenkult verteufelt und die Ausübenden der entsprechenden Kulte zusammen mit anderen missliebigen Personen als Sündenböcke für die unterdrückte Bevölkerung auf dem Scheiterhaufen verbrannt

Tom
Tom
1 Monat zuvor

Das hinter der Prohibition von Rauschmitteln purer Rassismus steckt, ist jedem der sich auch nur ansatzweisen mit der Geschichte der Prohibitionen befasst hat bekannt. Dies aber wie eine kaputte Schallplatte zu wiederholen macht einen höchstens zum Donald. Es bleibt also nix anderes übrig als unseren Abgeordneten, bildhaft gesprochen, auf die Zehen zu steigen damit es endlich mal mit der Legalisierung voran geht. Es schadet auch nichts wenn ihr für diese Leute wie ein Krampf im Arsch seid. Dazu bekommen die ja schließlich gutes Geld, bis über den Rücktritt hinaus. @Ungeimpft… Anders denkende sind Ungeziefer und sollen ausgerottet werden? Wo hab ich so etwas Vergleichbares denn schon gehört? Ach ja, der alte Film mit den Ratten. Ich glaube aus den 30er… Weiterlesen »