Donnerstag, 31. Oktober 2019

Wasser: Quell des Lebens oder unsichtbare Kloake?

Die Geister, die ich rief, werd‘ ich nicht wieder los


Wer kennt das beruhigende, heilsame Gefühl nicht, auf die Wellen eines Ozeans zu schauen und ihnen zu lauschen? Andere genießen es, einem Bergbach beim Plätschern zuzuhören und sich zu freuen, wie das Wasser über die Steine hüpft? Umweltschützer prangern den weltweiten Umgang mit dem kostbaren Nass an. Wir scheinen alle zu sorglos zu sein. Schlittern wir sehenden Auges in die Trinkwasserkrise? Greta ist nicht die Erste, die aufsteht und uns mahnt. Ein erhobener Zeigefinger nutzt gar nichts, solange nicht jeder einzelne fühlt, was wir unserer Umwelt und damit uns selbst antun. Lasst uns die Augen in unserem Umfeld öffnen und den Wert des Wassers fühlen.

Der iranische Arzt, Dr. F. Batmanghelidj († 2004), entdeckte im Gefängnis Anfang der Achtziger die Heilkraft des Wassers bei bestimmten Krankheiten. Seitdem ihm die Flucht in die USA gelang, forschte er hauptsächlich zu degenerativen Erkrankungen und Wassermangel im menschlichen Körper. Natürlich ist sein Werk umstritten, das ist Cannabis als Medizin ebenso. Batmanghelidj‘ Theorie entspricht dem gesunden Menschenverstand. Er begründet die Entstehung von Krankheiten mit einem Wassermangel in betroffenen Zellen. Sie werden nicht optimal mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und Schadstoffe und Verdauungsprodukte nicht ausreichend genug ausgeschieden. Optimale Hydration nennen Wissenschaftler das ideale Gleichgewicht von Wasser und Mineralstoffen. Die ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Durst zu haben, ein trockener Mund ist das letzte Zeichen von zu wenig Wasser im Körper.

Dem Blutkreislauf wird bei Dehydration kaum Wasser entzogen. Ein Mangel zeigt sich zuallererst im Gehirn, das zu 85 Prozent aus Wasser besteht und deshalb an erster Stelle als Indikator in Erscheinung tritt. Mögliche Zeichen sind Müdigkeit, der keine anstrengende körperliche oder geistige Arbeit zugrunde liegt, Erröten, weil sich die Blutzufuhr zum Gehirn verstärkt, Gefühle der Irritation beim geringsten Anlass, Schwindel, Unkonzentriertheit. Seltener treten unerklärliche Angst, Niedergeschlagenheit und starkes physisches Verlangen nach Getränken – auch Alkohol – auf. Körperliche Hinweise können u.a. Sodbrennen, Verdauungsstörungen wie z.B. Verstopfung, Gelenk- und Rückenschmerzen, Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen und Migräne sein. Schlechter Atem entsteht oft, weil verdautes Essen aus dem Magen nicht restlos in den Darm weggeschwemmt wird oder durch Gase, die den Weg vom Darm aus rückwärts antreten. Die meisten Menschen trinken zu wenig, das wird allgemein als Problem anerkannt. Vor allem ältere haben das natürliche Körpergefühl verloren und spüren keinen oder kaum noch Durst. 

Wasser macht mehr als die Hälfte unseres Körpers aus, bei Kindern sind es etwa 60 bis 75 Prozent, bei Männern 60 bis 65 Prozent und bei Frauen 50 bis 55 Prozent. Allein diese Zahlen zeigen, wie wichtig gesundes Wasser für unseren Stoffwechsel ist. Wie „gesundes“ Wasser? Wir in Deutschland leben in einem Luxusland und haben die herausragendste Trinkwasserqualität in Europa. Trotzdem tummeln sich im Wasser Stoffe, die dort nicht hineingehören und die die beste Trinkwasseraufbereitung nicht herausfiltert.

Tausende chemischer Rückstände in unseren Gewässern

Seit Beginn der Industrialisierung entwickelten die Menschen über eine Million synthetische Stoffe, jedes Jahr kommen über 1000 dazu. In den letzten Jahrzehnten sind organische Chlor-Verbindungen in vielen Ländern verboten oder stark reglementiert worden, weil ihnen krebserregende, gen- oder keimbahnverändernde Wirkungen nachgewiesen wurden. Das ist die Spitze des Eisbergs.

Wenn wir uns nur die Arzneimittel anschauen: Die Hälfte von knapp 10.000 Präparaten in Deutschland gilt als umweltrelevant, sie enthalten etwa 3000 unterschiedliche Wirkstoffe. Zu den Umweltsündern zählen Schmerzmittel, Anti-Rheumatika, Antibiotika, Anti-Epileptika, blutdrucksenkende Mittel und Röntgenkontrastmittel. Da unsere Körper sie nicht zu einhundert Prozent verwerten, gelangen Arzneimittelrückstände mit unseren normalen Ausscheidungen in die Kanalisation und die Kläranlagen, in denen sie teilweise abgebaut werden. Hier haben wir wieder ein Argument, warum wir unsere Schmerzen und Spastiken lieber mit natürlichem CBD oder THC lindern sollten als mit künstlichen Stoffen. Gerade aus Arzneimitteln kommen die sogenannten Mikroschadstoffe. Umweltschützer fordern eine rigorose Reduktion ihrer Verwendung und bundesweit hochmoderne Kläranlagen.

Gereinigtes Abwasser speist unsere Flüsse und Seen. Je größer das Klärwerk, je kleiner das natürliche Gewässer, desto höher die Konzentration von Rückständen. Inwieweit solche Hinterlassenschaften im Grundwasser und damit im Trinkwasser landen, hängt von der Struktur der Böden ab. Ist er sandig wie in Berlin oder Hessisch Ried, sind Konzentrationen von synthetischen Substanzen im Grundwasser ähnlich hoch wie in den Gewässern. Durch Lecks in Abwasserrohren tropft unkontrolliert Zeug in unser Erdreich. 

Tatsächlich gelangen jede Menge Arzneimittel ins Wasser, weil sie unsachgemäß entsorgt werden. Bitte gebt die überflüssige Pille in der Apotheke ab und kippt sie nicht in die Toilette oder den Ausguss. Die meisten Menschen vermuten gar nicht, dass sie unserer Umwelt und der Wasserqualität damit schaden könnten. 

Eine viel beachtete Broschüre hat der Arbeitskreis Wasser des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland veröffentlicht: „Hormonaktive Substanzen im Wasser – Gefahr für Gewässer und Mensch“. Das sind all die Stoffe, die die Fortpflanzung, Fruchtbarkeit, Lernfähigkeit oder sogar das Verhalten nicht nur von Wasserbewohnern verändern können. In den USA werden diese Zusammenhänge bereits seit 1995 erforscht, Deutschland zieht nach. Als schwierig stellt sich heraus, dass es nicht für alle Substanzen Nachweismöglichkeiten gibt oder diese exorbitant teuer sind. Viele Stoffe haben sich im Laufe ihres Daseins gewandelt, Metabolite sind Zwischenprodukte des Zellstoffwechsels. Sie werden nicht in die Untersuchungen einbezogen. 

Die chemische und Arzneimittelindustrie ist zu Goethes Zauberlehrling degradiert, der seine Schöpfung nicht im Griff hat. Kein alter Meister erscheint, um uns zu retten. „Es gibt Untersuchungsergebnisse, die auf additive und synergistische Wirkungen hinweisen, d. h. die Wirkung der Gesamtheit der Substanzen ist deutlich größer als die Summe der Wirkungen der beteiligten einzelnen Stoffe.“, heißt es in der Broschüre. Was die Forscher zu einzelnen Substanzen heraus gefunden haben, lässt einem die Nackenhaare zu Berge stehen. Und es schwimmt so unendlich viel mehr davon in unseren Gewässern, im Grundwasser und Trinkwasser. Eine Liste der untersuchten Industriechemikalien ist unterteilt in östrogene, antiöstrogene – die weiblichen Geschlechtsdrüsen bzw. Hormone, androgene und antiandrogene – die männlichen Hormone betreffende Wirkungen. Ein krasses Beispiel ist das Insektenvernichtungsmittel DDT, das erst 1997 verboten wurde. In Böden und Sedimenten braucht der biologische Abbau drei bis 20 Jahre. Mikroorganismen, Pflanzen, Insekten, Vögel und Säugetiere wandeln DDT in Stoffe um, die schwerer abbaubar sind als DDT selbst. Gewässerverträglichkeit lautet ein Wort, das Industrie, Politik und wir als Verbraucher mit Leben füllen sollten.

Flammschutzmittel, Kunstharze, Weichmacher, Isolier-, Kühl- und Hydraulikflüssigkeiten, Farben, Lacke, Klebstoffe, Dichtmassen, Schmieröle, Entschäumer und Kosmetika, Unkrautvernichtungsmittel – ihre Rückstände sind äußerst schwer abbaubar und reichern sich in unserer Pflanzen- und Tierwelt im Süß- und Salzwasser an. Sie schädigen Muscheln, Krebse und Fische.

Wenn giftige Inhaltsstoffe wie Nonylphenole aus normalen Haushaltswaschmitteln und Reinigern verbannt wurden, trifft das leider nicht auf ihre Nutzung in der Industrie zu. Tributylzinn-Verbindungen (TBT) kommen in sogenannten Antifouling-Farben vor und gehören zu den giftigsten und problematischsten Stoffen, die je in die Umwelt freigesetzt wurden. Sie bewirken eine Vermännlichung weiblicher Tiere, während andere Stoffe eine Verweiblichung männlicher Tiere zur Folge haben. Am extremsten zeigt sich das nach Chemieunfällen. Amphibien, Reptilien, Vögel, Säugetiere, Menschen – durch die Nahrungsketten haben wir alle etwas von dem unsichtbaren Chemiecocktail.

Was tun? An dieser Stelle fällt mir nur die große Bitte an die Grower ein, darauf zu achten, welche Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel ihr verwendet. Eure Pflanzen wachsen mit umweltverträglichen Mitteln genauso gut wie mit der Chemiekeule. Und an uns alle die Bitte – inklusive mir selbst – bewusster durch den Alltag zu gehen und komisches Zeugs nicht irgendwohin zu kippen oder zu entsorgen. Damit unser Wasser ein Quell des Lebens bleibt.

Amandara M. Schulzke

Literaturhinweis: Broschüren und Vorträge des Arbeitskreises Wasser des BUND

7 Antworten auf „Wasser: Quell des Lebens oder unsichtbare Kloake?

  1. Johannes

    Hat indirekt mit Cannabis zu tun, weil Krebs auch alternativ (ohne Strahlenmüll) möglich ist:

    „Strahlende Windeln haben bei einer routinemäßigen Kontrolle von angeliefertem Hausmüll auf der Deponie Ihlenberg (Nordwestmecklenburg) die Zeiger der Messgeräte ausschlagen lassen. Die schwach radioaktiven Strahlungsquellen stammten vermutlich von Patienten, die wegen Krebserkrankungen in Behandlung waren […]“ Quelle: Nordkurier

    TIPP: Nimm Lindenholzkohle zum Zähneputzen statt Zahnpasta mit Mikroplastik drin!
    LiHoKo kostet nur ein Bruchteil, ist gesünder, macht die Zähne schonen weiß und ist gut für die Umwelt!

    Lg Johannes

  2. R. Maestro

    Vergleichsweise könnte man sich vermutlich an Abwässern besaufen.
    Hat man dies bisher eruiert? Nööööö.
    Unsere Vordenker sollten endlich mal die Kirche im Dorf lassen.
    Pfeifen!

  3. Jo

    Hier müssten jeden Tag neue Wissenschafftliche Erkentnisse stehn.
    Der letzte Abschnitt war absolut unnötig. Keiner will seine Pflanzen Düngen müssen, aber alle neueren Züchtungen sind darauf ausgelegt.
    Alle neuen Sorten brauchen künstliches Licht und Dünger.

  4. Harald

    Aus unseren Wasserleitungen kommt so oder so nur Brauchwasser aber kein Trinkwasser. Was man den Leuten erzählt über die Wasserqualität aus der Wasserleitung ist verlogen. Schaut euch einfach nur, aus einer Großstadt, einen Wassertropfen unter dem Mikroskop an. Das ist nicht das Bild eines Kristalls, was normal wäre, sonder undefinierbare Matsche und so sieht es auch aus. Von gesund für Mensch und Tier, Lichtjahre entfernt. Und Mineralwasser aus Flaschen ist noch schlechter reguliert in Deutschland. Ladet euch einfach mal von foodwatch die Liste über die Uranbelastung von Mineralwasser. Das ist nicht wirklich lustig und zusätzlich gefährlich und bei hoher Belastung massiv krebserregend. Die Plöre steht aber im Handel für teures Geld und schädigt vielfach die Käufer massiv. Das alles in Deutschland im Jahr 2019. Gut sieht anders aus.

  5. R. Maestro

    Sexueller Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach: Vier Festnahmen.Es ist nur Spitze eines Eisberges. Wollen die korrupten Bullen das Verbrechen bekämpfen? Nein!Zipfelklatscher, es würde Ermittlungsarbeit zur Folge haben, anders als bei Konsumenten!Etwas, was sie sich auf die Fahne geschrieben haben, dafür stehen sie  nicht.Haben diese, ausser Abwässer zu untersuchen nichts besseres zu tun???Ich habe keine Kinder, schade, aber vielleicht besser.Sie wären nur Material, für Arsch…er.Was schützen die? Kinderficker in Lügde?!Diese käufliche Meute und bei dieser Bagage ist längst nicht Schluß!Sie sollten besser nach Spermaspuren in Kinder-Unterwäsche suchen.Es wäre zielführender, aber Konsumenten den Arsch aufzureißen ist ja leichter?!
    Nullnummern!

    Virenfrei. www.avast.com

  6. Wasserdestile

    Ohne Demokratie ,kein sauberes Wasser .
    Wenn über 50 % der BRD Bürger keine Privatsphäre in der eigenen Wohnung besitzen ,dann existiert keine Demokratie in Deutschland und somit keine Institution, die die Interessen der einfachen Bürger wahrt und wirklich umsetzt .
    „Ohne Privatsphäre , keine Demokratie.“
    Ein Containerhaus für alle !

  7. Benjamin

    „Ist er sandig wie in Berlin oder Hessisch Ried, sind Konzentrationen von synthetischen Substanzen im Grundwasser ähnlich hoch wie in den Gewässern. Durch Lecks in Abwasserrohren tropft unkontrolliert Zeug in unser Erdreich. “

    Ich bin Wassermeister für Trinkwasser im Hessischen-Ried. Ich muss dem Artikel infofern Recht geben, das es wirklicheine Schande ist was ein Ablauf einer Kläranlage noch enthält und der Natur zuführt. Das betrifft aber ALLE kläranlagen im Bundesgebiet. Das ist aber nixjt das verfehlen der Wasserwerke. Ich trinke nur Leitungswasser hier und das mit gutem Gewissen. Es müsste aber allen Kläranlage eine 4. Aufbereitungsstufe hin zu gebaut werden. Das ist alles möglich und würde das Problem sehr stark eindämmen. Jedoch wird hier zu wenig investiert bzw alte Anlagen nicht Modernisiert. Eigentlich müsste das per Gesetz verordnet werden.
    http://www.ruhrverband.de/fileadmin/pdf/wissen/Fachveranstaltungen/FIRK_Ruhrverbandskolloquium_26022016.pdf

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