Montag, 23. September 2019

Bier hat bessere Ökobilanz als Cannabis

Nachrichtenportal des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) macht Kiffern schlechtes Öko-Gewissen

 

 

Ein Kommentar von Sadhu van Hemp

 

 

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Dennoch kann man es ja mal versuchen, dachte sich die Redaktion des Nachrichtenportals RBB 24 und wartete mit Ergebnissen eines Vergleichs auf, der jedem ökologisch bewusst lebenden Kiffer das Wasser in der Bong gefrieren lässt. Die Frage, die bereits eine Antwort ist, lautet: „Warum ein Joint dem Klima mehr schadet als eine Flasche Bier?“

Wem diese Aussage ins Weltbild passt, kann sich den Rest des RBB-Artikels sparen, denn auch die drei Fragen in der Unterüberschrift sind im Titel schon beantwortet: „Feierabend-Bier oder Feierabend-Joint? (…) Welches Suchtmittel hat eigentlich eine bessere Klimabilanz? Wie viel C0² verursachen Biertrinker und Kiffer mit ihrem Konsum pro Jahr?“

Der Wink mit dem Zaunpfahl ist ein Plädoyer fürs Biertrinken: Saufen ist besser für den Klimaschutz! Also, hört auf zu kiffen! „Wir Boulevardjournalisten“ vom Rundfunk Berlin-Brandenburg wissen, wie ihr euch mit freundlicher Unterstützung der deutschen Brauerzunft klimafreundlich berauschen könnt.

 

Seriöse Journalisten, die üppig von den Rundfunkbeitragszahlern alimentiert werden, stellen selbstverständlich nicht nur kühne Behauptungen auf, sondern können diese auch belegen. „Wir haben für die Ökobilanz eine Flasche Bier (Pfandflasche, 0,5 Liter) und einen Joint (mit 0,3 Gramm Cannabis) pro Tag verglichen und den C0²-Fußabdruck errechnet“, leiten die Urheber ihre selbst „errechnete“ Schreckensmeldung ein. Als Quelle für den Vergleich werden zwei Einzelstudien herangezogen, die die C0²-Fußabdrücke von Bier und Cannabis ermittelt haben wollen.

Demnach kommt eine Studie aus dem Jahre 2012 zu dem Schluss, dass Cannabis einen „Product Carbon Footprint“ (PCF) von ca. 4600 Kilogramm C0² pro Kilogramm hat. Laut RBB 24 bläst ein Kiffer, der täglich einen Joint mit ca. 0,3 Gramm Cannabis verbrennt, den Jahreswert von 552 Kilogramm C0² in die Erdatmosphäre.

Dagegen rülpst und pupst der bierbäuchige Biertrinker richtig klimafreundlich. Die zweite vom RBB für den Vergleich herangezogene Studie aus dem Jahr 2016 ist der Beweis: Der Jahreswert für Bier beläuft sich auf 123 Kilogramm C0².

 

Damit auch der dümmste RBB-Nachrichtenkonsument den Vergleich kapiert, waren die Redakteure so freundlich, dem Artikel ein mit Kaufhausmusik untermaltes Filmchen voranzustellen. In einfacher Sprache und mit einfachen Symbolbildern wird dem Videogucker klargemacht, dass ein Joint dem Klima rund vier Mal mehr schadet als eine Flasche Bier. Die Botschaft des RBB-Nachrichtenportals ist unmissverständlich: Wer kifft, ist ein Umweltschwein und soll sich gefälligst schämen.

 

Der Versuch des RBB, den Kiffern mit diesem absurden Vergleich ein schlechtes Gewissen einzureden, ist natürlich unredlich. Zwar ist an der Sache etwas dran, dass die Herstellung von Cannabis eine schlechte C0²-Bilanz aufweist, aber nur wenn vom Indoor-Anbau ausgegangen wird. Und das tut die Studie, indem die Stromkosten für künstliche Licht-, Luft- und Wasserversorgung in die Waagschale geworfen werden. Dass der Indoor-Anbau eine Umweltsünde ist, weiß jeder Guerillagrower, der einen Blick auf seine Stromrechnung wirft.

Vielmehr sollten sich die RBB-Redakteute fragen, warum der C0²-Fußabdruck von Cannabis derart schlecht ist. Könnte es vielleicht daran liegen, dass der olle Hanf weltweit geächtet wird und deshalb im großen Stil illegal in Speisekammern und Kellerverschlägen unter künstlichen Bedingungen angebaut werden muss? Und inwieweit zwingt das Importverbot von Marihuana und Haschisch aus den klassischen Outdoor-Anbauländern die Menschen dazu, sich mit Gewächshausgras selbst zu versorgen? Ja, und was soll das, im Zuge der nicht aufzuhaltenden Legalisierung ausschließlich den börsennotierten Kapitalunternehmen den Cannabisanbau zu gestatten und den heimischen Privatanbau weiter unter Strafe zu stellen? Sind es nicht gerade die großen Cannabishersteller, die ein standardisiertes Konsumprodukt unter energieintensiven Bedingungen züchten und schon jetzt einen C0²-Fußabdruck hinterlassen, der jeder Vernunft spottet?

 

Dabei wäre es so einfach, klimafreundlich zu kiffen: sofortige und bedingungslose Freigabe von Cannabis für alle! Weltweit, vom Hindukush bis zur Eifel! Denn wer sein Gras im heimischen Balkonkasten oder Garten züchtet, benötigt nur ein bisschen Regenwasser und ein paar Pferdeäppel, um eine gute und potente Ernte einzufahren und die C0²-Bilanz von Bier richtig schlecht aussehen zu lassen.

 

 

12 Antworten auf „Bier hat bessere Ökobilanz als Cannabis

  1. Harald

    Staatsfunk, oder einfach nur Blödheit? Was von beiden ist es jetzt wenn so offensichtlich Einflussfaktoren, welche einen anderen Wert ergeben würden, weglässt?

  2. Greenkeeper

    Ich sehe so einen Vergleich eher als Ironie. Damit soll die Scheinheiligkeit hervorgehoben werden, mit der neuerdings jedes menschliche Verhalten auf Klimafreundlichkeit geprüft wird. In Wahrheit ist es doch so, dass Cannabis und Bier durchaus gut zusammenpassen. Die Bierindustrie könnte von einer Legalisierung profitieren. Man muss nur seine Phantasie bemühen. Das Potenzial für neue Kreationen und Produkte ist unerschöpflich. Man muss es nur nutzen.

  3. Otto Normal

    Über so ein Mist könnte ich mich schibbelig lachen wenn es nicht so ernst für uns User wäre.
    RBB der Idiotensender für unsere Ossis.

    Die deutsche Propagandamaschine läuft auf Hochtouren und sie läuft wie geschmiert. Göbbels schaut aus dem Fegefeuer amüsiert zu. Nie hätte er gedacht das sich sein Traum von den gleichgeschalteten Propagandamedien (ugs. „Lügenpresse“) nur 70 Jahre nach seinem Tod doch noch verwirklichen würde.

    Nachdem alle bisherigen Argumente wissenschaftlich widerlegt und somit als Lügen geoutet wurden brauchen die Prohibitionsverbrecher und die miesen Schmierfinken neue Argumente. Sie sind sich nicht zu schade und sind blöd genug solche abstrusen Argumente zu bringen.

    Übrigens nicht eingerechnet wurden noch viel mehr Parameter:
    Transportkosten sind bei Bier höher, da große Mengen des Stoffes nötig sind und Flüssigkeiten ein hohes spezifisches Gewicht haben.
    Allein die Produktion der Flaschen verursacht eine hohe Belastung. Für Cannabis benötigt man nur kleine Plastiktütchen und die Blättchen sind umweltfreundlich aus nachwachsenden Rohstoffen (Papier).
    Die durch Alk. verursachten Verkehrsunfälle verursachen ebenfalls einen CO2 Anstieg da die Autos die zerstörten wurden neu produziert werden müssen, abgesehen von den Toten.

    Würde man das Ganze genauer untersuchen käme ziemlich sicher das Gegenteil heraus.

    Eine Beschwerde beim Rundfunkrat wäre möglicherweise (zumindest symbolisch) hilfreich. Ändern wird sich nix da die per Zwangsgeld finanzierten Staatsmedien nicht frei sind und nie frei waren.

  4. Der Realist ohne Kraut

    Ich seh’s ähnlich wie @Greenkeeper. Da spielt viel Ironie mit.

    Des Weiteren sollte auch jedem biertrinkenden Menschen klar werden, dass auch andere Faktoren in dieser ja lächerlichen Studie miteinfließen müssen:
    Die Gewalteinsätze der Polizei, wenn der Saufkopf wieder mal über die Stränge schlägt; der Sanitäter, der die Bieropfer und -leichen auf- und einsammelt; die Kosten und der Strom für Werbung in TV, Radio und an beinahe jeder verdammten Haltestelle zusehen ist und auch das medizinische Leiden in Kliniken, Psychiarien usw.
    Nicht zu verachten wäre bspw. auch der Ertrag, der dem Hopfen gegenübersteht. Cannabis ist effektiver, weil man einfach weniger braucht…

    Die Liste kann man unzählig weiterführen.

    Wie’s Sandhu van Hemp so treffend am Abschluss formuliert, wäre eine totale Freigabe da Mittel!!!

  5. R. Maestro

    Letztendlich geht es nur darum, das viele Vögel aus dem Hanf-Verbot profitieren.
    Idioten, welche noch an dessen Sinn glauben.
    Deren Häuptlinge, welche es noch befürworten, sind keine Idioten, sondern Verbrecher!

    Unionen und jene Parteien, die es als Steckenpferd nutzen, um im Gespräch zu bleiben.
    Unsere Drogenpolitik ist kaum mehr als Mittel zum Zweck.
    Würde die Pharmaindustrie (viele mehr) unserer Politik die schwarze Null in Aussicht stellen, dann würden unsere Volksparteien ALLE(S), und jeden dafür verkaufen.

    Wir werden alle verarscht, verkauft missbraucht und verheitzt!

  6. Jo

    Das durch Verbrennen von Marihuana freigesetzte CO2 ist klimaneutral. Marihuana ist kein fossiler Brennstoff. Die Herstellung von Marihuana braucht fast keine zusätzliche Energie als die der Sonne.

    Bei der Herstellung von Bier wird hingegen Wärme gebraucht, die meisten aus fossilen Brennstoffen kommt.

    Der Autor des Artikels hat keine Ahnung und sollte für immer die große Klappe halten.

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