Samstag, 25. Februar 2017

Kascha Februar 2017

 

DIE HANFBERATUNG IM HANF JOURNAL – Erste Hilfe für Kiffer

 

Kascha ist wie immer per e-Mail zu erreichen. Also ran an die Tasten, dumme Fragen gibt es nicht…

 

 

Lennert (19) aus München fragt:

 

„Hi Kascha,

 

ich habe neulich im Fernsehen gesehen, dass es jetzt auch mobile Verdampfer für Zigaretten gibt. Ich habe mal überlegt, ob man da nicht einfach statt einer Zigarette einen Pur-Joint in einer solchen Hülse einfüllen könnte, dann kann man doch ziemlich unauffällig vapen, oder? Oder geht das nicht mit Weed? Meinen Eltern könnte ich das auch besser erklären, wenn sie so ein Gerät bei mir finden, da würde ich dann einfach sagen ich will weniger normale Zigaretten rauchen. Mit Kiffen sind sie leider eher altmodisch und nicht sehr belehrbar.“

 

Kascha antwortet:

 

„Hi Lennert,

 

grundsätzlich würde das wohl tatsächlich klappen. Allerdings funktionieren solche mobilen Geräte oft nur mit einer Temperatureinstellung – bei größeren, stationären Vaporizern, wie dem Volcano, kann man die Temperatur regeln. Diese eignen sich dann sowohl für Nikotin- als auch für Cannabiskonsum. Der Knackpunkt ist nämlich die Temperatur: Handelsübliche Tabakverdampfer arbeiten mit einer Temperatur von etwa 200 – 300°C, das ist für Weed einfach zu heiß. In Cannabis sind viele verschiedene Wirkstoffe enthalten, von denen das THC nur einer ist. Je höher die Temperatur, desto mehr dieser Wirkstoffe werden verdampft. Idealerweise wird für Cannabis eine Temperatur von etwa 190 – 210°C verwendet, wobei sich über die Temperatur die Details des erzielten Highs einstellen lassen. Würde man das Cannabis bei einer Temperatur von etwa 300°C verdampfen, dann würden auch zahlreiche andere Stoffe aus der Pflanze verdampft. Das sind nicht nur Wirkstoffe sondern auch Aromen und andere Bestandteile, so dass Geschmack und Wirkung suboptimal und schlimmstenfalls, vor allem der Geschmack, unangenehm bis enttäuschend sein könnten. Wer sich also aus Kostengründen für einen Tabakverdampfer anstelle eines Cannabis-Vaporizers entscheidet, der wäre mit einem „richtigen“ Vaporizer am Ende besser aufgestellt: Da hat man einfach mehr von dem Geld, das man für sein Weed ausgibt. Wer meint, dass ein „richtiger“ Vaporizer aus irgendwelchen Gründen nicht in Frage kommt, der muss eben mit einem etwas eingeschränkten Vaping-Erlebnis rechnen – da wäre ich sogar auf Erfahrungsberichte gespannt.“

 

 

Jessi (20) aus Mannheim fragt:

 

„Hallo Kascha,

 

ich bin sehr sportlich und rauche abends nach einer harten Trainingseinheit gerne mal einen Joint auf dem Sofa. Das entspannt die gestressten Muskeln und ich kann dann auch viel besser und erholsamer schlafen, weil mich der Muskelkater weniger stört. Eine Freundin hat mir letztens erzählt, dass das gar nicht so gut ist. Sie sagt, vom Kiffen werden die Muskeln schlapp und klein und man wird schwächer. Stimmt das?“

 

Kascha antwortet:

 

„Hi Jessi,

 

das klingt erst einmal plausibel, wenn man sich den Klischeekiffer anschaut. Tatsächlich sind aber die meisten Kiffer keine mäßig gepflegten Faulpelze, die schnell körperlich überfordert sind. Im Gegenteil: Bei vielen Sportarten von Basketball bis Snowboarding aber auch beim Kraftaufbau an den Maschinen im Fitnesscenter ist Cannabiskonsum weit verbreitet. Während einige Sportler sogar vor dem Training oder vor Wettkämpfen rauchen, um sich besser aufs Training fokussieren zu können, bevorzugen andere den Joint nach dem Training zur Entspannung und gegen Muskelschmerzen. Ob Kiffen tatsächlich das Muskelwachstum hemmt kann ich hier nicht beantworten – es gibt Studien, die diese Möglichkeit nahe legen, andererseits sind mir keine konkreten Angaben bekannt, wie stark sich Cannabiskonsum tatsächlich auswirken kann. In der Praxis gibt es zahlreiche muskelbepackte Cannabiskonsumenten. Tatsächlich entspannt Cannabis aber die Muskeln und das führt eben oft bei jenen auffälligen „Klischeekiffern“ zu einer nicht mehr ganz straffen Körperhaltung – oberflächlich betrachtet scheint das Cannabis zu Muskelschwund geführt zu haben. Diese „Kiffer-Trägheit“ zu überwinden ist wenn man nach dem Training raucht sicher nicht so ein großes Problem. Wer regelmäßig trainiert weiß auch, dass man sich, wenn man sich erst einmal an die Trainingsroutine gewöhnt hat, auch nicht mehr so schnell vom Training abbringen lässt. Grundsätzlich glaube ich also als medizinischer Laie nicht, dass sich moderater Cannabiskonsum und ein sportliches Leben gegenseitig behindern. Mischt man aber in seinen Joint zusätzlich viel Tabak, muss man mittelfristig mit den entsprechenden Tabakwirkungen, also zum Beispiel einer verringerten Ausdauer, rechnen.“

 

 

Theo (23) aus Kiel fragt:

 

„Hallo Kascha,

 

ich habe mal eine Frage, und zwar warum wird der Joint auch manchmal „Tüte“ genannt? Ich finde das oft verwirrend, weil das Plastikpäckchen, in dem man das Gras hat, wird auch oft „Tüte“ genannt. Da finde ich die Bezeichnung auch eigentlich passender, weil das ja auch wirklich ein Tütchen ist. Ein Joint sieht doch gar nicht aus wie eine Tüte?“

 

Kascha antwortet:

 

„Hi Theo,

 

tatsächlich ist das Wort Tüte von einem alten Wort für Horn abgeleitet – Joints werden in manchen Regionen übrigens auch als Horn bezeichnet – und das liegt daran, dass viele der frühen „Tüten“, die als Transportgefäße genutzt werden, eben eine solche hornähnliche, spitze Form hatten. Wenn man gebrannte Nüsse auf dem Weihnachtsmarkt kauft, bekommt man sie häufig in einer solchen typischen Spitztüte, auch bei lose verkauften Süßigkeiten sind solche Tüten sehr häufig zu finden. Die Druckverschlusstüte wiederum, in die das Weed eingepackt ist, hat einfach nur eine etwas andere Form, denn Tüten gibt es natürlich in noch mehr als nur der spitzen Variante – ein anderes Beispiel wäre die Papiertüte, die wir beim Einkaufen verwenden. Ein Joint erinnert mit seiner konischen Form und der durch Zudrehen verschließbaren breiten Öffnung an eine Spitztüte – daher wohl der Name. Die konische Form hat einen praktischen Nutzen: Je breiter man den Joint an der Anzündstelle baut, desto mehr „Material“ passt hinein. Wenn man ihn am Mundende genauso breit machen würde, hätte das Mundstück einen unangenehm großen Durchmesser: Unangenehm einmal, weil er ungewohnt wäre, aber auch, weil der Rauch durch eine so große Öffnung viel heißer und stärker strömt. Leider bleibt es also verwirrend – wenn also jemand sagt „Ich glaube, ich habe meine Tüte gestern bei dir liegen gelassen“, sollte man also vielleicht einfach noch einmal nachfragen, nach was man konkret suchen soll.“

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