Mittwoch, 16. November 2016

Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts

 

Im Interview: Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts

 

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Gute Laune, Lebenslust und ausgelassene Feiern sind wohl die Attribute, die man am ehesten mit Polka und Ska aus Osteuropa verbindet. Auch bei den Mitgliedern von Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts gehört Spaß und Ausgelassenheit zum Bandalltag. Dabei haben die sympathischen Musiker jedoch auch den Ehrgeiz sich weiterzuentwickeln und an ihrem Sound zu feilen. Nach der Veröffentlichung ihres zweiten Studioalbums „Katschigari“ welches im Sommer diesen Jahres erschienen ist, haben uns Schlagzeuger Pascal und Gitarrist Dima zum Interview eingeladen.

 

Autorin: Janika Takats

 

 

 

Euer aktuelles Album ist im Juli erschienen. Was könnt ihr mir zu der Scheibe erzählen?

 

Dima: Das Album heißt „Katschigari“. Wir haben recht lange daran gearbeitet. Der Titel „Katschigari“ bedeutet „die Heizer“, also die Leute, die früher auf den Dampfloks die Kohle ins Feuer geworfen haben. Diese blieben im Hintergrund verborgen, doch waren sie diejenigen, die den Zug am Laufen gehalten haben. Wir fanden das ganz passend für unsere Art von Musik, da vor allem Ska und Polka sehr treibende Musikrichtungen sind.

 

Was sind die wichtigsten Unterschiede im Vergleich zum Vorgänger?

 

Pascal: Sowohl Dima also auch ich waren bei der Produktion des ersten Albums noch nicht dabei, sondern sind erst später zu der Band gestoßen. Für mich war bei „Katschigari“ wichtig, dass wir einen anderen Sound kreiert haben. Weniger verspielt, klarer und auch druckvoller, als es früher noch der Fall war. Die Band befindet sich stetig im Wandel. Trier ist eine Studentenstadt. Da geht mal jemand und dann kommen wieder neue Leute dazu. Dadurch hat sich unsere Musik verändert. Die Musik ist so tanzbar wie sie es immer war. Wir verdanken den tollen Sound unserem Produzenten Kurt Lebelhäuser, der wirklich gute Arbeit bei dem Album geleistet hat.

 

Dima: Inhaltlich gibt es auch Unterschiede. Das Vorgängeralbum hat sich eher auf das Feiern und Trinken konzentriert, auch wenn es ein paar melancholischere Nummern gab. Die neue Platte ist vom Themenspektrum her wesentlich weiter gefasst. Neben den lebensfreudigen Songs gibt es auch Lieder, die fast schon romantisch klingen. Außerdem werden Geschichten aus dem Leben erzählt und wir setzen uns mit der Frage auseinander, was ein „normales“ Leben ist und was man im Leben tun sollte.

 

Beim letzten Album wart ihr also noch nicht dabei. Wie habt ihr denn euren Weg zur Band gefunden?

 

Dima: Bei mir war es eigentlich ein Zufall. Ich kam zum Studieren nach Trier und habe lange Zeit keine coole Band gefunden, mit der ich Musik machen konnte. Eigentlich komme ich aus der Progressive Metall / Experimental Richtung, also etwas völlig anderes. Ich habe dann eine Annonce geschrieben und in den lokalen Kleinanzeigen veröffentlicht. Yannick unser Akkordeonspieler hat mich dann angeschrieben. Bei einer Probe habe ich mir einen ersten Eindruck verschafft. Ich komme selbst aus Kirgistan, doch hatte diese Art von Musik seit Ewigkeiten nicht mehr gehört. Das war eine bizarre Situation für mich und ich wusste „da muss ich dabei sein“.

 

Pascal: Bei mir war es ganz einfach. Mein damaliger und jetziger Mitbewohner ist der Band beigetreten und hat mir immer erzählt wie toll es war, wenn er mit der Band am Wochenende unterwegs war, um Konzerte zu spielen. Obwohl ich wie Dima musikalisch aus einer anderen Ecke komme und früher Metall und Punk gemacht habe, habe ich mich mitreißen lassen. Es ist immer noch nicht die Musik, die ich mir zu Hause auf meinem Bett anhöre, doch ich feiere dieses Genre inzwischen auf jeden Fall. Besonders die Konzerte, das ist etwas, das man echt mal erlebt haben sollte.

 

Die Band gibt es trotz personeller Veränderungen schon eine ganze Weile. Was sind die Elemente, die euch verbinden und zusammenhalten?

 

Dima: Zunächst einmal sind wir keine Band aus Individuen, die sich mehr oder weniger nur zum Musik machen treffen. Wir sind Freunde oder fast schon eine Familie. Das hält uns ganz klar zusammen. Nächstes Jahr hat die Band ihr zehnjähriges Jubiläum. Wir haben nie viel Promotion gemacht, sondern das alles hauptsächlich für uns getan. Genauso ist es heute auch noch. Klar wollen wir, dass andere Leute daran Teil haben und eine schöne Zeit auf unseren Konzerten bzw. mit unserer Musik haben. Wir sind alle völlig unterschiedliche Charaktere, doch wir verstehen uns gut.

 

Macht ihr immer noch auf die gleiche Weise Musik oder hat sich euer Bandleben im Laufe der Zeit verändert?

 

Pascal: Ich kann nicht für die gesamte Bandgeschichte sprechen, doch in den drei Jahren, in denen ich dabei bin, hat sich kaum etwas geändert. Aktuell sind wir acht Mitglieder, das ist eine recht große Gruppe. Da gibt es natürlich auch mal Konflikte und Phasen, in denen man sich nicht so gern hat (lacht). Es ist ein unglaublicher Drive, der entsteht, wenn wir zusammen sind. Im Alltag sind die meisten von uns eher ruhige Charaktere. Wenn wir uns jedoch Freitagmorgens in den Bandbus setzen, beginnt das Ganz bereits zu eskalieren. Wir werden laut, haben Spaß und spielen voller Elan die Konzerte zusammen. Ich empfinde es als etwas Besonderes mit anderem Menschen so eine Leidenschaft teilen zu können.

 

Iir seit bekannt und berüchtigt für Eure live Auftritte. Was macht Eure Show aus?

 

Pascal: Ich denke bei uns ist entscheidend, dass niemand bei uns im Publikum stehen muss, damit der Auftritt cool wird. Es macht immer Spaß, weil wir miteinander Spaß haben und albern sind. Die Musik kommt aus uns heraus und wir überlegen uns keine großen Showelemente. Das was man auf der Bühne sieht, ist das was wir in dem Moment fühlen. Ich habe erlebt, dass sehr bekannte Bands die Leute nicht mitreißen können, weil sie einfach ihr Standardprogramm runterspielen. Wir hingegen feiern uns, nicht mal unbedingt unsere Musik, sondern wir uns alle gegenseitig (lacht). Da kann es schon mal passieren, dass sich der Posaunist auf meinen Schoß setzt, sodass ich nicht mehr spielen kann oder, dass drei Leute mitten im Song anfangen zu lachen. Wir verstellen uns nicht, sondern kommen aus uns heraus. Das Publikum geht dann fast automatisch mit.

 

Ihr seid hauptsächlich im deutschsprachigen Raum unterwegs. Habt Ihr Euer Glück auf bereits in Osteuropa versucht?

 

Dima: Tendenziell wären wir dem gegenüber nicht abgeneigt, doch es kam bisher noch nicht dazu. Wir haben uns nie darum bemüht, kann man sagen. Unsere Art von Musik kommt ja nun mal aus Osteuropa. Wer braucht da schon eine weitere Polka-Ska-Punk Band? Viel spannender ist es noch Elemente aus einer Kultur zu nehmen und diese in eine andere Kultur zu übertragen. Es steht noch nicht hundertprozentig fest, doch es kann sein, dass wir bald in Polen spielen. Ich bin gespannt, wie wir dort ankommen, denn Polen ist ja sehr bekannt für die Polka. Das wird dann quasi unsere Feuertaufe. Bisher waren wir im europäischen Ausland, mehrmals in der Schweiz und in Dänemark und planen demnächst ein Konzert in den Niederlanden.

 

Polka und Punk werden eher mit Alkohol assoziiert. Spielt Cannabis bei euch auch eine Rolle?

 

Pascal: Ich persönlich habe keinen großen Bezug dazu, doch ich würde sagen, dass Cannabis in der Musikszene grundsätzlich immer eine Rolle spielt. Ich war noch nie auf einem Konzert – von uns selbst oder von anderen Bands – auf dem nicht gekifft wurde. Zu unseren Shows gehört der Wodka, aber die meisten Bandmitglieder sind auch was Cannabis betrifft keine Kostverächter.

 

Verfolgt ihr die aktuelle Debatte um Cannabis und Forderung nach einer Legalisierung?

 

Pascal: Auf unseren Bandbusfahrten, war die Legalisierung von Cannabis schon mehrmals Diskussionsthema. Meiner Ansicht nach ist es unsinnig, dass etwas, was eine positive Wirkung auf ADHS oder andere Krankheiten hat, verboten ist. Wir leben im 21. Jahrhundert und es hat gute Gründe, wenn die USA als ehemals krasseste Verfechter der Prohibition anfangen Cannabis zu legalisieren und der Bevölkerung zugänglich machen.

Ein Freund hat mir mal erzählt, dass in den Niederlanden, seitdem der Staat die Coffeeshops in einigen Regionen für Touristen unzugänglich gemacht hat, der Schwarzmarkt wieder angefangen hat zu wachsen und mehr Gras von minderer Qualität im Umlauf ist. Ich weiß nicht, ob es das ist, was der Staat will. Ich finde es auf jeden Fall besser den Verkauf zu regulieren und die Qualität zu kontrollieren. Dann weiß man zumindest was drin ist.

 

Eure Lieder sind schwungvoll und voller Lebenslust. Sehr ihr die Band eher als ein Ventil des Alltags oder lebt ihr die Philosophie Eurer Musik?

 

Pascal: Letztendlich macht man Musik weil sie in einem drin steckt. Bei mir hat die Band eine lebensfrohe Grundeinstellung zur Folge. Ich habe es selbst erlebt, dass es eine Form von Ventil ist, wenn man eher düstere Musik macht. Man geht auf Konzerte, um sich körperlich auszupowern, doch am Ende ist man unter Umständen schlechter gelaunt. Wenn man unsere Art von Musik macht und sieht wie diese auf die Leute wirkt, bleibt diese Einstellung bei einem hängen. Unsere Texte kommen ja nicht aus dem Nichts. Wir haben sie geschrieben und wir stehen alle – jeder auf seine Weise – auch dahinter. Insgesamt sind wir schon eine lustige Band und leben unsere Musik.

 

Was steht bei Euch in nächster Zeit an?

 

Pascal: Wir haben gerade einen schönen, aber auch sehr anstrengenden Festivalsommer hinter uns gebracht. Zwei Monate lang waren wir konstant jedes Wochenende unterwegs. Da wir alle ja noch einen regulären Job bzw. andere Dinge im Leben zu tun haben, fällt alles auf die Wochenenden. Jetzt haben wir einen Moment Ruhe zum Durchatmen. Im November spielen wir noch mal drei bis vier Konzerte. Im Dezember gehen wir dann auf eine etwas längere Tour. Am 30.12. sind wir zum Beispiel in Berlin. Ansonsten kommen wir nach Dresden, Cottbus und sind zu Silvester in Bayern. Für das nächste Jahr haben wir uns vorgenommen an einem neuen Album zu arbeiten. Das jetzige Album wurde im Prinzip schon Ende 2014 aufgenommen. Aus verschiedenen Gründen hat es allerdings mit der Veröffentlichung etwas länger gedauert. Das Artwork war aufwendig und zudem muss jede Entscheidung mit acht Leuten abgesprochen werden, das dauert dann eben seine Zeit. Wir würden auf jeden Fall nächstes Jahr gerne wieder ins Studio gehen. Bis dahin freuen wir uns über jeden und jede, die sich unser jetziges Album kaufen und denen es gefällt.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

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