Sonntag, 21. Juni 2015

Schwarz-Grün ist unsere Zukunft

 

Von Sadhu van Hemp

 

 

 

Die Zeichen stehen auf Re-Legalisierung des Hanfes – und das nicht nur auf dem amerikanischen Kontinent. Auch in Good Old Germany rumort es, und der Paradigmenwechsel in Sachen Cannabiskultur ist in vollem Gange. Aus den Schreihälsen der Prohibition werden reihum Wendehälse, die plötzlich das Undenkbare denken und auch aussprechen. Fehlt nur noch die frohe Kunde der Kanzlerin, dass das Hanfverbot fallen wird – und zwar sofort und unverzüglich!

 

 

Es ist nicht mehr zu überhören, dass der Hanf in aller Munde ist. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Wendehals wagemutig seinen Kopf herausstreckt und schreit: Legalize it! Plötzlich ist das gepflegte Verbrennen der verbotenen Pflanze en vogue, und wer up to date sein will, der outet sich als Kiffer oder Freund derselben. Frei nach der Gorbatschowschen Realitätstheorie will niemand zu spät kommen und vom Leben bestraft werden. Selbst das Söhnchen unserer Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler sah die Stunde für gekommen, Muttern die Jugendsünde zu beichten. Quer durch alle Bundesparteien – außer der CSU – vernimmt man ein Hufescharren, und die Trittbrettfahrer der bundesdeutschen Journaille weissagen, dass das Thema Hanf-Re-Legalisierung Einfluss auf die kommende Bundestagswahl nehmen wird.

 

Kein Zweifel, die nächste Bundesregierung wird das Opfer unserer Staatsräson. Egal, ob die Bundeskanzlerin dann Merkel, Klöckner oder Mümmelmann heißt: Der deutsche Kadavergehorsam verlangt, unseren transatlantischen Freunden immer und stets ein treuer Kamerad und verlässlicher Partner zu sein. Die USA wollen die Privatsphäre der Deutschen ausspähen? Kein Problem – unsere Regierung würde selbst Speichelproben an die NSA liefern, sofern gewünscht. Kurz gesagt: Merkel und Co. sind Marionetten und die Strippen ziehen die Yankees. Und wenn die auf einmal keinen Bock mehr haben auf Anti-Hanf-Krieg, dann ist das zwar wie ein Dolchstoß mitten rein in die Herzen der tapferen deutschen Drogenkrieger – aber was soll man machen? Ist halt so: Amerika befiehl, wir folgen dir!

 

Und die USA scheinen wirklich ihren Frieden mit dem Killerkraut geschlossen zu haben. Selbst die als Hardliner gestählten „Republikaner“ signalisieren, fortan nicht mehr mit Kanonen auf Spatzen schießen zu wollen. Insofern ist es hanfpolitisch schnurz, ob ein „Republikaner“ oder die „Demokratin“ Hillary Clinton das Zepter von Obama übernimmt – die Renaissance des Marihuanas im „Land der Freien“ ist nicht mehr aufzuhalten. Statt rückwärts wird in Übersee vorwärts gedacht, und schon bald wird die US-Administration eine entsprechende Neu-Justierung der „UN-Single Convention on Narcotic Drugs“ vornehmen – selbstverständlich ohne vorher die Europäer und den Rest der Welt gefragt zu haben. Wozu auch? Kuschen ja sowieso alle und tanzen nach Onkel Sams Pfeife.

 

„Scheiße auch“, kann der Hanffreund den Bumsköppen in den deutschen Parlamenten schadenfroh zurufen. Hoffnungslos stecken unsere Hanfprohibitionsspezialexperten in der Zwickmühle. Auf der einen Seite dräut ziviler Ungehorsam einer mittlerweile weitgehend aufgeklärten Gesellschaft, die sich nicht länger belügen lässt, auf der anderen schwächeln die US-amerikanischen Kombattanten, die den Anti-Hanf-Krieg auf teutonischem Boden samt seiner ganzen Logistik ad absurdum führen. Allmählich wächst sich das Ärgernis der (weltweiten) Legalisierungsdebatte zum ernsten Problem der regierenden Blockparteien aus. Die CDU/CSU-Fraktion bleibt stur, will Volkes Wille „aussitzen“, während die (A)sozialdemokraten die Brisanz des Themas für den nächsten Wahlkampf sehr wohl erkennen und zaghafte Vorstöße dahingehend wagen, zumindest das Unrecht im Fahrerlaubniswesen aus der Welt zu schaffen.

 

Dieses innenpolitische Vakuum ist für die Oppositionsparteien natürlich ein gefundenes Fressen. Bündnis90/Die Grünen, die elenden Verräter von 1998 und 2002, sind gar nicht mehr zu bremsen in ihrem Eifer, den Deutschen ein „Cannabiskontrollgesetz“ überstülpen zu wollen. Auch die LINKE zeigt vorsorglich Herz – in persona des Ur-Gesteins Gregor Gysi, der die ewig gleiche Anekdote von seinem ersten und einzigen Joint absondert und Hinz und Kunz den Floh ins Ohr setzt, die Seniorenpartei sei modern. Auch die letzten noch aktiven „Piraten“ halten sich am Hanf fest, um nicht gänzlich in der Kloake der deutschen Politlandschaft unterzugehen. Apropos Kloake – die FDP ist noch nicht gänzlich darin versunken. Die neoliberalen Jungunternehmer zucken noch – und Haschisch soll laut Parteitagsbeschluss den Weg zurück an Muttis Brust pflastern.

 

Wir sehen, die olle Hanfpflanze bereitet nicht nur den Verfolgten, sondern neuerdings auch den Verfolgern Kopfzerbrechen. Die Marketing- und Politstrategen der Parteien hören sehr wohl Volkes Stimme, die plötzlich aus gewichtigem Munde kommt, wenn Polizei- und Gerichtspräsidenten, Professoren, Doktoren und Wissenschaftler in den Chor der Legalisierungsbefürworter einstimmen. Die Grünen sind mit dem Entwurf des „Cannabiskontrollgesetzes“ aus der Deckung gekommen und bringen somit die beiden großen Volksparteien in Zugzwang. Will die CDU/CSU auch 2017 das Kabinett bilden, darf die grüne Option nicht verspielt werden. Vorstellbar ist, dass das Merkel noch einmal als Kanzlerkandidatin antritt und dank historisch niedriger Wahlbeteiligung den Kontrahenten der SPD in Grund und Boden stampft.

Eine Koalition mit Bündnis90/Die Grünen wäre schon heute locker machbar, zumal der grüne Ministerpräsident Baden-Württembergs Kretschmann ein ausgewiesener Rechtskonservativer politischen Gewichts ist, der ganz in der Tradition seiner CDU-Vorgänger steht und keine Skrupel kennt, wenn es um das Brechen von Wahlversprechen geht. Die große Frage ist, welche Kröte Cem Özdemir der Kanzlerin zu schlucken gibt. Horst Seehofer bekam zuletzt seine Maut und die „Herdprämie für Mütter“. Vielleicht muss die Kanzlerin ja Gras fressen, wenn der Koalitionsvertrag mit der grünbürgerlichen Partei ausbaldowert wird.

 

Nun denn, schauen wir mal, wie sich das parlamentarisch gestaltet, wenn sich unsere Regierenden ein „Cannabiskontrollgesetz“ ausdenken und zugleich die bedienen, die nur darauf warten, sich das Monopol rund um die heilige Pflanze zu sichern. Legalisierung bedeutet zugleich Regulierung des grünen Goldrauschs – und das muss nicht zwingend zum Vorteil der Hanffreunde sein. Wer Cannabis als Genussmittel oder Medizin verkehrsfähig machen will, muss Normen und Standards einhalten – wie bei jedem anderen Produkt.

Wie das funktioniert und welche Auswirkungen das auf Herstellung und Vermarktung hat, sieht man in Colorado. Kaum ist ein Jahr der Legalität vergangen, schon schlucken die großen die kleinen Gärtner. Der Cannabis-Boom in den USA wird noch so einige hässliche Blüten treiben – und der Tag ist nicht mehr fern, an dem große Vertriebsketten die Hanffreunde mit einem „Joint to go“ abspeisen werden. Edle, von Hand geknetete Haschischsorten aus dem Orient wird der amerikanische Kiffer vergeblich suchen. Und es ist wohl kaum anzunehmen, dass die USA eine legale Haschischproduktion in jenen Ländern ankurbeln, die auf der „Achse des Bösen“ liegen.

 

Umso spannender wird der Weg zur Hanffreigabe in Europa. Das Modell der Cannabis Social Clubs wie in Spanien und Portugal böte sich ebenso an wie die bewährte niederländische Praxis, den Handel über Coffeeshops zu regeln. Doch was in diesen Ländern klappt, heißt noch lange nicht, dass die Germanen das Patent anerkennen. Die Deutschen mögen das nicht, Fünfe gerade sein zu lassen. In unseren Breiten muss alles seine Ordnung haben, sonst greift „German-Angst“ um sich. Denken wir nur an unsere besorgten Montags-Bürger, die Angstzustände durchleben, wenn sie mit etwas konfrontiert werden, was sie nicht kennen. Nicht selten genügt diesen Bangbüchsen der Anblick eines Homosexuellen, Österreichers oder Langhaarigen, und schon miefelt’s aus der Jogginghose. Diesen armen Seelen kann man nicht in direkter Nachbarschaft neben dem Döner-Imbiss auch noch einen Coffeeshop zumuten. Was in Berlin-Kreuzkölln vielleicht gerade noch so funktionieren würde, käme in den ost- und süddeutschen Provinzen gar nicht gut an.

 

Wie sich die Christdemokraten aus diesem Dilemma herauswinden wollen? Lassen wir uns überraschen! Freuen wir uns auf den großen Schwindel, wenn die Union der patriotisch-abendländischen Wählerschaft verklickert, dass auch Kiffer zu Deutschland gehören sollen.

 

13 Antworten auf „Schwarz-Grün ist unsere Zukunft

  1. Lars Rogg

    Sadhu, Du hast Dich mal wieder selbst übertroffen. Nach deinem letzten geniale Text hab ich Dir einen Schrein gebaut…ab heute steht eine extragroße Kerze darin. 🙂
    Ehrlich, deine Texte sind einfach perfekt…danke 🙂

  2. Spamferkel

    Ferkel bleibt, die SPD kackt ab und die Grünen wollen an die Macht. Mit der LINKEN ist nicht zu rechnen. Was fehlt ist eine starke linke Bewegung wie in Spanien und Griechenland. Wutbürger gibt es genug, nur leider driften die zu den Nazis ab.

  3. hannah montana

    Ganz meine Meinung! Sehr undiplomatisch, aber treffend! Wenn die CDU/CSU aufhört wider Sinn, Verstand und seine eigene Bevölkerung zu handeln ( also in die Hand zu beißen, welche sie nährt), könnte sich einiges, zugunsten des Landes verändern. Endlich Verbraucherschutz, Jugendschutz, Steuereinnahmen und Freiheit! Wer legalisiert, triumphiert!

  4. Sebastian

    Im Gegensatz zu Lars Rogg finde ich diesen Schreibstiel schecklich. Ich finde solche Artikel sollten sachlich bleiben und für mich klingt dieser blumige Schreibstil immer wie Selbstbeweihreucherung.

  5. Jemand

    Mal ganz davon abgesehen das er einfach Recht hat ist Sadhu hier für die satirischen Artikel zuständig! Diese sollten eher mit einem Augenzwinkern gesehen werden quch wenn sie zumindest von der Kernaussage durchaus zutreffend sind! Aber gut du musst die Artikel ja nicht lesen wenn sie dir nicht gefallen…jedem das Seine oder ?

  6. Ex-Pirat

    Nun hate mal hier nicht rum, Sebastian. Wie „Jemand“ schon sagt, hier spricht „unverblümt“ der Satiriker und kein Nachrichtensprecher. Dass die Piraten dabei schlecht wegkommen … so what!

  7. Lars Rogg

    Wer mit Satire nicht kann, muss sich an die regulären Nachrichten halten. Vielleicht hast Du den Text einfach nicht verstanden ??? Kauf Dir eine BILD….

  8. X-KIFFER

    Sehr schöner Artikel.
    Ein kleiner Sonnenaufgang an diesem grauen verregneten Montag.
    Vielen Dank!
    Der Sohn von der Mordler hat gekifft?
    Na sowas auch!
    Aber er hat bestimmt nicht inhaliert oder etwa doch?

  9. Sebastian

    Ich sage auch nicht, dass er unrecht hat. Alles auf den Punkt getroffen. Ich mag nur die Ausdrucksweise nicht. Schade, dass man hier nicht seine Meinung zu einem Artikel sagen kann, ohne derart von den Lesern angegriffen zu werden. Das mit der Empfehlung zur BILD hat mich doch grad arg getroffen.

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