Samstag, 6. Juni 2015

Gras wird salonfähig

Demonstrationen in 28 Städten

 

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Beim Global Marijuana March gingen im Mai in Deutschland und in Österreich insgesamt 20.000 Menschen auf die Straße, um für die Re-Legalisierung von Cannabis zu demonstrieren. Wien stellte, wie in den Jahren zuvor, mit 12.000 Teilnehmenden das größte Kontingent. Doch auch in Deutschland beweist alleine die Zahl der Demonstrationen, dass sich viel bewegt hat. In Köln hatte sogar der Bürgermeister der Kölner City die Schirmherrschaft übernommen und auch in Stuttgart, Dortmund, Ulm und Rostock kamen mit 500 Demonstrierenden mehr, als mach eine/r erwartet hätte. Lediglich in Berlin, der Hauptstadt der hanfaktiven, zeigten sich viele angesichts der 300 bis 400 Leutchen ein wenig enttäuscht. Den neuen Stellenwert des Themas kann man gut an der medialen Berichterstattung zum GMM ablesen. Interessierten sich 2014 noch ganz wenige Medien für die immerhin schon 17 Demos, so wurde dieses Jahr sowohl in vielen Lokalmedien, als auch in einigen so genannten „Leitmedien“ über das Ereignis berichtet.

 

Auch die Parteien scheinen sich schneller zu bewegen, als man schauen kann. Die FDP ist gekippt. Bald schon könnten die ersten SPD-Landesverbände umschwenken und so ein Signal an die Bundespartei senden, das Cannabis nach Berlin auch 2017 im Bund zum Wahlkampfthema macht. Doch noch ist es lange nicht so weit, aktuell nicken die Sozialdemokraten noch den Schwachsinn ab, den unsere Drogenbeauftragte Marlene Mortler seit der Eröffnung der Debatte als offizielle Regierungsposition anbietet. Von „schäbigen Methoden“ des Deutschen Hanfverbands über die „Kulturdroge Alkohol“ bis hin zur Verunglimpfung von Rap-Ikone Thomas D. lässt die Landwirtschaftsexpertin aus dem Fränkischen Nichts aus, das ihre Inkompetenz auf ihrem aktuellen Sachgebiet demonstrativ untermauert. Ihre designierte Nachfolgerin in Sachen Drogen bei der CSU, die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner, kann man immerhin zugutehalten, dass sie den direkten Dialog sucht. Ihr Skype-Gespräch mit Georg Wurth brachte zwar wenig neue Erkenntnisse, aber immerhin hat man zum ersten Mal direkt miteinander kommuniziert.

 

Mortler hingegen weigert sich nicht nur, mit Vertretern der Gegenseite zu kommunizieren, sie nimmt deren Argumente nicht mal zur Kenntnis. Wie kann man von der Angst vor mangelndem Jugendschutz im Falle einer Regulierung reden, wenn die eigene Politik nicht mal ansatzweise in der Lage ist, Jugendliche vor den Gefahren illegalisierter Drogen zu schützen? Der Drogensuchtbericht 2015, der kurz vor Redaktionsschluss erschien, belegt das Versagen wieder anhand der eigenen Zahlen: Mehr verfolgte Kiffer, mehr Drogentote und fehlendes Trennungsvermögen bei Cannabis. Wie die Jahre zuvor  werden 2015 problematische Konsumerlebnisse mit Kräutermischungen, die im Krankenhaus oder beim Arzt enden, in der Statistik Cannabis zugewiesen. Mittlerweile sind viele fest davon überzeugt, dass Mortler durch ihr peinliches Auftreten, den fehlenden Sachverstand, die nicht zu überbietenden Realitätsferne und einem Ex-Kiffer als Sohn die beste Anwältin für Cannabis darstellt, die angesichts der derzeitigen Machtverhältnisse denkbar ist.

 

Fraktionskollege Pfeiffer von der CDU hingegen scheint verstanden zu haben, dass man bei der Entstehung Neuer Märkte schnell mal den Anschluss verlieren kann. Vermochte es eine evidenzbasierte, wissenschaftliche Herangehensweise das Denkverbot bei den Konservativen 50 Jahre lang nicht zu lockern, geht es umso schneller, wenn das große Geld winkt. Fernsehbilder von Wagenladungen voller Bargeld wecken auch hier bei so manchem Begehrlichkeiten, die mit der derzeitigen Drogenpolitik nie ein Problem hatten oder denen Gras schlichtweg egal ist. Pfeiffer und einige, bislang nicht namentlich genannte Fraktionskollegen, scheinen verstanden zu haben, dass ein Staat auch fleißig am Anbau von Cannabis, sei es medizinisch oder zur Entspannung, verdienen kann. Doch um noch einen ordentlichen Anteil vom Kuchen abzubekommen, müssen wir uns sputen, denn die Konkurrenz schläft nicht. Der Staat bekommt nur da was ab, wo Cannabis legal ist. Hohe Lohnkosten oder soziale Standards wie in Deutschland schrecken potentielle Cannabis-Investoren weit weniger ab als die Verfolgungsmaßnahmen und Haftstrafen, die ihnen derzeit für illegale Blüten blühen.

 

7 Antworten auf „Gras wird salonfähig

  1. hoizhax2012@gmail.com

    In Bayern werden Unterschriften gesammelt!
    Volksbegehren „ja-zu-cannabis.de“!!!!!
    Mitmachen!!!!!!

  2. Mörnest

    bringt aber nur was zu Unterschreiben wenn man in Bayern wohnt, Holzbein2012. Solltest du vielleicht auch erwähnen.

  3. Ralf Blandowski

    Fehlen 500 Unterschriften? Für was?Für den nächsten Meilenstein. Und dann ist der nächste Meilenstein 20 000 Unterschriften,usw. Und wie gehts dann weiter? Diese Petition ist eh uninteressant, da auf dieser Plattform die Petitionen nicht verbindlich sind und eine Regierung die weitaus mehr Menschen bei Castor, Stuttgart21,etc. ignoriert wird sich von so einer Petition nicht beeindrucken lassen!

  4. iwui

    alles was positiv die Aufmerksamkeit erregt, in die Öffentlichkeit bringt und am Laufen hält, ist gut für die Sache. Mehr verspreche ich mir davon erst einmal nicht.

  5. Johann

    „Ex-Kiffer als Sohn“ oder doch „Kiffer als Ex-Sohn“?
    Bei Frau Mortler kann man sich da nicht so sicher sein. Was nimmt der Sohn auch Cannabis, kann er nicht saufen wie jeder in Franken? 😉

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