Sonntag, 15. März 2015

Wenn Kinder ihre Eltern quälen

von Sadhu van Hemp

 

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Unter Ausschluss der Öffentlichkeit findet derzeit vor der Jugendstrafkammer einer Kreisstadt im Sächsischen das Tribunal gegen ein Geschwisterpaar im Alter von 16 und 19 Jahren statt, das jahrelang die eigenen Eltern systematisch misshandelt haben soll. Das Hanf Journal unterhält einen Whistleblower vor Ort, der Zugriff auf die Gerichtsprotokolle des laufenden Verfahrens hat und einen Justizskandal voraussagt.

 

 

Bei Prozesseröffnung war bereits klar, dass der angesetzte halbe Verhandlungstag nicht ausreichen würde, da die Staatsanwaltschaft die Bewohner eines ganzen Dorfes zwecks Wahrheitsfindung aufgeboten hatte. Zudem sind der Polizeipräsident, ein Schützenverein, die Katholische Kirche und die Freiwillige Feuerwehr als Nebenkläger zugelassen. Der Mammutprozess begann nach Verlesung der Anklageschrift sogleich mit einem Knaller, denn die Geschwister gaben die zur Last gelegten Straftaten freimütig zu.

„Ja, wir sind im Sinne der Anklage schuldig“, erklärte die Tochter der Geschädigten. „Wir haben unsere Eltern über Jahre schwer misshandelt, indem wir ihnen Haschisch verabreicht haben. Wir empfinden keine Reue und fordern die Höchststrafe für uns! Machen Sie kurzen Prozess!“

 

Doch statt dem Wunsch der Angeklagten nachzukommen, wollte der Richter die Einlassung nicht auf sich beruhen lassen und die Strafsache bis ins letzte Detail ausbreiten. Schließlich sei es für die Strafzumessung unerlässlich, zu ergründen, aus welchen Motiven die Kinder handelten. Zunächst trat der Neunzehnjährige in den Zeugenstand.

 

„Ich hasse unsere Erzeuger“, diktierte der Junge ins Protokoll. „Die beiden sind schlechte Menschen! Gucken Sie sich die nur an! Aus den Hackfressen spricht pure Boshaftigkeit, Niedertracht und Dummheit. Für meine Schwester und mich war es die Hölle, mit diesen Dumpfbacken unter einem Dach zu leben. Unser Vater ist Polizist und dementsprechend rechthaberisch, cholerisch und grobschlächtig. Und das ist noch milde ausgedrückt. Verstehen Sie: Der Typ ist eine üble Schlägertype, ein Sadist, der Freude daran hat, anderen Menschen weh zu tun. Statt eines Kusses hat mir der Alte jeden Morgen eine Maulschelle mit auf den Schulweg gegeben. Das war, wie er sagte, der Vorschuss auf das, was mir abends blühte. Regelmäßig musste ich mit zum Baumarkt – zum „Rohrstock ausprobieren“. Was ich an physischer Gewalt ertragen musste, bekam meine Schwester psychisch von unserer Mutter ab: Stubenarrest, Lese- und Lernverbot, Liebesentzug. Doch das Schlimmste war, unter solchen Barbaren groß werden zu müssen. Von morgens bis tief in die Nacht Gekreische, Gezänk und Gewaltexzesse – und immer waren harte Drogen im Spiel, also Alkohol und Tabletten.“

 

Unter Tränen erzählte der Angeklagte, wie der Vater ihn gezwungen hatte, dem Pfarrer als Messdiener zur Hand zu gehen, sowie dem örtlichen Schützenverein und Polizeisportclub beizutreten. „Verstehen Sie, ich habe meine Kindheit unter Perversen, Rassisten, Nazis und Soziopathen verbracht. Tagein, tagaus immer dieselben Hetztiraden gegen die bösen Gutmenschen, gegen die Grünen, die LINKEN, gegen Schwule und Ausländer, gegen Langhaarige, gegen die Lügenpresse, die GEZ – und gegen Radfahrer. Die Welt sei verjudet, setzte meine Mutter stets noch eins drauf, während der Alte im Keller auf Zielscheiben mit dem Konterfei des jeweils aktuellen Lieblingsfeindes ballerte.“

 

Am Heiligen Abend 2011 entschlossen sich die Geschwister, dem Familienterror ein jähes Ende zu bereiten. Zunächst formte sich der Gedanke, die Eltern mit den eigenen Schusswaffen zu richten. „Ich hatte den ‚Bärentöter’ des Alten bereits durchgeladen“, schilderte der Angeklagte die beabsichtigte Verzweiflungstat. „Doch dann kam uns die Idee, die Ärsche ganz unauffällig peu-à-peu zu vergiften. Geeignet dafür erschien uns Haschgift, das ja bekanntlich schon in geringer Dosis zum Tod führen soll. Besorgt haben wir uns das Zeug auf der Lehrertoilette unserer Schule. Das größere Problem aber war die Verabreichung des Giftes. Im Internet sind wir dann das Buch „Backen mit Hanf“ von Kathrin Gebhardt gestoßen – und ab da war es ein Kinderspiel, die Alten gezielt mit allerlei Leckerlis zu vergiften.“

 

Auf Nachfrage des Staatsanwaltes, wie man so naiv sein kann, zu glauben, Haschisch sei ein tödliches Gift, führte der Angeklagte aus. „Ja, wir haben uns auch gewundert, dass das Haschgift eine ganz andere Wirkung erzielte. Plötzlich wurden die Alten zunehmend umgänglicher, anstatt zu krepieren oder wenigstens auf Heroin umzusteigen. Das erste Mal in meinem Leben habe ich unseren Vater sogar lächeln sehen. Auch unsere Mutter veränderte sich zusehends zum Guten. Wie von selbst stellte sich ein friedliches und harmonisches Familienleben ein. Manchmal kam es mir so vor, als würde ich so etwas wie Elternliebe empfinden. Die Alten vollzogen eine komplette Kehrtwende, was uns schon fast peinlich war. Der Höhepunkt aber war, als der Suffkopp von einem Tag auf den anderen Abstinenzler wurde. Ersatzweise begann der Honk Bücher mit Buchstaben zu lesen und kommunistische Reden zu schwingen. Schade, dass das nun vorbei ist, nachdem unsere Giftmischerei aufgeflogen ist.“

 

Die mitangeklagte Schwester ergänzte, dass die letzten drei Jahre mit den Eltern die schönsten ihres Lebens waren. „Einmal hatten wir die tägliche Dosis vergessen, und sofort sind die Alten wieder ins gewohnte Verhaltensmuster zurückgefallen. Später haben wir speziell an Wochenenden das Haschisch auch schon mal mit Opium gestreckt, um allen Eventualitäten vorzubeugen.“

 

Ein ganz anderes Bild von sich zeichneten die Geschädigten. „Ich und meine Frau sind keine bösen, sondern anständige Menschen. Und das Feierabendbierchen wird ja wohl noch erlaubt sein, ohne gleich der Trunksucht bezichtigt zu werden. Alles Lüge das, was die Bastarde über uns verbreiten! Wir haben die Gören stets zu ihrem Wohle erzogen. Und ja – natürlich haben wir auch gezüchtigt, aber das unter strikter Beachtung der Würde des Kindes. Eine gut gemeinte Ohrfeige in Ehren zur rechten Zeit hat noch niemandem geschadet. So hat es der Vater mit mir gehalten, und so mache ich es mit meinen Kindern. Dass die Brut missraten ist, daran sind nur die linksgrünen Gutmenschen schuld. Fragen Sie die Zeugen, die werden das bestätigen.“

 

„Ja, es war schrecklich“, bestätigte ein Polizeikollege die Aussage. „Der Horst war nicht mehr er selbst – privat wie dienstlich. Ich weiß noch, wie sich plötzlich sein Wesen änderte. Auf einmal wurde er zum Kameradenschwein, der alle Nase lang Dienstaufsichtbeschwerde einreichte, wenn wir im Einsatz über die Stränge schlugen oder ein Arrestant versehentlich in der Zelle verstarb. Noch heute habe ich ein Strafverfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge anhängig, nur weil der Horst im Haschrausch die Falschaussage tätigte, ich hätte einen flüchtigen Grasdealer nicht aus Notwehr, sondern vorsätzlich in den Rücken geschossen.“

 

„Die Wesensveränderung kann ich nur bestätigen“, stimmte der Präsident des Schützen- und Sparvereins in den Chor der Zeugen ein. „Unser Hotte stand komplett neben sich und war eine echte Gefahr für den Frieden der Gemeinde. Ich weiß noch, als er aus heiterem Himmel den Antrag stellte, nur noch mit Platzpatronen zu schießen und die Vereinskasse in die Ost-Ukraine zu spenden. Stellen Sie das mal vor! Wie krank muss eine Seele sein, derartig Abartiges vorzuschlagen?“

 

„In den letzten drei Jahren hat das halbe Dorf den Lappen verloren“, schilderte der ehemalige Fahrlehrer des Dorfes den Amoklauf des haschischberauschten Polizisten. „Beim letzten Osterfeuer hat der Horst selbst den Helfern der Freiwilligen Feuerwehr eine Trunkenheitsfahrt angehängt. Alles hat der Horst zur Anzeige gebracht. Selbst unserem Pastor hat er die Sitte auf den Hals gehetzt. Und nun fragen Sie nicht, was Hottes Frau alles angestellt hat.“

 

„Unsere Renate war außer Rand und Band“, gab die Vorsitzende der Katholischen Landfrauen zu Protokoll. „Als wir besorgten Mütter gegen das geplante Asylantenheim Sturm liefen und einen Pegida-Ableger gründeten, hat die Renate einfach zwei Negerfamilien im Keller des Gemeindehauses Kirchenasyl gegeben – aus Protest und gegen den Willen unseres Pfarrers. Unglaublich, nicht wahr! Und nicht nur das! Einmal habe ich sie dabei erwischt, wie sie den Mädchen in der Bibelstunde aus „Fifty Shades of Grey“ vorgelesen hat. Jahrelang habe ich streng darauf geachtet, dass meine fünf Töchter nicht an sich herumspielen… und dann das!“

 

„Ich weiß, die Renate konnte nichts dafür“, versuchte die Nachbarsfrau zu erklären. „Aber meine Ehe hat sie zerstört. Und ich bin nicht die Einzige, deren Mann sie zum Ehebruch verführt hat. Und das alles nur wegen dieses verfluchten Haschs, das die Menschen verrückt werden und gegen Gottes Gebote verstoßen lässt.“

 

Der letzte Zeuge der Anklage und frisch gewählte AfD-Ortsvorsteher verlangte gar die sofortige Abschiebung des Geschwisterpaares in ein Land, das derartige Untaten noch alttestamentarisch sühnt: „Hotte und Renate haben solche Missgeburten nicht verdient. Früher hätte man mit so was kurzen Prozess gemacht.“

 

Nach zwanzig Verhandlungstagen wird nun mit Spannung die Aussage des unabhängigen Sachverständigen Dr. Rainer Thomasius erwartet, der extra aus Hamburg eingeflogen werden soll, um sein ferndiagnostisches Gutachten über die Folgeschäden der dreijährigen Haschischvergiftung der Geschädigten vorzutragen. Da die Pflichtverteidigung gänzlich auf Entlastungszeugen verzichtet, gehen die Prozessbeobachter davon aus, dass der letzte Zeuge das Zünglein an der Waage sein wird – und die wird sich wohl zu Ungunsten des Geschwisterpaares neigen. Bleibt nur die Frage, wie hoch das Strafmaß und die Schadenersatzansprüche der Nebenkläger ausfallen werden. Doch vielleicht kommt alles auch ganz anders: Die Elternschänder entziehen sich durch Flucht der Bestrafung und stellen in Colorado einen Asylantrag. Das Hanf Journal bleibt in jedem Fall dran.

 

 

12 Antworten auf „Wenn Kinder ihre Eltern quälen

  1. hardtoneselector

    @Lars Rogg: kuckst Du das tag „Satire“, hätte man auch in den Medien irgendwie mitbekommen,… 😉
    Aber wunderbare Geschichte! 🙂

  2. Lars Rogg

    Alles klar 🙂 hab nicht richtig hin gesehen (zu früh am Morgen). Danke für die Richtigstellung…Wäre auch sehr Mittelalterlich gewesen.

  3. Sternsch I. Gard

    X) X) X) X) X) X) X) X) X) X)
    Sehr sehr witzig. Wobei die Kommentare ja fast noch lustiger sind als das Geschriebene selbst! 😉 X)

  4. René

    „Diese Woche wurden Argumente für eine Legalisierung von Haschischkonsum wieder mal dutzendweise unter die Leute gebracht. Insbesondere Piraten und Grüne taten sich dabei hervor. Wobei deren Argumente von unterschiedlichster Qualität waren. Bei so manchem Pro-Legalisierungs-Argument begannen die Gesundheitspolitiker anderer Fraktionen ernsthaft zu rätseln, wie um alles in der Welt die Kollegen bloß auf solch abseitige Ideen kämen. Eine denkbare Lösung dieses Rätsels bot SPD-Gesundheitspolitiker Roland Adelmann. Im Ausschuss dachte er laut darüber nach, ob so mancher Legalisierungs-Sympathisant womöglich selbst ein bisschen zu stark am Joint gezogen habe. Wörtlich fragte er, ob der eine oder andere Cannabisfreund im Parlament „nicht vielleicht schon durch den Genuss irgendwelcher Drogen medizinische Aussetzer im kognitiven Bereich“ habe. Interessante These. Immerhin ist Herr Adelmann zugleich Kinder- und Jugendarzt. Als solcher kennt er die Symptome drogenbedingter Umnebelung. Und er weiß, wovon er redet, wenn er vor ruinösen Konsequenzen auch weicher Drogen warnt.“

    http://www.welt.de/print/wams/nrw/article138419883/Wer-hat-da-am-Joint-gezogen.html

  5. Madman

    Ich werd nichmehr,
    besonders der Part mit meinen geschworen Erzfeind Dr. Rainer Thomasius.
    Der Typ versaut mir durch seine bloße Anwesenheit das Interesse an einer Anhörung.
    Kompliment an den Verfasser !

  6. (^_~)

    Mittelalterlich?
    Pegida & AfD ist Realität. Nazipack findeste in jedem Dorf und in jeder Wohnsiedlung.

    @ Baba Sadhu (^.^)

  7. Olle

    @Rene`
    Dein Link verrät dich als „Welt am Sonntag“- leser, das ist ungefähr das selbe wie die BILD Zeitung, beides aus dem Lügenverlag von Axel Springer (möge er bis ans Ende aller Zeiten in der Hölle braten). Ich geh mal davon aus daß das nicht als seriöse Quelle zu nehmen, sondern wohl auch als ein schlechter verfrühter Aprilscherz des von mir genannten Lügenverlages aufzufassen ist!

  8. René

    Hey Olle, danke für deinen Hinweis, aber mir ist sehr wohl bewusst welche Blätter dem Springer-Regime angehören. 🙂 Aber natürlich kannst du nicht meine Gedanken lesen, welche Intention ich beim Zitieren des Artikels hatte.
    Es geht mir hier vielmehr um den spürbaren, verlängerten Arm der Bundesregierung in Form eines sich selbst als unabhängig deklarierten Mediums, das die Bevölkerung beeinflussen soll. Passend zu Ghandis Phase 3:
    „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du“.
    Kohl und Schröder: „Wir regieren die Republik mit Fernsehen und BILD Zeitung.“

    Alles Gute-für uns!

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