Mittwoch, 29. Oktober 2014

Feuer auf Marlene Mortler

Beitrag von Hans Cousto

 

Marlene Mortlers Vogel-Strauß-Politik

 

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Foto: freeimages / adamci

 

Vogel-Strauß-Politik (den Kopf in den Sand stecken) ist gemäß Wikipedia eine Redewendung und bedeutet so viel wie: Eine drohende Gefahr nicht sehen wollen, die Augen vor unangenehmen Realitäten verschließen oder bestimmte Tatsachen einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen oder eine bevorstehende körperliche oder geistige unangenehme Arbeit nicht sehen wollen, also glatt zu ignorieren.

 

Derzeit bewegen diverse Themen im drogenpolitischen Diskurs die Öffentlichkeit. Hier ist insbesondere die Versorgung von Patienten mit Cannabis zu nennen. Das Verwaltungsgericht in Köln hat die Klage mehrerer Patienten gegen das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gut geheißen und den Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke in drei Fällen für legitim und rechtens erklärt. Das BfArM ist in der Folge in Revision gegangen, so dass Patienten weiterhin nicht ihre benötigte Medizin erhalten können. Daraufhin sind mehrere Patienten in den Hungerstreik getreten.

 

Die Drogenbeauftragte, die zuständig ist für den Verkehr mit Betäubungsmitteln ist, hat sich weder in einer Pressemitteilung noch in einem Interview (gemäß öffentlich zugänglicher Medien) zu diesem Thema differenziert geäußert. Lediglich in einem Interview mit der Frankenschau, das anlässlich des Prozesses rund um den Eigenanbau von medizinischem Cannabis geführt wurde, äußerte sich die Bundesdrogenbeauftragte zur Frage der Verwendung von Cannabis als Medizin. Ihre Aussage war etwas nebulös, aber dennoch sehr interessant. Wörtlich sagte sie: „Ich meine, und das ist jetzt meine persönliche Meinung, dass wir im Bereich Cannabis als Medizin durchaus tiefer nachdenken müssen, um noch mehr Menschen auch die Chance zu geben das Ganze quasi via Krankenschein beziehungsweise via Antrag zu genehmigen.“ Zu der eigentlichen Frage, die dem Gerichtsprozess zu Grunde lag, nämlich wie Patienten sich ihre Medizin bezahlen sollen, wenn weder Kassenübernahme noch Eigenanbau ermöglicht werden, äußerte sich Frau Mortler leider nicht. Offenbar scheint sich die Drogenbeauftragte Marlene Mortler nicht besonders stark für das Wohl dieser Patienten zu interessieren.

 

Ein anderes Thema, dass die Öffentlichkeit bewegt, ist die Resolution deutscher Strafrechtsprofessorinnen und –Professoren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, in welcher die Notwendigkeit der Überprüfung der Wirksamkeit des Betäubungsmittelgesetzes gefordert wird. Die Mehrheit der Parlamentarier weigerte sich, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, obwohl Fachleute aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen eine solche Überprüfung für dringend notwendig halten. Eine Stellungnahme der Drogenbeauftragten zu diesem Thema sucht man vergeblich. Offenbar scheint der Drogenbeauftragten Marlene Mortler dieses Thema zu heikel zu sein.

 

Ein weiteres Thema, dass die Öffentlichkeit bewegt, ist die Re-Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken in den US-Bundesstaaten Colorado und Washington sowie in Uruguay. Weltweit berichten die Medien über die positiven Auswirkungen dieser Maßnahmen, doch von der Drogenbeauftragten liest und hört man keinen Kommentar hierzu. Offenbar will die Drogenbeauftragte Marlene Mortler nicht wahrhaben, dass die Einschätzung der Gefahren für Konsumenten von psychotrop wirkenden Cannabisprodukten, die über Jahre hinweg von der Bundesregierung postuliert wurden, nicht der Realität entspricht.

 

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass bei der Eingabe des Suchbegriffes „Marlene Mortler“ bei der Suchmaschine Google der Link zur Website der Drogenbeauftragten erst an zehnter Stelle aufgelistet ist (abgefragt am 16.09.2014, 11:50 Uhr). An erster Stelle erscheint ihre persönliche Website, gefolgt vom Wikipedia-Eintrag zu ihrer Person und an dritter Stelle folgt ein Link zu „top agrar online“, eine Website mit Fachinformationen für Landwirte. Ja, Marlene Mortler ist Landwirtin und sie befasst sich  nach wie vor häufig mit Fragen die Landwirtschaft betreffend. Der Job als Drogenbeauftragte ist für sie eher eine Teilzeitstelle respektive ein Halbtagsjob. Ob sie deshalb auch nur ein halbes Gehalt für den Job als Drogenbeauftragte erhält, ist öffentlich bis dato nicht bekannt.

 

Schaut man sich die Nachrichtenseiten von Google (Google News) mit dem Suchbegriff „Marlene Mortler“ an, dann kann man feststellen, dass sich die Drogenbeauftragte am häufigsten (abgesehen von landwirtschaftlichen Themen) zu E-Zigaretten und Crystal (Methamphetamin) äußert. Dann folgen die Themen Glücksspiel, Alkohol, Internet und Smartphone. Zu den Eingangs aufgeführten Themen Cannabis als Medizin und die Revision des BfArM, die Resolution deutscher Strafrechtsprofessorinnen und –Professoren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und die Re-Legalisierung von Cannabis als Genussmittel in US-Bundesstaaten und in Uruguay erzielt man bei Google News keine Treffer (abgefragt am 16.09.2014, 12:30 Uhr).

 

Es ist offensichtlich, dass die Drogenbeauftragte Marlene Mortler diese Themen scheut wie der Teufel das Weihwasser. Sie blendet sie einfach aus, tut so, als gäbe es sie nicht, oder, wie man volkstümlich sagt, sie steckt den Kopf in den Sand respektive betreibt eine Vogel-Strauß-Politik.

 

7 Antworten auf „Feuer auf Marlene Mortler

  1. Carstón

    Frau Mortler ist eine reine Sprechpuppe, eine Chraktermaske die ihren Kopf in die Kamera hält und die Meinung der Bundesregierung vom Blatt abliest. Ich habe sie zweimal live erlebt, beim Deutschen Suchtkongress Anfang Oktober und bei der DHS Tagung zwei Wochen später: Jedesmal las sie zur Eröffnung Grußworte vom Blatt ab, inhaltlich fast identisch, mit lauter hohlen Phrasen. Die Frau hat weder Kompetenz, noch kann sie irgendetwas entscheiden oder anregen – das wird von ihr auch nicht erwartet! Sie ist einfach nur das aktuelle Gesicht und die Stimme zum Thema Drogen in Deutschland. Die Inhalte kommen von der Regierung.

    Lasst alle Hoffnung fahren…

  2. X-Kiffer

    Vogel-Strauß-Politik
    Dazu fällt mir folgendes ein:
    Wer den Kopf in den Sand steckt wird früher oder später in den Arsch getreten.

  3. Haile Selassie

    Sorry bin normal kein „Grammar-Nazi“ aber hier steht 2x „Ein weiteres Thema, dass die Öffentlichkeit bewegt“ Das müsste heißen: „…, das die Öffentlichkeit bewegt“ (Relativpronomen) 🙂

  4. Pzychadelic

    Wenn die alte sich nicht mit den wichtigen Dingen des btmg befassen will, dann soll sie den Posten räumen für jemand der das ganze auch ernst nimmt! !!
    Was nützt eine Drogen beauftragte wenn sie das ganze nur als nebenjob sieht ???
    Dann soll die alte F**** weiter Kühe melken gehen…
    Un fucking fassbar. ..

  5. Caspar

    Frau Mortler ist eben eines der kleineren Lichter im politischen Tagesgeschehen. Sie könnte nichts ausrichten, selbst wenn sie es wollte. Hermann Gröhe ist Bundesgesundheitsminister (Wahlkreis Neuss), damit Mortlers Dienstherr und der eigentliche Entscheider. Ich fasse seine Position mal knapp zusammen: zahlreiche wissenschaftliche Studien, schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen, 200.000 junge Menschen bereits stark abhängig, weiterhin gegen die Legalisierung[…] Den ungefilterten Genuss findet ihr auf abgeordnetenwatch.

  6. Justice

    „Mit wem würden Sie gern bei einer Maß Bier zusammensitzen?

    Mit meinem Mann und mit unserem ehemaligen Nürnberger Regionalbischof Dr. Röhlin. Er ist immer gut drauf und bei ihm kann und darf man auch mal lachen wenn er predigt. “

    Quelle; http://www.marlenemortler.de/vorlieben

  7. Frank von GROW-BONN

    die Drogenbeauftragten, besonders die der CSU, haben sich noch nie mit Ruhm bekleckert. Der damalige CSU-Drogenbeauftragter Eduard Lintner, antwortete damals auf die Frage, was den ein „Turkey“ bedeute. Die Antwort war: Eine gefährliche Haschischsorte aus der Türkei! Prost Mahlzeit 😉

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