Dienstag, 4. März 2014

Eine Frau zum Verlieben

Autor: Sadhu van Hemp 

Sadhu-Mortler

16 lange Jahre musste sich Schland mit grünen, roten und gelben Spaßbremsen herumplagen, die das Amt des „Drogenbeauftragten“ dazu missbrauchten, dem Gesundheitsfaschismus Vorschub zu leisten. Damit ist jetzt Schluss, denn fortan darf die „Christlich-Soziale Union in Bayern e.V.“ den Germanen predigen, was man unter Rauschkultur versteht. Die neue Drogenbeauftragte Marlene Mortler ist dafür die richtige Frau. Das sagt Sadhu van Hemp über jenes Mädchen, das ihm einst in einer lauen Sommernacht an der Pegnitz das Herz brach.

Hochverehrte Marlene Mortler,

verzeihen Sie vielmals meine Impertinenz, so unvermittelt und ganz öffentlich ein persönliches Wort an Sie zu richten. Aber unsere gemeinsame Vergangenheit ist so lebendig wie nie, nachdem Sie auf den aussichtslosen Posten der Drogenbeauftragten abgeschoben wurden und somit abermals und völlig unverhofft mit meiner Person konfrontiert werden. Diese Schmach haben Sie wirklich nicht verdient, allerliebste Marlene! (Sie erlauben doch, dass ich Sie beim Vornamen anspreche?)

Als ich las, dass nicht Sie, sondern der Komplettversager Hans-Peter Friedrich ins Landwirtschaftsministerium einzieht, war das wie ein Stich ins Herz. All die Jahre war ich in Gedanken bei Ihnen – in der Hoffnung, Sie würden als letzte anständige CSU-Politikerin das bayerische Amigosystem überleben und wie Gabriele Pauli eine ganz Große werden. Wohlwollend verfolgte ich Ihren beruflichen und politischen Werdegang – und wie das auf dem Land nun mal so ist, fand sich auch immer ein Dorffunker, der mir die neuesten Neuigkeiten aus Ihrem Privatleben fernmündlich nach Berlin kabelte.

Oh ja, ich war Ihnen näher, als Sie es je zu glauben gewagt hätten. Aber keine Bange, liebste Freundin, ich bin kein Gustl Mollath, der sich vor Liebeskummer zerfrisst und wegen paranoider Wahnvorstellungen kurz vor der Einweisung in die Psychiatrie steht.

Nein, ich bin nur der Junge von damals, der von seinen Eltern in den Sommerferien nach Franken verschleppt wurde, wo der Rest der aus Ostpreußen vertriebenen Nazi-Mischpoke im Exil hockte – misstrauisch beäugt von den fränkischen Ureinwohnern, die sich schon damals vor Überfremdung fürchteten. Für die Dorfkinder waren meine alljährlichen Gastspiele in der Provinz hingegen das Highlight schlechthin, denn eine Berliner Rotzgöre ist nun mal für jeden Streich zu haben, und kein Ferientag verging, an dem nicht der Bauer mit der Forke hinter mir her war. Und doch, es gab auch friedliche Stunden, wenn wir mit Oma und Opa im Wald Blaubeeren und Pilze sammelten, im Weiher badeten und zarte Bande mit den Dorfschönheiten knüpften.

Damals waren wir noch unschuldige Kinder, die sich ohne Ressentiments begegneten – halt kleine Menschen, die offen für alles und neugierig auf den Kitzel des Lebens sind. Und ja, ich gebe es zu, ich war’s, der 1971 in Lauf an der Pegnitz dabei erwischt wurde, wie er auf dem Marktplatz zwei Mädels Haschisch in die Nase spritzte. War eine schlimme Sache das, und meine Verwandten tragen mir diese Schandtat bis heute nach. Aber ich kann Sie beruhigen, liebste Marlene, ich glaube mich zu entsinnen, dass Sie es nicht waren, die mich verpetzt hat. Nein, Sie haben mir anders das Herz gebrochen: Sie haben mich schlichtweg übersehen oder ignoriert oder beides. Die Trumpfkarte des Hippies aus Berlin stach bei Ihnen nicht, zudem war ich einen Tick zu jung, zu zart, zu andersartig für Sie. Wir waren damals nicht für einander bestimmt. Und das ist auch gut so, trotz allen Wehmuts über die verpasste Chance einer Sommerliebschaft im Reich der Franken.

Heute, ein paar Jahrzehnte später, führt uns das Schicksal erneut zusammen, und alles deutet darauf hin, dass wir Königskinder abermals nicht zusammenfinden werden. Zu groß ist die Kluft, die uns trennt. Auch wenn Sie nunmehr in einem schicken Büro in der Friedrichstraße residieren und so greifbar nah wie einst sind, das Leben hat uns auf entgegengesetzten Wegen alt werden lassen. Ich tauge nach wie vor nicht für die Freiwillige Feuerwehr und den Schützenverein. Da, wo Sie sich wohl fühlen, leide ich unter Platzangst. Wie bei Ihnen hat sich die kulturelle Prägung zum Altersstarrsinn ausgewachsen, und ich sehe mich schon im Mai beim Global Marijuana March, wenn sich der Kiffer-Mob vor dem Gesundheitsministerium versammelt und Ihren Kopf fordert.

Glauben Sie mir, liebe Marlene, das Herz wird’s mir zerreißen, wenn Schmerzpatienten, denen Ihr Ministerium die Selbstversorgung mit Cannabisblüten untersagt, vor Ihnen, der Frau, die ich einst liebte, ausspucken werden. Schon jetzt leide ich wie ein Hund, denn Sie sind für Millionen Hanfliebhaber, Cannabispatienten plus Angehörige und Sympathisanten die fleischgewordene Ausgeburt der Hölle. Sie sind die böse Hexe, die im Auftrag dunkler Mächte die Drecksarbeit macht und unschuldige Menschenkinder bei lebendigem Leib im Zuchthaus schmoren lässt. Der ehrenwerte Name Mortler wird nach der nicht mehr aufzuhaltenden Hanflegalisierung für alle Zeiten beschmutzt sein; Ihr Mann, Ihre Kinder und Kindeskinder werden angesichts des Elends, das Sie verursachen, schon bald voller Scham im Boden versinken und den Tag verfluchen, an dem König Horst Sie aus parteipolitischen Kalkül zum Drogen-Kapo beförderte. Wünschen wir uns nicht, dass Sie eines Tages als Wachsfigur bei Madame Tussauds begafft werden – auf einem Ehrenplatz im Kellergeschoss, wo die Verbrecher der Weltgeschichte ausgestellt sind.

Hand aufs Herz, allerbeste Freundin! Der Job der Drogenbeauftragten der Bundesregierung ist sozialer Selbstmord, und Sie können nur verlieren, wenn es nicht schon geschehen ist. Die voraussichtliche Verweildauer in diesem Amt beträgt vier Jahre, sofern den Bürgern nicht vorher schon der Kragen platzt und das Merkel-Seehofer-Gabriel-Regime mit Schimpf und Schande zu Margot Honecker nach Chile gejagt wird. Doch selbst wenn Sie die Legislaturperiode überleben, Sie werden keine Zukunft haben. Vielleicht schaffen Sie es noch ein letztes Mal in den Bundestag, aber das war’s dann auch schon. Zuletzt werden Sie Zeugin, wie die neue Generation Politiker Ihr Lebenswerk zerstört.

Das alles muss nicht sein, liebste Marlene! Fassen Sie Mut und kündigen Sie! Ihre Familie, Ihre Freunde und Nachbarn werden es Ihnen danken, dass Sie den stolzen Franken nicht zum Synonym des Hinterwäldlers machen. Oder Sie schwingen sich – sofern Ihre Gier nach politischer Macht nicht zu bändigen ist – zur Jeanne d’Arc der Pro-Hanf-Bewegung auf und werden zur „Superfrau des Dritten Jahrtausends“. Die Energie, die Intelligenz, den Durchblick dazu haben Sie, schließlich wissen wir beide, dass das, was das Bundesgesundheitsministerium in Sachen Hanf absondert, erstunken und erlogen ist. Nutzen Sie Ihre Richtlinienkompetenz als Drogenbeauftragte, und schauen Sie ihren Untertanen, Beratern und Zuträgern auf die Finger! Lassen Sie nicht zu, dass Bürgeranfragen mit den immer gleichen Satzbausteinen beantwortet werden! Schluss mit den Floskeln zur Aufrechterhaltung der Hanflüge! Zeigen Sie Gesicht, und zwar das einer starken Frau, die sich nicht beugen und missbrauchen lässt! Lassen Sie sich nicht zum Werkzeug jener Trickser und Täuscher machen, die ihr eigenes Glück auf dem Unglück anderer gründen! Zahlen Sie Seehofer & Co die Demütigung und den Verrat heim! Sollen diese bornierten Heuchler an Ihrem Hochmut ersticken, indem ausgerechnet die brave Marlene den Pfad der Untugend verlässt und sich dem öffnet, was dem innersten Zug ihres Charakters entspricht – und das ist Unbestechlichkeit und Nächstenliebe.

Seien Sie endlich Sie selbst, verehrte Marlene! Die Zeit des Katzbuckelns ist vorbei. Der Wendepunkt ist erreicht, denn fortan liegt es in Ihrem Ermessen, dem Gebot der Klugheit zu folgen und das Ende des Irrsinns rund ums Hanfverbot einzufordern. Lassen Sie es brennen, das Feuer, das nach guten Taten dürstet! Reichen Sie den Hanffreunden die Hand, befreien Sie die armen Seelen vom Stigma des drogensüchtigen Kriminellen und Kinderverführers! Sie werden sehen, verehrteste Marlene: Mit wachsendem Eifer werden ungeahnte Leidenschaften Platz greifen, und eine Welle der Sympathie wird Sie – die große Reformerin der deutschen Rauschkultur – ganz nach oben tragen auf der Hitliste der bedeutendsten deutschen Politikerinnen, gleich hinter Clara Zetkin und Rosa Luxemburg.

In diesem Sinne lassen Sie mich mit dem Wunsch schließen, all das aus unseren Herzen zu verbannen, was uns seit über vier Jahrzehnten so bitterlich trennt. Geben Sie unserer verbotenen Liebe eine Chance, und denken Sie stets an mich, wenn im Ministerium von Hanf die Rede ist.

Ihr treuer Freund und größter Verehrer

Sadhu van Hemp

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