Samstag, 7. September 2013

Egaming September

The Wonderful 101

Asynchron Synchronicity Foto: Nintendo

Platinum Games, das zu großen Teilen aus ehemaligen Capcom Kreativen besteht, hat nicht ohne Grund einen hervorragenden Ruf. Die japanische Softwarefirma reizt Hardware wie Spieler mit ausgeklügelten Spielsystemen und ideenreich umgesetzten Projekten bis ans Limit. Da die Spiele dazu superb ausschauen und charmant gemacht sind, freute man sich bisher über jede Veröffentlichung von Platinum Games und ihrem Schirmherren Hideki Kamiya.
Nintendo, die sich gerne Arbeiten fähiger Teams rechtlich exklusiv für ihre Systeme sichern, haben, neben dem hoffentlich schnell erscheinenden Bayonetta 2, auch die Entwicklung von Platinum Games The Wonderful 101 begleitet, das daher nun exklusiv für WiiU erschienen ist.
Der Name des Games verrät schon im Ansatz den Inhalt der Disc -“100 wunderbare“ Charaktere bilden mit dem Spieler ein Team, dessen Anführer auf den Namen Wonder Red hört und der natürlich, wie der Rest der Bande, einen Superheld in entsprechendem Kostüm darstellt.

Dank der Invasion eines galaktischen Imperators muss Red alle Bürger mit Geheimidentitäten aus 100 Städten rekrutieren und mit der Hundertschaft bunter Freaks eine ordentliche Gegenwehr produzieren. Die kleinen Menschlein sind aber aufgrund ihrer Größe den riesigen Robotern und mechanischen Ausgeburten des Alls nie in einem Einzelkampf gewachsen, weshalb das Team immer organisiert gehört und Spezialattacken mit möglichst vielen Teilnehmern ausgeführt werden sollten. Der Spieler bedient sich dafür geometrischer Muster, die auf dem Touchscreen gezeichnet werden und die Superhelden zu einer der gezeichneten Gestalt ähnelnden Riesenwaffen formieren. Alternativ kann auch der rechte Analogstick für diese Manöver genutzt werden. Erst nach der Ausführung wird ein sinnvoller Angriff gegen die Giganten möglich, wenn gezielte Attacken durch ausgewählte Hilfsmittel per Buttonbefehl, trotz actionlastiger Widersetzung beständig auf den Gegner prasseln. Schlägt mal ein Paradeschritt fehl und die Horde wird von einer Eisenkelle erwischt, müssen die einzelnen Figuren, die teils schrägste Wonderskills besitzen, erst wieder eingesammelt und formiert werden, bevor man es mit vereinten Kräften erneut versuchen kann.

Das eigentliche Gameplay erinnert dabei an bekannte Werke der Künstler, die schon die Devil May Cry Serie mit entworfen haben. Recht hektische, aber nie unfaire Kämpfe, die mit der richtigen Taktik und dem passenden Geschick gewonnen werden wollen, bilden die Grundsubstanz. Das Nutzen von Items, Freischalten von Fähigkeiten, Erkunden der hübschen Spielzeugwelt und Erretten verzweifelter Bewohner bilden das Beiwerk. Kämpfe werden am laufenden Band ausgetragen und den Taten entsprechend Bewertet. Hier liegt auch der Wiederspielwert von The Wonderful 101, das vom Spieler immer geschickteres Manövrieren, den sinnvolleren Einsatz der Kräfte und ein schnelleres Lesen der Angriffstaktiken seiner Gegner verlangt. Die alberne, aber süße Geschichte, um die wundervollen Wonderfuls wird ansprechend erzählt und beweist, dass das Platium Team nicht nur Spiele für volljährige Gamer produzieren kann. Die Nutzung des Touchscreens bedarf zwar etwas Übung, da man zwecks Zeichnung eine Hand von den Buttons lösen muss, dennoch zeigt der Einsatz erneut was Designer auf WiiU anders machen können, wenn ihnen die Möglichkeiten dazu gegeben werden.

Der Mix aus Hack´n Slay, dem Sammeln verrückter Charaktere und dem schnellen Ausführen geometrischer Zeichnungen funktioniert und bietet ein abwechslungsreiches Tohuwabohu, das durch Stil und Präsentation wie seine einzigartige Spielbarkeit schlicht aus dem Rahmen fällt.
Easy to play, hard to master – sophisticated wonderful.


The Wonderful 101
Fotos: Nintendo
Circa 46€
USK 12
Nintendo WiiU – ASIN:B00DW5FQ3G

Saints Row 4 – Commander in Chief Edition
Wahnwitz hoch vier

Nachdem die Entwickler der Saints Row Reihe im dritten Teil beschlossen hatten, nicht mehr in Kinderschuhen den Fußstapfen der GTA Serie hinterher hinken zu wollen, hat sich die Richtung der Open World Serie im aktuellen vierten Teil nun vollständig der gewählten Ausrichtung ergeben. Complete Crazyness, wilder Wahnsinn und bumsfideles Badabang. Da exzessiver Drogenkonsum durch den Protagonisten möglich ist, musste die australische Version geschnitten werden und auf manch Storyverlauf im virtuellen Wunderland verzichten.
In Deutschland erscheint Saints Row 4 trotz Pleite des ehemaligen Publishers THQ dank Kochmedia und Deep Silver nun ungeschnitten. Daher machen wir von unserem Recht Gebrauch, uns alle virtuellen Substanzen, die wir während des Jobs serviert bekommen über das neue Präsidenten-Ego einzupfeifen.

Full Time President Pacman Style.

Vorher heißt es aber noch eine Atomrakete während ihres Fluges zu satteln, auszuknipsen und das Weiße Haus zu besteigen. Erst dann eröffnen sich die vollen Möglichkeiten der verrücktesten Open-World-Spielwiese seit der Erfindung des gemeinen Videospiels. Denn genau das ist Saints Row 4. Selbst der Serien-Ursprung, das Oberhaupt einer Straßengang zu sein, hat sich gehalten, was der Ausführung des hohen Staats-Amtes nicht entgegensteht. Vetternwirtschaft ist bekanntlich eine Stärke der Politik, selbst falls Aliens aus dem All angreifen.
Und genau das passiert, weshalb der US-Präsi einen Krieg auf unbekanntem Boden zu gewinnen hat.

Der unbeugsame Wille des Saints Number One, ist dem Anführer der außerirdischen Zin nämlich bekannt sowie ein Dorn im Auge, weshalb er ihn flux in eine computergenerierte Alternativwelt verbannt.
Dank bestehender Kommunikationsverbindung zu alten Angestellten ist man jedoch nicht auf sich allein gestellt, sondern erhält Hinweise und Hilfe aus der verbliebenen Realität. Auch mithilfe unglaublicher Waffen, wie der Dub-Step Gun, die Personen Tanzen lässt, riesiger Dildos zum Verdreschen von Alien Glatzen oder mit ansprechenden Bleipusten bestückt, die dann regulär eingesetzt werden, bahnt sich „Madame President“ ihren Weg zurück zur Macht.
Der Charakter wird vor Beginn der Taten schließlich eigens kreiert und lässt neben der Wahl des Geschlechtes auch viele Freiheiten im Ausschöpfen eines kreativen Katalogs von Albernheiten.

Danach vertreibt man sich die Zeit in der doppelten, virtuellen Realität mit dem Ausschalten bewachter Funkmäste, nimmt Aufträge an, fährt und tuned Flitzer und frönt hier und da dem künstlichen Konsum bewusstseinsverändernder Substanzen. Da die Grafik zwar insgesamt nicht allererste Sahne ist, aber dafür stets stabil läuft, gefällt der Aufenthalt in Saints Row 4 und lässt fehlende Detailverliebtheit in der Umgebung kaum vermissen.

Spielerisch geht das Chaos nach kurzer Eingewöhnung gut von der Hand, auch wenn einem mal eine Armada künstlicher Intelligenzen ans Leder möchte. Falls nicht, ruft man die ausbaubare Gang per Smartphone und hat ein paar Sorgen weniger. Das Beste am Umstieg in die VR-Welt im Spiel, sind aber bisher unerwähnte Spezialfähigkeiten, die sich nach und nach freischalten und ausbauen lassen.

Eher aus Superhelden Games bekannt, pusht man mit den Upgrades die eigene Beweglichkeit und damit das Arsenal an Möglichkeiten sich durch die Welt zu befördern. Auch wenn Autos schick getuned und mit Nitros versehen werden können, bleiben die Bleikutschen somit später oft in der Garage stehen. Springend wie Green Hulk, schwebend wie Klempner in Waschbären-Kleidung, rennend wie Pepsi-Man, destruktiv wie David Hasselhoff -oder alles davon gleichzeitig- erreicht man die gewünschter Lokalitäten und Missionsziele in der Metropole so kinderleicht wie albern-amüsant.

Da sich der vierte Saints Row Teil zu keiner Zeit und in keinster Weise ernst nimmt; ein Haddaway von einem schwer bewegten Radiomoderator als letzter großer Gesangs-Poet verehrt wird; und man fast überall gelungen genutzte Gameplay-Verbeugungen an bereits bekannte Spielereien entdeckt, könnte Saints Row IV auch eigentlich Parodius heißen.
Echt ne geile Nummer.


Saints Row 4
Commander in Chief Edition
Fotos: Deep Silver
Circa: 54€
USK 18
PS3- ASIN: B00CJ963Z6
Xbox360 – ASIN: B00CJ96478
PC-DVD – ASIN: B00CJ9640K

The Bureau: XCOM – Declassified 
NSA Origins

XCOM, das geniale Computer-Taktikgefecht gegen Außerirdische Angreifer, das letztes Jahr erst ein gelungenes Update erfuhr, bekommt mit The Bureau: XCOM – Declassified einen intensiven Ableger der virtuellen Alien Invasion. An üblichen Third Person Shooter Erfahrungen orientiert, aber nicht auf Shootereinheitsbrei programmiert, sollen Fans der Serie und des Genres, die Schlacht um unsere Erde einmal aus einer anderen Perspektive und auch aus einem anderen zeitlichen Kontext heraus erleben. Seit 2006 weiß man von der Idee des Herstellers das typische Geschehen der Serie abzuändern, so dass fraglich war ob man sieben Jahre später dennoch ein zeitgemäßes Spiel veröffentlichen kann. Dies versucht 2K Games jetzt unter Beweis zu stellen.

Als Agent Carter erlebt man in den USA Ende der fünfziger Jahre den Ausbruch eines Krieges, den sich die Regierung so nicht hätte vorstellen können. Außerirdische greifen Uncle Sam unvorbereitet vom Himmel an und fordern massive Verluste. Dank taktischer Vorgehensweise, Waffengewalt und etwas Unterstützung von zwei Kameraden, überlebt man den Erstschlag am Boden und wird nach eloquenter Kurzeinführung ein frühes Mitglied der geheimen XCOM Sondereinheit.
Fortan gilt es in prekären Situationen verschiedener Einsatzgebiete die Führung über ein drei Mann starkes Einsatzkommando zu übernehmen und sich den technisch überlegenen Invasoren zu stellen.

Doch technischer Vorteil ist dem taktischen nicht gleichbedeutend. Mittels aufrufbarem Kreismenü befiehlt Agent Carter daher wo sich wer aus seinem Team in der Umgebung zu positionieren hat und welcher der Gegner ins Visier genommen wird. Dabei verlangsamt sich das Geschehen um ein vielfaches und lässt Zeit sich einen Überblick im Eifer des Gefechtes zu schaffen. Jeder Kumpan hat dazu Spezialfähigkeiten, die zur Nutzung aber die Hilfe ihres Vorgesetzten anfordern. Vor allem falls sie ernsthaft verletzt am Boden liegen bedarf es eines schnellen Handels des Befehlshabers. Selber ist man neben dem Wählen der Fähigkeiten und dem Heilen der Agenten auch befähigt, durch das eigene Fadenkreuz Ziele finden, oder Handgranaten an gewünschten Platz befördern und detonieren zu lassen. Auch im Sichern und Nutzen von Alientechnik liegt ein Augenmerk, um so den fremden Angreifern mit deren Waffen und neuen Eigenentwicklungen in späteren Auseinandersetzungen entgegen wirken zu können.

Sterben Team-Mitglieder während der Mission, müssen neue, unerfahrene Agenten im Hauptquartier angeworben werden, um in Zukunft nicht alleine in die Schlacht zu ziehen. In der XCOM Basis führt man dazu auch Gespräche mit Partnern und Vorgesetzten und blickt hinter die Kulissen der amerikanischen Verteidigungsstrategie.

Grafisch merkt man dem Unreal 3 Engine Titel seine zu lange Entwicklungszeit deutlich an. Auch wenn recht schicke Rauch und Lichteffekte die Umgebung zieren, ist jene Teils auf dem Niveau der vergangenen Hardware Generation. Dass dazu, wie schon in Enemy Unknown, Clippingfehler Aliens durch Deckungen wandern lassen, stört gar die taktische Finesse im eigentlich ausgetüftelten Gameplay, das einem wenige Fehler verzeiht. Da sich dennoch, planen, sichten und vorankommen lässt und die Stimmung im verrauchten XCOM Bunker wie dem alieninfizierten Kriegsgebiet Platz fürs Schwelgen in wildesten Verschwörungstheorien lässt, dürfte die taktische Shooteralternative mit ihrem U.F.O beladenen Himmelszelt trotzdem einige Liebhaber finden können.
Carter macht einen Job.


The Bureau: XCOM – Declassified
Fotos: 2K Games
Circa 54 €
USK 18
PS3- ASIN:B00CKTHWXM
Xbox360 – ASIN:B00CKTHYGW
PC-DVD-ASIN: B00CKTHRR8

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