Montag, 4. März 2013

LESER GROW

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Uns erreichen regelmäßig USB-Sticks oder CDs von Lesern, die ihr illegalisertes Hobby fotografisch dokumentiert haben. Auch diesen Monat haben wir wieder eine besonders schöne Überraschung in unserem Briefkasten gefunden, die wir den Growing-Begeisterten unter unserer Leserschaft nicht vorenthalten wollten. Doch denkt immer dran: Nur schauen, nicht nachmachen!

 

Liebes Hanfjournal-Team,

jedes Mal, wenn mein Headshop Eure aktuelle Ausgabe ausliegen hat, landet diese mit einem sicheren Handgriff in meiner Tasche und wird ab dann, bei jeder Gelegenheit, die ich in der Tram verbringe, ausgepackt. Ich weiß allerdings schon im Voraus, was das Lesen des Hanf Journals in mir auslöst. Es schwankt meistens zwischen Sehnsucht, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Neid. Spätestens wenn ich bei den Grow-Berichten angelangt bin, macht sich Sehnsucht breit, Sehnsucht nach einer legalen Aufzuchtmöglichkeit meiner eigenen Pflanzen. Vor ungefähr fünf Jahren legte ich die ersten Samen, die ich in meinem erworbenen Gut (Jaja ich weiß: kein Qualitätsmerkmal 🙂 ) gefunden hatte, liebevoll in Erde, so wie ich das mit nahezu allen Samen mache. Die Guten trieben relativ schnell und entwickelten sich an meinem Südfenster im 2. Stock, bis sie sogar von der Mutter meiner ehemaligen Mitbewohnerin, der ich auf diesem Gebiet ziemliche Ahnungslosigkeit unterstelle, von der Straße aus erkannt worden. Daraufhin wurden sie weniger sichtbar aufgestellt. Männlein und Weiblein wurden nicht getrennt und so entwickelten sich neue Samen.

Im nächsten Jahr bekamen wir per Zufall eine Lampe und einige „Mittelchen“, die für alles mögliche zuständig waren. Man könnte es vielleicht als minimalistisches Anfänger-Growpaket bezeichnen. Als Growbox diente ein Ikea-Kleiderschrank mit dem Namen „Aneboda“, was übersetzt wahrscheinlich soviel heißt wie: „Ich bin nur sehr bedingt als Growbox geeignet“. Der Schrank hat durchscheinende Türen, was vor allem in der 18-stündigen Beleuchtungsperiode sehr nervig ist. Allerdings hab sich unsere 5 Pflanzen in dem mit Alufolie ausgekleidetem Schrank sehr wohlgefühlt und es sich zusammen mit meinen Dattelpalmenzöglingen gut gehen lassen. Diesmal wurden auch die männlichen Weggefährten rechtzeitig entfernt. Leider war das Weibchen danach ganz alleine und ich habe den Wert von feminisierten Samen erkannt. Dafür beanspruchte sie bald den ganzen Kleiderschrank für sich. Anscheinend lassen sich menschliche Klischees auch auf die Pflanzenwelt übertragen. Auch wenn der Grow ziemlich chaotisch ablief und die Bude ziemlich verdächtig geduftet hat, war das Ergebnis dennoch umwerfend. Zum Einen, weil es unser eigenes Produkt war, welches von uns von Anfang bis Ende begleitet wurde, zum Anderen war es auch einfach gut und lecker. Ideal für einen wie mich, der es hasst, eine Konsumtenen-Dealer-Beziehung aufrecht zu halten, was leider für einen leidenschaftlichen Feierabendkiffer problematisch ist. Wenn ich mir vorstelle, was ich alles noch besser machen könnte, wenn ich genügend Zeit damit verbringen würde und dürfte. Wenn es nur um mich gehen würde, könnte ich darüber nachdenken erneut anzufangen und das Risiko einer staatlichen Verfolgung einzugehen. Seit ich aber meinen eigenen Samen liebevoll in Erde gelegt habe und nun mein eigenes Pflänzchen großziehe, muss ich darauf warten, bis der Staat dieses politische Tabuthema ernst nimmt, sich massenhafter, logischer Argumente nicht mehr verschließt und das Potential einer Legalisierung von Hanf nicht mehr ignoriert. Das dies noch immer weit entfernt scheint, ist frustrierend und erzeugt Ohnmacht, Hilflosigkeit und Wut über eine Bevormundung die meiner Ansicht nach völlig unangebracht ist. Selbst wenn das Thema Drogenpolitik in manchen Parteiprogrammen erwähnt ist, so scheint es, dass das Thema dennoch totgeschwiegen wird. Was kann man also tun?

Neid entsteht, wenn ich zum Beispiel über die neuesten politischen Errungenschaften unserer amerikanischen Mitkiffer lese. Diese Entwicklung gibt jedoch auch Anlass zur Hoffnung. Mit dem Wissen, dass es auf der anderen Seite der Welt vernunftbegabte Wesen gibt, die bereit sind, zuzuhören und zu verändern, kann man den Glauben bewahren, dass es mir in unbestimmter Zukunft möglich sein, wird meinem Hobby von Anfang bis Ende ungehindert nachzugehen. Bis dahin bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich an die lokalen Schwarzmarktstrukturen zu wenden und mich über die kleinen Fortschritte in der Welt zu freuen, über die das Hanf Journal berichtet. Vielen Dank zumindest dafür. Macht weiter so!“

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