In Deutschland ließ sich in den ersten zwei Jahren nach der Cannabis-Teillegalisierung kein messbarer Konsumsprung feststellen. Das ist das Ergebnis einer Auswertung von 35.957 Menschen zwischen 14 und 64 Jahren, die am 11. September 2026 im International Journal of Drug Policy veröffentlicht wurde. Die Forschenden fanden nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes weder beim Konsum innerhalb der vergangenen zwölf Monate noch beim täglichen oder fast täglichen Konsum eine statistisch signifikante Veränderung des Trends. Die befürchtete Konsumexplosion lässt sich aus diesen Daten nicht herauslesen.
Das Team um Daniel Kotz und Jakob Manthey wertete 23 Befragungswellen von Frühjahr 2022 bis Frühjahr 2026 aus – ungefähr zwei Jahre vor und zwei Jahre nach der Reform. Insgesamt gaben 2.302 Befragte an, in den vorangegangenen zwölf Monaten Cannabis konsumiert zu haben. Die Forschenden untersuchten außerdem Geschlecht und Altersgruppen sowie den häufigen Konsum unter denjenigen, die überhaupt Cannabis nutzten. Auch in diesen Analysen zeigte sich nach der Gesetzesänderung kein statistisch gesicherter Bruch im Verlauf. Die Zahl von 2.302 ist die Summe über alle Befragungswellen; sie beschreibt nicht allein das Jahr 2026.
Politisch ist der Befund erheblich. Seit dem 1. April 2024 wird immer wieder behauptet, die Lockerung der Regeln müsse zwangsläufig zu deutlich mehr Konsum führen. Die vorliegenden Befragungen stützen diese Behauptung für die ersten zwei Jahre nicht. Ebenso wenig beweisen sie, dass die Reform jeden denkbaren Einfluss auf das Konsumverhalten ausgeschlossen hat. „Nicht statistisch nachweisbar“ bedeutet nicht „für alle Zeit unmöglich“. Die Autoren empfehlen ausdrücklich, die Entwicklung länger und mit weiteren Datenquellen zu beobachten.
Interessant ist auch, wie die Forschung gewachsen ist: Eine frühere Fassung umfasste 21 Befragungswellen und 32.991 Personen. Für die nun veröffentlichte Auswertung kamen zwei weitere Wellen und knapp 3.000 Befragte hinzu. Es handelt sich um wiederholte Bevölkerungsbefragungen, nicht darum, dass dieselben Menschen vier Jahre lang individuell begleitet wurden. Die Studie misst zudem Konsumhäufigkeit – sie beantwortet damit weder die Frage nach der Herkunft des Cannabis noch die nach Qualität, Schwarzmarktanteil oder gesundheitlichen Folgen.
Für die weitere Debatte ist das ein brauchbarer Maßstab: Wer vor einem sprunghaften Anstieg durch die Teillegalisierung warnt, muss sich an den erhobenen Daten messen lassen. Und wer die Reform verteidigt, sollte ebenso genau bleiben. Der bisherige Befund lautet: In dieser großen Befragungsreihe ist zwei Jahre nach der Teillegalisierung kein Anstieg des jährlichen oder häufigen Cannabiskonsums nachweisbar. Was sich langfristig entwickelt, muss weiter untersucht werden.
Quelle: Kotz et al., International Journal of Drug Policy, veröffentlicht am 11. September 2026.
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