
Thailand zieht die Grenzen seines Cannabismarktes enger. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums hat das Kabinett am 22. September 2026 einen Entwurf für ein Cannabis-Kontrollgesetz gebilligt. Künftig soll Cannabis grundsätzlich der medizinischen Behandlung unter fachlicher Aufsicht und der Forschung dienen, nicht dem Freizeitkonsum. Das ist eine politische Weichenstellung, aber noch kein neues Gesetz: Zunächst muss die Vorlage das parlamentarische Verfahren durchlaufen. Wer heute von einer abgeschlossenen Rücknahme der Entkriminalisierung spricht, greift der Entscheidung vor. Ministeriumsmitteilung, Bangkok Post
Der Entwurf sieht Lizenzen mit einer Laufzeit von drei Jahren für Anbau, Herstellung, Ein- und Ausfuhr sowie Verkauf vor. Beim Verkauf von Wurzeln, Stängeln, Zweigen, Blättern und Samen soll diese Lizenzpflicht nicht gelten. Cannabis dürfte nicht an Menschen unter 20 Jahren sowie an Schwangere und Stillende verkauft werden; auch für bestimmte Orte wie Schulen, Tempel und Parks sind Verkaufsverbote vorgesehen. Werbung für Blüten, Harz und Konsumutensilien soll untersagt werden. Für unerlaubte Produktion oder unerlaubten Handel sind Haft- und Geldstrafen vorgesehen, für zweckwidrigen Konsum Geldstrafen. Das Gesundheitsministerium begründet die Vorlage mit Jugend- und Gesundheitsschutz und dem Wunsch, Regulierungslücken zu schließen. Ministeriumsmitteilung
Für die Läden ist vor allem die Frage entscheidend, wer künftig noch verkaufen darf. Gesundheitsminister Pattana Promphat zufolge sollen bestehende Genehmigungen bis 2028 gestaffelt auslaufen. Ein Betrieb, der danach weitermachen möchte, müsste sich nach seiner Darstellung zu einer medizinischen Einrichtung mit qualifiziertem Personal und Verschreibungspraxis entwickeln. Der Minister bezifferte die Zahl der Cannabisgeschäfte zuvor auf etwa 11.000 und schätzte, dass binnen drei Jahren nur rund 2.000 die Anforderungen an eine Klinik erfüllen könnten. Das ist eine Prognose des Ministers, keine beschlossene Schließung von 9.000 Läden. Thairath, Bangkok Post
Der Kurswechsel kommt nicht aus dem Nichts. Thailand hatte Cannabis 2022 aus der Liste der Betäubungsmittel gestrichen, ohne anschließend ein umfassendes Spezialgesetz zu verabschieden. Schon 2025 wurden die Regeln für den Verkauf von Blüten verschärft: Nach den geltenden Vorgaben benötigen Käufer eine Verschreibung und Händler eine Erlaubnis; Onlineverkauf und Werbung sind untersagt. Das geplante Gesetz würde die Beschränkungen in einem eigenen Regelwerk verankern und die Lizenzierung entlang der Lieferkette ordnen. Die Regierung präsentiert das als Gesundheitspolitik. Für Betriebe, Beschäftigte und Patienten stellt sich zugleich die praktische Frage, ob aus dem entstandenen Markt ein tragfähiges medizinisches Versorgungsnetz werden kann. Thailändische Regierungsinformation zu den geltenden Regeln, Gesetzentwurf und Anhörungsbericht der zuständigen Behörde
Für die internationale Legalisierungsdebatte ist Thailand damit ein ungewöhnlicher Fall: Nicht ein vollständig regulierter Freizeitmarkt wird einfach per Gesetz abgeschafft. Vielmehr versucht die Politik, die Folgen einer frühen Entkriminalisierung und eines schnell gewachsenen Handels nachträglich in ein medizinisches System zu überführen. Ob und in welcher Form das gelingt, hängt vom Parlament, den endgültigen Regeln und ihrer Umsetzung ab. Bis dahin gilt: Der Kabinettsentwurf zeigt die Richtung – über die Zukunft der Geschäfte entscheidet er noch nicht.
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