
In der amerikanischen Debatte über Cannabis wird Jugendschutz oft als Argument gegen legale Märkte für Erwachsene angeführt. Die jüngste nationale Schülerbefragung liefert dazu eine bemerkenswerte Gegenbeobachtung: Einer Auswertung der neu veröffentlichten Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge gaben 2025 noch 12,9 Prozent der Highschool-Schüler an, in den vorangegangenen 30 Tagen mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben. 2023 waren es nach dem CDC-Bericht 17 Prozent, 2011 noch 23,1 Prozent. Zwischen 2011 und 2025 entspricht das einem Rückgang um 10,2 Prozentpunkte oder gut 44 Prozent bezogen auf den damaligen Wert. Die CDC hat den Datensatz am 21. September 2026 veröffentlicht; ihre begleitende Pressemitteilung nennt den Cannabiswert für 2025 allerdings nicht gesondert. Die Angabe von 12,9 Prozent stammt aus einer externen Auswertung der CDC-Daten. CDC-Datensatz 2025, Auswertung der Cannabiswerte, CDC-Bericht 2023, CDC-Bericht 2011
Mit 12,9 Prozent läge der Anteil auch unter den 14,7 Prozent, die die CDC für 1991 auswies. Das wäre der niedrigste Wert seit Beginn dieser nationalen Vergleichsreihe. Die Zahlen beziehen sich ausdrücklich auf den Konsum mindestens einmal innerhalb von 30 Tagen. Sie sagen weder, wie häufig einzelne Schüler konsumierten, noch erfassen sie sämtliche Jugendlichen des Landes: Befragt werden Schüler der Klassen neun bis zwölf an öffentlichen und privaten Schulen. Für die Erhebung 2025 waren nach Prüfung 10.710 Fragebögen nutzbar. Die CDC gewichtet die Antworten, um unter anderem ausgebliebene Teilnahmen zu berücksichtigen; laut ihrem Methodenbericht beteiligten sich 108 von 230 ausgewählten Schulen. Wie bei jeder selbstberichteten Befragung bleiben Unsicherheiten bei Erinnerung und Antwortverhalten. CDC-Methodenhandbuch 2025, CDC-Bericht 2011
Politisch interessant ist der zeitliche Verlauf. Als die CDC 2011 einen Wert von 23,1 Prozent maß, hatte noch kein US-Bundesstaat einen regulierten Freizeitmarkt für Erwachsene beschlossen. Colorado und Washington taten dies 2012; weitere Staaten folgten. Der landesweite Schülerwert sank über den längeren Zeitraum. Daraus lässt sich nicht schließen, dass die Legalisierung den Rückgang verursacht hat. Die Erhebung vergleicht weder geeignete Kontrollgruppen für diese Frage noch trennt sie die Wirkung von Prävention, veränderten Jugendkulturen, Schul- und Familienbedingungen oder anderen Einflüssen. Ebenso wenig stützen die Daten die pauschale Behauptung, mehr legale Erwachsenenmärkte müssten zwangsläufig zu mehr Konsum unter Schülern führen. CDC-Zeitreihe bis 2023, National Conference of State Legislatures zur Entwicklung der Gesetze
Für Deutschland ist das weder ein Beweis für den Erfolg des eigenen Cannabisgesetzes noch eine Entwarnung beim Jugendschutz. Die rechtlichen Modelle, Schulumfelder und Konsummuster unterscheiden sich. Die US-Daten zeigen aber, wie wichtig es ist, politische Annahmen an wiederholt erhobenen Zahlen zu prüfen und zwischen einem beobachteten Trend und seiner Ursache zu unterscheiden. Gerade bei Jugendlichen bleiben Prävention, frühe Hilfe und ein genauer Blick auf häufigen oder problematischen Konsum nötig. Der Befund verdient deshalb eine sachliche Debatte: Der erfasste Cannabiskonsum amerikanischer Highschool-Schüler ist im langen Vergleich deutlich gefallen – während die Regulierung für Erwachsene ausgeweitet wurde.
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